Samstag, 21. November 2015

Weihnachten in der Neuen Welt

Verschiedene familiäre, berufliche und persönliche Umstände machen es möglich, das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel 2015-2016 in den USA zu verbringen. Es wird das dritte Mal zu dieser Jahreszeit sein und ich freue mich sehr darauf.
Erfahrungsgemäss sind Reiseberichte von der Ostküste eher schwierig zu organisieren, dennoch hoffe ich, den ein oder anderen Post absetzen zu können - hier, in diesem Blog. Am 23. Dezember ist Abflug.

Vorfreude auf das: Weihnachtsbaum im Bryant Park, mitten in Manhattan.

Sonntag, 9. August 2015

Abschied nehmen - im Club

Wo könnte man sich netter aufhalten, als in einem gepflegten Club - und so wie ich im Moment auch Abschied nehmen? Das "Abschied nehmen" stimmt schonmal. Das "gepflegt" könnte man auch einigermassen akzeptieren. Der Club allerdings - naja, der steht nur im Namen: "DeltaSkyClub". Darunter stellt man sich wahrscheinlich eine Örtlichkeit mit Dämmerlicht vor, leise gespielter (Live)-Klaviermusik und die gedämpften Stimmen der Gäste. In der Delta-Lounge ist es etwas anders. Die Airline hat offenbar so viele gehobene Kunden, dass der Bereich eigentlich ein normaler Wartebereich ist, der bloss etwas schöner aussieht und Essen und Getränke (inkl. Wein und Bier) ohne Aufpreis ausschenkt.
Im DeltaSkyClub nehme ich also gerade Abschied von 4 Wochen USA, die mich von Kansas City (Missouri) über Dodge City, Oklahoma City, Page, Kanab, Winslow, Flagstaff, Las Vegas, New York City und Trumbull (Connecticut) geführt haben.
Viel zu schreiben gibt es jetzt erstmal nicht mehr. Die letzten Tage seit Donnerstag habe ich bei Freunden an der Ostküste verbracht, mit einem Strandbesuch in Charlestown/Rhode Island und einem viel zu kurzen Besuch in der Welthauptstadt. Der Rest war chillen, Essen, eine Geburtstagsfeier in einem Fitnesstudio (gym) besuchen. Ansonsten bleiben einige tausend Fotos, die ich ab morgen zu Hause nochmal durchschaue und das eine oder andere vielleicht auch hier noch veröffentliche. Nebenher drängt sich auch schleichend die Arbeit wieder ins Bewusstsein, doch das ist eben der natürliche Kreislauf. Ich freue mich auch wieder auf das zu Hause, die vertraute Umgebung und einen mehr geregelten Tagesablauf.

Ich wollte noch ein paar neue Bilder hochladen, aber das geht im SkyClub nicht...

Mittwoch, 5. August 2015

Viva Las Vegas

Ich werde nun jetzt doch noch über Las Vegas, die Glitzerstadt in der Wüste schreiben, denn die Uhr tickt und die Zeit im US-Westen läuft für mich ab. Und obwohl sich die Stadt im Wesentlichen nicht verändert hat, gibt es doch noch ein paar Dinge, die ich nicht unerwähnt lassen möchte, bevor ich morgen früh zur letzten Etappe an die Ostküste aufbreche.
Nach der Grand-Canyon-Wanderung am Sonntag bin ich also am Montag hier in Las Vegas eingetroffen. Das war erstmal ein Kulturschock, muss ich ehrlich sagen. Allein schon die Anreise über die Autobahn und die Innenstadt-Highways war verwirrend und komplex. So komplex, wie das Gebäudeensemble, in dem mein Hotel steht: das City Center, ein riesiges Areal mit mehreren Wolkenkratzern und einer 7-spurigen Ein- bzw. Ausfahrt. Da habe ich natürlich erstmal die falsche erwischt und musste den ganzen Kursus nochmal fahren: raus, einmal um den Block und wieder rein. Und das ganze in der Nachmittagszeit, wo sowieso schon Hochbetrieb herrscht. Dann das Einchecken im Hotel. Schlangestehen wie am Flughafen. Irgendwann war auch das erledigt und als ich dann das Zimmer im 51. Stock betrat, öffneten sich in dem Moment die Vorhänge und gaben den Blick frei auf den "Strip" und die ganze östliche Agglomeration von Las Vegas. Einfach gigantisch (die programmieren das mit Absicht so, dass man ein schönes Ankommen-Erlebnis hat). Im Hintergrund die Berge der Mojave Wüste im sanften Abendsonnenlicht... Ein wirklich tolles Zimmer.
Am späteren Abend dann habe ich aber nochmal die Wirkung des krassen Gegensatzes gespürt. Nach den Tagen in der Wüste und der Stille und Ruhe beim Wandern schlugen mir die Glitzerlichter, das Gebimmel im Kasino und die vielen vielen Menschen doch auf den Magen (oder aufs Gemüt), so dass ich mich ziemlich bald zurückzog und den Abend und die beginnende Nacht aus dem 51. Stock genoss. Übrigens hat das Hotel gar nicht 54 Stockwerke, wie im Aufzug an den Knöpfen steht. Der ganze 40er-Bereich fehlt nämlich, also 10 Stockwerke. Was das nun wieder soll...
Die nächsten Tage bis heute (Mittwoch) nachmittag habe ich dann mit Faulenzen, rumschauen und -laufen und noch etwas Autofahren verbracht. Ein Standard-Ziel ist zum Beispiel der Hoover Dam, 30 Meilen vor der Stadt, den ich immer wieder gerne sehe und der nach wie vor ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Herren Länder ist. Sowieso: Las Vegas ist eine der multikulturellsten Städte überhaupt. Die Hotel-Belegschaft ist ein Mix aus Sprachen, Hautfarben usw. Die Gäste kommen von überall her, vor allem aus China, Russland und den arabischen Staaten. Hier dürfen, glaube ich, auch die Frauen endlich mal ohne Tracht und Schleier raus zum Einkaufen. Kohle ist ja genug da. Und an den entsprechenden Läden mangelt es auch nicht. Direkt neben meinem Hotel steht der Einkaufstempel "Crystal Shops", eine grosszügige Anlage, vollklimatisiert, mit all den Schicki-Micki-Scheissläden (sorry, aber ich muss es einfach mal so sagen).
Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der Freizeitbetrieb Las Vegas wie eh und je funktioniert und ich gleich beim Betreten des Hotels/Casinos von den Kameras eingefangen wurde, die Gesichtserkennung anlief und ich dann einsortiert wurde: "Guck mal, da kommt wieder dieser Typ vom vorigen Jahr, der nicht spielt..." Solche Leute mögen dir hier gar nicht.
Was die Technik betrifft, bin ich dieses Jahr etwas entspannter. Man weiss ja nicht wirklich, was so bzgl. Internet-Nutzung erfasst wird. Im vorigen Jahr z.B. habe ich bei meinen Recherchen auch googlen wollen nach "Black Jack" und "Kartenzählen" und habe das dann lieber nicht gemacht. In diesem Jahr (Danke Christian!) habe ich mein eigenes VPN auf dem Notebook und alle Daten gehen verschlüsselt bis zu meinem Anschluss zu Hause in der Schweiz und erst von dort normal ins Netz.
Beim Recherchieren bin ich auch noch auf eine Sache gestossen, die bzgl. der Berichte vom vorigen Jahr einer Korrektur bedürfen. Ich hatte ja geschrieben, dass die Dealer usw. alle auch bezahlt werden müssen. Nun ist es in Europa so - und es steht zu erwarten, dass es in den USA genauso läuft - dass die Dealer und das gesamte Casino-Personal aus dem Tronc bezahlt werden. Das ist der Behälter, in dem alle Trinkgelder und Zuwendungen von gewinnenden Spielern reinwandern und dann aufgeteilt werden. Der Spieler sollte sich also bewusst sein, dass er quasi der Arbeitgeber der Casino-Angestellten ist und somit für dessen Gehalt verantwortlich...
Ob man nun den Automaten-Roulette-Computer-Dealern ein Trinkgeld gibt und wenn ja, wie, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht das dann beim nächsten Besuch.


