Dienstag, 28. Juli 2015

The Wave

Heute* also war der Wave-Tag, nachdem ich gestern meine Permit gewonnen hatte, die den Zutritt zum Coyote Butte North gestattet. 20 Personen dürfen da pro Tag rein und es zeigte sich gleich zu Beginn, dass der Ranger, der aufpasst, dass sich niemand sonst Zutritt verschafft, die 21. Person ist. Gleich am Parkplatz, am Morgen, stand er da bzw. sass in seinem Auto und hatte die Liste der Berechtigten dabei. Als ich eintraf, kam er sodann gleich an mein Auto und wir unterhielten uns ein Weilchen über dies und das. Vor allem war er aber besorgt, dass jeder Besucher ordentlich gerüstet ist und genügend Wasser mit dabei hat. Die Formalitäten waren also eher eine lästige Nebensache. Ich habe den Ranger dann später immer wieder mal getroffen und er hat noch Wege gezeigt und für Leute Fotos gemacht.
So ging es also erstmal vom Parkplatz ab in die Wilderness Area, in die Wildnis, wo kein Weg mehr markiert ist (was nicht ganz stimmt) und auch recht wenig Touristenverkehr herrscht. Glücklicherweise hat das BLM (Bureau of Land Management - sinngemäss: Landverwaltungsamt) ganz ordentliche Karten und Wegbeschreibungen auf Papier produziert und mit Fotos für die wichtigsten Wegpunkte versehen. Unterwegs habe ich noch die Chinesen überholt, die gestern auch gewonnen hatten und heute unbekümmert und ohne jeden Respekt vor dieser grossartigen Natur durch die Felsen kletterten und lärmten. Sie waren tatsächlich zu fünft unterwegs (jemand musste wohl in den sauren Apfel beissen und was anderes unternehmen) und auch sie habe ich (leider, muss ich ehrlicherweise sagen) an diesem Tag noch oft angetroffen. Für's erste hiess es aber, Abstand zu gewinnen, denn ich konnte mir schon denken, dass die stillen Zeiten begrenzt sein würden...
Nach etwa 1.5 Stunden und 3 Meilen weglos über Felsen und Wüstensand und unter der erbarmungslosen Sonne Utahs und Arizonas (auch wenn sich beide Staaten die Sonne hier teilen müssen, ist sie gleich erbarmungslos auf beiden Seiten der Grenze) kam ich dann bei einer der grossartigsten Gesteins-Formationen an, die unser Planet zu bieten hat: The Wave.


Der Eingang zur Welle. Man steht davor und ist erstmal sprachlos.


Regenwasserpool. Hier drinnen schwimmen sogar Kaulquappen und Krebse...

Ungefähr 30 Minuten Vorsprung konnte ich vor meinen chinesischen Freunden herausarbeiten (ich war sehr zufrieden mit mir, immerhin hatte es über 30 Grad Celsius). Und die reichten für ein ganz exklusives Erster-Eindruck-Erlebnis, in aller Stille und Erhabenheit dieses ausserordentlichen Naturschauspiels. Man steht erstmal da und ist sprachlos.

Irgendwann kam auch der Ranger, die Chinesen, die Spanier und ein paar Amerikaner, die das pinkfarbene Permit und also per Internet gewonnen hatten. Im weiteren Verlauf des Vormittags erzählte mir der Ranger, dass es immer so ist, dass bis Mittag rumgelärmt und exzessiv fotografiert wird. Aber dann, wenn die Leute ihre Lunchpakete (Butterbrote) aufgefuttert haben und abmarschieren, dann wird es wieder still. Es gibt ja in dem Gebiet auch noch mehr zu sehen, zum Beispiel die Second Wave, etwas kleiner, aber nicht weniger spektakulär. Während ich die besucht habe (und allen Lärm hinter mir gelassen hatte), kam mir so der Gedanke: ist schon gut, dass die Besucherzahl so stark limitiert wird, sonst würden hier tausende Leute rumtrampel und alles kaputtmachen. Meinetwegen könnte die Restriktion auch bei einer Person pro Tag liegen. Das wäre dann natürlich ich ... ;)

Die Second Wave.

Tosende Wellen - versteinert.
Fast könnte man meinen, HR Giger sei der Schöpfer dieser Kunstwerke

Am Abend und am frühen Morgen habe ich dann noch ein bisschen rumrecherchiert (soweit es das lahme Internet zuliess). Was passiert eigentlich mit Leuten, die ohne Erlaubnis kommen? Die müssen wohl mit bis zu 10'000 Dollar Strafe und 1 Jahr Gefängnis rechnen. Und wie wird das Mass genau festgelegt? Antwort eine Rangers mit Augenzwinkern: "Es hängt davon ab, wie gut sie lügen." Kürzlich sind wohl zwei Spanierinnen mit $ 3'000 glimpflich davongekommen. Bei Gesetzesübertretungen hört die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Ranger auf, ist die übereinstimmende Aussage derer, die danach gefragt haben.
Im übrigen wird wohl auch die Lotterie abgeändert und künftig gibt es die 10 Tages-Karten auch in einer Online-Verlosung, jedoch 48 Stunden vorher. Das wird die Gewinnchancen erheblich verkleinern und dem Örtchen Kanab und auch Page sehr viele Übernachtungen kosten, denn Touristen aus aller Welt kommen, übernachten, und gehen dann morgens zur Lotterie, so wie ich es ja auch getan habe. Schade eigentlich, denn die örtliche Verlosung hatte so etwas sehr persönliches.

Zum Abschluss: Ich habe nun ja schon viele viele Merkwürdigkeiten und grossartige Landschaften gesehen und weiss nicht, welches das auf dem ersten Platz sein könnte, aber die Wave, die schafft es unter die Top Five!

Auf meiner Facebook-Seite hat übrigens jemand geschrieben, dass er den Ort als Bildschirmhintergrund von WindowsXP kenne. Das ist richtig. Dieses wallpaper hat der Wave nochmal einen enormen Bekanntheitsschub gegeben.

Am Folgetag, also mittlerweile heute, Dienstag ist nicht viel passiert ausser Autofahren. Von Kanab, Utah nach Winslow, Arizona, etwas mehr als 400 Kilometer. Morgen geht es von hier nach Flagstaff für drei Tage. Hoffentlich hält sich das Wetter, dann kann ich noch einen schönen hike unternehmen, bevor es dann am Wochenende nochmal in den Grand Canyon geht.

Nochmal die Wave - es gibt hunderte Fotos... (süchtig)

Und nochmal.

Und noch ein Bild aus der sagenhaften Umgebung.
Fünf kleinere Buttes (sprich: "bjut"). Ein Butte ist ein Härtling.

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* Der ganze Abschnit über die Wave kommt einen Tag verspätet. Weil es in der Wüste anscheinend in keinem Hotel mehr so richtig klappen will mit dem Internet. Draussen steht zwar dran "High Speed Wireless", aber das betrifft wohl nur die Strecke zwischen PC und Router...

1 Kommentar:

Tine hat gesagt…

Sehr schöne Bilder. Sie machen mich sprachlos vor dem Wunder der Schöpfung.