Mittwoch, 28. Juli 2010

27 Meter für die Geschichte des Universums

Dienstag war wieder New-York-Tag. Die Unwetter vom Sonntag hatten sich verzogen (dafür hatten sie den Montag noch Zeit, diesen Tag habe ich für eine kleine und erfolglose Shopping-Tour genutzt), und so strahlte ein blauer Himmel über ganz New England und New York City. In die Stadt hinein fuhr ich wieder mit der Bahn von Bridgeport (Connecticut) bis zum Grand Central Terminal, dem großen Kopfbahnhof mitten in Manhattan. Davon habe ich aber erstmal gar nicht so viel gesehen, denn von den unterirdischen Bahnsteigen ging es gleich noch eine Etage tiefer (?) in die Subway und von dort zur Metrostation 77th Street an der Ostseite des Central Parks. Das war etwas ungünstig, denn das Ziel des Tages liegt auf der Westseite des Parks, der immerhin 800 Meter breit ist (und 4 km lang). Auf etwa halber Höhe liegt das Gelände des American Museum of Natural History, eines der größten Naturkundemuseen der Welt und das erste Museum überhaupt, dass nun bei meinen inzwischen doch recht zahlreichen NY-Besuchen auf dem Programm stehen sollte. Naturkunde ist nicht so mein Interessensgebiet und das Museum ist für einen Tagesbesuch auch viel zu umfangreich. Aber ein Teilbereich davon lohnt einen Besuch: das Rosen Center for Earth and Space, ein großer, gläsernern Würfel, in den die 27 Meter messende Kugel des Hayden Planetariums "eingehängt" ist.

Das Hayden-Planetarium schwebt über den Besuchern...

Allein das ist wieder so ein sehenswertes Stück New Yorker Architektur: aufregend gewagt und sehr anziehend für viele Besucher, vor allem in der gerade laufenden Ferienezeit. (Wir sahen die grüne, blaue, rote, orange, gelbe und hellblaue und weisse Kinder-Reisegruppe, erkennbar jeweils an den farbigen T-Shirts...). Die besagte Kugel enthält in ihren oberen Zweidritteln ein großes Planetarium, das an "normalen" Tagen eine halbstündige Reise durch die Entstehungsgeschichte des Universums anbietet und die ich natürlich besucht habe. Wohlgeordnet und mit sinnvoller Pre-Show (damit sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen können), ging es die große Kuppel, die fast voll besetzt war. Ich nehme an, dass dies bei jeder Show der Fall ist. Whoopi Goldberg (also ihre Stimme) führte dann die Reisenden durch 14 Milliarden Jahre Geschichte, leicht verständlich und gut geeignet für Leute, die keine Ahnung von Astrophysik haben. Das ganze hatte diesen typisch amerikanischen Show-Charakter, der nötig ist, um die Leute anzulocken und gerade so viel zu bieten, dass niemand überfordert wird. Großes Weltraumkino mit tollen Effekten, allerdings nicht die mir bis dahin bekannte Planetariumsshow mit Sternenbildern und Jahreszeiten-Reisen (allerdings liegt mein letzter derartiger Besuch auch schon über 15 Jahre zurück). Nach der Show folgte dann eine kurze Erkundung des Rose Centers. Erst auf der oberen Ebene, die Ausstellung mit den Längeneinheiten von astronomisch irgendwas bei 10 hoch 26 Metern bis zu atomaren Längen mit 10 hoch -26 Metern und alles immer im Vergleich mit der dominanten Kugel des Planetariums auf der einen Seite und Vergleichsobjekten andererseits. Die letzte Stufe hatte kein richtiges Vergleichsobjekt mehr: Das Planetarium als Wasserstofatom, im Vergleich dazu wurde die Größe eines Protons wurde als winziger, gedruckter Punkt dargestellt. Es gibt hier noch viel zu sehen, z.B. einen 5 Milliarden Jahre alten Meteoriten oder überhaupt die Meteoriten-Sammlung und die Ausstellung Full Moon und das Big Bang Theatre im unteren Drittel der Kugel, aber man kann das nicht alles an einem Tag schaffen.

Wenn die Kugel des Hayden-Planetariums die Sonne ist, dann sind die Planeten so groß wie die gezeigten Modelle. Und mit jeder Station der Ausstellung ging es eine Stufe herunter bis zu atomaren Dimensionen.


Die Kugel des Planetarium als Wasserstoffatom, dann ist ein Proton daraus so groß wie der gedruckte Punkt...

Für New-York-Touristen ein must-have-sight. Unglaublich, dass ich das erst in diesem Jahr besucht habe.
Leider mussten wir dann wieder zurück nach Connecticut, der Tag war schon weit fortgeschritten und am Abend stand ein weiteres Dinner mit einer Freundin von Mark und Beth an, welches es noch vorzubereiten galt.
Ergbnis des Tages: Planetariumsshow in einem atemberaubenden architektonischen Umfeld und einmal mehr: Nochmal hin.

Montag, 26. Juli 2010

New York empfängt mit Regen

Nun ist die Zeit in Palo Alto auch schon wieder vorüber und ich bin weitergereist nach New York City, um dort noch für eine weitere Woche bei Freunden zu bleiben. Vorher stand noch ein fettes Kalifornien-Abschluß-Programm im Silicon Valley auf dem Plan sowie die Klärung unvorhersehener Schwierigkeiten. Zum Beispiel hatte Bens Autoversicherung die Versicherungs-Police gecancelt. Er hatte dort nachgefragt, wie es mit den Kosten bei einem neuen Auto aussieht und die Dame am Telefon hatte das als Kündigung verstanden und so war plötzlich das alte Fahrzeug nicht mehr versichert. Keine Haftpflicht, keine Kasko... Ben war stinksauer und meinte nur: das ist Amerika, man hat es nur mit [.....] (hier irgendwelche Schimpfwörter einsetzen) zu tun, die von nichts eine Ahnung haben.
Den Freitag hatte sich Ben freigenommen und wir sind im typischen Morgennebel von San Francisco losgefahren, über die Golden Gate Bridge bis zum Muir Woods National Monument, in der nördlichen Bay Area. Muir Woods ist bei weitem nicht so groß, wie ein Nationalpark, doch hier findet sich eine beachtliche Zahl von Redwood-Bäumen. Es sind die letzten Küstenmammutbäume, die in der Region von San Francisco noch existieren und jetzt von vielen Touristen und Ausflüglern bewundert werden. Der Rundgang ist allerdings in kurzer Zeit über die angelegten Pfade und Wege machbar, so klein ist der Park. Nach dem Park ging es nach Sausalito, bekannt für seine Hausboote, die dort im Hafen liegen. Die habe ich nun aber gar nicht gesehen, denn die Zeit war schon fortgeschritten. So sind wir zur "Bühne" von Bill Dan gelaufen. Diese ist eigentlich nichts weiter als der steinige Strand. Der Künstler Bill Dan läßt dort die Steine "tanzen". Skulpturen, die sich scheinbar jeder Schwerkraft widersetzen und bei deren Anblick man nicht glaubt, dass hier keinerlei Kleber oder irgendwelche Stahlstifte zum Einsatz kommen. Einfach unglaublich.

Bill Dan's Steine, im Hintergrund die Skyline von San Francisco


So geht das

Irgendwann muss man sich aber wieder losreissen von diesen tanzenden Steinen und wir mussten auch langsam wieder den Heimweg antreten, auf dem wir noch einen Zwischenstopp auf an den Aussichtspunkten zur Golden Gate Bridge einlegten. Wir, also die Eltern, das kleine Baby und ich brauchten auch auch noch etwas Schlaf, denn das Programm sollte am nächsten Tag ja noch weitergehen.
Für den Samstag waren noch der Besuch einiger Silicon-Valley-Sehenswürdigkeiten sowie der Besuch einer Grillparty vorgesehen. Also ging es morgens los und wir besuchten erstmal den Ort, an dem "alles begann". Wie bereits beschrieben, entstand das Technologie-Zentrum aus Aktivitäten der Stanford University bzw. deren Studenten. Das erste Produkt, dass das Valley hervorbrachte, war ein Tonfrequenzgenerator, der in einer Garage zusammengeschraubt wurde. Diese Garage gilt gemeinhin als Geburtsort des Silicon Valley und kann heute noch (von aussen) besichtigt werden. Die Firma gibt es auch noch, sie heißt Hewlett-Packard (HP) und ist auch heute noch bestens bekannt.

Diese Garage hat das erste Produkt des Silicon Valley ausgespuckt. Heute heißt die Firma Hewlett-Packard...

Nach der HP-Garage ging es nach Moutain View, einem anderen Epizentrum. Hier, zur Bay hin hat Google seinen Sitz und der besteht aus so vielen Gebäuden, dass das Unternehmen für den Verkehr dazwischen knallbunte Fahrräder zur Verfügung stellt, die überall herumstehen und benutzt werden können (glaubten wir, wir haben es leider nicht ausprobiert). Die Fahrräder sind so bunt, die können nur hier bei Google zu Hause sein. Sogar die Reifen sind grün.
Nach diesem Ausflug ging es gleich weiter nach San Jose zu einer typisch amerikanische Grillparty mit Pool und Party-Musik über das ganze Grundstück und die Nachbarschaft. Was tun mit den Nachbarn? Gleich mit einladen. Es war ein sehr unterhaltsamer Nachmittag und ein schöner Abschluss in Kalifornien, denn am nächsten Morgen ging es über San Francisco mit dem Flugzeug nach New York. Ein Flug von knapp 5 Stunden, eine Stunde weniger als lt. Flugplan vorgesehen.

