Sonntag, 31. August 2008

Alles hat ein Ende...

... auch eine lange und ausgedehnte USA-Reise. In diesem Fall ist es meine. Die Arbeit ruft wieder, die Familie verlangt ihren Teil, das Geld ist über die Neige hinaus verbraucht worden. So habe ich mich also wie geplant am vergangenen Mittwoch von Mark zum John F. Kennedy Airport bringen lassen müssen, mich dort in mein Flugzeug gesetzt (gemeinsam mit einer überaus großen und die ganze Nacht lärmenden Schar Babies...) und bin zurück in das am Morgen des 28. August sehr graue Deutschland geflogen. Mit viel Wehmut habe ich meinen ersten Arbeitstag am Freitag geschafft und auch an der Familienfeier am Wochenende teilgenommen, die ja extra wegen mir auf den 30. 8. verschoben wurde.

Vorerst ist nur EXIT ONLY möglich...

Jetzt geht dann wieder der Alltag los mit all seinen Sorgen und Nöten, den Überraschungen und Freuden und schließlich kann ich ja auch zu Hause weiterträumen mit all dem, was ich aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten mitgebracht habe, z.B. die 3.190 Fotos, die Hefte und Broschüren aus den Nationalparks, die Tankquittungen (aua) für 5.664 Meilen (9.062km), die Hotelrechnungen, Postkarten, meine Texte hier im Blog, über die ich von vielen Leuten schöne Rückmeldungen erhalten habe und die ich, wie ich hier gerne nochmal schreibe, sehr gerne für Euch alle und für mich selbst geschrieben habe. Es hat mir große Freude gemacht, Erlebnisse und Eindrücke festzuhalten, zu recherchieren, meine Texte mit weitergehenden Informationen anzureichern und zu sehen, wie Leute darauf reagieren und selbst neugierig werden. Das Blog wird selbstverständlich im Internet bleiben und vielleicht noch den einen oder anderen Surfer anziehen. Später, wenn die ersten Alltage vorüber sind, möchte ich die Texte nochmal in eine eigene Webseite übernehmen, vielleicht hier und da noch etwas erweitern und natürlich von den mitgebrachten Bildern etwas mehr zeigen.
Auch, wenn ich momentan nichts konkretes für das nächste Jahr ins Auge fasse, Amerika wird von mir sicher nicht das letzte Mal besucht sein. Ganze Landstriche warten noch darauf, erkundet zu werden und schließlich kann man ja auch bei einem erstmaligen Besuch einer Gegend eine Menge verpassen, was dann nachzuholen ist. Für das Schlußwort im Reisereport-Blog 2008 kann es daher eigentlich nur eine Formulierung geben: Amerika, ich komme!

Dienstag, 26. August 2008

Der größte Apfel der Welt

So könnte man die Stadt mit dem Beinamen "Big Apple" bezeichnen. 8,2 Millionen Einwohner und jeden Menge Gäste, die die endlosen, fast schnurgeraden Straßen überschwemmen. Das muß man einfach mal gesehen und erlebt haben, auch wenn hierfür wieder viel viel zu wenig Zeit übrig ist. Zum Glück habe ich New York City schon 2006 und 2007 besucht und so konnte ich in diesem Jahr mit besserem (wenn auch nicht ganz gutem) Gewissen in diesen Stadt-Dschungel einfahren. Von Bridgeport (Connecticut) geht das mit der Eisenbahn direkt bis in die Grand Central Station, die für alle Bahn- und Subway-Benutzer der Dreh- und Angelpunkt in der City ist. Von hier aus gelangt man dann mehr oder weniger einfach überall sonst hin in Manhattan und den umliegenden Stadtteilen (Queens, Brookly, Bronx, Staten Island). Ein wenig verwirrend sind die unterirdischen Stationen aber schon und noch dazu herrscht dort unter der Straße im Sommer eine Temperatur weit über 30 Grad. Wenn man erstmal sein Ziel erreicht hat, kann man wunderbar die Straßenzüge erlaufen und als Flachland-Tourist wie ich die Wolkenkratzer bestaunen. Überall, besonders aber am Times Square, in der 5th Avenue, in Chinatown und Little Italy sind irrsinnig viele Menschen auf den Gesteigen unterwegs - für europäische Gewohnheiten völlig unverständlich. Als kulturinteressierter Tourist könnte man hunderte Museen und Galerien besuchen. Ich habe das nicht gemacht (zur Entschuldigung: das MoMa habe ich in Berlin gesehen...). Am ersten Tag habe ich mir den Ground Zero angeschaut, um zu sehen, was inzwischen hier passiert ist und ob von den neuen Wolkenkratzern schon etwas zu sehen ist (nicht viel). Dann ein Bummel durch Chinatown und Pizza-Essen in Little Italy. Beide Stadtteile grenzen unmittelbar aneinander und es gibt ein komisches Gefühl, wenn man von asiatisch nach südeuropäisch wechselt, indem man einfach nur die Straße überquert. Auf der einen Seite werden in unzähligen Ramschläden Chinalampen, fragwürdige Uhren und roher Fisch angeboten (riecht unangenehm), auf der anderen Seite sitzen die Leute in Straßenrestaurants auf den Gehwegen, die Wäsche hängt aussen an den Fensters und die Schilder sind in lateinischen Buchstaben bedruckt. Aber Italien ist in New York auf dem Rückzug. Die asiatischen Geschäfte und Wohnugen drängen vor und teilweise entstehen sonderbare "Mischzonen", wo alles ineinander verschmilzt: Pizzeria neben China-Wäscherei, Fischladen neben Nobelrestaurant usw. Die Zeiten, wo alles wohlgeordnet war, sind wohl vorbei. Übrigens gibt es neben den Geschäften auch noch die fliegenden Händler, die nicht nur Rolex-Uhren anbieten und jeden Passanten auch darauf ansprechen - mit lauter Stimme: Uhren, mit gedämpfter Stimme: spezielle "Dienstleistungen"...
Heute, am zweiten Tag, stand unvermeidlich McSorley's Old Ale House auf der Besuchsliste: die älteste durchgehend geführte Kneipe der Stadt und wenn man sie von innen sieht, dann glaubt man das sofort. Der Boden wird mit Sägespänen ausgestreut, die Sanitärinstallationen sind von 1912 und unzähligen Bilder, Zeitungsseiten und sonstwas an den Wänden haben den Staub der Jahrzehnte angesetzt. Über dem Bartresen hängt die Lampe mit den Hühnerknochen von 1917, die seitdem nicht mehr gereinigt wurden und eine mehrere Zentimeter dicke Staubschicht tragen. Bier wird hier im Doppel ausgeschenkt: je ein helles und ein dunkles...

McSorley's Old Ale House, 15 E 7th Street, New York City

In dieser Kneipe kann man schon so einige Zeit verbringen, denn man kommt auch relativ schnell mit den anderen Gästen ins Gespräch, mit allerlei Leuten aus der Nachbarschaft, Touristen aus dem Umland oder Übersee oder (wie im vorigen Jahr) mit den Bauarbeitern von der Wolkenkratzerbaustelle nebenan... wie gesagt: Bier gibts nur im Doppelpack. Die unzähligen Attraktionen der Stadt aufzuzählen, überlasse ich professionellen Reiseführern. Für mich bleibt nach leider nur zwei Tagen wieder einmal nur die Feststellung: diese irre Stadt ist eine Reise wert und ich war bestimmt nicht das letzte Mal hier.

PS: es ist schon spät. Ich stelle später noch ein paar Bilder ein und ergänze den Text vielleicht noch.

Samstag, 23. August 2008

Der nordamerikanischer Kontinent in aller Breite

Nun habe ich geschafft: von Küste zu Küste, vom Pazifik zum Atlantik, von Kalifornien nach Neuengland. Von den schönsten Landschaften durch die schönsten zu den schönsten... lesen kann das jeder, aber verstehen oder nachvollziehen ist etwas anderes. Das kann wohl nur jemand, der es mal gemacht hat: die Küste im Westen, die Berge, die Mitte und den Osten erreichen und dort an der Atlantikküste stehen und den Ozean sehen. Die nächste Station hinter dem Horizont ist dann erst wieder die spanische Küste; im Westen waren es die Küsten Asiens.
Der heutige Ausflug führte nach Newport, an die Atlantikküste Neuenglands. Hier habe ich nachgeholt, was ich in Monterey (Frank!) verpaßt habe: Clam Chowder, die berühmte amerikanische Fischsuppe essen. Sie wurde allerdings nicht im Brot serviert, aber sie war trotzdem absolut delikat. Newport ist eine der früheren amerikanischen Siedlungen und war einst eine bedeutende Stadt an der Ostküste, bevor sie von den Briten zerstört wurde. Heute sind aber noch viele der alten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert zu sehen und die Stadt wurde im 19. Jahrhundert "Sitz" des amerikanischen Geldadels. Etliche der gigantischen Villen, direkt an der Küste, können Touristen heute bestaunen und entlang des Cliff Walk erlaufen. Und Touristen gibt es hier überreichlich. Die ganze Stadt ist voller Autos aus allen umliegenden Staaten, gerade am Wochenende. Tausende von Leuten erkunden die Küstenregionen bei diesem herrlichen Sommerwetter und verstopfen die ganze beschauliche Stadt mit ihren SUV's und sonstigen Autos. Irgendwie gehöre ich und meine Gastgeber aus Connecticut ja auch dazu. Aber es ist einfach zu nice hier, durch die Stadt zu gehen, den Hafen zu sehen und den Cliff Walk entlangzulaufen. Die Küste ist zwar etwas steinig, aber einen kleinen Abschnitt gibt es mit Sand und man kann sich dort das Wasser um die Füße spülen lassen. Irgendwie ist es hier wärmer als am Pazifik, dafür aber mit viel Schlick und Tang. Und auf dem Atlantik fahren die Frachter in Richtung Europa. Abgesehen davon ist die Küste hier ganz anders als im Westen. Bei weitem nicht so rau und steil und nicht so neblig wie in Kalifornien und Oregon.
Zum Schreiben habe ich irgendwie jetzt weniger Zeit, weil ich hier bei Freunden bin und deswegen auch das Abendprogramm umfangreicher ist und es auch besser Essen gibt, als aus den vending machines in den Hotels. Deswegen mache ich jetzt auch erstmal Schluß, es gibt aber noch ein Bild von der Ostküste:

Freitag, 22. August 2008

Drop off und pick up

Heute habe ich am Bradley International Airport in Windsor Locks mein schönes Auto zurückgegeben. Die Mietzeit ist abgelaufen, die Strecke, die ich mir vorgenommen habe, ist zurückgelegt. Die Sehenswürdigkeiten, die ich selbst erkunden wollte, habe ich im wesentlichen beschaut. Ich war erstaunt, beeindruckt und bin nun sehr zufrieden. An der Autorückgabestation habe ich Abschied genommen von meinem Pontiac Torrent. Fast hätte ich meine Jacke und das 300mm-Objektiv im Auto liegengelassen. Abgeholt wurde ich hier von einem Freund. Nun habe ich noch ein paar Tage Neuengland vor mir. Dazu aber dann später mehr. Für heute soll es soweit reichen.