Insgesamt ist mir noch der Gedanke gekommen, dass Las Vegas mit all seiner Verschiedenheit, des Freizeitpark-Charakters, der Menschen aus den Nationen dieser Welt, der vielen Shows in den Hotels und der Casinos auch so eine Art Kulturhauptstadt ist. Nicht wie Weimar oder Riga oder so. Eben, ein bisschen anders: Viva Las Vegas



Und noch ein paar neue Fotos:


Mein Hotel "Aria Resort & Casino"

Und so sah es aus, als die Vorhänge zurückgezogen waren...

Nochmal die Frontseite. Bei Nacht sieht es einfach gut aus.

Die Crystal Shops... Alle Auslandsvertretungen sind hier versammelt.

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Zum Schluss noch ein Bild vom langsam austrocknenden Lake Mead, dem Stausee des Hoover Dam:



Der See ist als Wasserspeicher für Las Vegas enorm wichtig, doch unterliegt die Wasserentnahme einem strengen Regime und genau ausgehandelten Quoten zwischen den Anrainern und auch Mexico. Da der Pegel jedoch seit 15 Jahren fällt, müssen andere Strategien her. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkwasser liegt in Las Vegas bei sagenhaften 280 Litern am Tag (Deutschland: 125 l). Dennoch beziehen die grossen Hotelbetriebe und Resorts nur 3% des Gesamtverbrauches, denn in diesen Anlagen wird alles, was irgend möglich ist, wieder aufbereitet, als Grauwasser nochmal verwendet und so weiter. Die grössten Verbraucher sind Privathaushalte, die Grünflächen bewässern. Und da gibt es inzwischen auch ein Umdenken: die Stadt fördert die Umgestaltung mit Wüstenpflanzen und wenn es gar nicht anders geht, werden auch Verbote durchgesetzt in der Art: Rasensprengen nicht zwischen 11 und 19 Uhr und Bussgeld, wenn das Wasser auf Betonflächen spritzt (oder abläuft)...
Dass der Lake Mead austrocknet, liegt nicht nur an dem gestiegenen Verbrauch in den letzten Jahrzehnten, sondern auch daran, dass der Pegel des Colorado River einer Schwankung in langen Zeiträumen unterliegt und als die Dämme (Hoover und Glen Canyon) gebaut wurden, war gerade eine Zeit der Höchstpegel....



Montag, 3. August 2015

Ich weiss, was ich gestern getan habe.

Grand Canyon ist wie eh und je*, habe ich dieses Jahr wieder festgestellt. Vorgestern bin ich angekommen und stand erstmal im Stau. Und zwar sowohl zuerst am Parkeingang, wo das Eintrittsgeld kassiert wird als auch auf den grossen Parkplätzen also auch an den Aussichtspunkten, von denen man einen sagenhaften Blick hinunter in die Schlucht werfen kann. Und das wollen alle. Und dieses Jahr kommen auch noch diese ganzen Selfiesticks dazu... Also ich habe meine kurze Runde oben gemacht, denn ich hatte ja für den nächsten Tag etwas exklusiveres vor. Ein Gang ins Visitor Center sollte mir letzte Sicherheit geben was das Wetter betrifft, aber das ging nach hinten los: Aussichten für Sonntag: "30% Chance of Thunderstorm" - im Klartext: wenn's dich trifft, dann richtig, also mit Blitz, Donner und vor allem den monsunartigen Regenfällen zu dieser Jahreszeit.
Was nun? Erstmal weiter wie geplant: ins Hotel, Sachen sortieren und immer mal wieder ein Blick auf die Wetteraussichten im Internet, die aber auch nicht besser wurden.
Morgens, als ich dann wach wurde, war draussen alles nass. Prima, dann ist der Regen ja durchgezogen, könnte man meinen... Leider verhält sich das Wetter hier etwas anders als in Europa. Ich bin dann trotzdem erstmal los zum Park und Richtung Shuttlebus. In diesem Jahr bin ich eine Stunde früher gestartet und begann dann mit der Wanderung tatsächlich um 5 Uhr, noch im Dämmerlicht. Viele Touristen waren auch schon unterwegs, um den Sonnenaufgang zu erleben, was heute etwas schwierig sein dürfte. Dafür gab's die Lightshow auf der anderen Canyonseite: Blitze zuckten durch die Regenwolken am North Rim. Das ist zwar nett anzuschauen, aber drinstecken möchte man nicht.
Nachdem das Tageslicht vollständig war, klarte sogar der Himmel auf und die Sonne liess sich blicken, wenngleich sich auch schon um diese Zeit grosse Wolken aufzutürmen begannen, die nichts Gutes verheissen.