Drei Google-Fahrräder und ein Einheimischer...

New York empfängt seine Gäste an diesem Tag mit einem gewaltigen Gewittersturm, der schon vom Flugzeug aus zu bewundern war und rechtzeitig über den Flughafen hereinbrach, als ich das Terminal verließ. Bloß gut, dass die Passenger Pick Up Area großzügig überdacht war. Das Gewitter hatte dann auch zur Folge, dass Mark und Beth verspätet eintrafen. Straßen waren überflutet und Bäume umgebrochen, was zu längeren Verzögerungen führte (vor allem deshalb, weil die amerikanischen Autofahrer so sehr langsam an solchen Stellen vorbeifahren, nicht aus Sicherheitsgründen, sondern um die Sachen zu sehen...). Irgendwie ging dann aber alles gut und gegen 19.00 Uhr waren wir endlich in Connecticut und konnte uns dem letzten Tageshöhepunkt widmen: Grill-Essen, amerikanisches Bier (Samuel Adams), Wein und zum Abschluß kubanische Zigarren auf der Patio.
Nach der Westküste folgt nun also noch eine Woche an der - ganz anderen - Ostküste. Hier ist es wesentlich schwüler, etwas hektischer und nicht so ganz gegensätzlich wie der Westen.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Stanford und das Silicon Valley

Gestern bin ich also auf die letzte Etappe meiner Autotour gegangen, von Modesto im Central Valley, dem Obst- und Gemüsegarten der USA hinein ins Silicon Valley. Das Silicon Valley ist der südliche Teil der Metropolregion um die Bucht von San Francisco in Kalifornien. Die Bezeichnung wurde 1971 geprägt, als sie der Technik-Journalist Don C. Hoefler (auf Vorschlag des Unternehmers Ralph Vaerst) im Titel einer Artikelserie über die Halbleiterindustrie in der Wochenzeitung Electronic News erstmals publizierte und hat sich als Inbegriff für die hier ansässige Computerindustrie gehalten. Irgendwie mitten drin im Valley liegt mein Ziel-Städtchen Palo Alto mit etwa 61.000 Einwohnern und im Umkreis liegen weitere Orte mit klangvollen Namen wie Cupertino, San Jose, Sunnyvale, Mountain View, Stanford und so weiter und in diesen Städten angesiedelt sind heute einige der größten Unternehmen der Computerindustrie. Wer will da entscheiden, welches die wichtigsten sind? Daher hier eine Auswahl: Google (Mountain View), Apple (Cupertino), Intel (Santa Clara).
Nach Palo Alto bin ich gefahren, um hier meinen Bruder zu besuchen, der seit vorigem Jahr hier mit seiner Frau und - seit allerneustem - dem kleinen Johannes lebt. Nach der Ankunft im Appartment bin ich erstmal mit Friederike zur Universität Stanford gefahren, um Ben aus dem Labor rauszuholen. Ganz entgegen meiner Erwartungen kann man hier "einfach" reinspazieren und duch die Fenster in die Labore reinschauen. Irgendwo war dann Ben noch mit seinen Kollegen beschäftigt, als wir anrückten und deswegen sogleich auch wieder abzogen, um draussen auf dem Campus auf ihn zu warten.
Viele Teile der heutigen Computer- und Technologie-Industrie des Silicon Valley gehen irgendwie irgendwann auf irgendwelche Aktivitäten der Universität Stanford zurück. Zum Beispiel trägt das Unternehmen Sun Microsystems den Ursprung noch im Namen: Sun = Stanford University Network (was allerdings nicht verhinderte, dass die Gesellschaft 2009 von Oracle, auch so ein Silicon-Valley-Unternehmen, aufgekauft wurde). Ben ist allerdings hier nicht im Computerwesen tätig, sondern als "Post-Doc" befristet in der Chemie angestellt. Nachdem er Kittel ausgezogen und Schutzbrille abgelegt hatte, gab es einen kleinen Rundgang über den Campus, vorbei am Glockenturm und den doch recht bekannten Kolonnaden der historischen Gebäude (historisch in Amerika = ca. 100 Jahre alt). Die Uni selbst ist eine der reichsten US-Unis mit einem Stiftungsvermögen von über 17 Mrd. Dollar. Damit läßt sich trefflich lehren und so wurde die Uni im Laufe der Zeit zu einem der Wachstumsmotoren der IT-Entwicklung, speziell des Silicon Valley. Der Wahlspruch lautet - sehr schön auf Deutsch - "Die Luft der Freiheit weht" und findet sich auf den Symbolen der Uni, die man z.B. im Bookstore als Andenken auf T-Shirts, Pullovern und Schlüsselanhängern kaufen kann. Übrigens kann jedermann und jedefrau auch Teil der Uni-Forschungsgemeinschaft werden und an dem Projekt Folding@home teilnehmen.
Nach dem Rundgang über den Campus und den Kauf-Abstecher im Bookstore ging es erstmal in Ben und Friederikes Wohnung zurück und dann zu Vertragsverhandlungen. Ben will sich ein familiengerechtes, gebrauchtes Auto kaufen und Wagentyp und Anbieter standen bereits fest. Also ging es nochmal los, nach Sunnyvale auf einen Parkplatz. Kurz darauf kam der Anbieter, ein Inder, mit dem Wagen des Interesses und Ben, ein Freund aus Deutschland und ich prüften das Fahrzeug auf Herz und Nieren, alle Funktionen wurden gecheckt, Reifen, Lichter, Öl, Kühlwasser usw. Wie gesagt, auf Herz und Nieren. Dann ging es nach nebenan in ein Firmenbüro, dort wurde noch gefeilscht und formuliert und der Vertrag aufgesetzt, auf dessen Grundlage das Fahrzeug, ein Honda Odyssey den Besitzer wechseln sollte. Ich glaube, den Indern war es irgendwann zu viel. Sie wollten das Auto loswerden, aber Ben, der deutsche Interessent wollte noch dieses und jenes festgeschrieben haben. Ich glaube, der Inder war schon etwas ungehalten, denn vorher, noch auf dem Parkplatz, als wir noch die Fussmatten prüften, war plötzlich eine weitere indische Familie auf dem Plan, die auch Interesse für das Auto hatten und die Kinder saßen hinten schon Probe. Ich vermute, die hätten ohne jeden Vertrag die Karre vom Fleck weg gekauft und nun musste er sich mit uns herumschlagen... Schlußendlich war der Vertrag dann doch fertig und unterschrieben und ich hoffe, dass Ben und Friederike bald ein wunderschönes Auto für die kleine Familie haben. Der Honda Odyssey ist ein Van, wie man ihn auf deutschen Straßen nicht findet: 7 Sitze, die hintere Sitzbank mit drei Handgriffen in der Kofferraummulde versenkt, dadurch quasi Verdreifachung des Stauvolumens. Die mittleren Sitze lassen sich wunderbar verschieben und variieren. Einfach ein geniales Konzept, aber dieses Auto gibt es offenbar nicht in Deutschland zu kaufen, deswegen werden Ben und Friederike es nach ihrer Zeit hier nach Europa verschiffen lassen. Wenn die mal hier in Deutschland damit unterwegs sind, werden sie wohl den einen oder anderen neidischen (?) Blick auf sich ziehen... Allerdings: offroad kann man damit auch nicht fahren. Nach den anstrengenden Vertragsverhandlungen (ich habe die Rolle des Beobachters übernommen und mir das Büro dieser Import-Export-Firma genauer angeschaut) gab es noch zu Hause eine Flasche Champagner und ein Spaghetti-Abendbrot, danach war Schlafenszeit angesagt. Ben erwähnte immer wieder, er müsse morgen noch früh raus um etwas im Labor zu arbeiten...
Am nächsten Morgen Behördengang mit Ben: Geburtsurkunde für Johannes abholen. Er ist jetzt ein echter Amerikaner und bekommt einen US-Reisepass für den "Weihnachts-Urlaub" in Deutschland. Danach: mein Auto zur Vermietung zurückbringen. Der schöne Jeep Wrangler... aber nun bekommt er mal wieder eine Grundreinigung, der ganze rote Staub aus Arizona muss raus und vielleicht können die ja auch die klappernden Teile wieder festmachen. Ich hatte den Eindruck, dass je länger je mehr Teile lose wurden. Soviele unpaved roads bin ich nun auch wieder nicht gefahren, dass die Kiste gleich auseinanderfällt. Aber: hier hat sich niemand das Auto genauer angeschaut. Ausser Kilometerstand ablesen und Rechnung ausdrucken war nichts weiter nötig. Ben ist danach tatsächlich noch ins Labor gegangen, während ich mit Friederike und Johannes einen entspannten Tag im Golden Gate Park in San Francisco verbracht habe. Ich weiß nun auch, warum ich diese Stadt nicht so sehr mag: es ist hier einfach zu kalt für mich. Heute vielleicht 20° Celsius, viel Wind, viele Wolken. Das ist doch kein Wetter.
Morgen, Freitag, werden wir zu viert noch ein wenig das Valley erkunden und die Epizentren der C0mputertechnologie anschauen, dann noch etwas Entspannung. Vielleicht gibts dann auch wieder einen Bericht.