Donnerstag, 21. August 2008

Im Osten angekommen

Heute habe ich den zweiten Teil der Fahrt von Illinois Richtung Osten geschafft und bin in West Springfield, Massachusetts angekommen. Die notwendigen rund 430 Meilen, dachte ich, könnte ich in aller Ruhe hinter mich bringen. Schließlich geht es fast immer geradeaus, ohne Landstraßen usw. Doch je weiter ich nach Osten gekommen bin, je voller wurden die Straßen und mehr und mehr fahren die Leute auch europäischer. Das heißt, die Gelassenheit auf den Straßen ist im Osten der USA dahin. Das Dahingleiten, was Kalifornien und den Präriestaaten möglich ist, hier gibt es das nicht. Vielmehr zählt hier Lückenspringen von rechts nach links und hupen, wenn's mal nicht schnell genug geht. Am unheimlichsten sind aber die Trucker, die mit ihren Ungetümen ohne weiteres 80 Meilen pro Stunde fahren und ungeniert Spuren wechseln und auf allen Spuren überholen (auch wenn der linke von drei oder vier Fahrstreifen für Lkw eigentlich tabu ist.) Da muß der "Kleinwagenfahrer" schon ganz schon aufpassen, um nicht unter die Räder zu kommen, denn zur Erinnerung: hier wird sowohl links als auch rechts überholt... Und das auf zeitweise 55 Meilen pro Stunde festgelegte Tempolimit interessiert niemanden. Auf diese Weise also bin ich durch die Staaten Pennsylvania, New York und Connecticut gefahren und schließlich in meinem vorreservierten Hotel angekommen.

So sieht hier ein normaler Lkw aus. Es gibt auch welche, die noch bedrohlicher aussehen (die mit den kleinen Fenstern und gerader Schnauze von Kenworth) und welche, die knallbunt bemalt sind. Leider ist so einer hier gerade nicht vorbeigefahren. "Europäische" Trucks, also solche ohne Schnauze gibts hier überhaupt nicht.
80 mph sind für diese Maschinen kein Problem. In Deutschland wären die Fahrer wohl schon längst aus dem Verkehr genommen worden...


Die Suche nach einem Abendessen gestaltete sich dann auch noch schwierig. Ich wollte so gerne nochmal Asia Buffet essen, aber das einzige Restaurant, dass als solches im Internet ausgewiesen war, wurde mittlerweile zu einer Sushi-Bar umgewandelt. Also habe ich mir an der vending machine ein erbärmliches Abendessen aus Süssigkeiten und Brezeln zusammengestellt. Aber irgendwie und irgendwann sollen ja auch die ganzen Münzen mal verbraten werden...

Mittwoch, 20. August 2008

From coast to coast ...

... verlangt einiges an Zeit im Auto. Die letzten zwei Tage habe ich ja in Lake Villa, Illinois in aller Ruhe und ohne viele Aktivitäten verbracht. Aber irgendwie ist mir nicht ganz bewußt gewesen, was die 950 Meilen zwischen Lake Villa und Hartford in Connecticut bedeuten. Die bedeuten nämlich, dass ich heute und auch morgen noch einmal ziemlich lange Autofahren werde, aber für das Gefühl, einmal von Küste zu Küste gefahren zu sein, ist es das wert, auch wenn sich die Highways manchmal ganz schön in die Länge ziehen. Heute bin ich also an Chicago vorbei Richtung Süden. Gern wäre ich nochmal durch die Downtown, den "Loop" gefahren, aber dann habe ich die entsprechende Ausfahrt verpaßt. Ich fuhr auf der 5. Spur links und die Ausfahrt war ganz rechts. TomTom war darauf nicht eingestellt (der wird sowieso nochmal mit mir schimpfen, weil ich immer was anderes mache, als er/sie ansagt...). So habe ich die Wolkenkratzer vom Auto aus gesehen und bin dann recht bald über den Chicago Skyway dran vorbei und in Richtung Indiana unterwegs gewesen. Chicago hat diesmal vergeblich auf mich gewartet, obwohl es so eine schöne und angenehme Stadt ist, wie ich im letzten Jahr erleben durfte. Beim nächsten Mal ist wieder ein Besuch dabei, versprochen.
In diesem Teil Amerikas gibt es wieder eine für Deutsche ungewöhnliche, aber hier selbstverständliche Sache: die Tollways. Die Interstate-Autobahnen sind in Obhut der Bundesregierung, aber diese kann die Erhaltung und Sanierung an private Firmen vergeben, die dann für die Benutzung eine Maut kassieren. Soetwas gibt es hier, im Osten und beginnenden Westen, häufig. Ich bin heute über die Hälfte der Zeit auf solchen Straßen gefahren. Man fährt durch eine Toll Station, bekommt ein Ticket und abgerechnet wird dann an dem Ende, an dem man rausfährt, d.h. der Betrag richtet sich nach der Länge der benutzten Strecke. Natürlich gibt es auch ein elektronisches Erfassungssystem, aber ansonsten sitzen in den Toll Booth's Angestellte, die die Beträge einkassieren. Es geht und lohnt sich also offenbar auch ganz unkompliziert ohne diese technischen Spielereien, die bei uns in Deutschland ja für sowas gleich entwickelt werden müssen (Beispiel Toll collect...). Die Mautstraßen sind dann auch in einem ziemlich guten Zustand, jedenfalls soweit ich das heute beurteilen konnte.
Übernachten werde ich heute in Brookville, das liegt schon in Pennsylvania. Die wunderschöne Landschaft mit den waldbedeckten Hügeln und auch die Amish People, die hier irgendwo leben, werde ich höchstens vom Auto aus sehen. Soviel für heute, leider ohne Bild.

Montag, 18. August 2008

"Raaaauuuuus aus den Federn....

... und die warmen Schühchen nicht vergessen, denn es ist saukalt da draußen. Es ist jeden Tag saukalt da draußen. Wo sind wir hier, in Miami Beach? Wohl kaum ... steht schon auf ihr trüben Tassen, denn heut' ist M u r m e l t i e r t a g..."
Heute war mein Murmeltiertag, denn ich war in Woodstock, dem Murmeltierstädtchen in Illinois. Da wird wohl jetzt manch einer sagen: hatte die Stadt nicht so einen komischen, schwer schreibbaren Namen??? Richtig, das Original heißt Punxatawney und liegt auch nicht in Illinois, sondern in Pennsylvania, aber irgendwie bot sich Woodstock besser an: hübscheres Städtchen und besser als Drehort geeignet. Und das habe ich heute besucht, um mir mal vor Ort anzuschauen, wie die Location im Sommer aussieht, bei 26 Grad im Schatten (also so ungefähr wie in Miami Beach) und ohne die Aussicht auf einen langen, kalten Winter in den nächsten sechs Wochen. Also bin ich einmal rund um den Gobblers Knob gefahren, einem kleinen Park mitten in der Stadt, habe mir die historischen Häuser angesehen und dann habe ich natürlich auch das Haus aufgesucht, in dem Phil jeden Tag um sechs Uhr von diesem Nostalgie-Radiowecker mit der "Blätterzahlenanzeige" geweckt wurde, um jeden Tag diesen 2. Februar zu erleben, eben den Murmeltiertag. Wer, wer jemals richtige Komödien mochte, könnte diesen Film aus dem Jahr 1993 je vergessen???

"Mrs. Lancaster, haben Sie manchmal ein Déjà-vu? - Ich weiß nicht. Aber ich kann ja mal in der Küche nachfragen..."
Das ist die Villa, in der Phil Conners zum 2. Februar hin übernachtete. Wieder, und immer wieder...

Woodstock liegt fast direkt auf der Route von Rockford nach Lake Villa, wo ich die nächsten zwei Nächte bei Verwandten bleibe, um danach auf die letzte Etappe Richtung Connecticut aufzubrechen. Aber vorher sind noch fast zwei Tage hier vorgesehen, an denen ich mich etwas ausruhen kann und gar nicht viel vorhabe. Auch ein Besuch ins nahe Chicago wird wohl dieses Jahr nicht stattfinden. Dazu reicht ein Tag sowieso nicht aus und ich war voriges Jahr schonmal hier. Ich weiß: alles keine Ausrede, aber Chicago läuft sicher nicht weg.


Für alle, die sich nicht mehr so genau erinnern: das ist der Filmtrailer; leider momentan nur in Englisch verfügbar

Sonntag, 17. August 2008

Den alten Mann sein lassen

Heute ging es also nochmal weiter auf der Great River Road, entlang des Old Man River - des Mississippi. Irgendwo unterwegs habe ich ein Früchstück eingenommen, was uhrzeitmäßig schon fast ein Mittagessen war und weil das viele Leute so machen, gibts dafür auch ein Wort im Englischen: Brunch. Zusammengesetzt aus breakfast und lunch, Frühstück und Mittagessen. Leider weiß ich den Namen des kleinen Ortes nicht mehr und ich bekomme es auch gerade über die Landkarte nicht heraus, dabei lag das Dörfchen sehr schön direkt am Fluß und der Ausblick aus der etwas erhöht liegenden Bar ging direkt hinaus auf das Wasser. Zwischen der Straße und dem Fluß verläuft immer noch die Eisenbahnlinie und heute ist es mir auch gelungen, einmal so einen Zug abzulichten. Es war zwar ein vergleichsweiser kurzer Zug mit 112 Waggons, aber immerhin so einer, bei dem auf einem Waggon zwei Container übereinander gestapelt gefahren werden. So etwas habe ich vorher auch noch nicht gesehen.

So sieht die Eisenbahn hier aus: lange Züge und Container übereinandergestapelt.

Danach gings weiter nach Prairie du Chien und danach weiter nach Dubuque. Wahrscheinlich habe ich einfach zu wenig Zeit in beide Orte investiert, aber irgendwie war es nicht so richtig überzeugend. In Prairie du Chien gibt es zwar einen kleinen Stadtteil - Villa Louis - mit alten viktorianischen Häusern, aber der ist nicht sehr groß und man muß Eintritt bezahlen. In Dubuque wollte ich nochmal Raddampfer sehen, aber am Rundfahrthafen gab es keine richtigen und der einzige, der da war, lag fest am Pier und wurde zu einem Spielkasino umgebaut. Das ist natürlich nichts richtiges, aber ich denke sowieso, dass das mehr klischeebehaftete Mississippi-Treiben eher in den südlicheren Flußabschnitten zu finden ist, nicht so weit im Norden, wie ich jetzt unterwegs bin. Es bleibt also noch für weitere Reisen viel zu sehen. Mit dieser Erkenntnis lassen ich den Mississippi eine guten alten Mann sein und fahre noch ein Stück gen Osten bis nach Rockford, Illinois, wo ich übernachte.

Samstag, 16. August 2008

The Old Man River

Heute ging es also auf der Great River Road entlang des Mississippi nach Süden. Der Old Man River, wie er auch genannt wird, ist einer der längsten Flüsse der Erde. Mit 3.778 Kilometern kommt er immerhin auf Platz 22 der "Längstenliste" und durchquert die USA damit von Norden nach Süden, vom nordwestlichen Minnesota bis an den Golf von Mexico. Ein paar Meilen davon bin ich also heute "mitgeschwommen", von Cottage Grove bei St. Paul bis nach La Crosse, einem Touristenstädtchen mit rund 51.000 Einwohnern, einer Uferpromenade, an der gerade ein Kinderfest mit Sandskulpturen und Hüpfburgen stattfand und an der es auch den einzigen Raddampfer gab, den ich bis jetzt gesehen habe.

Ein Raddampfer für Touristen. Hier in La Crosse an der Uferpromenade

Die Raddampfer sind heute nur noch Touristenattraktionen. Ich denke, dass das hier aber gar nicht so richtig das historische Raddampferrevier ist, denn der Fluß ist hier sehr of aufgestaut und die Frachtschiffe müssen hier etliche Schleusen passieren, die es Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht gegeben hat. Das paßt dann aber mit der Geschichte von Lucky Luke und der Wettfahrt von New Orleans bis Minneapolis nicht zusammen. Ich muß sagen, ich weiß es nicht genau. Morgen werde ich noch ein wenig weiter nach Süden fahren, vielleicht gibts da noch neue Erkenntnisse.

Statt Raddampfer sind heute diese Schiffe die wichtigsten Verkehrsträger auf dem Fluß. Dieser Schubverband hat 10 Schubleichter und wartet auf die Einfahrt in die Schleuse. Am Unterlauf des Stromes sind Verbände mit bis zu 40 Schubleichtern üblich und 70 sind möglich.

Die Old River Road ist übrigens auch so ein Scenic Byway, eine speziell für Touristen ausgeschilderte Strecke mit diversen Aussichtspunkten und kleinen Städtchen, in denen man anhalten kann und alte Häuser anschauen kann. Eines dieser Städtchen ist Alma, direkt am Fluß gelegen.

Blick vom Buena Vista Park in Alma auf den Old Man River

Hoch über der Stadt gibt es einen Felsen, von dem aus man eine ganze Schleife des Flusses nebst einer Schleuse und eines Kohlekraftwerkes. Die Fahrt hinauf in diesen städtischen Park (Buena Vista Park) lohnt sich für die Aussicht auf jeden Fall, auch wenn sonst das Städtchen nicht weiter viel anzubieten hat. Um den Mississippi richtig zu erkunden. müßte man wohl die ganze Strecke bis zum Mündungsdelta hinabfahren, aber wie gesagt, der Strom ist über dreitausend Kilometer lang.


Für alle, die von alten Zeiten träumen: Der Vorspann zur Serie "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn"

Freitag, 15. August 2008

Die Hälfte einer Zwillingsstadt und ein ganz unvorbildlicher Konsumtempelbesucher

Dieses Ziel stand so gar nicht auf meinem Routenplan, aber weil ich jetzt noch etwas Zeit habe, lohnt sich ein Besuch der Twin Cities und des Mississippi River, ja, es drängt sich praktisch auf, einmal nachzuschauen, ob es wirklich noch Raddampfer auf dem Mississippi gibt. Also bin ich heute morgen erstmal von Faribault nach Minneapolis reingefahren. Die Stadt hat 380.000 Einwohner und eine typische amerikanische Downtown mit Einbahnstraßen und Wolkenkratzern, durch die ich natürlich auch wieder durchmußte, aber ihr wißt ja inzwischen, wie einfach sowas ist. Auf dem anderen Ufer des Mississippi liegt die Stadt St. Paul mit 277.000 Einwohner und beide Städte zusammen mit dem Umland werden als die Twin Cities, also die Zwillingsstädte genannt. Ich war allerdings nur in der einen Hälfte und habe mir die Downtown, den Fluß und das Weisman Art Museum von außen angeschaut bzw. fotografiert. Im Zentrum der Stadt gibt es ein für europäische Verhältnisse eher wenig bekanntes "Nahverkehrssystem": den Skyway. Die unteren Ebenen der Wolkenkratzer bilden sozusagen ein mehrgeschossiges Stadtzentrum und sind mit Brücken, die über die Straßen führen, untereinander verbunden, so dass man wunderbar von einem Geschäft in dem einen Gebäude zum nächsten Geschäft in einem anderen Gebäude laufen kann. Da die Brücken uberdacht und verglast sind, gibt es auch keine wetterbedingten Schwierigkeiten und der Straßenverkehr spielt natürlich auch keine Rolle. Das ganze Skyway-System in Minneapolis ist laut Wikipedia 13 Kilometer lang und verbindet 69 Gebäude-Blöcke (auch Wohnhäuser). Für unsere einfältigen europäischen (oder gar deutschen) Innenstädte ist das natürlich etwas völlig absonderliches...

Am Rande der Downtown. Das Gebäude links, was wie eine moderne Kathedrale aussieht, ist eine Bank - sozusagen eine Kathedrale des Geldes...

Frank Gehry läßt grüßen: das Gebäude des Weisman Art Museum trägt die unverkennbare Handschrift des Architekten.

Die Zwillingsstadt St. Paul habe ich nicht besucht, so fehlt mir also ein Teil des ganzen Gebietes. Als ich von Minneapolis erstmal genug hatte, war der Tag aber noch zu jung, um ins Hotel zu fahren. Da bot es sich an, noch eine uramerikanische Attraktion zu anzuschauen, die in jedem Jahr von 42 Millionen Menschen besucht wird und damit der meistbesuchteste Ort Amerikas ist: Die Mall of America, das größte Einkaufszentrum Amerikas und meistbesuchteste der Welt. Man fragt sich natürlich, was an einem Einkaufszentrum so anziehend sein könnte oder warum nicht auch ein kleines zum Einkaufen reicht. An dieser Stelle muß man sich vor Augen halten, dass Konsum eine der Hauptvolkssportarten der US-Amerikaner ist, und das fast alle diesen Sport ungeniert ausüben und am Geldausgeben - für uns Europäer unglaublich - unglaublich Spaß haben (und damit übrigens einen erheblichen Teil der Weltwirtschaft stützen). Wenn man nun dieses versteht, mehrere Großkaufhäuser, über 500 Ladengeschäfte und 52 Restaurants auf drei Ebenen um einen überdachten Vergnügungspark im Innenhof herumgruppiert und das alles einrahmt mit mehreren zehngeschossigen (?) Parkhäusern, hat man eine Touristenattraktion sondersgleichen, einen Tempel des Konsums, einen Magneten, zu dem die Leute aus dem ganzen Lande herbeiströmen, um sich und ihre Kinder zu vergnügen und um nebenbei jede Menge Geld auszugeben. Das ist die Mall of America, die ich heute also noch besucht und dabei in dem ganzen Riesenkomplex keinen einzigen Cent ausgegeben habe. Ich sollte mich was schämen...

Mall of America: Im überdachten Innenhof gibt es einen komplett ausgestatteten Vergnügungspark mit Riesenrad, Achterbahn, Kettenkarussell und und und...

Donnerstag, 14. August 2008

Auf den Interstates 90 und 35

Den heutigen Tag habe ich damit verbracht, meinen nächsten Plänen näherzukommen, d.h. ich bin wieder ein Stückchen gefahren. Gestern abend habe ich bemerkt, dass ich doch jetzt noch ausreichend Zeit habe, bevor ich am Montag bei Verwandten in Lake Villa in Illinois verabredet bin. Die Zeit bis dahin ist also noch sinnvoll auszunutzen. So bin ich heute die Interstate 90 weiter Richtung Osten gefahren, dann bei Albert Lea auf die Interstate 35 abgebogen, um nach Norden in Richtung Minneapolis und St. Paul zu kommen, was ich morgen besuchen will. Heute war dann auch der erste Tag, an dem ich kein einziges Foto selbst gemacht habe. Damit es trotzdem ein Bild gibt, habe ich aus Google Streetview das Bild meines heutigen Hotels in Faribault in Minnesota eingebaut. So sieht es also von der Auffahrt zur Interstate 35 aus.


Größere Kartenansicht

Wie oben geschrieben habe ich also den Staat South Dakota verlassen und bin jetzt in Minnesota. So langsam hat sich auch die Landschaft selbst verändert. Die Prärie ist ausgedehnten Maisfeldern gewichen und es gibt viele Farmen rechts und links der Autobahn. Dazu gehören auch die typischen Getreide-Silos, die bestimmt jeder schonmal im Fernsehen gesehen hat und die aus Holz errichteten Scheunen usw. Irgendwo hier in der Nähe ist auch der Original-Standort von "Unsere kleine Farm", und man könnte sie besuchen, aber ich habe das nicht vor. Über alle möglichen touristischen Aktivitäten kann man sich übrigens in den Visitor Centers informieren, die immer an den Grenzen von einem Staat zum nächsten an der Autobahn betrieben werden. Dort gibt es Unmengen von Flyern, ganze Bücher über den neuen Staat und Straßenkarten, alles umsonst. Und wer spezielle Beratung braucht, bekommt dieser von den Leuten, die da hinter den Tresen auf Touristen warten. Heute habe ich also dort ein paar Karten geholten und morgen sehe ich mal weiter.