Partieller Sonnenaufgang

Von da oben komme ich. Aufgenommen auf dem Tonto Plateau,
etwa auf halber Strecke abwärts

Fussgänger- und Mulibrücke über den Colorado. Die Mulis schleppen alles,
was am Grund des Canyons gebraucht wird oder nicht mehr gebraucht wird.
Inkl. Touristen die zum Selberlaufen zu faul sind.

Etwa drei Stunden brauchte ich, um vom Rim an den Colorado River zu kommen und diesmal habe ich endlich geschafft, kurz mit ihm Kontakt aufzunehmen. An einer seichten Strandstelle die Hände in das kalte Wasser eintauchen, dann gings schon wieder weiter, bzw. dann war erstmal Frühstück angesagt. Gegen 9 Uhr begann ich  dann mit dem Aufstieg über den Bright Angel Trail. Tatsächlich begann sich jetzt schon das Wetter zu wenden und der erste Donner rumpelte durch die Canyons. Das Etappenziel Indian Garden erreichte ich mit einer ziemlich guten Zwischenzeit. Doch der mühsame Aufsteig beginnt erst danach. Der Indian Garden Campround liegt auf ca. 1'000 Meter Höhe (Colorado River auf etwa 750m), bis zum South Rim sind es dann nochmals 1'000 m Höhendifferenz, die zu überwinden sind. Die Ranger empfehlen fürs Wandern pro Stunde 10 Minuten Pause einzulegen, och ich merke, dass ich lieber in meinem Rhythmus bleibe und längere Pausen nach längeren Abschnitten mache. So gelang es mir etwa zeitgleich mit vielen anderen Wanderern, die ich schon unten gesehen hatte, oben anzukommen. Und in diesem Jahr habe ich sogar eine Stunde und 20 Minuten weniger für die ganze Tour gebraucht: nach 9 Stunden, 50 Minuten kam ich am Bright Angel Trailhead raus und war erstmal fertig für den Tag. Aber sehr zufrieden.
Die paar Regentropfen, die mich unterwegs noch trafen, konnte dem keinen Abbruch tun.


Und nach da oben gehts zurück: der kleine weisse Felsen oben links...

Komisch aussehende Wolken verheissen nichts Gutes...

Das Ziel ist der Fluss...

Und das Resultat heute? Muskelkater ohne Ende... Das wird wieder drei Tage brauchen, bis es vorbei ist. Drei Tage mit dem ansonsten schönen Gefühl, etwas geleistet zu haben.
Heute vormittag geht es dann nach Las Vegas weiter, was bedeutet, dass der Road Trip zu Ende ist. In Las Vegas gebe ich am Donnerstag das Auto zurück und fliege an die Osküste. Sicher gibt es noch den einen oder anderen Eintrag hier, doch die grossartigen Landschaften lasse ich erstmal hinter mir.



Und noch ein Nachtrag zu Flagstaff:

Ich bin froh gewesen, dass ich die Wanderung auf den Humphreys Peak gleich am ersten Tag gemacht habe, denn am nächsten Tag sah das Wetter so aus:

Wetter in Flagstaff. Der Humphreys Peak ist schwach im Hintergrund hinter der
ersten Spitze zu sehen. (Bild anklicken!)
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* Ich sehe gerade: in dem Artikel aus 2009 hat es noch tote Links zu damaligen Bildern. Ich kann das leider erst zu Hause reparieren

Donnerstag, 30. Juli 2015

Auf dem Dach Arizonas

Wie gestern bereits erwähnt, bin ich jetzt das dritte Mal in Flagstaff und bei den vorangegangenen Besuchen ist mein Blick immer wieder mal auf die schönen Berge nördlich der Stadt gefallen. Von unten sahen sie eigentlich mehr aus wie geschwungene anmutige Hügel, aber es sind richtige Berge, die auch Wanderwege haben. Das wollte ich in diesem Jahr ausprobieren und zwar durch die Besteigung des Humphreys Peak, dem Hausberg Flagstaffs und zugleich dem höchsten Berg Arizonas mit 3'850 Meter über dem Meer.Was jetzt nach viel Höhenmeter klingt, relativiert sich noch etwas. Flagstaff liegt bereits auf etwa 2'100 Metern Höhe und der Start des Humphreys Trail liegt auf etwa 2'800 Metern. Somit bleiben für die Wanderung noch etwas mehr als 1'000 Meter, aber die hatten es in sich. Ich habe es also gewagt und bin am frühen Morgen hier abgefahren und begann etwa 6.30 Uhr mit einem gewundenen Pfad durch die Wiesen des Arizona Snowball, ein Wintersportgebiet, das jetzt natürlich nicht in Betrieb ist.
Ziemlich bald ging es dann in den Wald, vorbei an dem Schild "Wilderness Area", was wieder einmal soviel bedeutet wie: hier wird gar nichts verändert. Und kurz nach dem Waldeingang begann dann auch der heikle Trail, über Stock und Stein, übelstes Gelände und sehr unschön zum entspannten Wandern. Je weiter es nach oben ging und vor allem oberhalb der Baumgrenze (hier irgendwo bei 3'300 Metern) desto blöder wurde es, nach dazu kälter und windiger. Der Pfad ging über Felsen, durch Halden aus aufgeschütteten Brocken usw. An sich nichts gefährliches, aber eben nichts für eine entspannte Wanderung. Vielleicht wären hier auch die Wanderstiefel besser geeignet gewesen. Ich hatte lediglich die Halbschuhe mit.
Immerhin habe ich es in der vorgegebenen Zeit, also in etwa 3 1/2 Stunden auf den Gipfel geschafft und stand nun da, zufrieden über die gestern noch gekaufte Windjacke und das langärmlige Baumwollhemd. Denn hier oben pfiff es doch ganz erheblich und so langsam machten sich auch die Regenwolken ungünstig bemerkbar. Und vor allem die dünne Höhenluft. Der Sauerstoffgehalt sinkt schon ganz schön ab, dabei ist das ja noch nicht mal die Hälfte von den Bergen, die andere Leute so ohne Sauerstoff in Flaschen ersteigen. Somit bin ich nach einer wirklich kurzen Pause hier oben gleich wieder aufgebrochen. Etliche Wanderkollegen kamen mir noch entgegen, andere, die ich auf dem Weg nach oben überholt habe, sind nicht mehr aufgetaucht. Auf dem Weg nach unten ist mir dann auch noch ein Missgeschick passiert und in einem unkonzentrierten Moment lag ich plötzlich am Boden und der nächste Blick fiel auf blutige Finger... ganz blöd. Gut, dass ich eine Notausrüstung dabei hatte, mit der ich die Zeit bis zum Hotel überbrücken konnte. Bzw. ich bin vorher noch in den Walmart gefahren, der hat alles, was man braucht: Pflaster, Kompressen, Desinfektion usw. Es hätte wirklich böser ausgehen können auf diesem Weg.
Dennoch hat sich die Wanderung trotz des nicht so günstigen Wetters sehr gelohnt. Dauer übrigens etwa 7 Stunden.


