Donnerstag, 22. Juli 2010

Stanford und das Silicon Valley

Gestern bin ich also auf die letzte Etappe meiner Autotour gegangen, von Modesto im Central Valley, dem Obst- und Gemüsegarten der USA hinein ins Silicon Valley. Das Silicon Valley ist der südliche Teil der Metropolregion um die Bucht von San Francisco in Kalifornien. Die Bezeichnung wurde 1971 geprägt, als sie der Technik-Journalist Don C. Hoefler (auf Vorschlag des Unternehmers Ralph Vaerst) im Titel einer Artikelserie über die Halbleiterindustrie in der Wochenzeitung Electronic News erstmals publizierte und hat sich als Inbegriff für die hier ansässige Computerindustrie gehalten. Irgendwie mitten drin im Valley liegt mein Ziel-Städtchen Palo Alto mit etwa 61.000 Einwohnern und im Umkreis liegen weitere Orte mit klangvollen Namen wie Cupertino, San Jose, Sunnyvale, Mountain View, Stanford und so weiter und in diesen Städten angesiedelt sind heute einige der größten Unternehmen der Computerindustrie. Wer will da entscheiden, welches die wichtigsten sind? Daher hier eine Auswahl: Google (Mountain View), Apple (Cupertino), Intel (Santa Clara).
Nach Palo Alto bin ich gefahren, um hier meinen Bruder zu besuchen, der seit vorigem Jahr hier mit seiner Frau und - seit allerneustem - dem kleinen Johannes lebt. Nach der Ankunft im Appartment bin ich erstmal mit Friederike zur Universität Stanford gefahren, um Ben aus dem Labor rauszuholen. Ganz entgegen meiner Erwartungen kann man hier "einfach" reinspazieren und duch die Fenster in die Labore reinschauen. Irgendwo war dann Ben noch mit seinen Kollegen beschäftigt, als wir anrückten und deswegen sogleich auch wieder abzogen, um draussen auf dem Campus auf ihn zu warten.
Viele Teile der heutigen Computer- und Technologie-Industrie des Silicon Valley gehen irgendwie irgendwann auf irgendwelche Aktivitäten der Universität Stanford zurück. Zum Beispiel trägt das Unternehmen Sun Microsystems den Ursprung noch im Namen: Sun = Stanford University Network (was allerdings nicht verhinderte, dass die Gesellschaft 2009 von Oracle, auch so ein Silicon-Valley-Unternehmen, aufgekauft wurde). Ben ist allerdings hier nicht im Computerwesen tätig, sondern als "Post-Doc" befristet in der Chemie angestellt. Nachdem er Kittel ausgezogen und Schutzbrille abgelegt hatte, gab es einen kleinen Rundgang über den Campus, vorbei am Glockenturm und den doch recht bekannten Kolonnaden der historischen Gebäude (historisch in Amerika = ca. 100 Jahre alt). Die Uni selbst ist eine der reichsten US-Unis mit einem Stiftungsvermögen von über 17 Mrd. Dollar. Damit läßt sich trefflich lehren und so wurde die Uni im Laufe der Zeit zu einem der Wachstumsmotoren der IT-Entwicklung, speziell des Silicon Valley. Der Wahlspruch lautet - sehr schön auf Deutsch - "Die Luft der Freiheit weht" und findet sich auf den Symbolen der Uni, die man z.B. im Bookstore als Andenken auf T-Shirts, Pullovern und Schlüsselanhängern kaufen kann. Übrigens kann jedermann und jedefrau auch Teil der Uni-Forschungsgemeinschaft werden und an dem Projekt Folding@home teilnehmen.