Dienstag, 20. Juli 2010

Nochmal Yosemite und dann weiter nach Westen

Also habe ich heute auf dem Weg nach Westen nochmals den Yosemite-Nationalpark durchquert, diesmal mit mehr Ruhe und mehr Lust, ab und an anzuhalten und auch die Viewpoints zu besuchen. Alles in allem ist der Park ziemlich von Touristen überlaufen, gerade auch in den Sommermonaten. In den Bergen hat es angenehme Temperaturen und der Park lädt zum Wandern und Campen ein. Aber es gibt auch die Tagesbesucher, die mit ihren Autos die Parkplätze verstopfen, gerade auch an den HIghlights dieses Parks, wie etwa den großen Wasserfällen. Groß sind hier nicht die Wassermengen, sondern eher die Höhen, von denen sie herunterfallen. Erstaunlich, dass unten überhaupt noch etwas ankommt, denn der Wind spielt ganz schön heftig mit damit und zerfastert den "Wasserstrahl" in der Luft, so dass es im Umfeld immer so einen Nebel aus feinen Wassertropfen gibt. Die Touristen hält das nicht ab, trotzdem ihr teueres Foto/Video-Equipment auszupacken und damit auf den glitschigen Felsen herumzuturnen. Mehr gibts eigentlich von heute nicht zu berichten. Abends bin ich dann im Hotel in Modesto, im Central Valley von Kalifornien abgestiegen. Modesto ist die Geburtstag von George Lucas und das Central Valley ein mehrere hundert Kilometer langes Tal mitten in Kalifornen und überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Morgen gehts weiter Richtung Küste.

Wasserfall im Yosemite. Dafür und für die schöne Berglandschaft kommen jährlich 3 Mio Touristen.

Montag, 19. Juli 2010

Einmal Yosemite und zurück

Das etwa dreitausendfünfhundert Einwohner zählende Örtchen Bishop liegt irgendwo zwischen der Sierra Nevada und dem Death Valley, also anders ausgedrückt: im Nichts. Und aufgrund meiner ursprünglichen Ideen, die sich als nicht durchführbar erwiesen, hatte ich hier 2 Übernachtungen gebucht. Gestern noch war ich recht zuversichtlich, vonb hier aus den Yosemite Nationalpark besuchen zu können um danach ganz bequem wieder zurückzufahren. Aber das war doch etwas optimistisch und vor allem erwies es sich im Verlauf des heutigen Tages als unsinnig und gleich auch noch als ärgerlich hinsichtlich der Hotelausstattung. Letztere hatte nämlich schon gestern ihre Anfälligkeit bewiesen, als der Internetzugang erst gar nicht, dann schwerlich möglich war. Nachfragen von mir und anderen am front desk (da, wo die Schlüssel ausgegeben werden) brachten nur Schuterzucken und die Aussage: "es müsse wohl an deinem Notebook liegen, hier geht ja alles..." Was soll man da noch diskutieren. Stattdessen verlege ich mich darauf, derartige Umstände in den Hotelbewertungen im Internet niederzulegen, wo sie auf jeden Fall von tausenden anderen Reisenden gelesen werden. Aber anscheinend hat die schiere Masse der Gäste-Beschwerden beim Management doch zu einem Umdenken geführt, denn als ich heute abend von meinem ausgedehnten Tagesausflug wiederkam, gab es ein völlig neues Login-System und neue Paßwörter und nun geht es auch zuverlässig. Na bitte.
Während die also an ihrem System herumgedoktort haben, habe ich mich heute morgen gegen 9.00 Uhr auf den Weg in den Yosemite Nationalpark gemacht. Von Osten her geht das im Sommer über den Highway 120, eine Straße, die wieder mal in endlosen Serpentinen die Berge bis auf 3000 Meter hinaufführt und die deswegen auch nur in den Sommermonaten befahren werden kann. Von den bis zu 4000 Meter hohen Berggipfeln winkt der Schnee noch herunter.
Allerdings zieht sich die Strecke hin: von Bishop bis zur Parkeinfahrt ungefähr 70 Meilen, dann noch einmal ca 60 Meilen bis zum Yosemite Valley, dem zentralen Teil des Parks, der von über 3 Millionen Menschen jährlich besucht wird. Die Meilen ziehen sich hin und die Uhr tickt. Obwohl ich früh losgezogen bin, war mir recht bald klar, dass eine den Schönheiten des Parks angemessene Besuchsdauer wohl nicht möglich sein wird, wenn ich bei Tageslicht und einigermassen munter wieder in Bishop zurücksein wollte. Und gerade letzteres löste bei mir noch den inneren Ärger aus, denn ohne die zwei gebuchten Nächte dort hätte ich wunderbar nach Westen weiterfahren können, ohne die lange Rückfahrt... naja, auch Reiseplanung ist ein großes Lernfeld. Was gibts aber nun im Yosemite zu sehen: kurz gesagt: viele riesengroße Steine, sprich monolithische Berge aus Granit und jede Menge Natur. Der Park ist im Grund ein Paradis für Camper, Hiker, Fahrradfahrer. Autofahrer kommen auch gut zurecht, aber die wahre Schönheit ist wahrscheinlich nur mittendrin erlebbar, nicht unbedingt von der Straße aus. Immerhin gibt es aber wie üblich die Park-Karte mit allen wichtigen Anlaufstellen und Aussichtspunkten auf die Sehenswürdigkeiten. Und da ist vor allem dieser sehr bekannte Berg mit dem Namen Half Dome zu nennen: ein Granitbrocken von 2.600 Metern Höhe in Form einer halb abgeschnittenen Kugel, der viele Betrachter, Fotografen und Designer inspiriert hat, angefangen von den ersten Bewohnern des Gebietes über die weißen Entdecker bis zu den Designern der Marke "The North Face", die den Berg in ihr Firmenlogo übernommen haben.
Das habe ich mir angesehen und dann musste ich schon wieder den Rückweg antreten. Immerhin, zurück im Hotel hatte ich dann die Möglichkeit, die morgige Route zu planen und die führt - so will es die Geografie Kaliforniens - abermals direkt durch den Park hindurch. Gut, dass das Parkticket eine Woche lang gilt. Vielleicht kann ich dann morgen noch den einen oder anderen Abstecher machen. Übernachten werde ich dann in Modesto, im Central Valley. Für heute reichts erstmal.

Der Half Dome taucht immer mal wieder auf, sei es in Filmen, Fernsehen oder der Werbung...
oder in diesem Blog.


Sonntag, 18. Juli 2010

Es geht immer noch ein wenig mehr...

127° Fahrenheit, oder umgerechnet 52,8° Celsius - es könnte sein, dass heute der wärmste Tag des Jahres im Death Valley, Kalifornien, war. Und ich mittendrin, sonst wäre dieses "Beweisfoto" nicht entstanden. Am Morgen bin ich von Las Vegas in Richtung Westen gestartet, um über den Ort mit dem schönen Namen Pahrump in den großen Wüsten-Nationalpark einzufahren. Pahrump ist im Grunde nichts weiter, als eine Oase in der Wüste mit mittlerweile knapp 40.000 Einwohnern. In den 60er Jahren gab es nicht mal einen Telefonanschluß. Womit die Stadt hauptsächlich von sich reden macht, kann jeder selbst bei Wikipedia ermitteln. Übrigens sind auch die meisten anderen Informationen, die ich hier verwende, aus der Wiki.
Ich habe keine Ahnung, was am Death Valley so anziehend ist für mich und viele viele Touristen. Aber schon bei der Reiseplanung für dieses Jahr stand fest, dass mindestens ein Tag für einen erneuten Besuch hier eingeplant wird. Nun hatte ich daraus kurzristig sogar zwei Tage gemacht, das werde ich aber so nicht umsetzen. Warum? Die Parkverwaltung möchte den Massentourismus zum Schutz der aussergewöhnlichsten Ort einschränken und davon bin nun auch ich betroffen. Wie das abläuft bzw. eingerichtet wird, dazu später mehr. Zunächst ging es also durch das Wüstengebirge westlich Las Vegas hinein in das Tal des Todes, das seinen Namen angeblich von einer Gruppe Reisender, die sich hier verirrt hatten. Als sie letztlich doch einen Ausweg fanden, verabschiedete sich eine der Frauen in der Gruppe mit den Worten "Goodbye Death Valley". So tot wie sein Name ist das Tal aber nicht. Einige hochspezialisierte Lebensformen, darunter der Mensch, sind im Stande, hier zu überleben, wo nicht viel anderes ohne ständige Bewässerung lange grün bleibt. Viel Regen kommt über das Jahr verteilt auch nicht an, die durchschnittliche Menge beträgt gerade mal 25 mm.
Ich bin heute also hier unterwegs und zuerst auf den Aussichtspunkt Dantes View hinaufgefahren, eine 13 Meilen lange Serpentinenstraße, die bis auf ca. 1600 m raufgeht. Von dort oben hat man einen atemberaubenden Blick über große Teile dieses riesigen Tales. Untenin strahlendem Weiß des kristallisierten Salzes das Badwater Basin, auf der anderen Seite erheben sich die Berge der Panamint Range bis auf eine Höhe von 3.368 Metern und an klaren Wintertagen (nicht heute), kann man in etwa 150 Kilometern Entfernung den Mt. Whitney sehen und somit die tiefste Stelle Amerikas, Badwater, direkt unterhalb von Dantes View mit 86 Metern unter dem Meeresspiegel und gleichzeitig den höchsten Berg der USA ausserhalb Alaskas mit 4.421 Metern Höhe.

Blick von Dantes View auf das Badwater Basin. Das ist so riesengroß...

Nach diesem Spektakel ging es erstmal ins angenehm klimatisierte Visitors Center mitten im Park. Hier wurde die übliche Entrittsgebühr fällig und es gibt bei solchen Gelegenheiten Karten und sonstige Hinweise. Ausserdem stehen die Park-Ranger für Fragen der eigenen Reiseplanung zur Verfügung. Ich hatte mir den Haupt-Besuchhöhepunkt für dieses Jahr schon zurechtgelegt: ich wollte die Race Track Playa besuchen, die weit abgelegen im Norden des Park liegt. Hier und nur hier gibt es die wandernden Steine, von denen niemand so richtig weiß, wie sie sich bewegen, aber die Spuren in der ausgetrockneten Playa sind eindeutig: hier findet ein Rennen der Felsbrocken statt, aber immer, wenn Zuschauer kommen, erstarrt alles zur Bewegungslosigkeit. Das ist natürlich so richtig nach dem Geschmack der Touristen und wahrscheinlich noch von Leuten, die irgendwelche übersinnlichen Phänomene vermuten. Jedenfalls hat der steigende Besucherstrom offenbar zu erheblichen Verletzungen an der Natur geführt: angefangen damit, dass irgendwelche Blödiane die Playa bei Nässe betreten bis dahin, dass Idioten die Felsbrocken mitnehmen, was natürtlich strengstens verboten und mit hohen Strafen belegt ist. Aber hier gibt es keine Ranger mehr und so bleibt nur, den Zugang zu erschweren: die Strasse wird nicht mehr gewartet und bei Nachfragen im Besucherzentrum wird der Interessent in schillernden Farben zum Phantasieren angeregt, was alles passieren könnte: mindestens 4WD erforderlich, heavy duty tires, mindestens zwei Ersatzreifen, kein Mobilfunkempfang, Abschleppen kosten soundsoviel Hundert Dollar und, ach ja, die Fahrt dauert von hier drei Stunden, anschließend eine Stunde Fussweg und das alles bei den heute vorhergesagten 120° Fahrenheit. Überlegen Sie es sich lieber nochmal. Und damit sind die Ranger erfolgreich. Die wenigsten machen sich nach dieser Ansage noch auf den Weg, obwohl die Kulisse einmalig sein muss. Ich habe denn auch Abstand davon genommen. Die Aussicht, irgendwo auf der Schotterpiste liegenzubleiben, fand ich nicht so toll. Ich bin dann lieber noch zum Badwater Basin gefahren, wo ich das ganz oben gezeigt Foto geschossen habe. Tatsächlich: 52,8° Celsius. Das ist aber immer noch nicht ganz der derzeit gültige der Rekord, aber immerhin eine Temperatur, die einem das Wasser aus allen Poren treibt, wenn man ein paar hundert Meter zu Fuß läuft. Zum Beispiel hinaus in die Salzwüste Badwater. Hier tritt Grundwasser von unten aus dem Boden und es entstehen kleine Tümpel, an denen das Salz auskristallisiert. Es sieht etwa so aus, wie schmutziger Schnee bei uns in Deutschland. Nach so einem kurzen Rundgang ist erstmal re-klimatisierung im Auto angesagt, wobei ich immer sehr achtgeben muss, mich nicht durch eine zu stark laufende Klimaanlage zu erkälten. Immerhin waren nachher alle Sachen schön nass von Schweiss und es dauert eine Weile, bis alles wieder getrocknet ist. Ein zu kalter Luftstrom kann da recht schnell unangenehme Folgen haben.

Zabriskie Point: auf die Bank setzt sich heute keiner. Alle Oberflächen sind so heiß, dass man sich Verbrennungen zuziehen kann.

Nach dem Verzicht auf den Racetrack und dem Entschluß, diesen auch an dem zweiten reservierten Tag nicht zu besuchen, bin ich ziemlich ausgelaugt in Richtung Hotel abgefahren. Dieses hatte ich nun schon für zwei Übernachtungen gebucht und wollte das auch nicht wieder rückgängig machen. Aber wie Amerika nun mal ist, bieten sich auch hier unendliche neue Möglichkeiten. Gleich drei weitere berühmte Nationalparks liegen gleich vor der Hotelzimmertür (für amerikanische Entfernungsverhältnisse nah): die Sequoia-&-Kings Canyon National Parks und der Yosemite-Nationalpark. Ich kann also wählen.
Somit habe ich nun also die Wüste verlassen und noch eine Erkenntnis gezogen: Noch mehr trinken! Warum aber nun gerade das Death Valley so anzieht? Vielleicht liegt es an den Extremen, vielleicht an den Herausforderungen, die die Landschaft an die Besucher stellt, vielleicht ist es auch das Verlangen, mal richtig warmes Wetter zu erleben. Es gibt nicht mehr viele weitere Orte auf dieser Welt, die soviel Wärme zu bieten haben und doch relativ leicht zu erreichen sind.

Scheinbar unendlich weit reicht die Salzwüste. Im Hintergrund schweigen die Berge der Panamint Range in der Hitze...

