Samstag, 8. August 2009

Nochmehr zum Staunen

Irgendwie klappt das in den Super 8 Motels dieses Jahr nicht. Nachdem ich gestern den Frühstücksraum wegen Überfüllung gemieden habe, hatte das heutige Hotel ein Frühstück gar nicht erst im Angebot. Nur Kaffee. Und bei dem Vorhaben, etwas länger zu schlafen, habe ich ebenfalls nicht mit den im Hotel lebenden Zeitgenossen gerechnet: ein paar übergewichtige Althippies, die ihre aufgemotzten Motorräder spazieren fahren und diese vor Abfahrt gegen 7.00 erstmal eine halbe Stunde warmlaufen lassen, was auch immer das nützen soll. Also bin ich recht zeitig aufgebrochen und habe stattdessen unterwegs in einem kleinen Familien-Restaurant gefrüchstückt, das halb Gaststätte und halb Kunstgalerie war. Hier gab es das typische amerikanische Frühstück mit Sandwich, Bratkartoffeln (habe die Übersetzung mal wieder nicht parat gehabt, sonst hätte ich letztere nicht genommen) und Kaffee. Alles nett gemacht von der ganzen Familie (Mama kocht, Töchter servieren und kassieren und die Oma schenkt Kaffee nach - so ungefähr muss man sich es vorstellen).
Nun hatte ich den ganzen Tag und immer noch das ausgedehnte Canyon-Land des Colorado River vor mir. Die Wüste hat sich zwischenzeitlich verabschiedet und ist Getreidefeldern gewichen. Mitten in diesen stehen gelegentlich sonderbare Türme aus Felsen, die noch nicht wegerodiert wurden und je näher man wieder in Richtung Canyon fährt, desto bizarrer werden wieder die Felsen. Irgendwo bin ich dann nach links auf eine Schotterpiste abgebogen, weil es hinter dem Horizont einen Aussichtspunkt in den Canyon geben sollte. So war es dann auch, direkt von der Kante hinter gab es wieder einmal einen fantastischen Blick auf den Fluß und die Felsen, hier noch zusätzlich Salzseen und Berge aus Salz. Dazwischen, ganz unten, fahren die Touristen mit Quads Rennen...

Auch eine Fahrt durchs Hinterlang bietet erstaunliche Motive...

Nach dieser Zwischenstation bin ich weitergefahren in Richtung Norden zum Arches National Park. Jeder kennt sicher diese natürlichen Brücken, Felsbögen, die sich über den Kopf des Betrachters spannen. Im Arches NP gibt es davon 2.000 Stück und einige der bekanntesten, die immer wieder auftauchen, wenn Bilder aus Amerikas Landschaft gezeigt werden. Aber das ist ja mittlerweile auch nichts Neues mehr. Im Park jedenfalls gibt es wieder einen Rundweg für den gemeinen Tourist, mit dem er alle bekannten Bögen abklappern kann. Ambitionierte und vor allem ausgerüstete Reisende könnten die vielfältigen Wanderpfade benutzen und so zu einer Reihe weiterer Highlights gelangen, aber ich habe ja nicht mal festes Schuhwerk mit. Also bleibe ich im Wesentlichen auf der Fahrstraße. Doch auch auf dieser bekomme ich wieder einmal die beeindruckende Landschaft in zu sehen. Verrückte Felsformationen, die eigentlich gar nicht mehr aufrecht stehen dürften, Brücken aus Felsen, Canyons usw. Die ganze Bandbreite der unglaublichen Natur müßte doch eigentlich mal erschöpft sein, doch dann fährt man um zwei Straßenbiegungen und steht sogleich vor einem noch anderen, nicht weniger beeindruckenden Schauspiel. Z.B. dem Balanced Rock, einem Felsklumpen, der ziemlich schief auf einem ziemlich dünnen Stiel steht und offenbar sich gerade so ausblanciert hat. Seine 3.000 Tonnen stehen gewiß schon etliche Tausend Jahre so aufrecht, aber hier und auch im ganzen Park bleibt die Erosion nicht stehen und so bröckelt und bricht es an allen Ecken und Enden und am Fusse der Felsen liegt des ganze abgefallene Material: mal Berge von Schotter, mal Klumpen so groß wie Einfamilienhäuser und oben kann man noch ganz genau sehen, wo das mal dran war. Ich persönlich gebe z.B. dem Balanced Rock noch maximal 10 Jahre da oben. Ich möchte aber nicht in der Nähe sein, wenn sich seine 3.000 Tonnen in Bewegung setzen.

Ich gebe dem Felsen noch maximal 10 Jahre.
Nach sogenanntem menschlichem Ermessen müsste er ja
eigentlich schon tausende von Jahren unten liegen.

Rundfahrten durch derartige Parks sind aber auch anstrengend: Rein ins Auto, raus aus dem Auto, rein, raus usw. Nach dazu das Wüstenklima, das ständiges Trinken anraten läßt. Ich habe das heute eine Zeitlang nicht ausreichend getan und gleich die Quittung dafür bekommen: Unwohlsein und so eine komisch-schlappes Gefühl. Dabei hatte ich wohlweislich ausreichend Wasser im Auto. Nach dessen Konsumierung ging es wieder normal, aber es zeigt mir, dass mit den Hinweisen der Parkverwaltung nicht zu scherzen ist. Diese Leute haben sicher was anderes zu tun, als Kranke abzutransportieren und deswegen stehen vor allem an den Eingängen zu den Wanderpfaden und Fußwegen Schilder, wie man sich in der Wüste zu verhalten hat, auch wenn der geplante Fußmarsch nur 10 Minuten lang ist. Also: mehr trinken - Wasser natürlich.
Nach dem Arches National Park wollte ich nur noch in mein Hotel, ins 60 Meilen entfernte Green River. Das Städtchen hat, wie ich mittlerweile weiß, nichts zu bieten ausser Wassermelonen: die nationale Wassermelonenhauptstadt. Aber die verkaufen die Dinger, die dreimal so groß sind, also die, die es in Deutschland zu kaufen gibt, nur im Ganzen, und was soll ich mit einer 20 kg schweren Melone? Dabei ess ich die Dinger doch zu gerne... es ist zum Heulen.
Green River hat doch noch ein paar Attraktionen, vor allem im Umland. Das werde ich morgen erkunden und den Tag als einen Erholungstag verwenden. Das Hotel habe ich für zwei Nächte gebucht.
Internet geht hier auch, allerdings erst nach einem Anruf meinerseits beim zuständigen Servicedienst...

Grosses "Nordfenster"

Keine Kommentare: