Dienstag, 29. Mai 2012

Abschied - einstweilen

Abschied nehmen von Amerika - am 26. Mai war es dann leider schon wieder soweit. An dem Tag sitze ich nachmittags am John F. Kennedy Airport in New York und warte auf den Heimflug, der mich zurückbringt in den Alltag. Irgendwann soll hier noch einmal ein kleiner Abschlussbericht erscheinen, bis dahin hat mich die Arbeit aber schon wieder "eingefangen". Andererseits freue ich mich darauf, wieder zu Hause zu sein und mit neuer Kraft neue Vorhaben anzugehen.
Für Bilder-Interessierte hat es hier noch einen Link zur Foto-Seite, die so nach und nach mit neuen Bildern gefüttert wird.

Zum vorläufigen Abschluss hier noch eines dieser wunderbar minimalistischen Motive, die überall zu finden sind und - jedenfalls mir - so richtig die Freude am Fotografieren wecken. Davon gibts in Zukunft, so Gott will, noch viel mehr...:

White-Sands-Minimalismus

Sonntag, 20. Mai 2012

Houston, we've had a problem here.

Das ist genau der historische Spruch, den Apollo-13-Astronaut Jack Swigert an das Mission Control Center in Houston sendete - und nicht irgendwelche anderen Sprüche, die so im Umlauf sind.
Ich wähle den als Überschrift, um vielleicht ein paar Google-Suchanfragen auf den Blog zu lenken; andererseits aber auch, weil ich mittlerweile ein echtes Blog-Problem habe: Inzwischen bin ich nämlich in Houston gelandet und die Stationen Austin und Galveston sind hier noch gar nicht erwähnt. Es gibt also einen Bearbeitungsrückstand. Vielleicht denken manche schon, ich bin irgendwo verschollen gegangen. Andererseits gab es auch bereits ein Artikel-Gerippe für diese Zeit, aber ich musste des aus dem Speicher kippen, weil der Text einfach nicht gut genug war. Also folgt jetzt mal eine rückwärts-chronologische Aufarbeitung, beginnend mit Houston, der Millionenstadt im Süden Texas.

Benannt nach Sam Houston, einem der alten Gründer-Haudegen in Texas, General und Präsident der Republik, die der Staat kurz vor Aufnahme in die Union war. Heute ist die Stadt ein Glitzerding, reich durch Öl und den Hafen, der durch einen langen Kanal mit dem Golf und damit allen Weltmeeren verbunden ist. Aber dennoch irgendwie so klein, dass man die Downtown bequem zu Fuss durchwandern kann. Zwischen den Wolkenkratzern von BP, Total und wie sie alle heissen, die draussen im Lande und auf dem Wasser das schwarze Gold zutage fördern, das heute noch einen wesentlichen Anteil des gesamten US-Bedarfs deckt und deren Sorte West Texas Intermediate (WTI) als Referenzsorte den Weltmarktpreis bestimmt.
Was die Stadt noch ist, sieht man erst, wenn man die Downtown verlässt: da gibt es ausgedehnte Vorstädte, in denen vor jedem Haus ein Truck und ein SUV stehen, heruntergekommene Viertel zwischen der Downtown und den Vorstädten, in denen ganz offensichtlich die ärmeren Bewohner leben und irgendwo darinnen ein paar Kulturviertel mit hochkarätigen Opern, Theatern und einem ganzen Museums-Distrikt in einer grossen Grünanlage. Letzteren Distrikt habe ich heute zu Fuss erlaufen, immerhin 3 Meilen vom Hotel entfernt - für Amerikaner unvorstellbar, diese Strecke zu Fuss zu erledigen. Ich bin ohne Museumsbesuch wieder zurück, diesmal aber - man höre und staune - mit der Strassenbahn. Die heisst hier natürlich nicht so profan Tram oder so, sondern ganz grosstädtisch Metro Rail. Aber$1.25 für ein Billett in die Innenstadt - ich finde, das isst eben doch Strassenbahn.
Das Museum, dass ich eigentlich gern gesehen hätte, war dasjenige für Photographie, aber ich habe es nicht gefunden. Irgendwann habe ich aufegegeben und mir gedacht, okas, was erzählen die auch anderes: Goldener Schnitt, Blende 8 bei Sonne und Bücher kaufen im Museumsladen - mehr haben die auch nicht... Kurz darauf kam mir noch die Fabel vom Wolf und den unereichbaren Weintrauben in den Sinn...
Morgen, am Montag, werde ich dann nochmal die Downtown besuchen und ein paar Sachen einkaufen, die heute wegen des Sonntag nicht zu bekommen waren. Sogar Macy's, das supergrosse Kaufhaus inmitten Downtown war geschlossen.
Das Umland von Houston hat noch einiges zu bieten, aber es braucht schon noch etwas genauere Blicke dafür, die ich nicht investiert habe. Und dass ich nicht der einzige damit bin, zeigt mir eine Aussage eines Schweizer Geschäftsmannes heute abend in der Hotelbar: ich sei der erste Tourist, der je in Houston gewesen ist...
Naja, das glaube ich zwar nicht ganz, aber ein Teil daran stimmt schon.Houston ist nicht unbedingt etwas für den Massentourismus.
Tatsächlich gibt es trotzdem die eine oder andere Attraktion, z.B. das Johnson Space Center, draussen vor der Stadt. Das ist eigentlich eine Bundesbehörde, nämlich die NASA, aber die hat - geschäftstüchtig - einen Vergnüngspark an das eigentlich Space Center angehängt. Mit saftigen Eintrittspreisen und konsequent auf Familien mit Kindern ausgerichtet. Der einzeln reisende Erwachsene kommt für 24 Dollar trotzdem rein und das interessantes dabei ist die Tram-Tour (unbedingt die Blaue Linie wählen!) durch das echte Space-Center. Tram ist in diesem Fall ein Fahrzeug mit vier angehängten Wagen für Touristen. Damit geht es mit Besucherausweis zwischen den NASA-Gebäuden hindurch zum echten Mission Control Center der NASA. Von hier wurden die Shuttle-Missionen überwacht und die ISS hat hier ein eigenes 24/7/365-Kontrollzentrum.

Mission Control Center- eines von vier in diesem Gebäude.

Den Touristen wird - glaube ich - immer nur der Kontrollraum gezeigt, der gerade nicht in Betrieb ist, aber das war trotzdem interessant, denn das waren keine Attrappen oder Übungsräume, sondern die echten Pulte der Techniker. Am grossen Screen an der Wand waren die ISS-Statusmeldungen eingeblendet und die Uhr zeigte an, dass die Besatzung noch knapp 3 Stunden schlafen konnte.
Zweite Station der Rundfahrt war die Saturn-5-Halle. Hier befindet sich eine dieser riesigen Raketen, mit denen zB die Mondfähre ins All gebracht wurde. Die Rakete ist fein säuberlich in ihre einzelnen Stufen zerlegt und der Tourist kann sich einen Eindruck über die wahrhaft gigantische Grösse dieser Rakete machen. Echt riesig...


Natürlich ist die Saturn-V-Rakete so gross, dass sie nicht ganz ins Bild passt...

Der Rest vom Space Center Vergnügungspark ist schnell erzählt: Raumflugsimulatoren für Kinder, Pulte, an denen man das Shuttle landen kann, Souveniershops und Fressmeile. Interessant ist allenfalls noch der Nachbau der Space-Shuttle-Nase mit Cockpit. Da sieht man mal, wie riesig das Teil in Wirklichkeit ist. Und die haben das als "Segelflugzeug" zurück auf die Erde gebracht...
Also, das Space Center lohnt sich schon...

Cockpit des Space Shuttle - hier allerdings ein Nachbau


Galveston

Das ist der Ort, wo die Houstonians hinfahren, wenn es ihnen in ihrer Stadt zu bunt wird. Dann fahren sie raus an die Golfküste, zum Wochenend-Surfen, abhängen oder Baden. Galveston ist der richtige Ort dafür: ein Streifen Sand am Meer, bebaut mir unendlich vielen Hotels. Immerhin hat der Ort zirka 57.000 Einwohner. Wenn nicht gerade wieder ein Hurrikan hereinbricht, ist es auch ganz idyllisch, so mit Blick aufs Meer von der Hotel-Bar. Da macht das Urlauben richtig Spass. Ich habe hier 2 Tage verbracht, in aller Ruhe und eben: Blick aufs Meer.
Allerdings ist der Horizont nicht ganz frei. An manchen Tagen liegen weit draussen auf dem von hier sichtbaren Meer 30 Supertanker (echt, ich hab gezählt!), die auf Abfüllung warten, wie die Gäste in den Hotelbars...

Austin

Das ist die Hauptstadt und liberales Zentrum im Staate Texas. Und Austin war Station zwischen Roswell, New Mexico und Galveston. Es hat gegen Dallas gewonnen, denn was weiss man schon von Austin??? Jetzt jedenfalls weiss ich eine Menge mehr und kenne das kleine, pulsierende Zentrum der Stadt, mit der 6th Street, an der sich eine Blues-Kneipe an der anderen reiht. Und in jeder findet an fast jeden Abend Live-Musik statt bei wunderbaren sommerlichen Temperaturen. Eine wunderbare, lockere Stimmung, die so gar nicht in das stockkonservative Texas passen will.
In Austin wäre ich gerne noch länger geblieben. Es ist und bleibt für alle meine Nachfolger eine grosse Empfehlung.

"Don't mess with Texas!"

Das darf nicht fehlen, dieser Spruch. Ein Wortspiel, ein Werbespruch, der es bis in die Alltagskultur Amerikas geschafft hat. Leg dich nicht mit Texas an! Oder: sinngemäss: Vermülle Texas nicht!
Die erste Übersetzung trifft genau das spezielle Nationalgefühl der Texaner: stolz auf ihre Geschichte und ihr teilweise doch recht fragwürdiges Erbe. Der Staat war einer von zweien (Vermont der andere), der vor Aufnahme in die Union eine selbständige Republik mit eigenem Präsidenten war. Ganz freie Bürger, jeder durfte ganz nach seinem Gusto leben, was ja auch recht einfach war zu Sam Houstons Zeiten, der anfangs mit ganzen 300 Familien hier mit Genehmigung der mexikanischen Regierung siedeln durfte.
Bis heute hält sich neben diesem ganzen patriotischen Stolz die Annahme, man könne die Union einfach so per Vertragskündigung - wahrscheinlich auf Monatsende - verlassen. Aber das stimmt nicht. Heute ist Texas gernauso ein Bundesstaat wie alle anderen auch und die Hürden für den Austritt liegen doch wesentlich höher als die für die Kündigung zum Beispiel eines Mietvertrages....
Aber zurück zum Spruch: die Idee entstand Mitte der 80er Jahre als Reaktion auf die stetige Vermüllung der texanischen Strassen. Ein griffiger, merk-fähiger Slogan musste her. "Don't mess with Texas!" ist ein Wortspiel, dem die Doppeldeutigkeit des englischen Wortes to mess zugrunde liegt: sich anlegen und vermüllen. Nach Einführung des Slogans ging die Vermüllung um 70% zurück. Da sage noch einer, Werbung bringt nichts:
Heute, fast 30 Jahre später, ist der Spruch Bestandteil der Alltagskultur in den USA. Tassen, T-Shirts und sonstwas werden damit bedruckt. Ich muss echt sehen, dass ich so ein Shirt noch irgendwo bekomme. Notfalls in New York...

Nochmal die eine der Glitzerfassaden von Houston - Öl und alles mögliche
andere haben die Stadt reich und konservativ gemacht...

Donnerstag, 17. Mai 2012

Blog-Pause

Für alle, die auf neue Posts hier im Blog warten oder zufällig reinstolpern: Es gibt eine kleine Blogpause zwischen Roswell in New Mexico vor einigen Tagen und heute, Galveston, Texas. Dazwischen lag als Station noch Austin, die Hauptstadt den Bundesstaates. Ich hatte einfach keine Lust (die Ausrede "Zeit" kann ich ja wohl schwerlich ziehen) zum Schreiben... Aber es gibt bald wieder neues. Ausserdem können alle, die über einen Facebook-Account verfügen, gelegentliche Kurz-Updates auch dort beziehen. Hier in Galveston, direkt am Golf von Mexico ist es jetzt kurz vor 10 Uhr bei wunderbaren 25 Grad und blauem Himmel.

Schon wieder vorbei - Das State Capitol inmitten von Austin,
dem liberalen Zentrum des ansonsten stockkonservativen Texas.
Aber wirklich: stockkonservativ... Ich hätte vielleicht noch einen weiteren
Tag bleiben sollen. Austin ist tatsächlich eine fette Empfehlung wert.

Sonntag, 13. Mai 2012

Keine Aliens in Roswell, New Mexico

Gestern war wieder ein Fahr-Tag ohne besondere Vorkommnisse. Von Alamogordo ging es etwa 120 Meilen Richtung Nordost. Vorher habe ich noch eine weitere Runde im White Sands Monument gedreht, um ein paar Fotos neu zu machen, die am Vortag wegen Unachtsamkeit misslungen sind. Diese schöne Idee war leider nur mässig erfolgreichm, denn meine Annahme, dass ich ganz früh im Park allein bin, war leider nur das: eine Annahme. Viele andere Besucher hatten bereits ihr Picknick ausgepackt und somit an den wichtigsten Stellen das Motiv "gestört". Naja, Pech gehabt. Wegen der morgendlichen Sonne und der Gültigkeit des Tickets vom Vortag hat sich der zusätzliche Abstecher dennoch sehr gelohnt.
Auf dem Rückweg sind mir in Alamogordo noch die vielen deutschsprachigen Werbungen aufgefallen: "DB-Schenker. Ihr Umzugsspezialist" oder "Self Storage - Wir würden uns freuen, Sie als Kunden begrüsse zu dürfen!", schön geschmückt mit Schwarz-Rot-Gold. Das ist natürlich kein Zufall. Auf der Holloman Air Force Base vor den Toren der Stadt gibt es auch einen Bundeswehrstützpunkt für die Flugausbildung. Daher gibt es in Alamogordo eine deutsche Gemeinde, deutsche Schulen usw. Schade, dass ich das nur vom Highway aus gesehen habe, besonders den "Kundenwunsch" hätte ich gerne noch fotografiert.
Heute dann war der Vormittag dem Städtchen Roswell gewidmet, besser gesagt, seiner jüngeren "Geschichte". Am 8. Juli 1947 berichtete die örtliche und überörtliche Presse über ein unbekanntes Flugobjekt nordwestlich von Roswell. Die Regierung erklärte am nächsten Tag, es handelte sich um einen Wetterballon, aber da war es schon zu spät. Im Laufe folgenden Jahrzehnte gab es unglaubliche Enthüllungen über fliegende Untertassen (flying saucer), ungewöhnliche Materialien bis hin zu Videos, die die Obduktion von Aliens dokumentieren. Und da die US-Regierung selbst herumeiern musste, um ihre eigenen, hochgeheimen Forschungsprojekte zu verschleiern, war natürlich der beste Boden bereitet für eine unglaublich UFO-Geschichte, die selbstverständlich von der Regierung geheimgehalten und unterdrückt wird. Alle Erklärungen und Veröffentlichungen von offizieller Seite sind - natürlich - Ablenkungsmanöver...

Ankunft der Aliens im UFO-Museum Roswell - die ratlosen Blicke sprechen für sich...

Nun gut. Alles in allem hat diese Geschichte dazu geführt, das Roswell eine gewisse Bekanntheit erhalten hat und ein kleines Museum widmet sich der Alien-Geschichte. Aber das ernsthaft. Ich habe keine Ahnung, ob die Angestellten dort das alles selber glauben, aber die Hingabe, mit der das hier alles aufrechterhalten wird - selbstverständlich bekommt das Museum keine staatlichen Zuschüsse - lässt da einige Rückschlüsse zu. Leider ist das Museum etwas text-lastig und alles auf Englisch. Die Regierung wollte wohl auch keine Leihgaben bereitstellen. Aber der Phantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt und so gibt es eine grosse Menge an Bildern, Modellen und viele Fotos von "archäologischen Expeditionen" an die Absturzstelle. Selbstverständlich wird auch über andere ausserirdische Aktivitäten auf diesem Planeten unterrichtet: das geht von Area 51 bis hin zu Kornkreisen. Die echten Aliens werden sich kaputtlachen, wenn sie irgendwann tatsächlich mal kommen sollten.
Im Gift Shop kann man dann noch Tassen kaufen, falls zu Hause im Schrank welche fehlen... Ich hab mich für ein T-Shirt entschieden.
Alles in allem eine etwas freakige Show, aber wenn man schonmal in Roswell absteigt, dann ist das Museum auf jeden Fall ein Besuch wert.
Am Ende dieses Tages bin ich dann in Big Spring in Texas angekommen. Texas begrüsst seine Besucher mit dem typischen Bild: Ölpumpen wohin man schaut.

Ölpumpe auf einem Feld in Texas

Freitag, 11. Mai 2012

Weisser Sand

Gestern gab es nicht so viel neues zu berichten, daher habe ich nichts geschrieben. Der Tag war mit dem Überwinden von Entferungen angefüllt, wieder einmal. In aller Ruhe bin ich von Phoenix Richtung Osten bis nach Lordsburg, New Mexico gefahren und hab dort im vorgebuchten Hotel übernachtet. Heute morgen dann ging es schon wieder um 7.30 Uhr weiter Richtung Osten. Ziel heute und seit einigen Jahren schon auf der Liste: White Sands. An der Stelle, an der sich heute weisse Dünen aus Gips türmen, befand sich vor Millionen Jahren ein urzeitliches Meer, in das die Kristalle aus den Bergen abgelagert wurden. Mangels Abfluss blieben sie dort und wurden nach dem Austrocknen des Meeres und Erosion zu sandartigen Körnern zu Dünen aufgetragen, zwischen denen hindurch heute der Loop, der Rundfahrtkurs befindet. Der ist ca. 12 Kilometer lang und erlaubt einen ersten Eindruck für den Besucher. Den meisten reicht das schon, viele sind auch nur hier, um im weissen Sand zu picknicken oder "Wintersport" zu betreiben: mit diesen runden Schalen wie im Schnee die Dünen hinunter rodeln. Das sieht tatsächlich wegen des fast strahlend weissen Sandes - oder besser Gips - winterlich aus, wenn die Leute nicht kurzärmlig bei 30 Grad herumlaufen würden.

Picknickers Traum: Unterstand gegen die Wüstensonne, Grill und Mülleimer.

Überhaupt ist das Gebiet, das durch den Loop erschlossen ist, recht lebhaft. Die Parkverwaltung hat Picknick-Plätze ausgewiesen mit Grillständen und vielen Klohäuschen und die Leute beschallen die Szene mit Musik aus ihren Autos. So richtig ruhig wird es erst, wenn man, so wie ich heute, an einem etwas ruhigeren Teil der Strasse das Auto abstellt und einfach mal in die Dünen reinmarschiert. Oder wenn die US Army hier Raketentests durchführt, denn das Monument liegt inmitten der White Sands Missile Range, einem riesigen Gebiet in der Wüste, das alle 6-8 Wochen mal komplett für 2-3 Stunden abgesperrt wird. Nämlich dann, wenn wieder mal Feuerwerk abgebrannt wird, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die - und ich gehörte heute auch dazu - darf aber auf den Stützpunkt und das Museum anschauen. Nach Passkontrolle, Frage nach Waffen und Einweisung in die Regeln für die Benutzung von Fotoapparaten (in welche Richtung fotografiert werden darf und in welche lieber nicht...), konnte ich auf das Museumsgelände, wo eine Reihe von Raketen herumstehen. Das Museum bietet noch ein paar klimatisierte Räume, aber ich habe nicht reingeschaut. Ein kurzer lohnender Besuch, mehr heute nicht.
Zur White Sands Missile Range gehört ein gutes Stück nördlich auch noch die Trinity Site, wo die erste Atombombe gezündet wurde. Zweimal im Jahr ist sogar dieser Platz für die Öffentlichkeit geöffnet.

Soweit also mal zum heutigen Tag. Morgen geht es noch ein Stück weiter Richtung Osten, nach Roswell...

Die Parkverwaltung führt täglich einen Bummel - stroll - in den
Sonnenuntergang durch. Irgendjemand muss aber regelmässig die Tafel
mit der Uhrzeit wechseln...

Mittwoch, 9. Mai 2012

Ruhetag in Phoenix, Arizona

Nach Las Vegas, wo ja eigentlich zwei Ruhetage eingeplant, aber nicht eingehalten wurden, habe ich das nun in Phoenix, Arizona nachgeholt. Zwei Übernachtungen im Hotel San Carlos mitten in Downtown ergeben einen Tag ohne Fahren und Schauen, Bummeln und Rumsitzen in (Irish-)Pubs in aller Ruhe. Und das in einer sympathischen Wüstenstadt, die einerseits nicht ganz langweilig ist, andererseits aber auch nicht so auf den Besucher einstürmt, wie Las Vegas. Für einen Ruhetag deshalb sehr geeignet. 

Phoenix, ganz weit draussen - Hauptstadt des US-Bundesstaates Arizona und ziemlich genau mittig in dessen endloser Wüste gelegen - besticht mit einer zu Fuss erlaufbaren Downtown, mit vielen Cafés an der Strasse, mehreren grünen Parks zwischen mittelgrossen Wolkenkratzern und überhaupt mit einem ganz besonderen, einfachen Charme, wenn man mal von der Anreise mit dem Auto in die Innenstadt absieht. Die ist nämlich nicht ganz so easy gewesen. 

Mein Hotel San Carlos also ist mitten in der Stadt gelegen, innerhalb den Strassenbahn-Loops. In Betrieb ist es seit den 20er Jahren und seitdem hat sich an der Inneneinrichtung nur das verändert, was aus Brandschutz- oder Sicherheitsgründen absolut notwendig war. Ansonsten ist der Charme der 20er erhalten geblieben und angeblich hat jedes Zimmer seine eigene Dekoration. Ich konnte das nicht überprüfen, aber irgendwie glaube ich es. 
Das Auto habe ich beim Valet Parking unterstellen lassen, wie schon in Las Vegas. Ich schreibe das hier, weil ich mir erstmal wieder in Erinnerung rufen musste, was das bedeutet: man fährt mit dem Auto vor, übergibt des Schlüssel einem Hotelangestellten und der parkt dann das Auto irgendwo. Hier in Phoenix kostet das 20 Dollar pro Tag und ich hab keine Ahnung, wo das Fahrzeug abgestellt ist. In Las Vegas war der Service - nicht nur für Hotelbesucher! - kostenlos und ich konnte das Auto vom Zimmerfenster aus sehen.

Hotel San Carlos in der Downtown von Phoenix

Jetzt sitze ich in einem Café und kann nicht raus, weil draussen gerade ein Wüstengewitter niederbricht. Bis vor ein paar Minuten habe ich noch auf der grossen überdachten, aber sonst offenen Patio gesessen, aber beim ersten Blitz am grauen Himmel habe ich mich nach innen verlegen lassen. Vor aller Art von Elektrizität, insbesondere draussen habe ich einen ziemlichen Respekt…

Zwei Erkenntnisse aus den letzten Tagen habe ich noch für Leser und für mich selbst: Buche lieber mitten in der Innenstadt ein Hotelzimmer, dann kannst du in Bars und Restaurants Wein und Bier usw. geniessen. Und: Bei solchen Roadtrips wie ich es jetzt mache und wenn genügend Zeit dafür da ist: in grösseren Städten lieber mehr als eine Nacht buchen. Dann ist für Wein und Bier auch mehr Platz und man muss nicht gleich an die Weiterreise denken.

Las Vegas und danach

Ich habe keine Ahnung, wie ich über Las Vegas schreiben soll, ohne nicht gleichzeitig glücklich, entsetzt, erstaunt, abgeschreckt und alles andere jeweils gegensätzliche zu sein. Ich beginne mal damit, dass ich ja schon einmal über die Stadt geschrieben habe und in diesem Jahr das dritte Mal hier war. Vielleicht ist tatsächlich eine sachliche Annährung angebracht: Die erste Siedlung wurde 1854 von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (!) gegründet, aber schon drei Jahre später wieder aufgegeben. Mitte der 1860er Jahre errichtete die US-Armee das Fort Baker. Durch seine Quellen wurde Las Vegas zu einem wichtigen Zwischenstopp für Wagentrecks und die Eisenbahn auf ihrem Weg zwischen Kalifornien im Westen und New Mexico im Osten. 1903 verkaufte die Rancherwitwe Helen Stewart für 55.000 US-Dollar einen Großteil ihres Farmgrundstücks an die Eisenbahngesellschaft, die es aufgrund der regen Nachfrage parzellierte und am 15. Mai 1905 für insgesamt 265.000 US-Dollar an Spekulanten und Investoren versteigerte. Die Stadt Las Vegas war damit offiziell gegründet. Soweit zur Stadtgeschichte aus der Wikipedia.
In den 30er Jahren hat der Bürgermeister im Rahmen der Verhandlungen um Stromlieferungen vom Hoover-Dam mitgeteilt, "Las Vegas wird nie mehr als 5.000 Einwohner haben." und deswegen den ganzen Strom gar nicht benötigen. Der fliesst also bis heute nach Los Angeles und anderswo hin, aber Las Vegas hat im Jahr 2008 knapp 560 Tausend Einwohner und in der Metropolregion mitten in der Wüste leben insgesamt 1,8 Millionen Menschen.
Das Zentrum der Region, insbesondere der Strip, der Las Vegas Boulevard ist heute umsäumt von glitzernden Hotel- und Casino-Anlagen. Sie bilden das Herzstück einer Tourismus-Industrie, zu der das ganze Land und viele Ausländer strömen. Jährlich lassen diese ca. 34 Milliarden US-Dollar hier, ob nun beim Glücksspiel, in Hotels oder Restaurants oder bei sonstigen Vergnügungen. Ein Riesengeschäft. Und weil es so ist, wurden hier im Laufe der Zeit die grössten Hotels der Welt überhaupt versammelt. Mein Luxor zum Beispiel steht mit etwas mehr als 4.400 Zimmern auf Platz 6 der Weltrangliste. Von den ersten 10 dieser Liste sind 8 in Las Vegas beheimatet und insgesamt bietet der Hotelsektor der Stadt ca. 150.000 Übernachtungsplätze. Hotels sind bei weitem nicht alles, auch alle Hersteller von Luxusartikeln haben sich am Strip in eigenen Geschäftsgebäuden versammelt. Manche haben zudem Aussenstellen in den Hotels selbst und einige verkaufen ihre Sachen auch an Ständen auf der Strasse nach dem Motto: "original Louis Vuitton Sonnenbrille für nur 10 Dollar!" Jeder will halt von dem grossen 34-Milliarden-Kuchen sein Stück abbekommen...

Am Las Vegas Bloulevard

Im Grunde genommen ist die Stadt heute eine grosse Ferien-Fabrik. Wie Mallorca, nur ohne Sangria, dafür mit Casinos. Die Leute kommen, um sich zu entspannen, Spass zu haben. Danach fahren sie wieder nach Hause, nach Peoria, und leben ihren ganz normalen amerikanischen Alltag. So, wie also Millionen Deutsche auf Mallorca urlauben, verleben Amerikaner (und viele internationale Touristen) ihre Ferien in Las Vegas.
Ich selbst habe aber in den Casinos wieder mal nicht einen einzigen Dollar verspielt. Irgendwie ist mir das total fremd und ich kann mir nicht vorstellen, mich an so eine Slot Machine zu setzen und für Geld Knöpfe zu drücken. Oder an einem der Black-Jack-Tische nett mit der Dealerin zu schwatzen, wobei doch alle Angestellten insgeheim nur an das denken, was bei mir im Geldbeutel steckt... Aber rumlaufen, die Gestalten an den Automaten oder nachher in den Bars anzuschauen oder beim Roulette zusehen, wie die Kugel rollt, das macht schon Spass.

Hoover-Dam von oben. Seit Herbst 2010 kann man von der Strassenbrücke
diesen Blick geniessen.

Um Las Vegas herum gibt es auch noch die eine oder andere Attraktion zu bestaunen. Viele Touristen lassen  sich etwa zum Grand Canyon fahren (oder fliegen) und eine Menge Leute, zu denen ich auch gehöre, besuchen den Hoover-Dam, Technik-Weltwunder ganz in der Nähe. Inzwischen ist die Brücke der Umgehungsstrasse fertiggestellt und für Fahrzeugerkehr wie für Fussgänger freigegeben. Aus fast 300 Metern Höhe hat man eine wunderbare Aussicht auf die Staumauer und den dahinter liegenden Teil des Sees. Was früher nur den zahlungskräftigen Kunden mit Hubschrauberrundflügen möglich war, kann heute jeder mit ein paar Minuten Fussweg sehen.
Vor dem Besuch des Hoover Dam war ich noch im Eldorado Canyon. Ein sinniger Name, denn der Ort gehört irgendwie zu den Keimzellen. Die ersten Goldschürfer kamen hierher und versuchten ihr Glück. Einige fanden es wohl auch. Aber es dürfte wohl ähnlich wie bei den Casinos gewesen sein. Das meiste Geld habe wahrscheinlich die Verkäufer von Schaufeln und Whiskey gemacht. Heute können sich die wenigen Besucher die alte Minenstation anschauen mit einer verrückten Ansammlung von Technik und Handwerkszeug aus 2 Jahrhunderten.

Ein Goldgräber-Truck? Im Eldorado-Canyon begann in Nevada die Goldsuche


Fazit nach drei Tagen in der Glitzerstadt Las Vegas und deren Umland: es lohnt sich immer noch.

Das Luxor bei Nacht. 39 Xenon-Strahler erzeugen diesen Lichtstrahl in den Himmel.


Montag, 7. Mai 2012

Endlich fertig

Die Brückenbauer am Hoover Dam sind im Herbst 2010 endlich mit ihrem Werk fertig geworden und nun kann der Fussgänger den Hoover Dam mit seiner etwa 220 Meter hohen Staumauer aus eine Gesamthöhe von etwa 300 Meter bewundern.
Heute nur diese kurze Information. Las Vegas steht noch aus und kommt auch noch...

Hoover Dam von der Brücke aus gesehen. Wer jemals selbst auf der Mauer
gestanden hat, kann selbst einschätzen, wie beeindruckend
hier die wirklichen Grössenerhältnisse sind.

Sonntag, 6. Mai 2012

Las Vegas

Von gestern und heute gibt es keine ausführlichen Berichte. Vielleicht morgen dafür umso mehr zu dieser etwas irren Stadt. Hier noch zwei Fotos. In diesem Hotel wohne ich für 3 Tage.
Luxor Hotel & Casino - direkt am Las Vegas Boulevard, dem berühmten Strip.
Die Zimmerpreise sind übrigens geringer als in manch einem Autobahn-Motel.
Das kommt alles durch das Casino wieder rein.
Und so sieht es von meinem Zimmerfenster aus, wenn die Sonne untergeht.
Eigentlich habe ich das Foto nur wegen der komischen Flugzeuge rechts oberhalb
des Schattens gemacht. Damit bringt die US Air Force ihre Mitarbeiter täglich
zur Arbeit auf der Area 51.
Wenn ich dagegen nach links schaue, sehe ich die anderen Casino-Hotels.
Und in 10 Jahren sind die freien Bauplätze gegenüber bestimmt auch zu.

Samstag, 5. Mai 2012

Grand Staircase - Lieber auch mal umkehren

Der gestrige Tag war dem Grand Staircase National Monument gewidmet, welches gleich hier vor der Haustür liegt (amerikanisch gesehen, man muss schon wieder etliche Meilen fahren, um dahin zu kommen). Bereits vor längerem entstand in mir der Wunsch, dieses so gepriesene Naturdenkmal zu erkunden. Aus langer Erfahrung weiss ich, dass es immer gut ist, wenn man hier bei Fahrten "ins Grüne" in jedes vorhandene Visitor Center geht, um wie in meinem Falle sich insbesondere nach dem Strassenzustand erkundigt. Zwei Strassen sollten für die kommenden Tage auf dem Programm stehen, die Smokey Mountain Road, die östlich der Grand Staircase verläuft, und die Cottonwood Canyon Road, die direkt hindurch verläuft. Beide natürlich unpaved. Die erste Frage des Rangers war die nach dem Fahrzeug: 4WD und high clearance. Die habe ich mal mit Ja beantwortet. Dann gab es ein paar Informationen, eine Landkarte. Auf meine weitere Frage nach der Cottonwood Canyon Road verzog er nur das Gesicht, kam hinter seinem Tresen hervor und zeigte mir ein Bild an der Pinnwand, dass ein paar Leute zeigte, die sich damit abmühen, ihre Karre aus dem Dreck zu ziehen. Kommentar: Diese Jungs steckten vor ein paar Tagen für zwei Nächte im Schlamm fest. Also wenn du willst, 15 Meilen geht es, aber dann musst du umkehren... Das war kein ermutigendes Beratungsgespräch, obwohl mir die Leute auf dem Bild samt ihres Autos verdammt nach 70er Jahre aussahen. Ich habe dem Ranger die peinlich Frage nach dem tatsächlichen Alter des Fotos erspart und bin dann mal los Richtung Smokey Mountain Road. Laut Auskunft sollte die Fahrt nach Escalante auf der anderen Seite ca. 7 Stunden dauern. Ich hab das bezweifelt, denn die Strasse war doch ganz nett und 7 Stunden braucht nur, wer sich tatsächlich an das Speed Limit von 25 Meilen pro Stunden hält.

Um den Weg ein wenig aufzulockern bin ich dann noch die Strasse geradeaus gefahren, wo der Wegweise links angezeigt hat. Auf der Karte war eine gestrichelte Linie vermerkt: Smokey Hollow Canyon Road, ein kleiner Umweg, der sich lohnte. Ca. 20 Meilen ging es durch einen abgelegenen Canyon auf übelsten Sandstreifen und grösstenteils im ausgetrockneten Flussbett der Schlucht. Wenn hier ein Regen niedergeht, hast du echt Probleme, denn dann sammelt sich alles Wasser hier am Grund und nimmt mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Heute aber, bei blauem Himmel, hat es richtig Spass gemacht, dieses Stück zu befahren.

Unterwegs auf der Smokey Hollow Canyon Road - grösstenteils
im ausgetrockneten Flussbett

Oben wieder raus und auf der ursprünglichen Route fingen aber die Probleme erst richtig an. Zunächst noch ein kleines Stück auf der Mesa, das ist da Plateau ganz oben und hier kann man schön fahren. Aber irgendwann geht's wieder abwärts und da hörte der Spass dann auf. Der Weg war mit Felsen übersät, die Schwellen wurden von Meter zu Meter grösser und es ging ziemlich steil über glatten Fels abwärts. Mir kam der Gedanke, dass ich dass auch wieder zurückfahren müsste, denn von Escalante gibt es nur diesen Weg zurück oder den Umweg über den Highway von ca. 200 Meilen. Ich machte eine Pause, um die Lage zu sondieren. Schliesslich kam ich zu dem Ergebnis, dass Umkehren jetzt wohl angebracht wäre. Der Rückweg über diese Strecke, noch dazu evtl. im Dunkeln - das war mir dann doch etwas zu fett. Also hab ich das Auto vorsichtig gewendet und bin zurückgefahren, diesmal ohne den Canyon-Abzweig. Dadurch habe ich in der Abfahrt Richtung Page noch mitbekommen, welchen Aufstieg ich vorher verpasst habe.

Fahren auf der Mesa macht noch Spass, aber irgendwann geht es wieder runter...

Etwa an dieser Stelle habe ich gewendet und bin zurück.
Wie man sieht, gibt es noch andere Wagemutige...

Das Grand Staircase Monument kann man auch unten erkunden, und so bin ich noch etliche Meilen weiter gefahren und habe die tollen Mondlandschaften bewundert oder einen Blick auf den Lake Powell (Stausee) geworfen, dessen blaues Wasser sich so schön von den roten Felsen abhebt.

Alles in allem ein lohnender Ausflug, auch wenn das Ziel nicht erreicht wurde. Die Cottonwood Canyon Road habe ich dann auch gestrichen. Ich denke, der Sommer wär dafür eine bessere Zeit und es muss ja noch Ausreden geben, wieder herzukommen.

Grand Staircase - unglaubliche Landschaften

Auch den Alstrom Point konnte ich nicht erreichen. Nach 4 von 5 Meilen
versperrte eine grossen Stufe in einer Kurve am Hang aufwärts die Weiterfahrt.
Schade, denn von dort gibt es einen sagenhaften Blick auf den Lake Powell.

Ca. 16 Uhr war ich dann wieder im Hotel, der Rest des Abends war Ausruhen auf der Zimmerterrasse und Abendessen. Für die nächsten Tage geht es dann nach Las Vegas, wo ich ein paar Ruhetage einlege.

Ach ja: Ich musste am Morgen des Tages noch einen Ölwechsel an meinem Fahrzeug vornehmen lassen... Sachen gibts, die glaubt man gar nicht...

Abendausklang auf der Hotelterrasse.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Aus zwei mach x

Von dem abgelegenen Kaff Blanding, welches ich übrigens 2009 bereits beehrt habe, wollte ich heute eigentlich nur ein damals verpasstes Sight abklappern und dann den Rest des Tages im Monument Valley verbringen. Weil das so schön ist, wäre das mein dritter Besuch dort. Doch Utah hat mir freundlicherweise noch ein paar andere Höhepunkte zurecht-erodiert, so dass der Tag von morgens bis abends mit fabelhaften Landschaften nur so gefüllt war.

Nach der Abfahrt morgens ging es zunächst noch planmässig in Richtung Mexican Hat. Ob das ein Ortsname ist, weiss ich gar nicht so genau. Es ist aber die Bezeichnung für einen Felsen, der eben wie ein mexikanischer Hut aussehen soll. Dazu später mehr.
Vor dieser Stelle kam noch ein Abzweig in das Valley of Gods - Tal der Götter, einem kleinen State Park mit Rundkurs durch's Lucky-Luke-Land. Im Angesicht dieser Steinskulpturen ist es kaum verwunderlich, das die amerikanischen Ureinwohner in all diesen Formen ihre Götter, Schwiegermütter (ehrlich, so heissen die Felsen manchmal!) und sonstwen zu sehen glaubten und daher diese Orte als heilig verehrten. Mit ein wenig Phantasie kann auch der aufgeklärte Europäer den verschiedenen Formen mehr oder weniger schmeichelhafte Bedeutungen verleihen. Auf jeden Fall war es wieder ein lohnender Abstecher. Das Monument Valley ist einfach nur grösser, aber das Valley of Gods hat genauso schöne Felsen

Nach Abschluss dieser Rundfahrt bin ich, statt nach links Richtung Mexican Hat abzubiegen, nach rechts gefahren. In der Karte stand irgendwas von gravel road und switchbacks und an der Strasse stand ein Schild Scenic Overview, was in der Regel auf eine tolle Aussicht schliessen lässt. Die Strasse heisst Moki Dugway und wird nicht empfohlen für eine Reihe von Fahrzeugen... Und tatsächlich, beim Fahren dieser Strasse hatte ich echt feuchte Hände. Nicht wegen der vielen Windungen und des steilen Anstiegs, eher wegen der ziemlich steilen Wände, insbesondere auf der Abgrundseite und zum anderen wegen der irren Felsen, die irgendwie nur darauf warten, endlich auf die Strasse zu krachen. Jetzt wurde mir auch klar, warum unten im Tal schon die gelben Räumfahrzeuge bereitstanden... Die Wahl beim Fahren war schwierig: lieber langsam und vorsichtig fahren oder schnell an den am gefährlichsten aussehenden, überhängenden Felsen vorbei... wenn sich die im falschen Moment in Bewegung setzten, kommt man ziemlich platt wieder raus.
Ganz oben, am Ende der Serpentinen, kann man dann auch einen Blick auf den geröllbedeckten Hang unterhalb der Strasse werfen. Da liegen doch tatsächlich Autos drin, die oben schon die erste Kurve nicht gekriegt haben...
Ich habe die Fahrt trotzdem gut überstanden, bin hoch und auch wieder heruntergekommen. Ohne bleibende Schäden und um dann endlich den mexikanischen Hut zu sehen.

