09 Mai 2012

Las Vegas und danach

Ich habe keine Ahnung, wie ich über Las Vegas schreiben soll, ohne nicht gleichzeitig glücklich, entsetzt, erstaunt, abgeschreckt und alles andere jeweils gegensätzliche zu sein. Ich beginne mal damit, dass ich ja schon einmal über die Stadt geschrieben habe und in diesem Jahr das dritte Mal hier war. Vielleicht ist tatsächlich eine sachliche Annährung angebracht: Die erste Siedlung wurde 1854 von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (!) gegründet, aber schon drei Jahre später wieder aufgegeben. Mitte der 1860er Jahre errichtete die US-Armee das Fort Baker. Durch seine Quellen wurde Las Vegas zu einem wichtigen Zwischenstopp für Wagentrecks und die Eisenbahn auf ihrem Weg zwischen Kalifornien im Westen und New Mexico im Osten. 1903 verkaufte die Rancherwitwe Helen Stewart für 55.000 US-Dollar einen Großteil ihres Farmgrundstücks an die Eisenbahngesellschaft, die es aufgrund der regen Nachfrage parzellierte und am 15. Mai 1905 für insgesamt 265.000 US-Dollar an Spekulanten und Investoren versteigerte. Die Stadt Las Vegas war damit offiziell gegründet. Soweit zur Stadtgeschichte aus der Wikipedia.
In den 30er Jahren hat der Bürgermeister im Rahmen der Verhandlungen um Stromlieferungen vom Hoover-Dam mitgeteilt, "Las Vegas wird nie mehr als 5.000 Einwohner haben." und deswegen den ganzen Strom gar nicht benötigen. Der fliesst also bis heute nach Los Angeles und anderswo hin, aber Las Vegas hat im Jahr 2008 knapp 560 Tausend Einwohner und in der Metropolregion mitten in der Wüste leben insgesamt 1,8 Millionen Menschen.
Das Zentrum der Region, insbesondere der Strip, der Las Vegas Boulevard ist heute umsäumt von glitzernden Hotel- und Casino-Anlagen. Sie bilden das Herzstück einer Tourismus-Industrie, zu der das ganze Land und viele Ausländer strömen. Jährlich lassen diese ca. 34 Milliarden US-Dollar hier, ob nun beim Glücksspiel, in Hotels oder Restaurants oder bei sonstigen Vergnügungen. Ein Riesengeschäft. Und weil es so ist, wurden hier im Laufe der Zeit die grössten Hotels der Welt überhaupt versammelt. Mein Luxor zum Beispiel steht mit etwas mehr als 4.400 Zimmern auf Platz 6 der Weltrangliste. Von den ersten 10 dieser Liste sind 8 in Las Vegas beheimatet und insgesamt bietet der Hotelsektor der Stadt ca. 150.000 Übernachtungsplätze. Hotels sind bei weitem nicht alles, auch alle Hersteller von Luxusartikeln haben sich am Strip in eigenen Geschäftsgebäuden versammelt. Manche haben zudem Aussenstellen in den Hotels selbst und einige verkaufen ihre Sachen auch an Ständen auf der Strasse nach dem Motto: "original Louis Vuitton Sonnenbrille für nur 10 Dollar!" Jeder will halt von dem grossen 34-Milliarden-Kuchen sein Stück abbekommen...

Am Las Vegas Bloulevard

Im Grunde genommen ist die Stadt heute eine grosse Ferien-Fabrik. Wie Mallorca, nur ohne Sangria, dafür mit Casinos. Die Leute kommen, um sich zu entspannen, Spass zu haben. Danach fahren sie wieder nach Hause, nach Peoria, und leben ihren ganz normalen amerikanischen Alltag. So, wie also Millionen Deutsche auf Mallorca urlauben, verleben Amerikaner (und viele internationale Touristen) ihre Ferien in Las Vegas.
Ich selbst habe aber in den Casinos wieder mal nicht einen einzigen Dollar verspielt. Irgendwie ist mir das total fremd und ich kann mir nicht vorstellen, mich an so eine Slot Machine zu setzen und für Geld Knöpfe zu drücken. Oder an einem der Black-Jack-Tische nett mit der Dealerin zu schwatzen, wobei doch alle Angestellten insgeheim nur an das denken, was bei mir im Geldbeutel steckt... Aber rumlaufen, die Gestalten an den Automaten oder nachher in den Bars anzuschauen oder beim Roulette zusehen, wie die Kugel rollt, das macht schon Spass.