Mittwoch, 13. August 2008

Someone in the middle of nowhere

In Wall, South Dakota, habe ich gestern noch zu Abend gegessen in der Wall Drug, einer angeblich ganz berühmten Einkaufsmeile in diesem kleinen Städtchen. Kaffee soll hier noch immer 5 Cent kosten. Ich habe den Ausschank leider nicht gesehen, aber mir stand sowieso eher der Sinn nach etwas Abendessen.
Den Rest des Abends habe ich mir nebenbei den Ventilator vom Nebenzimmer-Bad angehört. Die Leute dort hatten ihn freundlicherweise laufen lassen und die Wände in den Hotels hier sind in der Regel so dünn, dass solche Geräusche mühelos durchdringen. Überhaupt die ganze Bauweise unterscheidet sich stark von der uns bekannten europäischen. Viele, oder besser, die meisten der Gebäude hier sind aus Holz errichtet und die Bauten sind sehr "leicht". Fenster sind immer Schiebefenster und jedes Zimmer hat eine Klimaanlage, dafür gibt es keine Zentralheizung, wie im europäischen Sinne, jedenfalls nicht in den Hotels. Im Vergleich zum Vorjahr hat sicher aber, was das Energieverbrauchen betrifft, die Lage schon sehr verändert. Vor einem Jahr lief noch grundsätzlich in jedem Hotel die Klimaanlage im Zimmer, wenn ich es betreten habe. Meine erste Handlung war dann immer: runterdrehen oder ganz abschalten. Heute erlebe ich es nur noch selten, dass die Anlagen schon laufen, wenn der Gast eincheckt. Auch Gaststätten, die Lobbies in den Hotels oder andere öffentliche Räume erscheinen mir gar nicht mehr so überklimatisiert. Wenn dieser Eindruck nicht täuscht, ist vielleicht auch hier angekommen, dass Energie nicht für umsonst zu haben ist. Das betrifft natürlich auch den Umgang mit Benzin, d.h. das Autofahren. Die Krise der Automobilbranche hat bestimmt jeder mitbekommen (Verlust bei General Motors im ersten Quartal: $ 15 Milliarden...). Die großen SUV's und Trucks verkaufen sich eben nicht mehr so gut und die Rücklaufwelle wird über die amerikanischen Autohändler erbarmungslos hereinbrechen (siehe verlinkten Spiegel-Artikel). Sehr oft sieht man hier übrigens den Toyota Prius. Der ist so stark gefragt, dass gebrauchte Fahrzeuge teuerer gehandelt werden, als neue.
Nach dem Frühstück im Hotel bin ich nochmal durch die Badlands gefahren. Der Park liegt direkt neben der Interstate und ich konnte das Ticket von gestern heute nochmals verwenden, also habe ich die gestrige Tour bei aufgehender Sonne in umgekehrter Richtung wiederholt.

Nochmal in den Badlands: heute mit Teleobjektiv und Polfilter

Danach wollte ich, um nicht nur Highway zu sehen, einen Abstecher über den Native Americans Scenic Byway machen. Ein Scenic Byway ist sowas wie eine Nebenstraße durch ein besonders interessantes Gebiet, hier eben ein Wohngebiet der Indianer (ich weiß nicht, ob es auch ein Reservat war). Der Umweg betrug etwa hundert Kilometer und führte nun tatsächlich ins Nirgendwo. Nach dem Abzeig gab es nichts weiter als grasbewachsene Hügel (The National Graslands...), links ließ sich dann und wann der Missouri River sehen und dann kam irgendwann eine Siedlung, das war es. Sicher habe ich mich nicht ausführlich bemüht um alle Sehenswürdigkeiten, die links und rechts der Straße zu erkunden gewesen wären, aber wenn vorhanden, führten da nur Schotterpisten hin und ausserdem: ich war heute scheinbar der einzige Tourist, der diesen Scenic Byway befahren hat. Auf der ganzen Strecke fuhr n i e m a n d mit in meine Richtung und es kamen mir vielleicht 5 Autos, davon 1 Polizeiauto entgegen, die alle verdammt einheimisch aussahen. Im Ergebnis war das also eine Fahrt ins Nirgendwo. In ganz Amerika, dass ich bis jetzt gesehen habe, in Montana und Idaho, beides Staaten, die nicht gerade an der Spitze der bevölkerungsreichsten Staaten der USA stehen, habe ich keine so einsame Gegend erlebt, wie heute in South Dakota.

Gewitterwolken über dem Missouri River

Und dann bin ich auf der Rückfahrt Richtung Interstate noch auf so eine Gewitterwolke zugefahren, wie es sie nur hier geben kann: ein riesiger dunkelgrauer Amboß am Horizont und man fährt genau drauf zu, bis er den ganzen Himmel füllt. Blitze zucken und die seltsam grau-weißen Schleier verheißen auch keine angenehmen Niederschlags-Arten. Glücklicherweise wies TomTom mich an, scharf nach links abzubiegen und während ich die Interstate 90 Richtung Osten nahm, ging hinter mir die Welt unter...

Dienstag, 12. August 2008

mako sica und ein bißchen Großmacht anschauen

Rapid City mit seinen geschätzten 60.000 Einwohner bleibt hinter mir, ebenso das dortige Super8-Motel mit dem grottenschlechten Internetzugang. Gerade mal so konnte ich per Netz das nächste Hotel buchen und den Reisebericht hochladen. Das nächste Hotel war dann kein Super 8 mehr, sondern ein DaysInn, aber das ist egal, denn die Hotels meiner Finanzklasse gleichen sich hier in etwa.
Also raus aus Rapid City und nun gehts hinunter in die Ebenen der Great Plains, wenn man so will, dem Herzen Amerikas, der Prärie, der Kornkammer oder dem Brotkorb der USA, wie auch immer. Die Hälfte des in den USA verbrauchten Getreides und 60 Prozent des Rindfleisches kommen von hier. Allerdings reichen die Great Plains auch von Kanada bis nach Texas, ja, bis hinein nach Mexiko. Ich werde also wieder nur ein kleines Stücklein dieser Region sehen können.
Das erste liegt gleich hinter Rapid City: die Ellsworth Air Force Base. Hier gibt es ein "Air and Space Museum" und wer schon meine letzte Reise aufmerksam verfolgt hat, der weiß, dass alles was fliegt eine besondere Anziehungskraft auf mich ausübt. Also bei Exit 67 runter von der Intersate 90 und den Wegweisern Richtung AFB folgen, was einem etwas komisch vorkommt, wenn man so als Tourist in Richtung einer "wichtigen Einrichtung der nationalen Sicherheit" fährt und dann auch noch auf die Main Gate Road abzubiegen hat. Aber kurz vor dem eigentlichen Gate mit dem Wachschutz (mittlerweile eine private Firma) knickt die Straße ab auf das öffentliche Gelände des Museums und da stehen auch schon die ganzen alten Kisten aus vergangenen Tagen herum: halblinks die B-52, daneben eine "Looking Glass"-Maschine, rechts lauter "altes Zeugs", nur in der Mitte, vor dem Museum thront ein wirklich schönes Teil, die B1 "Lancer". Wie es bei Museen so ist, sind alle Ausstellungsstücke ziemlich tot, d.h. es bewegt sich nichts, ausser die Räder der B1, die man drehen kann, weil die Maschine aufgebockt ist. Deshalb bin ich gleich ins Visitor Center rein und habe nach der Bus Tour über die Basis gefragt. Sowas soll es nämlich hier geben. Die Tour startet in 5 Minuten. Fotografieren erlaubt, ausser am Main Gate. Vorher muss jeder Interessent noch Namen und Identifikation hinterlegen, bei mir als Tourist in Form der Reisepaß-Nummer. Ich denke, die lassen das, bevor der Bus durchs Tor fährt, durch die Computer der Homeland Security rattern. Der Bus fährt dann tatsächlich über die Basis, allerdings entlang der Wohn- und Lebensbereiche der AirForce-Familien. Man sieht die Wohnhäuser, Schwimmhalle, Clubs, ein Hotel für Gäste, den unausweichlichen 9-Loch-Golfplatz und so weiter. An die wirklich interessanten Dinge kommt die Tour nicht heran: die Flugzeuge, die Startbahn usw usw. Dafür gibt es einen Abstecher in den Übungs-Silo eine Minuteman-Atomrakete. Wir erinnern uns an die schlechte alte Zeit: die Blöcke standen sich unvereinbar mit ihren Atomwaffenarsenalen gegenüber. Hier, in diesem Silo, wurde die Wartung der Raketen trainiert. Man kann in den Silo klettern und die Rakete sehen. Mehr aber hier nicht. Die ganze Tour war etwas mager und lohnte die 7 Dollar Eintritt nicht, die ich aus irgendeinem Grund gar nicht bezahlt habe...
Nach der Ellsworth AFB ging es weiter zu einem "echten" Sight. Ich hatte davon schon im Internet beim Recherchieren gelesen, aber nicht gedacht, dass ich es zeitlich schaffen könnte. Wie oben schon erwähnt war die Ellsworth AFB ein wichtiger Stützpunkt im Cold War. Hier waren die B-52 und B-1-Flugzeuge stationiert und von aus wurden auch die Atomraketen kontrolliert. An der Interstate gibt es heute ein Launch Control Center, das nach Ende des Kalten Krieges stillgelegt wurde und heute für Interessenten zugänglich ist.

Im Bunker des Launch Control Center Delta-01

Von hier aus also wurden die Raketen überwacht und hier wäre im sogenannten Ernstfall auch der "rote Knopf" gedrückt worden. Heute kann man sich in die Kontrollzentrale tief unter der Erde hinabfahren lassen und erfährt dort einiges von dem, was hier getan wurde und was der ganze eigentliche Sinn der Sache war: es ging nämlich gar nicht hauptsächlich darum, den Tod innerhalb von 30 Minuten zu jedem beliebigen Punkt des Ostblocks zu bringen (übrigens tat dieser das gleiche, bloß in die andere Richtung). Vielmehr ging es darum, zu jeder Zeit und ständig, über 40 Jahre lang, dem Gegner zu versichern: wenn ihr uns angreift und zerstört, werdet ihr zerstört. Diesen ganzen Wahnsinn in eine Formel zusammengefaßt: "mutual assured destruction" (MAD) wechselseitige zugesicherte Zerstörung - oder das "Gleichgewicht des Schreckens" oder "nukleare Abschreckung". Alles Begriffe, die noch der ein oder andere im Ohr haben wird, die aber heute glücklicherweise keine so große Rolle mehr spielen (sie wurden von anderen Begriffen abgelöst...). Für mich war es höchst interessant, einmal an einen Ort zu kommen, wo dieser Irrsinn wirklich stattgefunden hat, mal den "roten Knopf" zu fotografieren und mal so eine Rakete sehen, denn ich denke, viele viele Leute reden über viele Dinge ohne sich um eine Kenntnis der wirklichen Hintergründe zu bemühen - abseits aller Propaganda.
Nach diesem Besuch geht es nur ein ganz kleines Stück weiter in den Badlands National Park. Hier ist wieder ein Teil dieser wunderbar vielfältigen nordamerikanischen Natur zu bestaunen. Millionen von Jahren formten ein Gebiet, dass heute so erstaunliche, aber sich immer weiter verändernde Bergwelten zeigt.

In den Badlands: die Erosion hat eine erstaunliche Landschaft geformt

Tiefe Schluchten und Canyons haben Wind und Wetter begraben.