Schnell vorbei, aber auch keine unnötigen Erschütterungen verursachen;
Moki Dugway

Aber nein. Vorher gab es noch eine Ausfahrt, die zum Goosenecks State Park. Gooseneck ist in deutsch der Schwanenhals. Da braucht es nicht viel mehr, um sich das Bild vorzustellen, das sich dem Besucher von der Aussichtsplattform bietet: der San Juan River in grossen Windungen durch die Felsen durch, die rechts und links mehrere hundert Meter hoch aufragen... Insgesamt macht der Fluss hier eine Länge von ca. 8 Kilometern in Serpentinen, und dass alles kann man von der Aussichtsplattform aus sehen. In mehreren Millionen Jahrn schön gefaltet in Schwanenhalsform passt eben mehr ins Bild...

Und dann kommt doch noch der Mexican Hat. Der ist ein flacher, fast runder Felsen, der auf einem schmalen Sockel hoch oben in der Luft balanciert. Das letzte Stück Stein in dieser Höhe, das der Erosion bis jetzt standgehalten hat. Ich frag mich bei solchen Anblicken immer: wie lange liegt er schon da oben und vor allem, wie lange bleibt er noch da???

Mexican Hat: schnell jeder noch hinfahren! Irgendwann ist das alles weg-erodiert...

Das wunderbare Monument Valley zum Tagesabschluss musste dann auch noch sein, wenn es auch wieder eine staubige Angelegenheit wurde und im Grunde ich die Strassen schon auswendig kenne. Aber bei 5 Dollar Eintrittsgeld kann ich an einem so fantastischen Landstrich nicht einfach vorbeifahren.

Schliesslich endet der Tag heute in Page, Arizona. Wieder ein mir bekannter Ort, den ich sehr mag, weil er so schön zentral gelegen ist (zentral relativ gesehen).
Und noch etwas: Abendessen gab es für mich dann in einem Chinesischen Restaurant in dem auffallend viele Indianer (amerikanische Ureinwohner) ebenfalls zu Gast waren. Irgendwie erschien mir das auch Sinn zu machen, denn im Zuge meiner Mormonen-Recherchen habe ich gelesen, dass Amerikas Ureinwohner ursprünglich aus dem asiatischen Raum übersiedelten und nicht, wie der Mormonengründer Joseph Smith seinem Schreiber hinter der Decke diktierte, als Angehörige der Verlorenen Stämme Israels von dort kamen...

Zwischen Utah und Utah

Der US-Bundesstaat Utah ist knapp 220.000 Quadratkilometer gross, was in etwa zwei Drittel der Fläche Deutschlands entspricht. Der Name stammt von den Ute-Indianern, die hier ihre Siedlungsgebiete bis heute haben. Ursprünglich und vor der Aufnahme in die Union sollte das Land den Namen Deseret tragen. Dieses Wort haben sich Joseph Smith und seine Gründungsanhänger als Übersetzung für die Honigbiene ausgedacht und wollten damit den Fleiss der Bewohner symbolisieren. Tatsächlich haben die Mormonen, nachdem sie aus dem Mittleren Westen aufgrund ihrer Religion vertrieben worden waren, das hiesige Land stellenweise urbar gemacht und betreiben bis heute Landwirtschaft. Mit dem Antrag, in die Union aufgenommen und damit Teil der USA zu werden, mussten der Name jedoch aufgegeben werden. Einerseits erinnerte er zu stark an das englische Wort desert - Wüste (was ja auch irgendwie passend wäre), aber wichtiger: es war eine religiös motivierte Bezeichnung und die passte nicht in das Bild vom Staat und dessen Trennung von der Kirche/Religion. Heute heisst der Staat also Utah und von Deseret ist nur noch der Bienenkorb im Wappen und somit auch auf allen Staatsstrassenschildern übrig geblieben.

Auf solchen Strassen bin ich dann heute von Green River weiter Richtung Süden gefahren, mit einem Abstecher im Goblin Valley State Park, in dem die Erosion eine Armada von steinernen Geistern hinterlassen hat, mal klein wie Zwerge, dann auch hoch aufragend bis an den oberen Rand des Canyons. Wind und Wetter spülen das lose Material aus und hinterlassen die seltsamsten Formen und manchmal denkt man, von steinernen Katzenköpfen, Darth-Vader-Masken oder Fischen beobachtet zu werden.

Goblin Valley

Weiteres Ziel heute nach der Durchquerung des Canyon-Landes und Überschreitung des Colorado Rivers war das Natural Bridges National Monument. Ein kleiner Park mit drei natürlichen Felsbrücken und einem loop, auf dem man bequem alle drei abklappern kann. Für die Wanderlustigen gab es je noch einen Pfad hinunter, aber es war recht frisch und so habe ich lieber nur von oben Fotos gemacht. Vielleicht wandere ein anderes Mal wieder...

Um dann die nächste Absteige in Blanding, Utah, zu erreichen, gab es noch zwei Optionen: entweder feste Strasse oder 60 Kilometer dirt road durch Wald und bis auf knapp 2.500 Meter Höhe... Da hab ich die dirt road gewählt. Am Ende des Tages hatte ich wieder viele Meilen hinter mir und den Staat Utah nicht einmal verlassen. Dennoch ist die Landschaft sehr verschieden und hinter jedem Berg kann sich ihr Charakter vollkommen ändern. Von Steppe zu Wüste. Von da hin zu Canyons mit wilden Geröllhalden, und dann wieder zu verschiedenen Arten von Wäldern (Naelwald, Birken usw.). Immer wieder mehr vom Anderen.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Einmal Utah und zurück

Mein erster Ausflug nach Nevada hat sich als interessante, lohnende, aber zeit- und meilenraubende Angelenheit entpuppt. Auf der Nevada-Seite der Grossen Salzwüste gibt es eigentlich nichts, ausser Landschaft, aber ich brauchte kurzfristig mehr als das. Der Schweizer Ableger einer grossen deutschen Schuhhaus-Kette hatte mir noch in der vorigen Woche ein paar Sandalen verkauft, die sich einfach als nicht amerikatauglich enttarnten und an wichtigen Verbindungsstellen aufgaben. In Wendover war da nichts zu ersetzen. Es gab zwar einen kleinen Schuhladen (auf Empfehlung des Visitor Centers), aber dort gab es Lederschuhe und Sandalen aus Plastik (made in China). Immerhin habe ich im Family Dollar - das ist sowas wie in Deutschland McGeiz - alles für 1 Dollar - ein Reise-Set Nadeln und Faden erstanden, womit ich die Schuhe notdürftig flicken konnte. Da wa also Ersatz notwendig, den es allerdings nur auf der Ostseite der Salzwüste, im Gebiet Salt Lake City gibt. Also zurückfahren - einmal Utah und zurück... Günstigerweise lässt sich die Routenplanung auch ganz gut darauf anpassen. In Salt Lake City und seinen grossen Vorstädten gibt es unzählige Malls, Walmart-Supercenter und alles, damit ein ein Zivilisationsmensch kaufen kann, was er braucht. Auch Schuhe habe ich dann dort erhalten. Anschliessend und endlich notwendig ging es dann in Richtung Süden, dort wo hoffentlich die Sonne scheint, denn hier oben war es doch unverändert grau. Über den Bergen, die dazu zu überwinden waren, hat es dann noch so richtig geschüttet und das bei fast Null Grad...