Hoover-Dam von oben. Seit Herbst 2010 kann man von der Strassenbrücke
diesen Blick geniessen.

Um Las Vegas herum gibt es auch noch die eine oder andere Attraktion zu bestaunen. Viele Touristen lassen  sich etwa zum Grand Canyon fahren (oder fliegen) und eine Menge Leute, zu denen ich auch gehöre, besuchen den Hoover-Dam, Technik-Weltwunder ganz in der Nähe. Inzwischen ist die Brücke der Umgehungsstrasse fertiggestellt und für Fahrzeugerkehr wie für Fussgänger freigegeben. Aus fast 300 Metern Höhe hat man eine wunderbare Aussicht auf die Staumauer und den dahinter liegenden Teil des Sees. Was früher nur den zahlungskräftigen Kunden mit Hubschrauberrundflügen möglich war, kann heute jeder mit ein paar Minuten Fussweg sehen.
Vor dem Besuch des Hoover Dam war ich noch im Eldorado Canyon. Ein sinniger Name, denn der Ort gehört irgendwie zu den Keimzellen. Die ersten Goldschürfer kamen hierher und versuchten ihr Glück. Einige fanden es wohl auch. Aber es dürfte wohl ähnlich wie bei den Casinos gewesen sein. Das meiste Geld haben wahrscheinlich die Verkäufer von Schaufeln und Whiskey gemacht. Heute können sich die wenigen Besucher die alte Minenstation anschauen mit einer verrückten Ansammlung von Technik und Handwerkszeug aus zwei Jahrhunderten.

Ein Goldgräber-Truck? Im Eldorado-Canyon begann in Nevada die Goldsuche


Fazit nach drei Tagen in der Glitzerstadt Las Vegas und deren Umland: es lohnt sich immer noch.

Das Luxor bei Nacht. 39 Xenon-Strahler erzeugen diesen Lichtstrahl in den Himmel.


08 Mai 2012

Endlich fertig

Die Brückenbauer am Hoover Dam sind im Herbst 2010 endlich mit ihrem Werk fertig geworden und nun kann der Fussgänger den Hoover Dam mit seiner etwa 220 Meter hohen Staumauer aus einer Gesamthöhe von etwa 300 Meter bewundern.
Heute nur diese kurze Information. Las Vegas steht noch aus und kommt auch noch...

Hoover Dam von der Brücke aus gesehen. Wer jemals selbst auf der Mauer
gestanden hat, kann selbst einschätzen, wie beeindruckend
hier die wirklichen Grössenerhältnisse sind.

07 Mai 2012

Las Vegas

Von gestern und heute gibt es keine ausführlichen Berichte. Vielleicht morgen dafür umso mehr zu dieser etwas irren Stadt. Hier noch zwei Fotos. In diesem Hotel wohne ich für 3 Tage.
Luxor Hotel & Casino - direkt am Las Vegas Boulevard, dem berühmten Strip.
Die Zimmerpreise sind übrigens geringer als in manch einem Autobahn-Motel.
Das kommt alles durch das Casino wieder rein.
Und so sieht es von meinem Zimmerfenster aus, wenn die Sonne untergeht.
Eigentlich habe ich das Foto nur wegen der komischen Flugzeuge rechts oberhalb
des Schattens gemacht. Damit bringt die US Air Force ihre Mitarbeiter täglich
zur Arbeit auf der Area 51.
Wenn ich dagegen nach links schaue, sehe ich die anderen Casino-Hotels.
Und in 10 Jahren sind die freien Bauplätze gegenüber bestimmt auch zu.

05 Mai 2012

Grand Staircase - Lieber auch mal umkehren

Der gestrige Tag war dem Grand Staircase National Monument gewidmet, welches gleich hier vor der Haustür liegt (amerikanisch gesehen, man muss schon wieder etliche Meilen fahren, um dahin zu kommen). Bereits vor längerem entstand in mir der Wunsch, dieses so gepriesene Naturdenkmal zu erkunden. Aus langer Erfahrung weiss ich, dass es immer gut ist, wenn man hier bei Fahrten "ins Grüne" in jedes vorhandene Visitor Center geht, um, wie in meinem Falle, sich insbesondere nach dem Strassenzustand zu erkundigen. Zwei Strassen sollten für die kommenden Tage auf dem Programm stehen, die Smokey Mountain Road, die östlich der Grand Staircase verläuft, und die Cottonwood Canyon Road, die direkt hindurch verläuft. Beide natürlich unpaved. Die erste Frage des Rangers war die nach dem Fahrzeug: 4WD und high clearance? Die habe ich mal mit Ja beantwortet. Dann gab es ein paar Informationen, eine Landkarte. Auf meine weitere Frage nach der Cottonwood Canyon Road verzog er nur das Gesicht, kam hinter seinem Tresen hervor und zeigte mir ein Bild an der Pinnwand, das ein paar Leute zeigte, die sich damit abmühen, ihre Karre aus dem Dreck zu ziehen. Kommentar: Diese Jungs steckten vor ein paar Tagen für zwei Nächte im Schlamm fest. Also wenn du willst, 15 Meilen geht es, aber dann musst du umkehren... Das war kein ermutigendes Beratungsgespräch, obwohl mir die Leute auf dem Bild samt ihres Autos verdammt nach 70er Jahre aussahen. Ich habe dem Ranger die peinlich Frage nach dem tatsächlichen Alter des Fotos erspart und bin dann mal los Richtung Smokey Mountain Road. Laut Auskunft sollte die Fahrt nach Escalante auf der anderen Seite ca. 7 Stunden dauern. Ich hab das bezweifelt, denn die Strasse war doch ganz nett und 7 Stunden braucht nur, wer sich tatsächlich an das Speed Limit von 25 Meilen pro Stunden hält.

Um den Weg ein wenig aufzulockern bin ich dann noch die Strasse links gefahren, wo der Wegweiser geradeaus angezeigt hat. Auf der Karte war eine gestrichelte Linie vermerkt: Smokey Hollow Canyon Road, ein kleiner Umweg, der sich lohnte. Ca. 20 Meilen ging es durch einen abgelegenen Canyon auf übelsten Sandstreifen und grösstenteils im ausgetrockneten Flussbett der Schlucht. Wenn hier ein Regen niedergeht, hast du echt Probleme, denn dann sammelt sich alles Wasser hier am Grund und nimmt mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Heute aber, bei blauem Himmel, hat es richtig Spass gemacht, dieses Stück zu befahren.

Unterwegs auf der Smokey Hollow Canyon Road - grösstenteils
im ausgetrockneten Flussbett

Oben wieder raus und dann, auf der ursprünglichen Route, fingen die Probleme erst richtig an. Zunächst noch ein kleines Stück auf der Mesa, das ist da Plateau ganz oben und hier kann man schön fahren. Aber irgendwann geht's wieder abwärts und da hörte der Spass dann auf. Der Weg war mit Felsen übersät, die Schwellen wurden von Meter zu Meter grösser und es ging ziemlich steil über glatten Fels abwärts. Mir kam der Gedanke, dass ich dass auch wieder zurückfahren müsste, denn von Escalante gibt es nur diesen Weg zurück oder den Umweg über den Highway von ca. 200 Meilen. Ich machte eine Pause, um die Lage zu sondieren. Schliesslich kam ich zu dem Ergebnis, dass Umkehren jetzt wohl angebracht wäre. Der Rückweg über diese Strecke, noch dazu evtl. im Dunkeln - das war mir dann doch etwas zu fett. Also hab ich das Auto vorsichtig gewendet und bin zurückgefahren, diesmal ohne den Canyon-Abzweig. Dadurch habe ich bei der Abfahrt Richtung Page noch mitbekommen, welchen Aufstieg ich vorher verpasst habe.