Samstag, 17. Juli 2010

Die Kugel rollt

Las Vegas ist der gebaute amerikanische Traum, in dem sich Träume von Glück und Wohlstand für jedermann erfüllen sollen, egal, welcher Weg dafür eingeschlagen wird. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall für die Investoren der Casinos (früher war auch die Mafia stark beteiligt), Hotels und Unterhaltungsshows. Las Vegas ist nebenbei die Glücksspielmetropole des Westens, Touristenhochburg für Reisende aus aller Welt, autofahrerfreundliche Stadt und insgesamt eine pulsierende Wüstenhauptstadt mit angeschlossenem Segler-Paradies, dem Stausee Lake Mead. Und dass alles innerhalb der letzten knapp 80 Jahre. Begonnen hatte der Aufstieg der Stadt mit damals etwas 5.000 Einwohnern im Jahre 1931. In Nevada wurde das Glücksspiel legalisiert und in der Nähe begann der Bau des Hoover Dams. Tausende Bauarbeiter wurden in der von der Regierung gegründeten Siedlung Boulder untergebracht, durften aber dort keinen Alkohol trinken und jede Form von Glücksspiel war dort verboten. Nicht so im nahen Las Vegas, wo die Löhne der Bauarbeiter entsprechend umgesetzt werden konnten. In den vierziger Jahren wurden dann die Casinos gleich mit den Motels verbunden: aus dem Bett an den Spieltisch - ein geniales Konzept, bis heute. In den Fünfziger Jahren kamen Touristen, die die Atombombentests sehen wollten, die in der Wüste durchgeführt wurden; ein weiterer Aufschwung bis in die 60er Jahre. Dann folgten 20 Jahre schlechtes Image "Dummerweise" wurde die Durchführung von Atombombenexplosionen in der Atmosphäre im Jahr 1963 verboten, wodurch die Touristen nichts mehr in der Ferne zu sehen hatten und daher das Geschäft mit aus der Nähe sichtbaren Reizen aufblühte. Las Vegas wurde Rotlicht-Stadt - Sin City - Stadt der Sünde. Der letzte Aufschwung begann in den Neunzigern, als neben dem Glücksspiel die Unterhaltungsshow aufkam: die Stadt wandelte sich von der Sin City in eine Unterhaltungsmetropole (City of Entertainment - Stichwort Siegfried und Roy) und wurde somit auch für reisende Familien attraktiv. Dazu kam ein Bevölkerungszuwachs, der die Einwohnerzahl auf über 550.000 (in der Metropolregion: 1,86 Mio) ansteigen ließ. Und da steht es nun heute, faszinierend glitzernd mitten in der Wüste.
Doch was tun an einem einzigen Tag? Ich bin erstmal einem ganz besonders morbidem Vergnügen nachgegangen - und habe das Atomic Testing Museum besucht. Gleich nördlich der Stadt wurden von 1951 an Kernwaffentests durchgeführt und das Museum widmet sich dieser Zeit mit einer Ausstellung, die mir persönlich allerdings ein wenig sonderbar vorkam. Okay, die wissenschaftlichen Fakten darzustellen ist eine nette Sache und interessant dazu, aber es war doch auch eine Menge Rechtfertigung dabei. Augenzeugen und ehemalige Mitarbeiter betonen in Videosequenzen immer wieder die Richtigkeit und Wichtigkeit der Tests bis zu deren endgültigem Ende im Jahr 1992 und am Ende des Rundgangs widmet sich ein ganzer Raum dem 11. September 2001. Aber ansonsten war es schon interessant, wie z.B. in den Fünfzigern mit der Atombedrohung umgegangen, ja, man muss schon sagen gespielt wurde. Da gab es eine Miss Atomic Bomb 1957, Berechnungstabellen für den Hausgebrauch (in etwa nach der Art: nach wievielen Tagen kann ich das Wasser wieder trinken) usw. Zum Schluß wurde auch noch geklärt, wie heutzutage, nach dem entgültigen Ende der Tests trotzdem experiementiert wird (sogenannte subkritische Experimente). Es soll ja niemand denken, dass nicht dann und wann doch mal einen kleinen Bums in der Wüste gibt. Und es soll auch niemand deswegen auf nur die Amis schimpfen. In Russland passiert das gleiche, bloss gibt es dort nicht so "viel" Öffentlichkeit. Soweit mal zu meinem Abstecher in die jüngere Geschichte Nevadas.
Nach dem Museum ging es direkt in die Downtown oder das, was davon am berühmtesten ist: der Strip, der Straße, an der die wichtigsten Hotels und Casinos der Stadt versammelt sind. Doch wo stellt man in so einer Stadt das Auto ab? Auch kein Problem, denn dass ist in die Casino-Investitionen eingepreist: alle Hotel- und Casino-Parkhäuser (10 Etagen hoch!) bieten freies Parken an. Einfach selbst reinfahren oder - valet parking - das Auto am Eingang abgeben, es wird dann eingeparkt. Letzteres kostet jeweils 2-3 Dollar Trinkgeld, ansonsten ist das Abstellen von Autos zum Nulltarif zu haben. Die Aufzüge führen denn auch vom Parkdeck direkt ins Casino, denn dort soll ja das Parkentgelt wieder reinkommen.
Casino-Besuch: für mich war das nun etwas absolut neues. Noch nie im Leben hatte ich eine solche Einrichtung von innen gesehen. Jetzt stand ich also mittendrin zwischen den slot machines, Pokertischen, Roulette-Anlagen und so weiter. Eine wahnsinnige Geräusch-Kulisse aus Musik, Pieptönen von Einarmigen Banditen, Jubelrufe der Gewinner und allem, was noch dazukommt. Hier musste ich erstmal schnell wieder raus. Dann ging es ein paar Hundert Meter den strip entlang mit einem längeren Aufenthalt an einem Casino der etwas anderen Art. An einer Straßenkreuzung hatte ein Hütchenspieler seinen Stand aufgebaut, der nur aus einem flachen Karton und drei Spielkarten bestand. Und der Mann hat hier die Leute abgezogen, einfach unglaublich. Die haben gedacht, die könnten den Typen austricksen, aber der hat sich natürlich mit System austricksen lassen und so die Leute angeködert und dann abkassiert. Ich glaube auch, dass der noch mindestens ein oder zwei Leute unter den Zuschauern hatte, die mit ihm zusammenarbeiten, mittippen und gewinnen oder aufpassen, wer zu tricksen versucht - oder einfach den Leuten die Geldbörsen klauen, währenddessen sie gebannt auf die hin- und herschwirrenden drei Spielkarten starren...
Danach habe ich noch selbst drei Casinos besucht, die am Wegesrand lagen, unter anderem das "New York" mit dem Hotel, dass den Wolkenkratzern der Welthauptstadt nachempfunden ist. Ist natürlich nur ein bloßer Abklatsch, aber sehr publikumsattraktiv. Wie gesagt, in den Casinos brummt es und der Rubel rollt. Ohne weiteres setzen die Leute hier tausende um, und es sind Leute wie du und ich, in Touristenklamotten mit Kinderwagen. Die Zeit der Krawattenpflicht ist längst vorbei. Hier tragen nur noch die Security-Leute und die Dealer und Croupiers Schlipse. Es sind irre Glücksfabriken, die allerdings jede Menge Ausschuss produzieren, denn hier kann niemand "mit System" gewinnen (ausser vielleicht ein wenig beim Pokern). Die Automaten arbeiten absolut nach Zufallsgeneratoren, die Black-Jack-Karten kann keiner mehr zählen, da sie ständig gemischt werden und überhaupt ist alles kameraüberwacht, selbst das Rad beim Roulette. Wer hier gewinnt, gewinnt durch Zufall. Meistens wird verloren, anders sind die Gewinne der Casinos ja auch gar nicht realisierbar. Aber die Stimmung ist phantastisch, die Leute sind gut gelaunt, auch wenn sie verlieren. Und damit das so bleibt, gibt es Annehmlichkeiten, die den Gästen gerne zur Verfügung gestellt werden. Ich nenne mal zur Orientierung drei Stufen (dazwischen gibts bestimmt noch mehr): Servieren von Drinks an den Automaten und Spieltischen; Rückenmassage-Service am Spieltisch; Mädchen, die auf Laufstegen tanzen und relativ wenig angezogen haben...
Wenn man nun drei oder vier Casinos von innen gesehen hat, merkt man rasch, dass bis auf die casinospezifische Kleidung der Angestellten sich die Dinge doch sehr ähneln. Am Eingang die Automaten für kleine Spieler mit Einsätzen von einem oder fünf Cent, dann links und rechts am Rand die langen Reihen der Automaten für richtige Spieler (Einsatz 1 Dollar), in der Mitte die Tische für Roulette, Black-Jack, Poker usw. Irgendwo gibts noch die "Fressmeile", den Infostand für die abendlichen Shows und die Chip-Ausgabe. Chips kann man übrigens auch am Geldautomaten erhalten.
Das also ist Las Vegas. Eine wahnsinnig brummende Stadt, faszinierend und gleichzeitig doch etwas nachdenklich machend. Wer sich nun auch noch für Shows interessiert oder gar in einem der Casinos den einen oder anderen Hunderter einsetzen möchte, dem sei ein mehrtägiger Besuch dringend angeraten.

(Bilder folgen noch, bin einfach zu müde jetzt)

Freitag, 16. Juli 2010

Beginnen und zu Ende bringen

Beginne nichts, von dem du nicht weißt, ob du es zu Ende bringst. Getreu diesem Motto habe ich heute beendet, was ich im vorigen Jahr aufgrund ungenügender Planung bereits nach dem ersten Zehntel abbrechen musste. Heute war Planung und Ausgangslage sehr viel günstiger: von St. George, Utah sollte es nach Las Vegas gehen und auf diesem Weg der Valley of Fire State Park in Nevada abgeklappert werden. So ging es auf der Interstate erstmal durch den atemberaubenden Virginia River Canyon: Die vierspurige Autobahn windet sich an den steil aufragenden Felswänden entlang in unzähligen Kurven und Kehren, auf und ab. Die Einheimischen Fahrer, vor allem die Trucker, scheinen kein Auge dafür zu haben und donnern die Gefällestrecke weit über Tempolimit hinab, während ich mit Sonntagsfahrergeschwindigkeit die Aussicht genieße. Wenn die Strasse nicht so viel Konzentration verlangen würde, ich hätte bestimmt nebenher fotografiert.
An seinem westlichen Ende spukt der Canyon die ganze Blechlawine in eine völlig andere Landschaft aus. Plötzlich sind die Felsen fort, ebenso die Kurven. Alles weicht wieder der Wüstenlandschaft. Der Blick zurück auf die Bergkette läßt nicht vermuten, dass hier irgendwo eine Autobahn durchgeht.
Kurz nach der Canyon-Durchfahrt endet Arizona und beginnt Nevada. Diesmal war ich mir ganz sicher: Uhr umstellen nicht nötig, obwohl Nevada Pacific Time hat und Arizona Mountain Time. Aber Arizona hat keine Sommerzeit. Diesen Umstand, diese Überlegung habe ich mir an prominenter Stelle später am Tag noch bestätigen lassen.
In Nevada ging es dann hinein in den State Park, so etwas wie ein Nationalpark, nur in Zuständigkeit des Staates und nicht der US-Bundesregierung. Die State Parks sind oft auch nicht so groß und weniger gut ausgestattet, ausser an Attraktionen. In diesem Park bestehen sie aus außergewöhnlichen roten Felsen in wunderbaren Formationen und geschliffen durch Wind und Wetter. Das Felsmaterial ist Sandstein, entstanden vor 150 Millionen Jahren aus aufgetürmten Dünen, die zusammengepresst wurden und dann vom Wetter weiter geformt wurden und immer noch geformt werden. Der rote Fels dominiert das Bild, es gibt Arches (natürliche Bögen) und Balanced Rocks (balancierte Felsen) zu bestaunen - alles in Rot, manchmal ist auch etwas Gelb oder andere Farben drin.

Balanced Rock in einer unglaublich schönen und wahnsinnig heißen Landschaft

Von diesem Rot hat der Park auch seinen Namen: Valley of Fire. Obwohl er ihn auch vom Klima haben könnte. Die Luft brennt im Hochsommer, und heute war Hochsommer. 118° Fahrenheit, das sind 47,8° Celsius (in Worten: siebenundvierzig-komma-acht). Wenig schattenspendende Stellen und der Wind ist eher wie der Föhn im Badezimmer. Im Park geht das noch, die wichtigsten Punkte sind bequem im klimatisierten Auto und in wenigen Fußmarsch-Schritten erreichbar (wenn nur nicht das Ein- und Aussteigen am Auto wäre...). Nach einigen hundert Fotos war es dann aber genug, ich wollte weiter und hatte mir noch den Abstecher zum Hoover Dam vorgenommen.

Natürlicher Bogen - Geologie und Wetter haben mal wieder ganze Arbeit geleistet


Unterwegs in Nevada, das heißt im wesentlichen: Weiterfahrt durch die Wüste und durch die flirrende Hitze. Unterwegs ein Stopp, um etwas Sport zu treiben: ein Pfad führt von einem Parkplatz auf den etwa 200 Meter höher liegenden Gipfel eines Berges neben der Autobahn. Da bin ich also noch rauf und sicher wieder runtergekommen, bei 45° Celsius. Entsprechend ist bei solchen Aktionen natürlich der Wasserverlust, der wieder ausgeglichen werden muss. Mehr trinken heißt das. Aber so war ich doch ganz zufrieden mit mir und meiner Kondition. Der Berg hätte auch 300 Meter hoch sein können.
Kurz darauf bin ich dann noch zum Hoover Dam gefahren, wo ich ja auch schon 2009 war. Ich wollte gerne sehen, wie weit die neue Brücke über den Canyon ist. Kurz gesagt: sie ist fast fertig. Später wird man als Fußgänger darüberlaufen können und das gigantische, 220 Meter hohe Staumauer-Bauwerk des Hoover Dams von oben (!) anschauen können. Fertigstellung soll im November 2010 sein. Ich muss wohl nochmal herkommen.

Fast fertig: der Hoover Dam Bypass. Über die vierspurige Straße und diese Brücker wird künftig der Durchgangsverkehr geleitet, der heute noch über den Damm selbst läuft.

Das Gelände um den Damm herum ist für die unendlichen Touristenströme gut ausgebaut und mit vielen Parkplätzen versehen, die dummerweise aber immer höher liegen und die Leute die Tendenz haben, erst die unteren Plätze zu belegen. Ich habe deshalb erst auf Parking unit 11 einen Platz bekommen (bei 10 durfte ich nicht links abbiegen) und musste dann über Treppen nach unten laufen, um auf die Staumauer zu gelangen. An den sogenannten Intake-Towers habe ich mich noch davon überzeugt, dass es in Arizona genauso früh ist, wie in Nevada. Mitten in der Mitte des Mauerbogens verläuft die Grenze zwischen Nevada und Arizona und auf jeder Staats-Seite stehen zwei Türme im Wasser, durch die das Wasser für das Kraftwerk eingelassen wird: die Nevada-Intake-Towers und die Arizona-Intake-Towers. Auf jeder Seite mit eigener Uhr. Schnell ein paar Fotos, dann zurück zum Auto, jetzt aber die Treppen wieder hoch, bei immer noch 45° Celsius... Gestern habe ich von den flash floods geschrieben, heute habe ich selber solche erlebt. Wenn dir der Schweiß aus allen Poren raustritt, dann bekommt der Begriff noch eine ganz neue Bedeutung.
Heilfroh und ziemlich erledigt bin ich dann in meinem Hotel angekommen und konnte endlich endlich unter die Dusche.
Hier in Las Vegas bleibe ich jetzt für zwei Nächte und habe auch ein kleines Programm; nein, Besuch eines Kasinos steht noch nicht auf dem Plan, aber den berühmten Strip muss ich mir nun endlich auch einmal anschauen. Vielleicht treffe ich ja Siegfried und Roy...
Tip des Tages für andere Wüstenbesucher: Mehr trinken! Vier Liter Wasser über den halben Tag verteilt sind wirklich kein Problem und im Grunde das Mindeste. Es macht auch keine Probleme, denn das Wasser sucht sich andere Wege nach draussen...

Da haben wir's: In Nevada ist es genaus spät wie in Arizona früh, obwohl beide in unterschiedlichen Zeitzonen liegen (Pacific Time für Nevada bzw. Mountain Time für Arizona). Aber Arizona hat keine Sommerzeit...

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die weggeschwommene Filmstadt Paria und noch mehr Erosionen

Flash flood (Sturzflut) ist wahrscheinlich das Haupt-Wort des diesjährigen USA-Ausfluges. Immer wieder, und vor allem in den Wüstengebieten taucht der Begriff auf, vor allem auf Warnschildern. In den hiesigen Wüstengebieten gibt es tatsächlich im Sommer auch heftige lokale Unwetter mit großen Regenmengen in einem begrenzten Gebiet. Der Boden kann diese Mengen aber gar nicht aufnehmen, also versammeln sich alle Wasser und machen sich in reissenden Strömen auf den Weg durch die Wüste. Manchmal kilometerweit vom eigentlichen Unwetter entfernt kann man so noch von einer Flut überrascht werden und es reichen bereits ein paar Zentimeter strömendes Wasser, um in echte Probleme zu kommen. Deshalb findet man oft und vor allem in Gebieten mit unpaved roads diese Warnungen.
In einem solchen Gebiet war ich im ersten Teil des heutigen Tages unterwegs. Auf der Fahrt von Page in Richtung Bryce Canyon kam igendwo ein Hinweis "Historical Marker" und ich wollte sowieso mal kurz vom Highway runter. So ein Marker weist in der Regel auf einen historisch interessanten Platz hin und wie es der Zufall wollte, landete ich am Beginn der Strasse in den Paria Canyon und in Richtung der ehemaligen Filmkulissenstadt Paria. Das wort steht im Deutschen in etwa für Aussenseiter oder Ausgestoßener und so kann man sich den Ort auch vorstellen. Vom Highway führen etwa 5 Meilen Schotterpiste, Sandstraße und/oder ausgewaschene Fahrrinne hinab zum Paria River, ganz unten im Canyon. 4WD und high clearance recommended - versteht sich. Anders geht es gar nicht und die Qualitäten meines Jeep Wrangler werden wieder mal gefordert. Ganz unten stellt sich leider heraus, dass von der Kulissenstadt Paria so gut wie nichts mehr übrig ist. Sie wurde bei einer dieser flash floods vor einigen Jahren völlig zerstört und weggespült. Nur - Ironie der Geschichte - der Friedhof ist unversehrt vorhanden... Dabei hätte ich mir so gerne eine Hilfe genommen bei der Vorstellung, wie John Wayne schwitzend auf der staubigen Straße steht, die Hand am Colt... high noon. Tatsächlich wurden hier einige Westernfilme gedreht und die Landschafts-Kulisse ist entsprechend atemberaubend. Die Canyon-Wände ragen steil in den Himmel, während sich die Straße dazwischen hinabschlängelt. Ein paar Kutschen und ein Saloon, schon ist der Wilde Westen fertig. Wirklich schade, dass die Stadt nicht mehr steht, aber die Landschaft für sich ist den Abstecher sehr wert gewesen. Wenn nicht gerade doch noch ein Touristenauto vorbeifährt, herrscht hier Totenstille. In der Hitze regt sich kein Strauch, kein Vogelgezwitscher, ab und zu mal eine Fliege, die vorbeikommt. Man hört das Blut in den Ohren rauschen...

Der Friedhof von Paria - der ist übrigens echt. Hier liegen die Siedler aus dem 19. Jahrhundert begraben.

Übrigens gehen die Informationen über die Zerstörung auch auseinander. Zuweilen ist auch von einer Brandstiftung die Rede. Aber immerhin gibt es inzwischen eine Vereinigung, die sich den Wiederaufbau zum Ziel gesetzt hat. Ansonsten ist die Gegend trotz ihrer wunderbaren Landschaft sehr einsam. Große Teile der Umgebung sind strengstes Naturschutzgebiet und pro Tag werden nicht mehr als 20 Leute reingelassen, 10 mit monatelanger vorheriger taggenauer Anmeldung per Internet, die anderen 10 am Vortag per Lotterie. Diese Leute sehen dann aber auch ein Stück Natur, die ihresgleichen sucht auf dieser Welt. Ich habe (heute) nicht zu diesen Leuten gehört.
Die Film-Stadt Paria wurde also durch eine Sturzflut weggeschwemmt, allerdings war am heutigen Tag nichts von Unwettern zu merken. Genau wie in Deutschland hat sich auch hier so eine Hitzewelle übers Land gelegt, wobei man wissen muss, dass Hitze hier eigentlich erst bei 38° Celsius losgeht.
Nach dem Ausflug in die Filmwelt bin ich weiter nach Norden gefahren, um den Bryce Canyon National Park zu besuchen. Das ist auch wieder so ein wunderbares Naturschauspiel über Geologie und Erosion. Der Begriff Canyon ist hier eigentlich nicht richtig, denn die Schlucht wird nicht durch einen Fluss eingeschnitten, sondern Wind und Wetter tragen das Material fort und es entsteht, wie es so schön heißt, ein natürliches Amphitheater. Ein faszinierendes Landschaftsschauspiel, das täglich von vielen tausenden Leuten bewundert wird (und das sich der US National Park Service fürstlich entlohnen läßt...). Für einen Tagesausflug ist der Park und die Wandermöglichkeiten viel zu groß, aber ich bin trotzdem weitergefahren bzw. wieder Richtung Süden, denn so langsam möchte ich mich wieder Kalifornien nähern und vorher noch einen 2-Tages-Abstecher nach Las Vegas und Umgebung machen.
Fazit des Tages: in der Wüste auf flash floods achten und mit diesen nicht spassen. Außerdem noch viel wichtiger: wenn ich mir so im Internet anschaue, was die Staaten Arizona und Utah noch im Verborgenen zu bieten haben und was bei etwas mehr Zeit, Mut und Vorbereitung möglich ist... ich merke, ich sollte künftig etwas mehr einplanen, als nur die Vista Points für Automobilisten.

Bryce Canyon National Park - ohne Worte

Mittwoch, 14. Juli 2010

Low clearance, high clearance und meine ewige Frage: in welcher Zeitzone bin ich und welche Zeit gilt dort...

Heute also von Gallup, New Mexico, wieder Richtung Norden ins Monument Valley. Wie in den Tagen zuvor bin ich früh raus, um den beginnenden Tag gleich gut auszunutzen und von meinem Hotel bis zum Ziel im Norden von Arizona sind etliche Meilen zu überwinden. Wie schon berichtet, hatte ich mir vorgenommen, das Monument Valley mit seinen berühmten Felsen nach 2009 nun ein zweites Mal zu besuchen. Manche Reiseführer schreiben ja, dass bestimmte Landschaften einen Menschen nach dessen Besuch verändert haben. Ich bin da zwar nicht sicher, aber immerhin hatte mich diese Landschaft sehr beeindruckt und bewegt. Ein zweiter Besuch ist dann zwar meistens nicht mehr so spektakulär, aber trotzdem hat der Platz etwas sehr Anziehendes für mich. Das hat mir auch die lange Anfahrt und die doch recht umständliche Routenplanung erleichtert.

Weils so schön ist: nochmal Monument Valley. Die Felsen erscheinen zu jeder Tageszeit in anderen Rot- und Brauntönen. Da ich zweimal durchgefahren bin, habe ich nun die Mittags- und die Spätnachmittagsfarben.

Anders als im letzten Jahr war ich diesmal schon gegen Mittag dort. Eintritt pro Person wie 2009 lächerliche 5 Dollar. Betrieben wird der Park inklusive Hotel von den Navajo-Indianern, gehört also nicht zum Beispiel zu den Nationalparks. Die Rundfahrt verläuft auf einer Piste, die die Bezeichnung Straße nicht verdient: staubig, sandig, holprig. Empfohlen wird Vierradantrieb und high clearance; also so "hochhackiche" Autos, wie meine Verkäuferin im Reisebüro sagen würde. Da bin ich natürlich bestens ausgerüstet und kann von meinem Auto herabblicken auf all die Leute, die viel zuviel Vertrauen in die Geländefähigkeit ihrer Limousinen, Vans und Kleinwagen (allesamt low clearance) setzen. Ich frage mich wirklich (wie bereits im Vorjahr), was sich Leute dabei denken, mit einem Ford Mustang so eine Piste abzufahren, aber immerhin ist noch jeder wieder aus dem Valley herausgekommen. Leute, wenn ihr nach Amerika kommt, einen Mietwagen nehmt und das Monument Valley einplant, dann investiert die paar mehr Euro in ein kleines SUV und habt Spaß hier. Denn dass, was ihr mit einem Chevrolet Cobalt (or similar - wie es im Autovermieter-Prospekt heißt) spart, zahlt ihr bei der Navajo-Rundfahrt mit deren Geländefahrzeugen drauf. Die kostet nämlich pro Person 45 Dollar (kurze Strecke) oder 75 Dollar (lange Strecke). Und jetzt ist auch klar, warum der "Grundeintritt" so billig ist: der Rest wird mit Zusatzleistungen hereingeholt. Zum Glück ist man auf diese nicht unbedingt angewiesen und ich konnte mit meinem Auto wunderbar, wenn auch ziemlich durchgeschüttelt, die Route gleich zweimal nehmen - weils so schön war.
Nach dem Monument Valley und meiner Fahrt zum nächsten Schlafplatz in Page, Arizona, habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass die Uhren hier nun doch wieder eine Stunde nachgehen als in New Mexico, was ja weiter östlich liegt. Ich komme vielleicht noch dahinter, was die Lösung ist. Jedenfalls wurde mir gestern beim Tanken (auch in Arizona), die gleiche Zeit ausgewiesen wie in New Mexico im Hotel. Und heute abend geht meine Uhr eine Stunde vor...

So "holperig" wie die Landschaft im Großen sind die Pisten im kleinen. Trotzdem sind die Touristen mit derartigen Autos hier unterwegs...

Dienstag, 13. Juli 2010

Von Kalifornien nach Arizona und weiter nach New Mexico - an 2 Tagen

Wer sich ein wenig auf der USA-Karte auskennt, weiss, dass nahe zusammenliegende Ort nicht gerade eine amerikanische Sache sind, mal abgesehen von den Ballungsräumen, wie z.B. Los Angeles, wo alles eins ist. Dies entspricht auch genau dem Wahlspruch der Vereinigten Staaten e pluribus unum - aus vielen Eins. Die ländlichen Gebiete und besonders viele der Touristen-Highlights halten sich daran nicht. Letztere liegen regelmäßig mehrere hundert Meilen voneinander entfernt und diese Entfernungen sind durch lange Autofahrten zu überbrücken. Ich hatte mir schon im Vorfeld der Reise in den Kopf gesetzt, unbedingt zwei Sehenswürdigkeiten noch einmal zu besuchen: die Mojave-Wüste mit dem Death Valley und das Monument Valley. Und alles, was daziwschen an Parks und so liegt, gleich mit abzuhaken. Den Joshua Tree National Park habe ich nun schon beschrieben. Von dort, besser gesagt, von dem Örtchen Blythe in Kalifornien bin ich dann Richtung Arizona aufgebrochen, und zwar nicht über die Interstate, sondern über Land, um etwas zu sehen. Dieses Etwas bestand im Wesentlichen aus kargen Wüstenbergen und bewässtern Feldern in Kalifornien und Steppe und noch mehr Feldern in Arizona. Dort ging es allerdings auch hinauf in die Berge, und das immer schön in Serpetinen auf- und abwärts. Angehalten habe ich unterwegs mal für das eine oder andere Foto. Im Wesentlichen kann man aber die Landschaft auch aus dem Auto heraus bewundern. Selbst im Red Rock State Park mit seiner Hauptstadt Sedona, die ich dann endlich erreicht habe, gab es wenig Anhalte-Stellen. Das lag hauptsächlich an dem Gewitter, das sich gerade über dem Tal entladen wollte (und dann auch tat). Besonders verlustreich war das nicht, denn diese wunderbare Landschaft kenne ich ja schon vom Vorjahr. Also weiter Richtung Flagstaff. Im Hotel einchecken, Abendbrot organisieren und dann Fotos hochladen, war mein Plan. Alles funktionierte, bloss das Internet wollte nicht so richtig mit mir zusammenarbeiten. Nun gut, dann schlafe ich erstmal eine halbe Stunde und versuche es später nochmal. Als ich nach der gefühlten halben Stunde wieder aufwachte, war es inzwischen weit nach Mitternacht, so dass sich ein nochmal aufstehen nicht lohnte. Also weiterschlafen bis fünf Uhr morgens, wo ich dann nicht mehr schlafen konnte - besser gesagt, wunderbar ausgeschlafen war. Die Quittung dafür bekam ich allerdings umgehend: in Page, meinem nächsten anvisierten Ziel, war kein Hotelbett mehr aufzutreiben. Also hieß es, schnell die Pläne umstellen. Und das, so ist meine Erfahrung, geht nicht ohne Missgriffe, die natürlich auch hier passiert sind und mich den ganzen Tag begleiten sollten... und alles nur, wegen falscher Versprechungen des Hotel (wireless Internet in jedem Zimmer). Bevor ich also zum Frühstück um 6 Uhr schreiten konnte, habe ich in Gallup, New Mexico, die nächste Übernachtung gebucht. Auch hier waren die günstigen Zimmer weg, also musste ich teuerer buchen. Und vor allem liegt Gallup gar nicht in meiner geplanten Richtung. Okay, dass es nicht am Weg liegt, war mir klar, aber so weit abgeschlagen... aber es sollte noch besser kommen, später am Tag.

Nach dem Frühstück ging es ziemlich früh los zum nächsten Nationalpark, dem Petrified Forest Park. Da, wo heute eine karge, trockene Wüstenlandschaft über alle Horizonte reicht, befand sich vor 215 Millionen Jahren ein feuchtes Schwemmland mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt. Die Bäume, die damals im Wasser versanken, wurden durch Sedimente überlagert und deren pflanzliche Gewebe nach und nach durch Mineralien ersetzt wurde, die die pflanzlichen Strukturen verblüffend nachbilden. Später verschwand das Wasser und die oberen Schichten wurden von Wind und Wetter wieder weggetragen. Dadurch kamen die versteinerten Baumstämme an die Oberfläche und liegen heute sehr zahlreich verstreut im ganzen südlichen Parkteil. Manchmal sieht es gerade so aus, als ob dort ein gerade mal paar Jahre alter Baumstamm rumliegt, mitten in der Wüste.

Versteinerter Baumstamm, fein säuberlich zerteilt. Mitnehmen von Steinen und Versteinertem ist übrigens strengstens verboten und am Parkausgang werden Fahrzeugkontrollen durchgeführt. Strafe ab 350 Doller plus Gefängnis möglich.

Aus diesem Material werden übrigens auch die schönsten geschliffenen Sachen hergestellt und verkauft. Allerdings stammt der Rohstoff nicht aus dem Park, sondern aus der Umgebung. Manche Geschäfte bieten diese Baumstamm-Segmente als Sitzgelegenheiten an... Am schönsten (und teuersten) sind diese aufgebrochenen Steine mit Kristallen innen drin.

Unzählige View Points später habe ich mich dann auf den weiteren Weg gemacht und dachte, das Canyon De Chelly National Monument wäre noch der richtige Tagesabschluss. Das liegt zwar 80 Meilen weiter nördlich, aber ich wollte über Land dorthin und dann noch die letzten 60 Meilen Richtung Gallup (nächste Übernachtung) über eine andere Straße weiterfahren. Unterwegs kamen mir allerdings erhebliche Zweifel wegen der Zeit und dem Weg, so dass ich mich entschloss, den Park auszulassen und gleich nach Gallup weiterzufahren. Auch war mir noch die große Nachfrage nach Hotelzimmern im Hinterkopf und ich wollte unbedingt abends noch für den nächsten Tag sorgen. Und dann musste ich feststellen, dass
  • der Weg zu meinem Hotel fast genau der gleiche Weg war, den ich jetzt 80 Meilen gefahren bin, bloss rückwärts;
  • in Arizona und New Mexico die Uhren eine Stunde vorgehen, weil es eine andere Zeitzone ist und somit der Nachmittag vorbei war
  • der Weg morgen ins Monument Valley genau wieder die gleiche Straße sein wird, die ich nun schon zweimal gefahren bin...
Entsprechend frustiert bin ich dann irgendwann in Gallup angekommen, schimpfend über das Hotel in Flagstaff und deren nicht funktionierendem Internet - irgendwer muss ja Schuld sein. Und dann schaue ich hier aus meinem Hotelfenster auf all die Low Budget Hotels im Umkreis und denke an die vielen Dollars, für die ich jetzt ein wunderhübsches Zimmer bewohne... naja, wenigsten etwas angenehmes.
Was bleibt ausserdem noch in Erinnerung? Das kleine Denkmal für die Route 66, die parallel der heutigen Interstate 40 verlief und zu deren Erinnerung im Petrified Forest National Park eine kleine Gedenkstätte errichtet wurde. An einer Stelle, wo niemand niemals vermuten würde, dass hier mal die Lebensader für Kalifornien verlief. Bis auf die Telefonleitungmasten, die keine Leitungen mehr tragen, errinnert nichts Originales mehr an den Streckenverlauf hier. Selbst die ganze Straße ist verschwunden, von der Steppe wieder überwuchert. Wer die Route mal abfahren will - es geht gar nicht mehr auf der ursprünglichen Strecke, weil es die nicht mehr gibt.

Von der Route 66 sind hier nur noch nutzelose Telefonleitungsmasten übrig. Links daneben verlief die Straße. Die Steppe hat sich alles wieder zurückgeholt. Im hintersten Hintergrund verläuft die ziemlich anonyme Interstate 40.

Sonntag, 11. Juli 2010

Eilenburg (Deutschland): 34 - Blythe (Kalifornien): 42

Die deutsche Hitzewelle schwappt nur nachrichtenmäßig hier zu mir herüber. Nötig wäre das nicht, denn dort, wo ich heute abend abgestiegen bin, werden regelmäßig höhere Temperaturen erreicht. Das ist aber auch kein Wunder, denn der Ort Blythe liegt inmitten der Colorado-Wüste, knapp an der Grenze zu Arizona. Bis dahin habe ich es heute geschafft, inklusive Besuch des Joshua Tree National Park. Aber der Reihe nach.
Von gestern war ja noch einiges offen. Angefangen mit den 10 Kilogramm Brotbackmischung, die ich für meinen Bruder Benjamin mit nach Amerika bringen wollte. Nach ausgiebigem Internet-Studium kam ich schließlich zu der Erkenntnis, dass das Einführen von Brotbackmischung erlaubt ist. Trotzdem blieb so ein gewisses Unwohlsein, ausgelöst durch die vorausschauende Phantasie, wie ich an der Zollkontrolle meine Tasche auspacken muss und mich für jeden Artikel zu rechtfertigen habe... und dann? Ja, mein Gepäck wurde einer strengen Sonderprüfung unterzogen. Allerdings nicht in Los Angeles, sondern in Berloin Tegel. Und auch ohne mein Beisein. Nach der Ankunft fand ich in meiner Tasche das "Durchsuchungsprotokoll" in der Art: bei der Röntgenkontrolle konnte die Ungefährlickeit nicht zweifelsfrei festgestellt werden, daher musste Ihr Gepäck geöffnet werden ... usw". Tatsächlich waren die Kontrolleure an dem Karton mit den Backmischungen interessiert, denn diesen hatte ich mit Klebestreifen zugemacht und aussen beschriftet, aber das TesaPack war aufgeschnitten und neu verklebt worden. Bei diesem Vorgang muss dann wohl auch die Lufttransportfähigkeit festgestellt worden sein, denn es wurde nichts entnommen. In Los Angeles angekommen wurde ich nur noch von einem gelangweilt dreinblickenden Officer gefragt, welche Art von Lebensmittel ich einführe und dann an- und abschließend durchgewinkt... und das wars. Dreißig Minuten für die ganze Einreiseprozedur, ich glaube, das ist Rekord. Nun musste ich nur noch zu meinem ersten Hotel in Banning kommen, um erstmal auszuschlafen. Dafür brauchte ich das Auto von Alamo, der Autovermietung. Der Agent am Schalter machte auch hier ruckzuck die Formulare klar, die üblichen Fragen nach Upgrades und zusätzlicher Versicherung usw. konnte ich schnell mit "No, thank you" beantworten. Dann sagte er noch sowas wie: "Vierte Reihe "Intermediate SUV", such dir ein Auto aus, der Schlüssel steckt." Ich war etwas verblüfft, denn so kannte ich das gar nicht. Aber gut. Also raus auf den Platz und Reihe vier suchen. Dort standen auch gar nicht so viele Kisten zu Auswahl. Ein paar Trucks (diese Lieferwagen mit offener Ladefläche - keine Ahnung, wer so ein Auto mietet), ein SUV, das gerade bezogen wurde, eines (Typ unbekannt) in gelb und vier gleiche Wagen in unterschiedlichen Farben, von denen ich den schwarzen gewählt habe. Und das ist nun mein diesjähriges Auto:

Jeep Wrangler. Das ganze Verdeck könnte man abbauen und das Ding als Cabrio fahren. Aber wohin dann damit??? Das Auto ist jedenfalls nicht schlecht, um die ganzen unpaved roads zu befahren; dazu sollte der Vierrad-Antrieb zugeschaltet werden.

Dass ich wohlbehalten in Banning angekommen bin, hatte ich ja schon geschrieben. Heute ging es dann also darum, die Qualitäten des Fahrzeugs auszutesten, und dazu bietet sich der nahegelegene Joshua Tree Park an. Der hat nämlich neben den normalen Parkstraßen auch unendliche Meilen unpaved road und davon sogar einige nicht gewartete, also völlig "wilde" Straßen. Benutzung auf eigene Gefahr, aber kann mit so einem Auto überhaupt was schiefgehen??? Also habe ich auf derartigen Straßen den Park erkundet. Der Joshua Tree - richtigerweise müßte es Josua-Palmlilie heißen - ist ein Agavengewächs, das nur hier, im Südwesten der USA zu finden ist. Der ganze Park steht voll davon, war mein Eindruck nach Einfahrt durch den Westeingang. Aber er hat noch mehr zu bieten, vor allem geologisches. Auf dem Hochplateau erlebt der Besucher eine sonderbare Welt der Felsen. Runde Steine, flache Steine, die man vielleicht vom Strand kennt, liegen hier säuberlich aufgestapelt mitten in der Landschaft. Und natürlich haben diese Steine nicht das übliche "Handschmeichler"-Format, sondern es sind ziemliche Brocken und man fragt sich unweigerlich, wie diese Stapeleien entstanden sind... Wie immer gibts dafür eine geologische Erklärung und anhand von sichtbaren Beispielen an unzähligen Tafeln kann sich der Tourist durch die Entstehungsgeschichte hangeln. Ich habe das heute auch getan, allerdings bei ziemlich trübem Wetter. Irgendwie paßte das nicht zur Wüste, in die ich ja eigentlich wollte. Himmel grau, Regen. Ich hatte mir schon überlegt, wie das wohl so ist, wenn man gerade auf so einer unbefestigten Straße von einem Wolkenbruch überrascht wird. Die Warnschilder jedenfalls machten keine großen Hoffnungen, ohne große Schäden davonzukommen ("wenn das Wasser kommt, nimmt es alles mit...").

Im Schlechtwetter-Teil des Joshua-Tree-Nationalparks: ca 25°, Regenschauer, viele Felsen...

Dann allerdings ging es in den zweiten, südlichen Teil des Parks. Von der Hochebene hinab in das Pinto Basin und hier beginnt wirklich ein anderer Teil der Welt. Mit einem Schlag wird der Himmel blauweiss, die Sonne brennt unbarmherzig nieder und die Temperatur steigt erstmal um 10 Grad von 25 auf 35. Das hat schon eher was von Wüste und auch der natürliche Kakteen-Garten mit 400m langem "Wander"-pfad paßte ganz gut ins Bild. Von hier aus ging es dann weiter bis nach Blythe, wo ich jetzt bin und wo es gerade, um 22 Uhr abends, immer noch um die 35 Grad hat. Ohne Klimatisierung geht da gar nichts. Kalifornien hat also zumindest auf der Temperaturskala noch einiges mehr zu bieten, als Deutschland...
Irgendwas wollte ich noch schreiben, aber es ist mir momentan entfallen. Vielleicht kommt es wieder, dann liefere ich nach. Für heute solls erstmal reichen.

Samstag, 10. Juli 2010

Wieder zurück

Es geht scheinbar nicht, unterhalb von 24 Stunden von Berlin nach Los Angeles zu kommen... Aber ich habe es auch mit mehr geschafft - und bin jetzt geschafft. Nachdem Bahn und Flüge alle nicht so ganz pünktlich waren, bin ich aber dennoch wohlbehalten in Banning, California, angekommen. An der Autovermietung habe ich mir erstmal eine Karre abgeholt, die muss sich der geneigte Leser unbedingt anschauen, wenn ich sie dann als Bild hinzufüge. Heute nicht mehr. Später gibts dann auch noch Nachträge zum Reisetag. Jetzt erstmal: Gute Nacht.