Über 2000 Jahre alte Malereien der amerikanischen Ureinwohner
im Buckhorn Wash

Schlussendlich gelandet bin ich dann in Green River, einer alten Bekannten. Hier bin ich vor 3 Jahren schon einmal abgestiegen. Die Fahrt vorher verlief allerdings anders, nämlich von Norden durch das Gebiet der San Rafael Swell, einer geologischen Verwerfung, die unglaubliche Felsformationen hervorbringt und durch die man mit dem geeigneten Auto 100 Kilometer unpaved roads fahren kann. Das machen übrigens viele Leute, denn die Gegend hat eine Menge Campingplätze und viele Strecken für Quad-Fahrer, ist also nicht gerade einsam.

Soweit mal für diesen Tag.

So sieht's aus... in Utah

Dienstag, 1. Mai 2012

Utah - Nevada

Salt Lake City habe ich also am Morgen des 30. April Richtung Westen verlassen. Vorbei geht es nochmal am Südende des Grossen Salzsees. Der ist insgesamt etwa 4.400 Quadratkilometer gross und hat am Nordende eine Salzgehalt von 25%, im Süden 9%. Zum Vergleich: Das Tote Meer hat etwa 33% Salzgehalt. Ich dachte immer, der komplette See ist ausgetrocknet, aber das stimmt gar nicht. Der Grosse Salzsee hat einen durchaus stark schwankenden Wasserstand - je nach Jahreszeit. Und der ausgetrocknete Teil des prähistorischen Lake Bonneville liegt noch weiter westlich und ist im Grunde eine grosse weisse Fläche. Wenn man nicht kurzärmlig rumlaufen könnte, würde der Eindruck entstehen, hier liegt eine leicht schneebedeckt Prärie. Heute war auch das Wetter nicht so sonderlich toll, eigentlich nur grau über weiss, was den Wintereindruck noch verstärkt. Ich bin also von Ost nach West Richtung Nevada gedüst, immer geradeaus auf der Interstate 80, die auf ihrem Weg durch das Salz Richtung Nevada keine Biegung mehr macht: 65 Kilometer schnurgeradeaus und absolut eben, was fototechnisch ganz blöd ist, weil man diese schöne Strassensituation nicht gut festhalten kann. Aber es gab sowieso keine View Area zum Anhalten.

Kurz vor Wendover, einer kleinen Doppelstadt auf der Grenze zu Nevada ging es dann runter von der Interstate und rein in die Salzwüste. Hier befindet sich der Bonneville Speedway. Wenn in den Klatschnachrichten und Autozeitungen über Highspeed-Rekorde an Land berichtet wird, fällt oft die Formulierung: "auf einem ausgetrockneten Salzsee in den USA." Dann ist genau diese Stelle gemeint. Ein nicht näher abgegrenzter Streifen im Salz, 100 Meter breit und 16 Kilometer (10 Meilen) lang. Und das schönste: Wenn nicht gerade Rekorde versucht werden, kann man mit dem eigenen Auto (oder dem Mietwagen) selbst über das knochentrockene und ziemlich harte Salz fahren. Das habe ich natürlich auch gemacht, aber keinen Geschwindigkeitsrekord versucht.

Schafft kein Geschwindigkeitsrekord: "Mein" Chevrolet Traverse Crossover SUV
auf dem Bonneville Speedway

Von Salt Lake City nach Wendover, meine nächste Übernachtungsstelle war es nicht so weit und somit noch recht früh am Tag, also bin ich noch die Silver Mountain Road gefahren, die in 57 Meilen einmal um einen am Rand der Salzwüste liegenden Gebirgszug herumführt und komplett unpaved ist. Eine sogenannte Gravel Road, die mit Schotter und Splitt mehr oder weniger gut belegt ist. Abseits der Autobahn und der nahen Eisenbahnlinie eine wunderbare Landschaft mit absoluter Stille der Zivilisation. Nur ein paar entfernte Vögel lassen sich hören.

Danach ging es in das etwas skurrile Wendover, wie gesagt, ein Doppelstädtchen auf der Grenze Utah-Nevada. Während der Utah-Teil vor sich hingammelt und offenbar nur wenig Perspektiven hat, beginnt punktgenau auf der Grenzlinie das glitzernde Nevada. Mehrere Casino-Resorts, die üblichen Schnellrestaurants, Peep-Show-Lokale - alles was der Utah-Bewohner braucht und was in Utah (Staat der Mormonen) offenbar nicht erlaubt ist - mit einem dicken weissen Strich auf der Strasse wird es möglich. Mein Hotel, das Montego Bay Casino Resort ist so ein Teil davon. Unten, gleich hinter der Eingangstüre das Kasino mit mehreren tausend Slot Machines (Einarmige Banditen), bedient von Rentner auf Urlaub, die sich über den nahen Wüstenflugplatz einfliegen lassen. das Hotel befindet sich über dem Casino und ist eigentlich nur Mittel zu dem Zweck, möglichst viele Menschen herzulocken. Deshalb sind auch die Zimmerpreise verglichen zur guten Ausstattung sehr gut. Eine Übernachtung ist ab $ 59 zu haben - theoretisch. Denn immer kommen noch irgendwelche Steuern und - Achtung - die Internet-Reservierungsgebühr in Höhe von $9.95 hinzu. Es ist eben eine Casino-Stadt, da wird an jedem Hebel gezogen... Alles in allem ist aber ein Preis um die 75 Dollar immer noch in Ordnung. Der Rest wird dann übers Casino reingeholt, wenn ich denn hingehen würde. Im Hotelfernsehen laufen Werbespots, die immer nur zeigen, wie die Leute gewinnen, ob beim Würfeln, Roulette oder Kartenspiel. Ich hege aber den Verdacht, das die einzigen, die so jubeln, die Casino-Besitzer sind.
Die Grosse Trennungslinie: rechts Utah, links Nevada. Wie man sieht, wurde
beim Bau des Casinos, welches sich in dem weissen Kasten befindet, kein
Quadratmeter ungenutzt gelassen. Utah hat immerhin den Parkplatz bekommen...

Wo ich dann heute (1. Mai) hinfahre, weiss ich noch nicht. Es ist jetzt 4 Uhr morgens (bin wieder sehr früh in die Heia gegangen) und ich habe noch mindestens 3 Stunden Zeit, mir das zu überlegen.

Übrigens hat das Casino durchgehend geöffnet. Ich hab es mir angesehen: Als ich gegen 3 Uhr aufgestanden bin, habe ich eine kurze Besichtigung gemacht und tatsächlich, ein paar müde Gestalten sassen an den Spielautomaten. Naja, man muss ja nichts weiter tun, als Knöpfe zu drücken.