Fahren auf der Mesa macht noch Spass, aber irgendwann geht es wieder runter...

Etwa an dieser Stelle habe ich gewendet und bin zurück.
Wie man sieht, gibt es noch andere Wagemutige...

Das Grand Staircase Monument kann man auch unten erkunden, und so bin ich noch etliche Meilen weiter gefahren und habe die tollen Mondlandschaften bewundert oder einen Blick auf den Lake Powell (Stausee) geworfen, dessen blaues Wasser sich so schön von den roten Felsen abhebt.

Alles in allem ein lohnender Ausflug, auch wenn das Ziel nicht erreicht wurde. Die Cottonwood Canyon Road habe ich dann auch gestrichen. Ich denke, der Sommer wäre dafür eine bessere Zeit und es muss ja noch Ausreden geben, wieder herzukommen.

Grand Staircase - unglaubliche Landschaften

Auch den Alstrom Point konnte ich nicht erreichen. Nach 4 von 5 Meilen
versperrte eine grossen Stufe in einer Kurve am Hang aufwärts die Weiterfahrt.
Schade, denn von dort gibt es einen sagenhaften Blick auf den Lake Powell.

Ca. 16 Uhr war ich dann wieder im Hotel, der Rest des Abends war Ausruhen auf der Zimmerterrasse und Abendessen. Für die nächsten Tage geht es dann nach Las Vegas, wo ich ein paar Ruhetage einlege.

Ach ja: Ich musste am Morgen des Tages noch einen Ölwechsel an meinem Fahrzeug vornehmen lassen... Sachen gibts, die glaubt man gar nicht...

Abendausklang auf der Hotelterrasse.

04 Mai 2012

Aus zwei mach x

Von dem abgelegenen Kaff Blanding, welches ich übrigens 2009 bereits beehrt habe, wollte ich heute eigentlich nur ein damals verpasstes Sight abklappern und dann den Rest des Tages im Monument Valley verbringen. Weil das so schön ist, wäre das mein dritter Besuch dort. Doch Utah hat mir freundlicherweise noch ein paar andere Höhepunkte zurecht-erodiert, so dass der Tag von morgens bis abends mit fabelhaften Landschaften nur so gefüllt war.

Nach der Abfahrt morgens ging es zunächst noch planmässig in Richtung Mexican Hat. Ob das ein Ortsname ist, weiss ich gar nicht so genau. Es ist aber die Bezeichnung für einen Felsen, der eben wie ein mexikanischer Hut aussehen soll. Dazu später mehr.
Vor dieser Stelle kam noch ein Abzweig in das Valley of Gods - Tal der Götter, einem kleinen State Park mit Rundkurs durch's Lucky-Luke-Land. Im Angesicht dieser Steinskulpturen ist es kaum verwunderlich, dass die amerikanischen Ureinwohner in all diesen Formen ihre Götter, Schwiegermütter (ehrlich, so heissen die Felsen manchmal!) und sonstwen zu sehen glaubten und daher diese Orte als heilig verehrten. Mit ein wenig Phantasie kann auch der aufgeklärte Europäer den verschiedenen Formen mehr oder weniger schmeichelhafte Bedeutungen verleihen. Auf jeden Fall war es wieder ein lohnender Abstecher. Das Monument Valley ist einfach nur grösser, aber das Valley of Gods hat genauso schöne Felsen