Als das Meer über diesem Gebiet ausgetrocknet war, begannen Wind und Wetter einen Erosionsprozeß, der die lockeren lehmhaltigen Schichten abträgt. Dadurch entstehen tief eingeschnittene Schluchten, Canyons in den sonderbarsten Formen, die in der Sonne in den sonderbarsten Farben und Mustern leuchten. Man sieht die verschiedenen immer wiederkehrenden Bodenschichtungen und manchmal erscheint das Gelände wie eine Riesenkleckerburg am Strand. Und das Material ist zwar fest, aber vergleichsweise sehr locker, so dass jeder Regen und Sturm, jeder Frost beständig die Erosion vorantreibt. Aber für Euch, liebe Leser, wird bei Eurer USA-Reise noch genug davon zu sehen sein und überhaupt ist die Prärie ja riesengroß und es besteht Hoffnung, dass unter den endlosen Graslandschaften noch etliche Quadratmeilen Badlands nur darauf warten, für die Touristenscharen besonders schön zu erodieren... Denn für was anderes als zum Anschauen eignet sich das Land nicht, deshalb haben es schon die Ureinwohner als mako sica - schlechtes Land, oder eben Badlands - bezeichnet.

Wie die Kleckerburgen am Strand, nur viel größer: so sieht es in den Badlands aus.

Montag, 11. August 2008

Ein Teufels-Turm und vier große Köppe

Von Buffalo ging es heute ein kurzes Stück weiter Richtung Osten auf dem Interstate Highway. Diese sind ungefähr mit den deutschen Bundesautobahnen zu vergleichen. Sie sind in der Regel kreuzungsfrei und werden auch in den USA von der Bundesregierung unterhalten. Obwohl es über Land vierspurige Fernstraßen sind, führen die Interstates oft auch direkt durch die Großstadtzentren, wo sie dann natürlich nicht mehr kreuzungsfrei sind, sondern durch das dickste Großstadtgewühl verlaufen. Daneben gibt es ein ausgeklügeltes System von Umgehungsautobahnen, die alle anhand einer vor die Interstate-Nr. vorangestellten Ziffer zu identifizieren sind. Neben den Interstates gibt es noch die US-Highways, die vielleicht vergleichbar mit den deutschen Bundesstraßen sind, bloß, dass sie hier auch oft vierspurig, aber nicht unbedingt kreuzungsfrei sind.
Auf diesen Straßen also bin ich unterwegs und das heutige erste Ziel war der Devils Tower im Osten Wyomings. Der Devils Tower ist ein Überbleibsel jahrmillionen alter vulkanischer Aktivitäten (...wie schön). Magma stieg von unten in die Bodenschichten der darüber liegenden Hochebene und erstarrte zu den bekannten sechseckigen Säulen. In vielen Millionen Jahren wurden die losen Schichte durch Erosion abgetragen, zurück blieb der Stumpf aus Granit, der sich heute ca. 290 Meter über der Ebene erhebt (das heißt, über 290 Meter Bodenschichten wurden in den letzten 60 Millionen Jahren abgetragen). Solche besonderen Orte sind natürlich zuerst einmal heilige Orte der Ureinwohner, andererseits aber auch Anziehungspunkt für viele Touristen. Daraus ergeben sich heute immer wieder Konflikte, denn der Berg wird von Bergsteigern erklettert während die Indianer auf den heiligen Charakter verweisen und das Besteigen ablehnen. Immerhin gibt es aber Erlaubnisse für Bergsteiger, ja, ohne diese kommt man gar nicht hoch. Ich habe von diesem schönen Stück Natur einige Bilder gemacht, aber auf das Erreichen des Besucherparkplatzes verzichtet, denn auch hier wäre eine Gebühr fällig geworden und ich muß jetzt langsam mein Reisebudget etwas genauer im Auge behalten.

Der Devils Tower in Wyoming

Dann ging es ab in Richtung South Dakota. Hier gleich in der Nähe (das heißt, etwa 100 Meilen entfernt) befindet sich der Mt. Rushmore. Vielen ist der Ort besser bekannt als der Berg mit den vier eingemeißelten Präsidentenköpfen: das Mount Rushmore National Memorial. So wie der Devils Tower für die Ureinwohner heilig ist, ist das Mount Rushmore National Memorial den heutigen US-Bürgern ein Heiligtum und wird auch so genannt: Shrine of Democracy (Heiligenschrein der Demokratie), wobei zu beachten ist, dass die Skulpturen auch in einen den Indianern heiligen Berg eingemeißelt wurden, was als Entweihung wahrgenommen wird. Das ist sicher nur ein kleiner Teil der schwierigen Situation im heutigen Zusammenleben der Indianer und Einwanderer. Heiligenschrein der Demokratie hin oder her, für Leute wie mich, also Nicht-US-Bürger bedeutet der Ort gar nicht so viel. Ich habe jedenfalls keine besondere Ehrfurcht verspüren können. Sicher, die Skulpturen sind eine beachtliche bildhauerische Leistung, die dargestellten Präsidenten (Washington, Jefferson, Roosevelt, Lincoln) sind bedeutende Personen über ihre Zeit hinaus geblieben. Immerhin können Washington und Jefferson getrost als Gründer der Nation gesehen werden. Aber für jemanden aus dem alten Europa bedeutet dies alles nicht so sehr viel. Trotzdem hat sich der Besuch allemal gelohnt, denn ich konnte einen eigenen Blick auf etwas zu werfen, was mir bisher nur aus Film und Fernsehen bekannt war.

Der heilige Schrein der Demokratie: das Mt. Rushmore National Memorial

Nach dem Mt. Rushmore ging es ab nach Rapid City, gleich um die Ecke und ins Hotel. Ich muß heute mal etwas früher ins Bett gehen und ausschlafen. Die Fahrt von den Black Hill hinunter in die Stadt läßt aber schon die Landschaft der nächsten Tage erahnen. Hinter den Hügeln gibt es nur noch flaches Land.
Leider war die Wikipedia heute nicht erreichbar, so dass es in diesem Post keine weiterführenden Links gibt. Bitte deshalb alles Interessante selber nachschlagen.

Sonntag, 10. August 2008

Unterwegs in Montana

Von heute gibt es nicht so viel zu berichten. Ich bin von Livingston in Montana bis nach Buffalo in Wyoming gefahren. In Montana und Wyoming ist das Speed Limit 75 Meilen pro Stunde, somit kommt man auf dem Interstate Highway sehr zügig voran, wenn nicht gerade wieder eine Baustelle langsameres Fahren vorschreibt.
Für unterwegs auf langen Strecken kann man schön die Radiosender durchstöbern. In den USA gibt es sehr viele Sender auf dem AM-Band (ich weiß nicht, wie der radiotechnische Fachbegriff heißt), von denen ich meistens den mit den Songs aus den 90er Jahren laufen habe. Ach ja, die guten alten Zeiten...
In Buffalo habe ich noch das Hotel für morgen im Internet gebucht, aber gerade festgestellt, dass die Buchung ein falsches Datum hat - Übernachtung von heute auf morgen. Das macht natürlich keinen Sinn und ich werde das jetzt noch telefonisch korrigieren. Der erste Anruf im Hotel hat nichts gebracht, weil die Buchung dort noch nicht im System war, aber ich werde es gleich nochmal versuchen. Deshalb ist an dieser Stelle erstmal Schluß.

Samstag, 9. August 2008

Tanz auf dem Vulkan

Von Idaho Falls ging es heute früh ohne zeitlichen Verzug, d.h. unter Verzicht auf das continential breakfast, das in den Motels zur Verfügung gestellt wird, weiter in Richtung Osten. Aber vorher noch ein paar Worte zum Frühstück: in den Motels und Hotels wird wie gesagt, continential breakfast angeboten, wenn überhaupt. Das Frühstück gibt es in einem kleinen Nebenraum im Hotel, manchmal auch in der Lobby. Dort steht ein Tresen mit Kaffeemaschine, Saftautomat und ein paar Körbe oder Schalen mit Toastbrot, Krapfen und ein Waffelautomat. Mit der deutschen Vorstellung eines Frühstückes in Pensionsmanier (Buffet mit verschiedenen Wurstsorten [gibts in Amerika sowieso nicht], Käsescheiben etc.) darf man hier nicht kommen. Das continential breakfast ist absolut schmal und wird auch nur - generell - von Papptellern und Pappbechern eingenommen, die nach Gebrauch in große Müllbehälter wandern... bloß nicht zu viel zusätzliche Arbeit, oder gar noch Küchenpersonal anstellen.
Allerdings bekommt der Reisende auch richtiges Frühstück - im Restaurant. Hier reicht die Palette von familienbetriebenen Frühstücksrestaurants, die sehr ordentliches food anbieten, bis zu den bekannten Schnellrestaurantketten wie McDonalds, die auch Frückstücksangebote haben. Bei letztgenanntem Unternehmen kann man, so jedenfalls mein Eindruck, auch leidlich davon ausgehen, dass Küchen, Restauranträume und WC in ordentlichem, d.h. sauberem Zustand sind. Das ist nicht in allen anderen Restaurants der Fall.
Ich habe mein Frühstück heute also unterwegs eingenommen und zwar bei einem der großen Konkurrenten der M-Kette (siehe Karte). Danach ging es in Richtung eines Nationalparks, der anfänglich so gar nicht auf meinem Plan stand. Zuviel Natur, viele Bäume, Bisonherden - was will man sonst im Yellowstone National Park sehen können. Wie immer mal wieder weit gefehlt. Natürlich gibts hier eine Menge Bäume und Tiere, aber wer wie ich schon auf einer halbwegs gut gefüllten Vulkan-Tour ist, kommt um den Yellowstone nicht herum, denn der Yellowstone ist ein Vulkan, und was für einer. Einen Vulkankrater wie beim Mt. St. Helens kann man nicht sehen und auch einen in der Landschaft stehenden Bergkegel wie beim Mt. Rainier nicht. Stattdessen fährt der Besucher in den Krater, in die sogenannte Caldera, hinein. Und die ist 40 Kilometer lang und 20 Kilometer breit. Mit der klassischen Vulkanvorstellung hat das alles nichts mehr zu tun. Unter der Caldera bildet sich im Laufe der Jahrtausende eine Magmakammer, die sich im Falle des Yellowstone nur etwa 8 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche befindet. Das Magma steigt aus dem Erdinneren herauf und sammelt sich dort, bis der Druck zu hoch wird und die Decke der Caldera aufreißt. Dann kommt es zu einem Vulkanausbruch der Stärke 8. Zum Glück sind solche Ausbrüche recht selten, der letzte in Yellowstone liegt ungefähr 640.000 Jahre zurück und aufgrund der Untersuchen findet ein Ausbruch alle 700.000 bis 900.000 Jahre statt. Andererseits aber könnte es auch morgen passieren... Wie das dann aussieht, habe ich mir zu Hause auf DVD angesehen, in einer BBC-Produktion, die eine Mischung aus Dokudrama und Katastrophenfilm ist.
Heute jedenfalls war alles sehr ruhig und so konnte ich die sonstigen vulkanischen Auswirkungen erleben. Durch die Erhitzung der Gesteinsschichten über der Magmakammer kommt es nämlich zu wunderbaren hydrothermalen Effekten wie Geysiren, Fumarolen, Schlammvulkanen, heißen Quellen usw. Im Park gibt es eine Rundfahrstrecke, die an allen diesen Schauspielen vorbeiführt, teilweise mit langen angelegten Pfaden und Stegen durch die Geysirfelder.