Noch ein paar Fotos des Tages, heute alle mit dem Handy aufgenommen:

Ist das der Peak? Nein, der liegt dahinter...

Hier geht's nicht weiter.

Über so viele Steine musst du gehen... Nichts für Spaziergänger.


Die Peaks sind vulkanischen Ursprungs. An dieser Ansicht wird es etwas erkennbar.


Geschafft: 3'850m erreicht. Oder 12'633 Fuss.


Den Regenwolken nah...

Mittwoch, 29. Juli 2015

Flagstaff

Mit Flagstaff ist es so ähnlich wie mit Green River oder Moab. Nur kommt hier noch die Route 66 dazu: die ganze Stadt ist voll von zumeist auswärtigen Autos, ein Hotel am anderen und ein stylisches historisches Downtown mit all den Lifestyle-Shops und Restaurants, damit die Touristen auf nichts verzichten müssen, wenn sie von hier aus zum Grand Canyon oder sonstwohin weiterreisen. Das ist allerdings der Unterschied zu Green River, dort gab es glaube ich, z.B. keinen Starbucks.
Seitdem die Route 66 ebenfalls zur Touristenattraktion aufgestiegen ist, kommen auch diese Reisenden noch dazu. Da fällt mir ein, dass das sowieso auch schon ein seit langem aufgeschriebener Plan ist: diese Main Street of America von Chicago bis Santa Monica abzufahren, soweit das heute noch möglich ist. Um ein ganz kleines Stückchen von der legendären Strasse mitzubekommen, unbedingt den Wikipedia-Artikel lesen.
In Flagstaff bin ich jetzt zum dritten Mal und nutze den Ort ebenso als Stützpunkt für die kommenden Unternehmungen. Zuerst aber habe ich mal ein lange lange ersehntes Fotomotiv selbstpersönlich eingefangen, welches ich schon immer gesucht und nun endlich gefunden habe: die Schilderwand. Gesehen habe ich das Bild oft schon bei anderen, nun kann ich es selbst zeigen:




Vielleicht wird in den nächsten zwei Tagen die Sonne nochmal richtig scheinen, dann gehe ich nochmal hin. Aber die Devise heute hiess: erstmal haben.

Die Sonne - das nächste Thema. Morgen oder übermorgen ist eine Wanderung geplant, und dazu braucht es mindestens bis zum frühen Nachmittag gutes Wetter, also heiter bis maximal wolkig, aber bitte ohne Regen und Gewitter. Das ist um diese Jahreszeit nämlich ein kleines Problem hier: vereinzelte Gewitter - das heisst, da wo das stattfindet, kommt es wolkenbruchartig runter und ich möchte mich nicht unterwegs vom Blitz treffen lassen. Also schauen wir mal, wie das ganze sich entwickelt.

Auf der Fahrt heute hierher gab es noch einen Abstecher in den Walnut Canyon mit den Überresten eines Dorfes der der Anasazi (-Indianer) in den Felsspalten der Canyonwände.
Und es gab einen Abstecher zum Barringer Crater draussen in der Wüste. Für letzteres habe ich mir allerdings die 18 Dollar Eintritt gespart und verweise auf meinen Bericht von 2009 (ich kann mich gar nicht erinnern, dass das damals auch so teuer war).
Der Canyon dagegen ist als National Monument geradezu billig, lediglich 5 Dollar. Dafür gibt es es einen schönen Rundweg durch den Canyon mit ein paar Hundert Treppenstufen.


Die Behausungen der Anasazi in den horizontalen Felsspalten (etwa Bildmitte)

9 Lokomotiven ziehen einen 2000(?) Meter langen Güterzug.
Die Bahnlinie der BNSF führt direkt durch Flagstaff durch.
(BNSF = Burlington Northern and Santa Fe Railway)

Dienstag, 28. Juli 2015

The Wave

Heute* also war der Wave-Tag, nachdem ich gestern meine Permit gewonnen hatte, die den Zutritt zum Coyote Butte North gestattet. 20 Personen dürfen da pro Tag rein und es zeigte sich gleich zu Beginn, dass der Ranger, der aufpasst, dass sich niemand sonst Zutritt verschafft, die 21. Person ist. Gleich am Parkplatz, am Morgen, stand er da bzw. sass in seinem Auto und hatte die Liste der Berechtigten dabei. Als ich eintraf, kam er sodann gleich an mein Auto und wir unterhielten uns ein Weilchen über dies und das. Vor allem war er aber besorgt, dass jeder Besucher ordentlich gerüstet ist und genügend Wasser mit dabei hat. Die Formalitäten waren also eher eine lästige Nebensache. Ich habe den Ranger dann später immer wieder mal getroffen und er hat noch Wege gezeigt und für Leute Fotos gemacht.
So ging es also erstmal vom Parkplatz ab in die Wilderness Area, in die Wildnis, wo kein Weg mehr markiert ist (was nicht ganz stimmt) und auch recht wenig Touristenverkehr herrscht. Glücklicherweise hat das BLM (Bureau of Land Management - sinngemäss: Landverwaltungsamt) ganz ordentliche Karten und Wegbeschreibungen auf Papier produziert und mit Fotos für die wichtigsten Wegpunkte versehen. Unterwegs habe ich noch die Chinesen überholt, die gestern auch gewonnen hatten und heute unbekümmert und ohne jeden Respekt vor dieser grossartigen Natur durch die Felsen kletterten und lärmten. Sie waren tatsächlich zu fünft unterwegs (jemand musste wohl in den sauren Apfel beissen und was anderes unternehmen) und auch sie habe ich (leider, muss ich ehrlicherweise sagen) an diesem Tag noch oft angetroffen. Für's erste hiess es aber, Abstand zu gewinnen, denn ich konnte mir schon denken, dass die stillen Zeiten begrenzt sein würden...
Nach etwa 1.5 Stunden und 3 Meilen weglos über Felsen und Wüstensand und unter der erbarmungslosen Sonne Utahs und Arizonas (auch wenn sich beide Staaten die Sonne hier teilen müssen, ist sie gleich erbarmungslos auf beiden Seiten der Grenze) kam ich dann bei einer der grossartigsten Gesteins-Formationen an, die unser Planet zu bieten hat: The Wave.