Nach Abschluss dieser Rundfahrt bin ich, statt nach links Richtung Mexican Hat abzubiegen, nach rechts gefahren. In der Karte stand irgendwas von gravel road und switchbacks und an der Strasse stand ein Schild Scenic Overview, was in der Regel auf eine tolle Aussicht schliessen lässt. Die Strasse heisst Moki Dugway und wird nicht empfohlen für eine Reihe von Fahrzeugen... Und tatsächlich, beim Fahren dieser Strasse hatte ich echt feuchte Hände. Nicht wegen der vielen Windungen und des steilen Anstiegs, eher wegen der ziemlich steilen Wände, insbesondere auf der Abgrundseite und zum anderen wegen der irren Felsen, die irgendwie nur darauf warten, endlich auf die Strasse zu krachen. Jetzt wurde mir auch klar, warum unten im Tal schon die gelben Räumfahrzeuge bereitstanden... Die Wahl beim Fahren war schwierig: lieber langsam und vorsichtig fahren oder schnell an den am gefährlichsten aussehenden, überhängenden Felsen vorbei... wenn sich die im falschen Moment in Bewegung setzten, kommt man ziemlich platt wieder raus.
Ganz oben, am Ende der Serpentinen, kann man dann auch einen Blick auf den geröllbedeckten Hang unterhalb der Strasse werfen. Da liegen doch tatsächlich Autos drin, die oben schon die erste Kurve nicht gekriegt haben...
Ich habe die Fahrt trotzdem gut überstanden, bin hoch und auch wieder heruntergekommen. Ohne bleibende Schäden und um dann endlich den mexikanischen Hut zu sehen.

Schnell vorbei, aber auch keine unnötigen Erschütterungen verursachen;
Moki Dugway

Aber nein. Vorher gab es noch eine Ausfahrt, die zum Goosenecks State Park. Gooseneck ist auf Deutsch der Schwanenhals. Da braucht es nicht viel mehr, um sich das Bild vorzustellen, das sich dem Besucher von der Aussichtsplattform bietet: der San Juan River in grossen Windungen durch die Felsen durch, die rechts und links mehrere hundert Meter hoch aufragen... Insgesamt macht der Fluss hier eine Länge von ca. 8 Kilometern in Serpentinen, und dass alles kann man von der Aussichtsplattform aus sehen. In mehreren Millionen Jahrn schön gefaltet in Schwanenhalsform passt eben mehr ins Bild...

Und dann kommt doch noch der Mexican Hat. Der ist ein flacher, fast runder Felsen, der auf einem schmalen Sockel hoch oben in der Luft balanciert. Das letzte Stück Stein in dieser Höhe, das der Erosion bis jetzt standgehalten hat. Ich frag mich bei solchen Anblicken immer: wie lange liegt er schon da oben und vor allem, wie lange bleibt er noch da???

Mexican Hat: schnell jeder noch hinfahren! Irgendwann ist das alles weg-erodiert...

Das wunderbare Monument Valley zum Tagesabschluss musste dann auch noch sein, wenn es auch wieder eine staubige Angelegenheit wurde und im Grunde ich die Strassen schon auswendig kenne. Aber bei 5 Dollar Eintrittsgeld kann ich an einem so fantastischen Landstrich nicht einfach vorbeifahren.

Schliesslich endet der Tag heute in Page, Arizona. Wieder ein mir bekannter Ort, den ich sehr mag, weil er so schön zentral gelegen ist (zentral relativ gesehen).
Und noch etwas: Abendessen gab es für mich dann in einem Chinesischen Restaurant in dem auffallend viele Indianer (amerikanische Ureinwohner) ebenfalls zu Gast waren. Irgendwie erschien mir das auch Sinn zu machen, denn im Zuge meiner Mormonen-Recherchen habe ich gelesen, dass Amerikas Ureinwohner ursprünglich aus dem asiatischen Raum übersiedelten und nicht, wie der Mormonengründer Joseph Smith seinem Schreiber hinter der Decke diktierte, als Angehörige der Verlorenen Stämme Israels von dort kamen...

03 Mai 2012

Zwischen Utah und Utah

Der US-Bundesstaat Utah ist knapp 220.000 Quadratkilometer gross, was in etwa zwei Drittel der Fläche Deutschlands entspricht. Der Name stammt von den Ute-Indianern, die hier ihre Siedlungsgebiete bis heute haben. Ursprünglich und vor der Aufnahme in die Union sollte das Land den Namen Deseret tragen. Dieses Wort haben sich Joseph Smith und seine Gründungsanhänger als Übersetzung für die Honigbiene ausgedacht und wollten damit den Fleiss der Bewohner symbolisieren. Tatsächlich haben die Mormonen, nachdem sie aus dem Mittleren Westen aufgrund ihrer Religion vertrieben worden waren, das hiesige Land stellenweise urbar gemacht und betreiben bis heute Landwirtschaft. Mit dem Antrag, in die Union aufgenommen und damit Teil der USA zu werden, mussten der Name jedoch aufgegeben werden. Einerseits erinnerte er zu stark an das englische Wort desert - Wüste (was ja auch irgendwie passend wäre), aber wichtiger: es war eine religiös motivierte Bezeichnung und die passte nicht in das Bild vom Staat und dessen Trennung von der Kirche/Religion. Heute heisst der Staat also Utah und von Deseret ist nur noch der Bienenkorb im Wappen und somit auch auf allen Staatsstrassenschildern übrig geblieben.

Auf solchen Strassen bin ich dann heute von Green River weiter Richtung Süden gefahren, mit einem Abstecher im Goblin Valley State Park, in dem die Erosion eine Armada von steinernen Geistern hinterlassen hat, mal klein wie Zwerge, dann auch hoch aufragend bis an den oberen Rand des Canyons. Wind und Wetter spülen das lose Material aus und hinterlassen die seltsamsten Formen und manchmal denkt man, von steinernen Katzenköpfen, Darth-Vader-Masken oder Fischen beobachtet zu werden.

Goblin Valley

Weiteres Ziel heute nach der Durchquerung des Canyon-Landes und Überschreitung des Colorado Rivers war das Natural Bridges National Monument. Ein kleiner Park mit drei natürlichen Felsbrücken und einem loop, auf dem man bequem alle drei abklappern kann. Für die Wanderlustigen gab es je noch einen Pfad hinunter, aber es war recht frisch und so habe ich lieber nur von oben Fotos gemacht. Vielleicht wandere ein anderes Mal wieder...

Um dann die nächste Absteige in Blanding, Utah, zu erreichen, gab es noch zwei Optionen: entweder feste Strasse oder 60 Kilometer dirt road durch Wald und bis auf knapp 2.500 Meter Höhe... Da hab ich die dirt road gewählt. Am Ende des Tages hatte ich wieder viele Meilen hinter mir und den Staat Utah nicht einmal verlassen. Dennoch ist die Landschaft sehr verschieden und hinter jedem Berg kann sich ihr Charakter vollkommen ändern. Von Steppe zu Wüste. Von da hin zu Canyons mit wilden Geröllhalden, und dann wieder zu verschiedenen Arten von Wäldern (Naelwald, Birken usw.). Immer wieder mehr vom Anderen.

02 Mai 2012

Einmal Utah und zurück

Mein erster Ausflug nach Nevada hat sich als interessante, lohnende, aber zeit- und meilenraubende Angelenheit entpuppt. Auf der Nevada-Seite der Grossen Salzwüste gibt es eigentlich nichts, ausser Landschaft, aber ich brauchte kurzfristig mehr als das. Der Schweizer Ableger einer grossen deutschen Schuhhaus-Kette hatte mir noch in der vorigen Woche ein paar Sandalen verkauft, die sich einfach als nicht amerikatauglich enttarnten und an wichtigen Verbindungsstellen aufgaben. In Wendover war da nichts zu ersetzen. Es gab zwar einen kleinen Schuhladen (auf Empfehlung des Visitor Centers), aber dort gab es Lederschuhe und Sandalen aus Plastik (made in China). Immerhin habe ich im Family Dollar - das ist sowas wie in Deutschland McGeiz - alles für 1 Dollar - ein Reise-Set Nadeln und Faden erstanden, womit ich die Schuhe notdürftig flicken konnte. Da wa also Ersatz notwendig, den es allerdings nur auf der Ostseite der Salzwüste, im Gebiet Salt Lake City gibt. Also zurückfahren - einmal Utah und zurück... Günstigerweise lässt sich die Routenplanung auch ganz gut darauf anpassen. In Salt Lake City und seinen grossen Vorstädten gibt es unzählige Malls, Walmart-Supercenter und alles, damit ein ein Zivilisationsmensch kaufen kann, was er braucht. Auch Schuhe habe ich dann dort erhalten. Anschliessend und endlich notwendig ging es dann in Richtung Süden, dort wo hoffentlich die Sonne scheint, denn hier oben war es doch unverändert grau. Über den Bergen, die dazu zu überwinden waren, hat es dann noch so richtig geschüttet und das bei fast Null Grad...