Zwischen den Geysiren: mehrere solcher Becken mit allen möglichen Schauspielen gibt es im Park.

Überall blubbert, schlabbert, röchelt es aus der Erde heraus. Bei den Geysiren wird das heiße Wasser in die Luft geschleudert, bei den Schlammvulkanen spritzt graue oder braune Brühe hoch und alles riecht irgendwie nach angefaulten Eiern, was etwas mit dem Schwefel zu tun hat. Die zwei bekanntesten Geysire des Parks habe ich natürlich auch gesehen, den Old Faithful, dessen Eruptionen zur Zeit ziemlich genau auf +/- 5 Minuten vorhergesagt werde können, und den Steamboat-Geysir, dessen Ausbrüche überhaupt nicht vorhersagbar sind und der auch heute nur ziemlich gelangtweilt vor sich hingedampft hat. Zum Ausbruch des Old Faithful kam ich gerade rechtzeitig. Es hatten sich bereits um die dreitausend Leute versammelt und warteten gespannt auf die Fontäne, die dann auch recht bald aus dem Boden schoß. In den anderen Geysirebecken ist so ziemlich alles gemischt vorhanden, was ich oben schon aufgezählt habe.

Sind das nicht krasse Farben? Bakterien und Algen schaffen sowas in heißem Wasser.

Die Wasserbecken, in denen das heiße Wasser fast bewegungslos steht, sind in tollen Farben gestaltet. Verantwortlich hierfür sind Algen und Bakterien, die in diesen Wasserbecken leben, und die diese vielfältigen Farbenspiele hervorzaubern.
Insgesamt ist der Park so groß, dass man zwischen den einzelnen Geysirbecken schonmal 30 Kilometer Autofahren muß. So kann man den ganzen Tag im Parkgebiet herumdüsen, einen Höhepunkt nach dem anderen abklappern, aber wenn man dann rausfährt, hat man immer noch nicht alles gesehen. Zwei bis drei Tage mindestens - das ist eine sinnvolle Größe. Das Park-Ticket, dass 25 Dollar kostet, ist insgesamt eine Woche gültig. Eine Investition, die sich lohnt, wenn man schonmal einen richtigen Vulkan betreten will.

Blick in ein Wasserbecken. Das Einwerfen von Münzen ist übrigens strengstens untersagt.

Freitag, 8. August 2008

The Craters of the Moon

Als ich gestern abend in meinem Hotelzimmer die Landkarten und Routenplaner studierte, bekam ich einen kleinen Angstanfall wegen meines derzeitigen Standortes und der Strecken, die noch vor mir lagen. Deshalb habe ich kurzerhand beschlossen, dass der nächste Tag auch einem erheblichen Stück Vorankommens gewidmet werden müßte. Der Besuch des Hells Canyon wird daher ein andermal stattfinden. Von La Grande aus ging es also auf der Interstate 84 Richtung Süden bzw. Richtung Osten nach Boise und von dort noch ein Stückchen weiter bis nach Bliss und hier kam der Abzweig zum Craters of the Moon National Monument. Ich hatte davon bis vor allerkürzester Zeit noch nie etwas gehört und dachte mir, das könnte wohl auch interessant werden und schließlich, nach einer Autofahrt von 6 Stunden wäre es ja ganz nett, noch ein paar Bilder zu machen und ein wenig Natur anzuschauen. So dachte ich. Zunächst ging die Fahrt durch Gebirge, dann durch Prärie wobei die Temperaturen kontinuierlich bis auf 36 Grad anstiegen. Schließlich wurde die karge Prärielandschaft durch etwas quasi durchbrochen, was ich normalerweise als "Schlacke" bezeichne, aber das auf Flächen, die bis zum Horizont reichen: das sind die Lavafelder des Crater of the Moon, eines 1.230 Quadratkilometer umfassenden Vulkangebietes.
Wie in jedem ordentlichen US-Park gibt es auch hier ein Visitors Information Center, in dem ich mir eine Karte für den Crater Loop, die Autofahrstrecke, abhole, dann bezahle ich meine 8 Dollar Rundfahrtgebühr und rein gehts in eine einmalig ehrfurchtgebietende Landschaft aus erstarrten Lavaflüssen, aus dem Boden brechenden Vulkankegeln, Halden aus Bimsstein und immer wieder erstarrte schwarze Lava. Für die Vegetation ist das eine sehr große Herausforderung. Manchmal können sich nur Flechten auf den Oberflächen halten. An anderen Stellen gibt es Büsche und Bäume, aber viele von denen haben dann doch irgendwann aufgegeben und liegen oder stehen noch nun nur als vertrocknete Stämme herum.

Der Baum hat's nicht einfach.

Nach dem Aufstieg auf den Inferno Cone - das ist so eine Bimssteinhalde - hat man einen gewaltigen Ausblick auf das ganze Areal das bis zu allen Horizonten reicht. Nur im Norden und Nordwesten erheben sich Idahos Berge vor dem blau-weißen Himmel. Im Süden und Osten erstreckt sich die schwarze Ebene. Der Ort ist so lebensunfreundlich, dass hier die Mondaustronauten kurze Zeit Übungen abhielten. Daher stammt nun auch der Name: Craters of the Moon. Nach eineinhalb Stunden Rundfahrt (lächerlich und eigentlich eine Schande, so schnell wieder abzufahren) und vielen Fotos bin ich dann weiter. Mittlerweile haben dicke Gewitterwolken die Schönwetterwolken abgelöst.
Die Fahrt geht weiter Richtung Idaho Falls. Das Hotelzimmer dort hatte ich wohlweislich bereits am Morgen per Internet gebucht, also bestand keine übertriebene Eile. Auf dem Highway Richtung Osten habe ich dann noch ein Sight abgeklappert, und zwar den EBR-1, den ersten Atomreaktor der Welt, der Strom produzierte. Und zwar anfangs ausreichend für genau 4 (in Worten: vier) Glühbirnen. Ich wußte zwar ansatzweise, dass es das hier zu sehen gibt, aber nun lag es eigentlich rein zufällig am Wegesrand. Seit 1947 wurden in diesem Gebiet in Idaho Kerntechnische Anlagen getestet. Auch heute sind diese Anlagen in Nutzung, man sieht sie links von der Straße, große abgesperrte Gebiete mit weißen Gebäuden und den typischen Kuppelbauten. Der EBR-1 aber liegt auf der anderen Seite und ist seit den 60er Jahren öffentlich zugänglich, wenn man sich an die Öffnungszeiten hält. Schließzeit ist 5 Uhr nachmittags, ich war halb sieben da. Pech gehabt. Dafür steht auf dem Gelände der Prototyp eines nuklearen Flugzeugtriebwerkes - verrücktes Zeug. In der Luft war das Teil nie. Aber ausprobiert wurde es schon, davon zeugen die Schilder, die vor Radioaktivität warnen und das man bitteschön nicht durch den Zaun die Installationen anfassen soll und auch nur auf den gekennzeichneten Wegen bleiben darf. Ich hatte auch nichts anderes vor. Schnell ein paar Bilder und weiter. Gut, dass mein Zimmer schon reserviert war, so entfällt der Streß des Hotelsuchens.
Für den Crater hat sich die lange lange Autofahrt gelohnt, zumal die Gegend etwas mir so völlig unbekanntes und neues war, und deshalb so erstaunlich.

Ein Teil der Prototypanlage des Nuklearen Flugzeugantriebes. Daß das Ding nicht fliegt, kann sicher jeder unschwer anhand der Ausmaße selbst einsehen.

Donnerstag, 7. August 2008

Oregon kann auch anders

Ich dachte ja immer, wenn ich den Namen des Staates hörte, an dichte Wälder und Berge, die bis direkt an den Ozean reichen, Holzindustrie und Biber, solche Sachen. Heute bin ich von Portland aus in Richtung Osten gefahren, bis nach La Grande und mußte feststellen, dass diese alte Annahme eben nur eine Annahme ist. Zunächst geht es immer am gewaltigen Columbia River entlang, später hinauf auf die Ebene, die sich viele viele Meilen hinzieht. Rechts und links unendlich große Getreidefelder und auf den Hügeln thronen über allem bonfortionöse Farmhäuser. Viel zu schreiben und zu berichten gibt es darüber nicht, ich habe den Vormittag genutzt, um bis nach La Grande zu kommen. Wenn ich mir meine Position auf der Karte anschaue, muss ich jetzt ein wenig genauer auf die Zeit schauen, denn Amerika ist sooo groß....

Getreidefelder in Oregons Ebene

Trotzdem habe ich heute recht früh ein Hotelzimmer gesucht und gefunden und mich etwas ausgeruht. Zum Abendessen gab es heute Asiatisch in einem Bistro mit Buffet: für einmal zahlen essen soviel wie man will. Schade, dass ich morgen schon wieder weiter muß, denn die Sachen da auf dem Buffet waren echt lecker.

Und hier noch auf Wunsch eines Geburtstageskindes: so reisen Touristen aus Europa:

Mittwoch, 6. August 2008

Das Johnston Ridge Observatory

Astoria und seinen Hafen, die blökenden Seelöwen (die ganze Nacht, war aber nicht so schlimm) und die am Hotelfenster auf dem Columbia River vorbeifahrenden Schiffe habe ich hinter mir gelassen, genauso wie nun endgültig auch den Ozean und den Highway 101. Heute zog ein anderes Ziel viel mehr, und zwar eines, was ich schon mindestens seit dem Jahr 2000 immer wieder besucht habe, allerdings nur über die Webcam im Internet. Heute bin ich zum Mount St. Helens gefahren, jenem Vulkan, der am 18. Mai 1980 recht überraschend ausbrach und einen ganzen Landstrich innerhalb von 24 Stunden vollständig verwandelte. Das wollte ich mir, 28 Jahre später selbst einmal anschauen. Etwa 50 Meilen vor dem Ziel kurz ein Abstecher ins Tourist Information Center, wo bereits viele Leute im Andenkenladen Bücher und Postkarten kauften. Dann ging es auf den Rest der Fahrt, vorbei an Farmen, durch kleine Dörfer und schließlich hinein in die blast zone und immer weiter hinauf auf die Berge.
Der Mount St. Helens ist ein Berg der Kaskadenkette, die sich von British Columbia (Kanada) über die Staaten Washington, Oregon bis hinein nach Kalifornien zieht und aus lauter Vulkanen besteht. Der höchste ist der Mount Rainier in der Nähe von Seattle, eine tickende Zeitbombe, wenn man sich anschaut, was der St. Helens geschafft hat. Das Magma steigt aus dem Erdinneren nach oben, wird aber vom Gestein am Austritt gehindert. Der Druck wird höher und höher bis alles in die Luft fliegt. Eine Schilderung der Vorgänge und Folgen des Ausbruchs des St. Helens empfehle ich unbedingt hier, bei Wikipedia nachzulesen. Besser kann man es gar nicht schreiben.


Der Abbruch der Nordflanke des Mount St. Helens

Das Wetter war leider nicht so schön, wie ich es mir gewünscht hatte, aber da kann man wohl nix machen. Aus dem Tal fegte ein strammer Wind auf die Besucherplattform des Johnston Ridge Observatory und brachte den Vulkansand mit, der mit und vielen anderen Leuten das Gesicht schmirgelte. Der Wind treibt endlose Schwaden Vulkansand auch in das Tal, und überall hin, zum Beispiel in die Socken, Taschen und in die Ohren...
Der Berg, oder besser, was von ihm übrig ist und die neuen Landschaften waren aber schön zu sehen, und auch, dass sich die Natur so nach und nach ihren Teil zurückholt. Zwischen den unzähligen umliegenden Baumstämmen von 1980 wuchern doch schon wieder sehr viele junge Bäume und Gebüsche. Die Mondlandschaft ist nur noch im unmittelbaren Umfeld des Berges und auf den Höhen zu erkennen.

Wie die geknickten Streichhölzer liegen ungezählte Baumstämme.

Im Krater selbst hat sich hinter dem neuen Lavadom auch wieder ein Gletscher gebildet, der jüngste Gletscher Amerikas.
Das ganze Drama des Berges ist ja auch eigentlich nichts weiter, als der Kreislauf der Natur, dem hier alles unterliegt. Während die Vegetation zurückkommt, staut sich unter dem Vulkan neues Magma und irgendwann, wenn der Druck zu groß wird, gibt es wieder einen Ausbruch.
Wie klein im Gegensatz zu den Urgewalten die Machwerke des Menschen sind, mag dieser Vergleich verdeutlichen: Hier noch einmal der Blick von den Hügeln Hollywoods auf die Downtown von Los Angeles. Bis hin zu den Wolkenkratzern sind es ungefähr 5,3 Meilen (8,4km).


Der Blick vom Johnston Ridge Observatory in den Krater des St. Helens geht über die gleiche Distanz. Beide Bilder sind mit der gleichen Brennweite (28mm) aufgenommen:

Wenn das Wetter mal schöner ist, ungefähr so wie auf den Postkarten, dann komme ich unbedingt nochmal wieder.

Dienstag, 5. August 2008

Durch die Dünen Richtung Washington

Hinter Crescent City beginnt also Oregon, der nördliche Nachbar Kaliforniens. Und wie das eben so ist, ist bei Nachbars manches ganz anders. Zum Beispiel das Tanken. Abgesehen davon, dass die Benzinpreise ausserhalb Kaliforniens grundsätzlich niedriger sind, gibt es hier ein State Law, also so etwas, wie ein Landesgesetz, welches vorschreibt, dass der Kunde an der Tankstelle sein Fahrzeug nicht selbst betanken darf (!). Dafür gibt es den Tankwart, der mir die Kreditkarte abnimmt, durch den Slot an der Zapfsäule zieht, den Tank füllt und mich sozusagen abfahrbereit macht. Und da ich nicht der einzige Kunde bin, muß dieser arme Mann ständig zwischen mehreren Fahrzeugen pendeln: hier Karte ziehen, dort Zapfpistole rein und starten, auf der anderen Seite Tank schließen und gute Fahrt wünschen. Trotzdem bleibt ihm zwischendurch noch Zeit - und da dachte ich wirklich, ich träume - die Preise an der großen Anzeigentafel zu ändern: während er mein Fahrzeug betankt, greift er mit einer großen Stange nach oben, holt die alte Zifferntafel (so ähnlich wie die Liednummerntafeln in der Kirche) herunter und hängt eine neue auf. So ändert er den Preis von $4,17 auf $4,12, und unten auf dem Boden lagen alle noch für den Rest des Tages notwendigen Tafeln von 0-9... Ich habe natürlich gefragt, für welchen Preis ich selbst tanke. Im Computer war schon der neue einprogrammiert, also $4,12.

In den Dünen von Oregon.

Danach ging es auf die lange Fahrt von Gold Beach bis nach Astoria, ganz im Norden des Bundesstaates, immer und immer noch auf dem Highway 101. Einige werden das verrückt finden, an einem Tag 300 Meilen runterzureißen, aber durch die Landschaft und immer an der Küste lang und ohne nervende Beifahrer(innen) kann das echt auch Spaß machen und außerdem liegen die Orte nun mal so weit auseinander. Gelegentlich gehts etwas nach Osten, dann scheint auch mal die Sonne, aber im wesentlichen führt die Straße entlang der aufregend-aufragenden Steilküste oder durch die Dünenlandschaft von Oregon. Der Wind treibt die Wolkenfetzen über die Straße und hier gibt es auch diese verrückten, vom Wind geformten Bäume, die jeder sicher mal auf Bildern gesehen hat. Die schönsten stehen leider immer an Stellen, wo ich gerade nicht anhalten kann. Beim Fahren erinnere ich mich an das Buch "Die Kinderkarawane". Meine Mutter hat davon vor Jahrzehnten immer erzählt, wie schwer es die Kinder hatten, auf dem Weg nach Oregon, weil die Eltern gestorben waren und der Rest der Karawane lieber nach Kalifornien gezogen ist. Ich selbst hab das Buch nicht gelesen, bloß die Erzählungen fallen mir so nach und nach wieder ein. Im Nachhinhein kann man den Kindern der Geschichte nur hinterherrufen: Ach Leute, wärt ihr doch mit nach Kalifornien gegangen, dort ist das Wetter viel besser...
Morgen werde ich von Oregon und auch vom Pazifik Abschied nehmen müssen. Ab morgen geht es im Wesentlichen nur noch ostwärts.

Etwas verspätet: Redwoods und Goodbye California

Die wunderbare Pazifikküste - wie gemalt, aber immer unter einem mindestens leichten Nebelschleier

Zwischen Eureka und Crescent City liegt ganz im Norden Kaliforniens nun der Redwood National Park, in dem der durchreisende Tourist unbedingt nach links und rechts ein paar Abstecheer machen sollte, wenn für mehr die Zeit nicht reicht. Hier gibt es nämlich direkt durch die Mammutbaumwälder angelegte Pfade, die sich leicht von der Straße aus erlaufen lassen. Gelegentlich kann man auch dem einen oder anderen Elch Guten Tag sagen, und zwar ziemlich direkt ins Gesicht, denn die Tiere stehen in unmittelbarer Nähe zu den Pfaden.
Die ganze Gegend, die Wälder mit diesen unglaublich hohen Bäumen mit ihren mächtigen Stämmen und dem Farn, das den ganzen Boden bedeckt, kommt einem alten Star-Wars-Fan wie mir sehr bekannt vor. Die Endor-Szenen aus "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" wurden in solch einem Wald gedreht.

Der Star-Wars-Fan weiß Bescheid: gleich hüpfen die Ewoks durch's Farn...

Ich weiß zwar nicht genau, ob es nun im Redwood National Park war, aber auf jedem umliegenden Baumstamm könnte gleich die Ewok-Parade daherschreiten und hinter jeder Wegbiegung könnte die nächste Abteilung Sturmtruppler erscheinen - aber nur in der Vorstellung. Einstweilen muss ich mich mit Elchen zufrieden geben... Die Redwood-Wälder in Kalifornien sind tatsächlich noch echte Urwälder und nur die angelegten Pfade und Straßen durchschneiden die Urwaldstimmung. Ansonsten bleibt alles so, wie es steht und fällt, Baumstämme liegen wild übereinander und bilden schon mehrere Schichten.

Dann und wann wird es nötig, mal wieder einen Pfad freizuräumen...
Übrigens liegt der Durchmesser dieses Stammes bei ungefähr 2 Metern.

Vertrocknetes und morsches Holz überall und dazwischen steigen die kerzengeraden Stämme der Redwoods in den Himmel und den Boden bedeckten Farne. Kein Wunder, dass diese Natur viele viele Menschen anzieht. Und so gibt es wie in fast jedem Park auch hier viele Campgrounds und RV-Parkplätze für die Urlauber, die länger im Park bleiben. Ich selbst muß weiter, biege aber nochmal mit meinem Auto auf die Küstenstraße des Parks ab, die nun eigentlich keine richtige Straße mehr ist. Sie ist nicht viel mehr als eine Schotterpiste, über die ich mit meinem Auto - eine Riesenstaubwolke hinter mir herziehend - so richtig schön langbrettern darf. Kein Mensch weit und breit, kein Gegenverkehr, keine Elche.

Ständig verändert der ewig anbrandende Ozean die Küste.

Nach dem Redwood Park heißt es nun leider auch Abschied nehmen von Kalifornien. Nördlich von Crescent City, der letzten größeren Stadt des Staates liegt die Grenze nach Oregon, die ich, wieder auf dem Küstenhighway 101 überquere und dann noch bis Gold Beach fahre, mit etlichen Zwischenstopps an den Vista Points, die jedesmal einen neuen Einblick in die Pazifikküste erlauben. Zum Nachmittag hin lichtet sich sogar der allgegenwärtige Nebel und als ich im Hotel Beachcomber einchecke, strahlt die Sonne bis zu ihrem Untergang im Ozean gegen 20.30 Uhr.
Entgegen der Versprechungen der Hotelangestellten gibt es hier kein so richtig funktionierendes Internet (dieser Umstand wird baldmöglichst bei den Google-Earth-Hotel-Bewertungen eingestellt). Deshalb muß dieser Artikel mit Verspätung veröffentlich werden. Ich begnüge mich derweil mit dem verrückten US-Fernsehen, etwa in der Art: das harte Leben der Polizisten von Miami Beach... und überlege, wie wohl die Tsunami­-Warnsirene klingt. Überall stehen hier die Schilder rum und weisen darauf hin, dass das ganze Gebiet Tsunami-gefährdet ist. Aber da ich nun schon das Erdbeben von Los Angeles verpaßt (oder besser: nicht bemerkt) habe, wird wohl auch eine eventuelle Flutwelle unbemerkt an mir vorübergehen. Auf jeden Fall hat mein jetziges Hotelzimmer einen Teil-Blick auf den Ozean und natürlich dringt die ständig brausende Brandung bis ins Zimmer (akkustisch).
Soweit für heute. Ich bin gespannt, wann ich den Artikel einstellen kann.