Der Eingang zur Welle. Man steht davor und ist erstmal sprachlos.


Regenwasserpool. Hier drinnen schwimmen sogar Kaulquappen und Krebse...

Ungefähr 30 Minuten Vorsprung konnte ich vor meinen chinesischen Freunden herausarbeiten (ich war sehr zufrieden mit mir, immerhin hatte es über 30 Grad Celsius). Und die reichten für ein ganz exklusives Erster-Eindruck-Erlebnis, in aller Stille und Erhabenheit dieses ausserordentlichen Naturschauspiels. Man steht erstmal da und ist sprachlos.

Irgendwann kam auch der Ranger, die Chinesen, die Spanier und ein paar Amerikaner, die das pinkfarbene Permit und also per Internet gewonnen hatten. Im weiteren Verlauf des Vormittags erzählte mir der Ranger, dass es immer so ist, dass bis Mittag rumgelärmt und exzessiv fotografiert wird. Aber dann, wenn die Leute ihre Lunchpakete (Butterbrote) aufgefuttert haben und abmarschieren, dann wird es wieder still. Es gibt ja in dem Gebiet auch noch mehr zu sehen, zum Beispiel die Second Wave, etwas kleiner, aber nicht weniger spektakulär. Während ich die besucht habe (und allen Lärm hinter mir gelassen hatte), kam mir so der Gedanke: ist schon gut, dass die Besucherzahl so stark limitiert wird, sonst würden hier tausende Leute rumtrampel und alles kaputtmachen. Meinetwegen könnte die Restriktion auch bei einer Person pro Tag liegen. Das wäre dann natürlich ich ... ;)

Die Second Wave.

Tosende Wellen - versteinert.
Fast könnte man meinen, HR Giger sei der Schöpfer dieser Kunstwerke

Am Abend und am frühen Morgen habe ich dann noch ein bisschen rumrecherchiert (soweit es das lahme Internet zuliess). Was passiert eigentlich mit Leuten, die ohne Erlaubnis kommen? Die müssen wohl mit bis zu 10'000 Dollar Strafe und 1 Jahr Gefängnis rechnen. Und wie wird das Mass genau festgelegt? Antwort eine Rangers mit Augenzwinkern: "Es hängt davon ab, wie gut sie lügen." Kürzlich sind wohl zwei Spanierinnen mit $ 3'000 glimpflich davongekommen. Bei Gesetzesübertretungen hört die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Ranger auf, ist die übereinstimmende Aussage derer, die danach gefragt haben.
Im übrigen wird wohl auch die Lotterie abgeändert und künftig gibt es die 10 Tages-Karten auch in einer Online-Verlosung, jedoch 48 Stunden vorher. Das wird die Gewinnchancen erheblich verkleinern und dem Örtchen Kanab und auch Page sehr viele Übernachtungen kosten, denn Touristen aus aller Welt kommen, übernachten, und gehen dann morgens zur Lotterie, so wie ich es ja auch getan habe. Schade eigentlich, denn die örtliche Verlosung hatte so etwas sehr persönliches.

Zum Abschluss: Ich habe nun ja schon viele viele Merkwürdigkeiten und grossartige Landschaften gesehen und weiss nicht, welches das auf dem ersten Platz sein könnte, aber die Wave, die schafft es unter die Top Five!

Auf meiner Facebook-Seite hat übrigens jemand geschrieben, dass er den Ort als Bildschirmhintergrund von WindowsXP kenne. Das ist richtig. Dieses wallpaper hat der Wave nochmal einen enormen Bekanntheitsschub gegeben.

Am Folgetag, also mittlerweile heute, Dienstag ist nicht viel passiert ausser Autofahren. Von Kanab, Utah nach Winslow, Arizona, etwas mehr als 400 Kilometer. Morgen geht es von hier nach Flagstaff für drei Tage. Hoffentlich hält sich das Wetter, dann kann ich noch einen schönen hike unternehmen, bevor es dann am Wochenende nochmal in den Grand Canyon geht.

Nochmal die Wave - es gibt hunderte Fotos... (süchtig)

Und nochmal.

Und noch ein Bild aus der sagenhaften Umgebung.
Fünf kleinere Buttes (sprich: "bjut"). Ein Butte ist ein Härtling.

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* Der ganze Abschnit über die Wave kommt einen Tag verspätet. Weil es in der Wüste anscheinend in keinem Hotel mehr so richtig klappen will mit dem Internet. Draussen steht zwar dran "High Speed Wireless", aber das betrifft wohl nur die Strecke zwischen PC und Router...