Nach dem Rundgang über den Campus und den Kauf-Abstecher im Bookstore ging es erstmal in Ben und Friederikes Wohnung zurück und dann zu Vertragsverhandlungen. Ben will sich ein familiengerechtes, gebrauchtes Auto kaufen und Wagentyp und Anbieter standen bereits fest. Also ging es nochmal los, nach Sunnyvale auf einen Parkplatz. Kurz darauf kam der Anbieter, ein Inder, mit dem Wagen des Interesses und Ben, ein Freund aus Deutschland und ich prüften das Fahrzeug auf Herz und Nieren, alle Funktionen wurden gecheckt, Reifen, Lichter, Öl, Kühlwasser usw. Wie gesagt, auf Herz und Nieren. Dann ging es nach nebenan in ein Firmenbüro, dort wurde noch gefeilscht und formuliert und der Vertrag aufgesetzt, auf dessen Grundlage das Fahrzeug, ein Honda Odyssey den Besitzer wechseln sollte. Ich glaube, den Indern war es irgendwann zu viel. Sie wollten das Auto loswerden, aber Ben, der deutsche Interessent wollte noch dieses und jenes festgeschrieben haben. Ich glaube, der Inder war schon etwas ungehalten, denn vorher, noch auf dem Parkplatz, als wir noch die Fussmatten prüften, war plötzlich eine weitere indische Familie auf dem Plan, die auch Interesse für das Auto hatten und die Kinder saßen hinten schon Probe. Ich vermute, die hätten ohne jeden Vertrag die Karre vom Fleck weg gekauft und nun musste er sich mit uns herumschlagen... Schlußendlich war der Vertrag dann doch fertig und unterschrieben und ich hoffe, dass Ben und Friederike bald ein wunderschönes Auto für die kleine Familie haben. Der Honda Odyssey ist ein Van, wie man ihn auf deutschen Straßen nicht findet: 7 Sitze, die hintere Sitzbank mit drei Handgriffen in der Kofferraummulde versenkt, dadurch quasi Verdreifachung des Stauvolumens. Die mittleren Sitze lassen sich wunderbar verschieben und variieren. Einfach ein geniales Konzept, aber dieses Auto gibt es offenbar nicht in Deutschland zu kaufen, deswegen werden Ben und Friederike es nach ihrer Zeit hier nach Europa verschiffen lassen. Wenn die mal hier in Deutschland damit unterwegs sind, werden sie wohl den einen oder anderen neidischen (?) Blick auf sich ziehen... Allerdings: offroad kann man damit auch nicht fahren. Nach den anstrengenden Vertragsverhandlungen (ich habe die Rolle des Beobachters übernommen und mir das Büro dieser Import-Export-Firma genauer angeschaut) gab es noch zu Hause eine Flasche Champagner und ein Spaghetti-Abendbrot, danach war Schlafenszeit angesagt. Ben erwähnte immer wieder, er müsse morgen noch früh raus um etwas im Labor zu arbeiten...
Am nächsten Morgen Behördengang mit Ben: Geburtsurkunde für Johannes abholen. Er ist jetzt ein echter Amerikaner und bekommt einen US-Reisepass für den "Weihnachts-Urlaub" in Deutschland. Danach: mein Auto zur Vermietung zurückbringen. Der schöne Jeep Wrangler... aber nun bekommt er mal wieder eine Grundreinigung, der ganze rote Staub aus Arizona muss raus und vielleicht können die ja auch die klappernden Teile wieder festmachen. Ich hatte den Eindruck, dass je länger je mehr Teile lose wurden. Soviele unpaved roads bin ich nun auch wieder nicht gefahren, dass die Kiste gleich auseinanderfällt. Aber: hier hat sich niemand das Auto genauer angeschaut. Ausser Kilometerstand ablesen und Rechnung ausdrucken war nichts weiter nötig. Ben ist danach tatsächlich noch ins Labor gegangen, während ich mit Friederike und Johannes einen entspannten Tag im Golden Gate Park in San Francisco verbracht habe. Ich weiß nun auch, warum ich diese Stadt nicht so sehr mag: es ist hier einfach zu kalt für mich. Heute vielleicht 20° Celsius, viel Wind, viele Wolken. Das ist doch kein Wetter.
Morgen, Freitag, werden wir zu viert noch ein wenig das Valley erkunden und die Epizentren der C0mputertechnologie anschauen, dann noch etwas Entspannung. Vielleicht gibts dann auch wieder einen Bericht.

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