Sonntag, 11. Juli 2010

Eilenburg (Deutschland): 34 - Blythe (Kalifornien): 42

Die deutsche Hitzewelle schwappt nur nachrichtenmäßig hier zu mir herüber. Nötig wäre das nicht, denn dort, wo ich heute abend abgestiegen bin, werden regelmäßig höhere Temperaturen erreicht. Das ist aber auch kein Wunder, denn der Ort Blythe liegt inmitten der Colorado-Wüste, knapp an der Grenze zu Arizona. Bis dahin habe ich es heute geschafft, inklusive Besuch des Joshua Tree National Park. Aber der Reihe nach.
Von gestern war ja noch einiges offen. Angefangen mit den 10 Kilogramm Brotbackmischung, die ich für meinen Bruder Benjamin mit nach Amerika bringen wollte. Nach ausgiebigem Internet-Studium kam ich schließlich zu der Erkenntnis, dass das Einführen von Brotbackmischung erlaubt ist. Trotzdem blieb so ein gewisses Unwohlsein, ausgelöst durch die vorausschauende Phantasie, wie ich an der Zollkontrolle meine Tasche auspacken muss und mich für jeden Artikel zu rechtfertigen habe... und dann? Ja, mein Gepäck wurde einer strengen Sonderprüfung unterzogen. Allerdings nicht in Los Angeles, sondern in Berloin Tegel. Und auch ohne mein Beisein. Nach der Ankunft fand ich in meiner Tasche das "Durchsuchungsprotokoll" in der Art: bei der Röntgenkontrolle konnte die Ungefährlickeit nicht zweifelsfrei festgestellt werden, daher musste Ihr Gepäck geöffnet werden ... usw". Tatsächlich waren die Kontrolleure an dem Karton mit den Backmischungen interessiert, denn diesen hatte ich mit Klebestreifen zugemacht und aussen beschriftet, aber das TesaPack war aufgeschnitten und neu verklebt worden. Bei diesem Vorgang muss dann wohl auch die Lufttransportfähigkeit festgestellt worden sein, denn es wurde nichts entnommen. In Los Angeles angekommen wurde ich nur noch von einem gelangweilt dreinblickenden Officer gefragt, welche Art von Lebensmittel ich einführe und dann an- und abschließend durchgewinkt... und das wars. Dreißig Minuten für die ganze Einreiseprozedur, ich glaube, das ist Rekord. Nun musste ich nur noch zu meinem ersten Hotel in Banning kommen, um erstmal auszuschlafen. Dafür brauchte ich das Auto von Alamo, der Autovermietung. Der Agent am Schalter machte auch hier ruckzuck die Formulare klar, die üblichen Fragen nach Upgrades und zusätzlicher Versicherung usw. konnte ich schnell mit "No, thank you" beantworten. Dann sagte er noch sowas wie: "Vierte Reihe "Intermediate SUV", such dir ein Auto aus, der Schlüssel steckt." Ich war etwas verblüfft, denn so kannte ich das gar nicht. Aber gut. Also raus auf den Platz und Reihe vier suchen. Dort standen auch gar nicht so viele Kisten zu Auswahl. Ein paar Trucks (diese Lieferwagen mit offener Ladefläche - keine Ahnung, wer so ein Auto mietet), ein SUV, das gerade bezogen wurde, eines (Typ unbekannt) in gelb und vier gleiche Wagen in unterschiedlichen Farben, von denen ich den schwarzen gewählt habe. Und das ist nun mein diesjähriges Auto:

Jeep Wrangler. Das ganze Verdeck könnte man abbauen und das Ding als Cabrio fahren. Aber wohin dann damit??? Das Auto ist jedenfalls nicht schlecht, um die ganzen unpaved roads zu befahren; dazu sollte der Vierrad-Antrieb zugeschaltet werden.

Dass ich wohlbehalten in Banning angekommen bin, hatte ich ja schon geschrieben. Heute ging es dann also darum, die Qualitäten des Fahrzeugs auszutesten, und dazu bietet sich der nahegelegene Joshua Tree Park an. Der hat nämlich neben den normalen Parkstraßen auch unendliche Meilen unpaved road und davon sogar einige nicht gewartete, also völlig "wilde" Straßen. Benutzung auf eigene Gefahr, aber kann mit so einem Auto überhaupt was schiefgehen??? Also habe ich auf derartigen Straßen den Park erkundet. Der Joshua Tree - richtigerweise müßte es Josua-Palmlilie heißen - ist ein Agavengewächs, das nur hier, im Südwesten der USA zu finden ist. Der ganze Park steht voll davon, war mein Eindruck nach Einfahrt durch den Westeingang. Aber er hat noch mehr zu bieten, vor allem geologisches. Auf dem Hochplateau erlebt der Besucher eine sonderbare Welt der Felsen. Runde Steine, flache Steine, die man vielleicht vom Strand kennt, liegen hier säuberlich aufgestapelt mitten in der Landschaft. Und natürlich haben diese Steine nicht das übliche "Handschmeichler"-Format, sondern es sind ziemliche Brocken und man fragt sich unweigerlich, wie diese Stapeleien entstanden sind... Wie immer gibts dafür eine geologische Erklärung und anhand von sichtbaren Beispielen an unzähligen Tafeln kann sich der Tourist durch die Entstehungsgeschichte hangeln. Ich habe das heute auch getan, allerdings bei ziemlich trübem Wetter. Irgendwie paßte das nicht zur Wüste, in die ich ja eigentlich wollte. Himmel grau, Regen. Ich hatte mir schon überlegt, wie das wohl so ist, wenn man gerade auf so einer unbefestigten Straße von einem Wolkenbruch überrascht wird. Die Warnschilder jedenfalls machten keine großen Hoffnungen, ohne große Schäden davonzukommen ("wenn das Wasser kommt, nimmt es alles mit...").

Im Schlechtwetter-Teil des Joshua-Tree-Nationalparks: ca 25°, Regenschauer, viele Felsen...

Dann allerdings ging es in den zweiten, südlichen Teil des Parks. Von der Hochebene hinab in das Pinto Basin und hier beginnt wirklich ein anderer Teil der Welt. Mit einem Schlag wird der Himmel blauweiss, die Sonne brennt unbarmherzig nieder und die Temperatur steigt erstmal um 10 Grad von 25 auf 35. Das hat schon eher was von Wüste und auch der natürliche Kakteen-Garten mit 400m langem "Wander"-pfad paßte ganz gut ins Bild. Von hier aus ging es dann weiter bis nach Blythe, wo ich jetzt bin und wo es gerade, um 22 Uhr abends, immer noch um die 35 Grad hat. Ohne Klimatisierung geht da gar nichts. Kalifornien hat also zumindest auf der Temperaturskala noch einiges mehr zu bieten, als Deutschland...
Irgendwas wollte ich noch schreiben, aber es ist mir momentan entfallen. Vielleicht kommt es wieder, dann liefere ich nach. Für heute solls erstmal reichen.

Kommentare:

Sebastian hat gesagt…

Du kannst ja bei diesen Temperaturen eine Runde joggen gehen... Habe ich heute bei 32° in MD gemacht... Keine 30min ausgehalten. Viel Freude weiterhin.

Mirko hat gesagt…

Das nenne ich mal ein adäquates Einsatzfahrzeug! Die Eignung für unbefestigte Straßen hat es also schon unter Beweis gestellt. Wie sieht es mit dem Reisekomfort auf längeren Strecken aus? Aus dem Bauch raus würde ich vermuten, dass man da Abstriche machen muss. Auf jeden Fall sieht die Kiste aus, als würde sie Spaß machen.

Gerade in der letzten Woche habe ich mich mit einer Kollegin über Essen im Allgemeinen und Brot im Besonderen in den Staaten unterhalten. (ihre Tochter lebt seit ein paar Jahren in Baltimore) Sie hat mir erzählt, dass es dort kaum vernünftiges Brot zu annehmbaren Preisen gibt. Deine Backmischungslieferung spricht dafür, dass sie mit dieser Meinung nicht allein dasteht. Ihre Tochter nimmt auch dieses Jahr von ihrem Besuch in Berlin wahrscheinlich wieder Gummibärchen und "Nimm Zwei" mit rüber.

Temperaturmäßig liegst du natürlich weit vorn, obwohl ich gestern auch um 8:00 30°C und um 14:00 36°C in der Werkhalle hatte.
Da lobt man sich die Klimaanlage im Auto.
Da du hier nicht verraten hast, wie diese geplant wirkenden Stapeleien der Felsen zustande gekommen sind, muss ich wohl selbst nachforschen. Danke für die Inspiration.
Gruß Mirko