Sonntag, 26. Juli 2015

Es geht wieder was

Gestern hatte ich von den wenig erfolgreichen Vorhaben geschrieben. Heute hat sich das Ganze schön gewendet und der Tag war sehr erfolgreich. Und das schon um 10.00 Uhr am Morgen, Utah-Zeit.
Gestern hatte ich ja die Lotterie für die Eintrittserlaubnis (Permit) in die Coyote Buttes North verpasst, weil in Arizona die Uhren alle eine Stunde nachgehen. Am heutigen Morgen - ich wollte das nicht auf mir sitzen lassen - bin ich also eine Stunde früher los, was ganz gut war, so konnte ich das komische Hotel in Page ebenfalls eine Stunde früher verlassen, nämlich um 5.45 Uhr. Heute morgen gab es dort nicht mal mehr warmes Wasser...
Vor mir lag zum zweiten Mal die lange 70-Meilen-Fahrt nach Kanab/Utah, welches ich dann um ca. 8 Uhr erreicht habe und somit eine gute halbe Stunde vor Beginn des Lotterie-Prozederes. Gegen 8.30 hatten sich dann auch schon etwa 50 Leute versammelt, die alle von den begehrten und auf 10 Personen limitierten Permits etwas abhaben wollten. Zur Erläuterung: das Naturschutzgebiet Coyote Buttes North darf pro Tag von 20 Personen betreten werden. 10 Permits werden termingebunden ein Vierteljahr vorher per Internet verlost und 10 weitere Personen werden am Vortag in Kanab bei einer Lotterie ausgelost. Das fand also heute statt. Zunächst ein bisschen Papierkram ausfüllen, Name, Adresse, Autonummer etc. Dann hat die Rangerin, die das Ganze durchführte, jede Application (Bewerbung) mit einer Nummer versehen. Meine hat die 7 bekommen. Nach ein bisschen hin und her und Geschichten erzählen und Zeit schinden wurden dann Punkt 9 Uhr die erforderliche Anzahl nummerierter Kugeln in eine Lostrommel getan und - wie könnte es anders sein: die erste gezogene Nummer war die 7! Meine Bewerbung. Somit werde ich dann morgen einer von 20 Wanderern sein, der dieses riesige Naturschutzgebiet betreten wird, doch es gibt dort nur ein Ziel, dass ich dann morgen vorstellen werde.


Während sie noch Geschichten erzählt, dreht die Rangerin die Lostrommel
zum ersten Auslosungsdurchgang. Gleich darauf wird die Kugel mit der Nummer 7 ausgeworfen. Meine!

Die restliche Lotterie war denn auch schnell vorbei, denn jede Bewerbung kann eine Person oder eine Gruppe bis maximal 6 Mitgliedern umfassen, die Summe von 10 Personen darf aber keinesfalls überschritten werden. Nach mir wurde noch ein Paar, also 2 Personen aus Deutschland und weitere 2 Personen aus Spanien gezogen, macht 5. Dann fiel das Los auf eine Gruppe Chinesinnen, die aber 6 Leute waren. Von denen muss nun einer zu Hause oder im Hotel bleiben. Die Rangerin erzählte noch vorher, dass hier an Ort und Stelle schon ganze Familienstreitereien ausbrachen wegen der Frage, wer nicht mitgeht oder ob die ganze Gruppe auf ihr Permit verzichten soll... Naja, das Problem hatte ich nicht.

Nachdem die Verlierer dann den Raum verlassen hatte, gab es noch eine kurze Einweisung und ein paar detaillierte Landkarten und Wandermaterial und dann war der Haupt-Traktand des Tages gegen 9.50 Uhr erledigt. Was nun? Erstmal frühstücken. In einem kleinen Bed&Breakfast, welches auch ein kleines Restaurant beherbergte. Und anschliessend? Für's Hotel war es viel zu früh und für einen längeren Ausflug bereits zu spät. Doch vor Kanab gab es noch den Johnson Canyon, den ich auf der Karte gesehen hatte. Also da hin und noch einmal quer durch durchs Grand Staircase-Escalante Monument. Zurück ging es ein weiteres Mal über die Cottonwood Canyon Road, die ich ja schon kannte, doch so gab es eine schöne Rundfahrt von ca. 200 Meilen, davon 160 aus Schotter und Sand... Das wird dann auf dieser Reise auch die letzte Gelegenheit für derartigen Spass gewesen sein, denn einen anderen Punkt (das hatte ich gestern nämlich noch vergessen zu schreiben) musste ich auch streichen: den Tuweep Point am Grand Canyon. Mit sagenhaften 1000 Metern Abgrund und noch gigantischerer Aussicht auf die Südseite. Doch davor standen 60 Meilen rough road mit allen Warnungen und Empfehlungen, die man sich erdenken kann. Von "genügend Wasser mitnehmen" über "planen Sie 2-3 Tage zusätzlich ein, falls sie unterwegs liegenbleiben" bis "zwei Ersatzräder Minimum". Da habe ich dann lieber verzichtet.
Somit endet der Tag heute mit dem Zusammenstellen der nötigen Wanderausrüstung für morgen und diesem Blogeintrag.



Johnsons Canyon International Airstrip...


Slot Canyon von oben


Nochmal auf der Cottonwood Canyon Road.

Samstag, 25. Juli 2015

Wenn's nicht läuft, dann läuft's eben nicht...

Der heutige Samstag war so ein richtiger Fehl-Tag. Nichts wollte so richtig beginnen. Und ich habe nachgeschaut: es war vor etwa einem Jahr etwa das gleiche. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, da braucht es einen Dämpfer, um dann neu zu beginnen - optimistisch gesehen.
Angefangen hatte alles beim Hotel in Page/Arizona. Schon bei der Buchung. Mein "Stammhotel", welches ich vorher schon zweimal besucht hatte, war ausgebucht. Also Alternative: Best Western Plus. Hört sich ja gut an, vor allem das "Plus" im Namen. Das Zimmer ist auch soweit in Ordnung, doch der ganze Rest: an Lahmheit nicht zu überbieten: vom Front Desk über den Aufzug bis hin zum Internet. Letzteres erinnert an gute alte 90er-Jahre, wo wir mit Einwahl-Modems unsere Webseiten geladen haben, bei 56kbit/s... Meine Frage am Front Desk, was da los ist? Naja, die ganze Region Page hat eben nur diesen einen Zugang.... Komisch, dass im Quality Inn gegenüber das ganze vor 3 Jahren wesentlich besser lief und selbst beim grossen M und im Restaurant heute Abend die Übertragungsraten deutlich besser waren...
Nächster Fehlschlag: meine Teilnahme an der Permit-Lotterie für The Wave: Ich bin pünktlich in Arizona gestartet. Das ist aber für Utah, wo die Lotterie stattfindet, genau eine Stunde zu spät und somit 30 Minuten nach Stichzeit. Der Ranger hat sich wohl auch gedacht: "Blöder Tourist. Kann nicht mal die Zeitzonen auseinanderhalten..." Dabei haben Utah und Arizona die gleiche, bloss hat Arizona keine Sommerzeit, ausser im Navajo-Reservat, aber Page liegt da gerade nicht mehr drin...
Nächster Punkt: Das Wetter. Ich habe noch einige Vorhaben auf der Liste, die Sonnenschein und Trockenheit erfordern, aber die Wetterprognosen sagen sonnig bis Platzregen voraus... Und sowas nennt sich Wüste...
Okay, den ganze Mist habe ich heute, nach meinem erfolglosen Ausflug zur Lotterie nach Kanab/Utah (70 Meilen hin und 70 Meilen zurück) erstmal weggeschlummert. Schliesslich habe ich ja auch mal einen freien Tag verdient.
Gestern, der 24. Juli, war übrigens noch ganz in Ordnung und ganz nach meinem Geschmack. Vom Bryce Canyon National Park bin ich morgens Richtung Page aufgebrochen und habe abgehakt, was vor 3 Jahren misslungen ist: die Cottonwood Canyon Road zu befahren. Einige Dutzend Meilen Schotterstrasse quer durch das Naturschutzgebiet, aber immerhin so gut erhalten, dass die Strasse für jeden Fahrzeugtyp noch geeignet ist. Andererseits aber wieder so einsam, dass man unterwegs aussteigen kann und nichts (!) hört. Wo gibt es sowas heute noch? Die Fotos der Stille: siehe unten.

Cottonwood Canyon Road

Grosvenor Arch


Da die Strasse so gut in Schuss ist, dauert die Fahrt etwa bis Mittags und da bietet sich an, noch eine andere Route auszuprobieren, die ich aber schon teilweise kannte. Gleich hinter der Kreuzung der Cottonwood Canyon Road kommt der kleine Ort Big Water und hier zweigt die Smokey Mountain Road ab. Auch diese habe ich ansatzweise schon 2012 ausprobiert, musste aber umkehren. Heute war der Plan, nur ein Stück zu fahren. Die ganze Strecke kam gar nicht in Frage. Also runter vom Asphalt und rein in den Staub. Vorher noch der Abzweig in die Smokey Hollow Canyon Road - kenne ich ja schon aus 2012. Aber die Strasse verändert sich mit jedem Platzregen und jeder Flash Flood und so musste ich nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen aufgeben und as Auto inmitten eines ausgetrockneten Flussbettes wenden und zurückfahren.

Hier war Schluss im Smokey Hollow Canyon: An dieser (auf dem Bild lächerlichen)
Stelle wollte mein Jeep nicht mehr hoch. Nach ca. 10 Versuchen habe ich dann gewendet.
Vorher musste ich ein paar Felsbrocken zur Seite räumen...

Dann aber kam der Aufstieg zur Black Mesa auf der oben erwähnten Smokey Mountain Road. Ich habe diese Strasse damals, 2012, abwärts genommen. Diesmal ging es erstmal nach oben. Leute, ich habe lange keine schweissnassen Hände mehr beim Autofahren gehabt, aber gestern war es mal wieder soweit... links geht es steil abwärts und rechts über mir hängen die Felsbrocken, bei denen man sich fragt, wodurch die eigentlich noch an Ort und Stelle gehalten werden. Zur Entschädigung oben auf der Mesa: Totenstille, wunderbare Landschaft und grandiose Aussichten auf die Canyons und das platte Land. Beim Runterfahren stellst du dir dann die Frage: "Verdammt, wo zum Geier kommt dieser Felsbrocken da auf der Strasse her? Der lag doch vorhin noch nicht da rum, oder????"

Oben angekommen und schon gewendet - auf der Black Mesa

So sieht sie aus, die Strasse...


Lag der Brocken vorhin auch schon da???


Der Ablaufberg...


Nochmal die Smokey Mountain Road


Donnerstag, 23. Juli 2015

Devil's Garden

In den USA sind ja die Namen immer wieder so hübsch, wenn man sie sich mal ins Deutsche übersetzt. Gestern war es die Island in the Sky oder der Dead Horse Point. Heute dann bin ich weiter vorangekommen bis zu dem kleinen Park mit dem Namen Devil's Garden am Rande des Grand Staircase-Escalante National Monument. Hier in Utah ist es sowieso so, dass fast der ganze Süden des Staates mit Parks abgedeckt ist, und das geht noch weiter bis Arizona und Nevada. Hier die kleine Auswahl: Bryce Canyon National Park, Capitol Reef National Park, Grand Staircase-Escalante National Monument, Zion National Park, Arches National Park, Canyonlands National Park, Dead Horse State Park usw. Und drumherum: Grand Canyon National Park, Monument Valley, Valley of the Gods, Great Basin National Park, Valley of Fire State Park, Glen Canyon National Recreation Area... Diese Liste liesse sich noch fortsetzen, doch dann wäre es wohl besser, eine Fussnote mit Liste zu machen.
Also heute: von Green River ohne weitere Fotos bis zum Devil's Garden, der etwas abseits der Hauptstrasse liegt und von dem ich dachte, dass er recht einsam ist. Die Strasse dorthin ist auch unpaved, jedoch ansonsten gut in Schuss, so dass auch normale Autos das Gebiet erreichen können. Als ich ankam, war gerade noch ein anderer Besucher da, der sich mit einer grossen Kamera auf Wanderschaft machte. Die Hinweisschilder warnten wieder eindrücklich vor der Hitze, Wassermangel etc. und vor allem beschrieben sie, dass der Park ohne Wegmarkierungen ist und man sich bitte kompassmässig die Richtung zum Auto merken soll, damit man nachher auch wieder zurückfindet. Demgemäss geimpft habe ich also meinen Rucksack mit Wasserflaschen gepackt und brav einen Registrierungszettel in den Kasten geworfen und bin los. Ziemlich bald war mir klar: wer sich hier verläuft ist entweder blind oder ganz orientierungslos oder beides. Der Park ist so klein, dass man gar nicht anders kann, als wieder zum Parkplatz zurück zu kommen. Dafür hat er jedoch mal wieder so absonderliche Felsen zu bieten, dass selbst ein ganzer Tag und zwei 16-Gigabite-Speicherkarten nicht ausreichen, um die Sucht nach "Bilder machen" und rumlaufen zu befriedigen, nicht gut reichen würde. Nachdem ich das dennoch einigermassen getan hatte, erblickte ich die ersten bunten Sonnenhüte und Selfie-Sticks. Das wars dann also mit der Ruhe. Touristen im Anmarsch. Für mich hiess das: schnell noch die letzten Gelegenheiten nutzen (die auch nicht schlecht waren) und dann weiter zum nächsten Übernachtungsplatz. Kurz vor der Abfahrt habe ich noch mit dem "Kameramann" vom Anfang geschwätzt: ein Engländer auf Roadtrip. Aber er hat nur zwei Wochen Zeit... armer Kerl.
Zur Übernachtung bin ich heute am Bryce National Park. Doch ich werde nicht reingehen, das wäre eine Wiederholung. Stattdessen werde ich morgen abhaken, was ich 2012 nicht erledigen konnte.


Der Metate Arch im Devil's Garden


???


Sie tragen schwer an ihrer Last -
sehen die "tragenden" nicht doch aus wie von einem Künstler geschaffen?


Utah's blauer Himmel...



Und noch aus der Abteilung XXX - Porn by Nature:
Also ich finde ja, konsequenterweise müssten einige Parks für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren abgesperrt werden...

XXX 1

XXX 2






Unpaved in den Himmel und eine Alte Bekannte

Island in the Sky - so heisst der nördliche Teil der Canyonlands, den ich heute besucht habe. Eine atemberaubende Landschaft, geformt von Jahrmillionen Erosion, Wind, Wetter und Fluss. Übriggeblieben am heutigen Tage sind steil aufragende Felsen, tief eingeschnittene Canyons. Und man kann davon ausgehen, dass in weiteren Millionen von Jahren alles weg ist. Aber noch nicht heute, denn das wäre für meine Pläne ganz blöd gewesen. Diese sahen nämlich vor, eine der spektakulärsten Strassen zu fahren, die in den USA zu finden sind: den Shafer Trail vom Colorado River hinauf in die Island in the Sky. Gänzlich unbefestigt und zwar ab der Industriesiedlung Potash von wo aus die Herstellung von Kaliumchlorid durchgeführt wird.
Staub, Steine, Felsen ist eigentlich alles, woraus die Strasse besteht. Und natürlich aus ihrem Anstieg, den Serpentinen und den sagenhaften Aussichten in Canyons, auf balanced rocks und dann ganz unten dahinfliessenden Colorado River, der mehr und mehr zu meinem Lieblingsfluss wird, weil ich ihn schon so oft überquert, bewundert und fotografiert habe - ihn und die Hindernisse, die ihm inzwischen in den Weg gestellt wurden (zB. den Glen Canyon Dam und den Hoover Dam).
Unterwegs gab es auf der Strasse doch die eine oder andere Stelle, wo ich mir dachte "Na, ob das gut geht. Das schöne Auto..." Doch es ging alles gut und das, was unter mir prasselte und krachte, waren "nur" Steine, die gegen den Unterboden des Jeeps flogen. Nicht einmal gab es einen direkten Bodenkontakt - high clearance sollte also somit bestätigt sein. Die wunderbare Strasse endete oben am Canyonrand und damit war das Abenteuer beendet, denn hier oben, im Nationalpark, sind alle Strassen schön asphaltiert, damit sich der gemeine Tourist nicht seinen Po wund- und das Auto kaputtschaukelt und dennoch die eine oder andere Naturschönheit bestaunen kann. Wandern kam für mich heute auch nicht in Frage, dennoch gab es einen kleinen Ausgang zu einigen Viewpoints, die wiederum einen sagenhaften Blick auf die unendlichen Canyons bieten, diesmal von ganz oben, eben von den Islands in the Sky.


Okay, da also soll die Strasse durchgehen...

... und sie tut es tatsächlich.


Zum Abschluss des Tages ging es hinter dem Nationalpark nochmal schnell nach rechts rein in den kleinen Dead Horse State Park. Vom Dead Horse Point ergibt sich nochmals der Blick auf die 180°-Schleife des Colorado River, die ich am Vormittag nur aus halber Höhe gesehen habe.
Wieso der Name Dead Horse Point? Weil die Cowboys und Pferdetreiber im 19. Jahrhundert hier die Tiere zusammengetrieben haben und diejenigen, die nicht zur Zucht in Frage kamen, auf dem Hochplateau eingesperrt haben. Der schmale Übergang ist Maximum 30 Meter breit und wurde mit Ästen, Gestrüpp und trockenen Baumstämmen abgesperrt, sodass die Pferde nicht herauskamen und sich und ihrem Schicksal überlassen blieben. Dieses bedeutete zumeist das Ende, denn hier oben gibt es kaum genügend Futter, kein Wasser - nur eine gnadenlose Sonne, die herunterbrennt (und mir auch gestern einen kleinen Sonnenbrand beschert hat - im Nachhinein weiss man immer, wo die Sonnencreme nicht hingekommen ist...)

Abgestiegen bin ich am Abend dann in Green River, meiner alten Bekannten (2009, 2012). Es gibt ja Orte, die besucht man immer wieder, und zwar nicht wegen ihres tollen Nacht-/Kulturlebens, oder wegen ihrer berauschenden Architektur oder der netten Menschen dort. Sondern weil sie einfach günstig gelegen sind. Green River liegt ca. 50 Meilen nördlich von Moab und wenn dort die Hotel ausgebucht sind, fährt man, so wie ich, etwas weiter und findet hier ein nettes Plätzchen.
Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass sich das Städtchen in den letzten 6 Jahren doch etwas herausgeputzt hat.


Kommste heut nich, kommste morgen. Oder übermorgen...

... und du natürlich auch ...

... und du sowieso.

Die sagenhaften Canyonlands

Und nochmal

Und nochmal, diesmal Blick vom Dead Horse Point Richtung Osten.
In der Mitte die Verdunstungsfelder der Intrepid Potash, Inc.
Von der gegenüberliegenden Mesa habe ich die schonmal von der anderen Seite gesehen.


Auf Wunsch verschiedener Leser und Leserinnen: mein diesjähriges Einsatzfahrzeug:
Jeep Grand Cherokee.