Sonntag, 1. August 2010

Riverside Church und Highline

Die Riverside Church in New York befindet sich auf der Upper West Side zwischen den Stadtvierteln Harlem und Morningside Heights. Architektonisch orientiert sie sich an den gotischen Kathedralen Frankreichs und hat einen zirka 120 Meter hohen Turm, der - eigentlich - für die Öffentlichkeit geöffnet sein sollte und von dem man einen wunderbaren Blick über den Hudson River und die umliegenden Teile Manhattans haben sollte. Eigentlich. Denn als ich das von mir für den 30. Juli ausgewählte Sight erreichte, musste ich feststellen, dass der Turm mitnichten geöffnet war und ich somit auf den Rundblick verzichten musste. Wie schade, aber nicht zu ändern. Dafür kam ich in den Genuss, nun ganz allein einen neogotischen Kirchenraum bewundern zu dürfen. Nichts hat hier die Stille gestört und auch die sonst übliche Beschallung mit Musik gab es nicht. Die bleiverglasten Fenster lassen nur wenig Tageslicht herein, alle Augen-Blicke den Altar gelenkt, der als Zentrum der Kirche den Besucher anstrahlt. Errichtet wurde der Bau in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts als überkonfessionelle Kirche. Im Laufe der Zeit hat sie sich einen Ruf als Zentrum zur Förderung linker politischer Ideen und sozialer Projekte erarbeitet. Das ganze Gelände beherbergt nicht nur die Kirche selbst, sondern auch einen Kindergarten, Bücherei, Tagungsräume, eine Turnhalle...
Schade, dass der Turm geschlossen war.

Riverside Chruch (Freihand im Dunkeln kommt leider nicht so gut).

Nach diesem Ausflug sollte es auf direktem Wege nach Downtown gehen, aber so einfach war das nicht, denn überall in Amerika wird gebaut und so auch auf der U-Bahn-Linie. Also hieß es erstmal, zwei Stationen weiter nach Uptown, Umsteigen in der Station Harlem - 125th Street und wieder zurück, mit der Express-Bahn nach Downtown. Einige Leute haben das nicht verstanden, darunter durchaus auch Einheimische, die sind dann einfach durch die Notausgänge rausgegangen, was jedesmal einen furchtbaren Alarm-Lärm verursacht hat. Später habe ich dann an anderer Stelle noch bemerkt, dass einige New Yorker das durchaus auch mit Absicht machen... keine Ahnung, aber besonders cool ist das nicht.
Von Harlem nach Downtown runtersind es in New York etliche Kilometer (man könnte die übrigens auch laufen ohne "abzubiegen"; der Broadway führt quasi durch ganz Manhattan), die aber mit der Subway sehr komfortabel zurückzulegen sind, wenn man von den 35 Grad heißen U-Bahn-Stationen absieht, denn Wärme bin ich ja nun gewöhnt. Ich bin also von der 125. Straße bis zur 14. Straße gefahren, dort ausgestiegen und Richtung Westen gelaufen. Die Uhr ging schon wieder bedenklich schnell, aber dieses neue Sight wollte ich mir nun endlich einmal anschauen: die Highline, ein neuer Park mitten in New York, errichtet bzw. angepflanzt auf einer stillgelegten Güterzug-Gleisanlage. Und das alles eine Etage höher, also über der Straße. Tatsächlich: die Gleise wurde als Hochbahn gebaut und auf dieser Bahn befindet sich nun ein Park mit Blumen, Bäumen und Wiesen. So ganz wirklich haben die New Yorker und ihre Gäste die Anlage noch nicht in Besitz genommen, die Anzahl der Besucher hielt sich in Grenzen, aber auch die ganze Idee selbst ist noch gar nicht fertig. Darüber, was die High Line war und wie sie nach und nach zu einem Park wird, gibt wie immer Wikipedia gut Auskunft. Ich persönlich fand es etwas - nun ja - noch nicht ausreichend. Die Idee ist toll, paßt gut zu New York, aber wer nur wenig Zeit hat und sich davon nicht während eines Parkbummels unter Druck setzen lassen möchte, sollte sich das aufheben für später. Es wird ja noch daran gearbeitet.

Die High Line - so hieß die Bahnlinie tatsächlich, führte direkt durch die Lagerhäuser, die eigene Gleisanschlüsse eine Etage über Straßenniveau hatten. Die Waren konnten direkt im Lager auf- oder abgeladen werden. Heute entladen sich die Angestellten oder Bewohner der Hochhäuser in den Park zum Relaxen oder Mittagessen.

Von der 23. Straße aus bin ich dann zurück zu Times Square, habe mir dort ein kleines und reichlich verspätetes Mittagessen organisiert und bin dann die wenigen hundert Meter zum Grand Central Terminal gelaufen, von wo aus ich mit der Bahn zurück nach Bridgeport fuhr. Immerhin war es da schon um 4 Uhr nachmittags und ein ganzer Tag fast vorbei. Allerdings für mich ohne großen Streß und Hektik, einfach nur ein bißchen rumschauen.
Das ist das gleiche, was ich auch am Tag vorher, dem 29. Juli veranstaltet habe, da jedoch nicht allein, sondern mit Marks Frau Beth. Irgendwann morgens sind wir losgefahren Richtung New York, diesmal per Auto und es ging auch nicht in die Stadt rein, sondern aufs Land, zu einem Weingut (würde ich auf Deutsch sagen). Hier wird es als Winery bezeichnet und die stellen hier alles aus Früchten her, insbesondere den sogenannten Cider - Apfelwein. Natürlich kann man den gleich hier erwerben, an einer Verkostung teilnehmen oder in den Plantagen rumlaufen. Im Herbst gibt es "Selbstpflücken" von Äpfeln und die Sauere-Gurken-Zeit im Sommer wird mit kleinen Festivals an den Wochenenden überbrückt, zu denen die Städter zu Hunderten anrücken. Die Hoch-Zeit ist aber der Herbst, wenn die Bäume bunt (Indian Summer) und die Äpfel reif werden. Dann wird selbst auf dem Land die Parkplatzsuche schwierig. Jetzt, an den Werktagen im Sommer, hat nicht mal das Weingut-eigene Café geöffnet, und so bestand unser Mittagessen aus zwei Flaschen Cider, einen kleinen Stück Käse für sagenhafte 9 Dollar und einer halben Packung Cracker. Mehr an Essen war aus dem Laden nicht rauszubekommen. Soweit mal zu zwei entspanten Tagen.

"Straßentheater"

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