Sonntag, 3. August 2008

Amerika, du hast es schöner

Na gut, vielleicht ist diese Aussage doch zu umfassend formuliert, aber immerhin: ein klein wenig Wahrheit kann derjenige schon erkennen, der mal auf dem Küstenhighway 1 weiter in Richtung Nordkalifornien gefahren ist, dann auf dem Redwood Highway durch die Mammutbaum-Wälder, in endlosen Serpentinen und Haarnadelkurven (Speed Limit: 10 mph) hinauf und hinab durch die Berge gefahren ist. Die Küste ist nämlich inzwischen so steil und zerklüftet, dass dort nicht mal mehr eine Straße angebaut werden konnte. Deshalb geht es nun 100 Meilen durch die Mammutbaumwälder, die innen manchmal so dunkel sind, dass das Navi auf die Nachtansicht umschaltet... Und wem das alles noch nicht genug ist, der macht, wie ich heute, vorher noch einen Abstecher in das wunderbare Napa Valley (wo der beste amerikanische Wein gekeltert wird), übernachtet kurz in Fortuna, welches in dicken Nebelschwaden an der Pazifikküste liegt und fährt morgen in den Redwood National Park. Leute, ich sage Euch, packt den Schwarzwald und den Harz ein, es gibt schönere Gegenden...

Napa Valley - hier ist's gut Wein trinken.
Habe ich aber nicht gemacht, denn Fahren unter Alkoholeinfluß ist in den USA gar nicht gerne gesehen.

Wie sicher jeder ahnt, liegen all diese Schönheiten leider nicht so sehr dicht zusammen. Von Oakland, meiner letzten Übernachtungsstätte bis nach Calistoga, am Ende des Napa Valley zum Beispiel sind es rund 74 Meilen. Von Calistoga bis nach Mendocino, welches wieder an der Küste liegt, sind es dann 112 Meilen. Irgendwann mußte ich tanken fahren und tat dies mangels anderer Möglichkeiten in ebendiesem Mendocino, wo ich, unglaublich aber wahr, offenbar die teuerste Tankestelle Amerikas gefunden habe: $5,25 pro Gallone, während der kalifornische Durchschnitt zur Zeit bei ca. $4,17 liegt. Die Aufforderung auf der receipt "PLEASE COME AGAIN" kann nicht ernst gemeint sein... Dann gings von Mendocino nach Fortuna nochmals 125 Meilen durch die oben beschriebene Waldlandschaft. Der ein oder andere mag jetzt vielleicht einwerfen, dass dies vielleicht etwas viel Straße ist und das stimmt ja auch, aber durch so eine Landschaft macht es eben auch Spaß. Die Wortschöpfung "Fahrvergnügen" bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Rau und schön - die Steilküste Nordkaliforniens

Kommt dem einen oder anderen der Begriff Mendocino nicht doch irgendwie bekannt vor?
Richtig, es gab mal einen Schlager mit dem Titel, bloß der gute Michael Holm war offenbar nie dort, denn dann würde er nicht von heißer Sonne usw. schwafeln. Am Küstenhighway ist es immer recht frisch und windig und als ich in Mendocino war, waren es gerade mal 14° Celsius.


Samstag, 2. August 2008

Das Goldene Tor

Mal ehrlich, wer träumte nicht schon immer davon, einmal das Golden Gate zu Fuß zu überschreiten - über die Golden Gate Bridge?
Ich habe es heute getan. Nach einer halbstündigen Anfahrt zuerst über die Brücke gefahren, dann auf den Besucherparkplatz und dann zu Fuß zurück in Richtung San Francisco. Links die Skyline und die Bay Area, rechts die sechsspurige Autobahn, dahinter ist die nächste Station erst wieder Tokio. Ich kann nur sagen: das sollte sich jeder mal "reinziehen", weil es einfach fantastisch ist. Einziger Wermutstropfen: Ich habe die falsche Tageszeit gewählt und bin gleich morgens hingefahren. Nachmittags und abends ist es mit der Sonne im Westen, dass heißt mit Sonnenschein auf die Brücke und die Stadt sicher noch etwas schöner, aber man kann sich sowas ja auch für später aufheben (nicht wahr, Ben?). Nach dem Marsch über die Brücke, gemeinsam mit tausenden von Touristen, die alle auch die falsche Zeit gewählt haben nebst etlichen Joggern, bin ich noch auf die Hügel raufgefahren. Von hier aus wird das ganze Außmaß, die schiere Unendlichkeit einer amerikanischen Metropolregion erst so richtig deutlich.

Die Golden Gate Bridge. Im Hintergrund San Francisco

Wer glaubt, dass man mal eben schnell von Downtown zur Bridge laufen könne, sieht sich vor einem mindestens 10 Kilometer langen Fußmarsch, und dabei ist es doch alles eine Stadt und schon die Brücke ist so gewaltig: Länge: 2.737 Meter, längste Stützweite: 1.280 m, Höhe 227 Meter. Untendurch fahren die Segelboote, Frachter, Tanker, Passagierschiffe in die Häfen Oakland und San Francisco und für Touristen gibt es Hubschrauberrund- und Brückendrunterdurchflüge. Unglaublich, aber wahr.

Ist hier die Farbe drin? 22.000 Liter davon werden jährlich für Neuanstriche verbraucht

Irgendwann mußte ich aber auch das Golden Gate wieder verlassen und bin nochmals in das Zentrum hingefahren, an den Union Square, der Treffpunkt für kaufwillige Einheimische und Touristen. In San Francisco gibt es übrigens vier Arten von öffentlichem Personennahverkehr (diese Wortkombination kann nur aus dem Deutschen entspringen): Busse, O-Busse, Straßenbahn und die berühmten Cable Cars. Letztere sind eher ein Überbleibsel, inzwischen zum Nationaldenkmal erhoben, was aber wahrscheinlich nur touristisch-ökonomische Gründe hat. Denn für eine Fahrt mit dieser Bahn steht der allgemeine Touri gern mal zwei Stunden an der Drehscheibe am Ende der Powell Street, sieht zu, wie die Cars mit Muskelkraft umgedreht werden und steigt dann für eine Fahrt auf den offenen Wagen, der dann bimmelnd und ratternd die Straße hinaufgezogen wird - an dem Kabeln angeklammert, das im Untergrund entlangführt.
Ich habe auf eine solche Fahrt verzichtet, es bleibt offen für die eventuell stattfindende nächste Reise.

Cable-Car-Drehscheibe: gleich wird der Wagen auf das linke Gleis geschoben und die Passagiere können aufsteigen.

So werde ich also höchst unvollkommen San Francisco morgen verlassen müssen, weiter auf dem Weg nach Norden.

Freitag, 1. August 2008

Von Monterey nach San Francisco

Die Ferienstadt Monterey lasse ich hinter mir, ohne dort etwas angeschaut zu haben. Die etwa 110 Meilen entfernte Metropole San Francisco lockt mehr, als ein verschlafener Urlauberhafen. Und immer noch geht es auf dem Highway 1 weiter. Mein TomTom will mir zwar immer etwas anderes vorschlagen, aber irgendwann gibt er sich geschlagen mit seinen Anweisen nach der Art "Drehen Sie wenn möglich um..." Je länger je mehr gefällt mir die ganze Küstenregion. Bloß der Nebel, der täglich vom Pazifik hereinzieht, stört etwas, weil er immer den Eindruck vermittelt, dass der ganze Tag grau bleibt. Doch ich fahre bloß mal fünf Minuten landeinwärts, schon bin ich im strahlenden Sonnenschein. Auch die Einfahrt nach San Francisco war so. Meine Gedanken, dass dies wohl ein "toller" Anfang ist ("alles grau in grau, keine 20° Celsius") wurden schnell beseite geschoben und die Stadt liegt plötzlich wie auf dem Präsentierteller vor mir, natürlich in strahlender Sonne. Überhaupt ist die ganze Umgebung auch hier wieder sehr reizvoll. Man fährt von den Hügeln hinab in die Wolkenkratzerschluchten. Der Anblick ist einmalig. Schade, dass ich aus dem fahrenden Auto heraus nicht fotografieren konnte. Geparkt habe ich heute in einem Parkhaus, in dem einem das Auto "abgenommen" wird. Ich habe mich schon beim reinfahren gewundert, warum die Angestellten dort in weißen Kitteln humherlaufen. In Parkhäusern wie diesem läßt man das Auto am Eingang zurück und der attendant fährt es dann zu einer Parkposition. So wird das ganz Haus vollgestellt, zugeparkt, wie auch immer. Wenn ein Fahrzeug von hinten rauswill, muß dann alles, was davor parkt, umgestellt werden, aber ich glaube, die haben da ein System mit Uhrzeiten usw. was die Sache vereinfacht. Jedenfalls bekommen die viel mehr Fahrzeuge auf die Fläche, als in Parkhäusern mit "Selbsteinparken".

Ein ganz kleiner Skyline-Ausschnitt. Links die Transamerica Pyramid

Nachdem die Sache mit dem Parken geklärt war, bin ich also zu Fuß weiter. Erstmal die Hügel rauf und runter, etwas Skyline schauen, an den Piers entlang - ich bin von 1 bis 35 gekommen, dann hat es mir gereicht. Morgen ist auch noch ein Tag... Übrigens: die Sonne schien zwar sehr schön, aber wärmer als 20 Grad ist es trotzdem nicht geworden.

Eines der berühmten Cable Cars. Der Antrieb erfolgt durch Kabel, die im Boden entlangführen.

Die Fahrt zum Hotel führte nochmal durch Downtown und hierzu muß ich sagen, dass San Francisco diesbezüglich eben doch mehr Stadt ist als Los Angeles. Während man in letzterem eher behäbig die Boulevards entlangtuckert, geht es hier viel hektischer zu. Es wird gehupt, gedrängelt, geschnitten usw. Aber als Europäer kann man auch überstehen.
Mein Hotel liegt heute in Oakland, auf der anderen Seite der Bay, etwa 12 Meilen von San Francisco entfernt. Ich hatte dieses gestern schon per Internet gebucht und heute als erstes die Reservierung von einer Nacht auf 2 Nächte erweitert. Heute beginnt das Wochenende, viele Menschen sind unterwegs und ich nehme an, das die Hotels in Zentrumsnähe unbezahlbar und/oder mittlerweile nicht mehr buchbar sind.
Von meinem jetzigen Zimmerfenster aus sehe ich sogar ein ganz kleines Stück Skyline: die Transamerica Pyramid. Wer kennt dieses Gebäude nicht???

So steil sind die Hügel von San Francisco. Es fehlt nicht mehr viel an 100%...