Über 2000 Jahre alte Malereien der amerikanischen Ureinwohner
im Buckhorn Wash

Schlussendlich gelandet bin ich dann in Green River, einer alten Bekannten. Hier bin ich vor 3 Jahren schon einmal abgestiegen. Die Fahrt vorher verlief allerdings anders, nämlich von Norden durch das Gebiet der San Rafael Swell, einer geologischen Verwerfung, die unglaubliche Felsformationen hervorbringt und durch die man mit dem geeigneten Auto 100 Kilometer unpaved roads fahren kann. Das machen übrigens viele Leute, denn die Gegend hat eine Menge Campingplätze und viele Strecken für Quad-Fahrer, ist also nicht gerade einsam.

Soweit mal für diesen Tag.

So sieht's aus... in Utah

01 Mai 2012

Utah - Nevada

Salt Lake City habe ich also am Morgen des 30. April Richtung Westen verlassen. Vorbei geht es nochmal am Südende des Grossen Salzsees. Der ist insgesamt etwa 4.400 Quadratkilometer gross und hat am Nordende eine Salzgehalt von 25 %, im Süden 9 %. Zum Vergleich: Das Tote Meer hat etwa 33 % Salzgehalt. Ich dachte immer, der komplette See ist ausgetrocknet, aber das stimmt gar nicht. Der Grosse Salzsee hat einen durchaus stark schwankenden Wasserstand - je nach Jahreszeit. Und der ausgetrocknete Teil des prähistorischen Lake Bonneville liegt noch weiter westlich und ist im Grunde eine grosse weisse Fläche. Wenn man nicht kurzärmlig rumlaufen könnte, würde der Eindruck entstehen, hier liegt eine leicht schneebedeckt Prärie. Heute war auch das Wetter nicht so sonderlich toll, eigentlich nur grau über weiss, was den Wintereindruck noch verstärkt. Ich bin also von Ost nach West Richtung Nevada gedüst, immer geradeaus auf der Interstate 80, die auf ihrem Weg durch das Salz Richtung Nevada keine Biegung mehr macht: 65 Kilometer schnurgeradeaus und absolut eben, was fototechnisch ganz blöd ist, weil man diese schöne Strassensituation nicht gut festhalten kann. Aber es gab sowieso keine View Area zum Anhalten.

Kurz vor Wendover, einer kleinen Doppelstadt auf der Grenze zu Nevada ging es dann runter von der Interstate und rein in die Salzwüste. Hier befindet sich der Bonneville Speedway. Wenn in den Klatschnachrichten und Autozeitungen über Highspeed-Rekorde an Land berichtet wird, fällt oft die Formulierung: "auf einem ausgetrockneten Salzsee in den USA." Dann ist genau diese Stelle gemeint. Ein nicht näher abgegrenzter Streifen im Salz, 100 Meter breit und 16 Kilometer (10 Meilen) lang. Und das schönste: Wenn nicht gerade Rekorde versucht werden, kann man mit dem eigenen Auto (oder dem Mietwagen) selbst über das knochentrockene und ziemlich harte Salz fahren. Das habe ich natürlich auch gemacht, aber keinen Geschwindigkeitsrekord versucht.

Schafft kein Geschwindigkeitsrekord: "Mein" Chevrolet Traverse Crossover SUV
auf dem Bonneville Speedway

Von Salt Lake City nach Wendover, meine nächste Übernachtungsstelle war es nicht so weit und somit noch recht früh am Tag, also bin ich noch die Silver Mountain Road gefahren, die in 57 Meilen einmal um einen am Rand der Salzwüste liegenden Gebirgszug herumführt und komplett unpaved ist. Eine sogenannte Gravel Road, die mit Schotter und Splitt mehr oder weniger gut belegt ist. Abseits der Autobahn und der nahen Eisenbahnlinie eine wunderbare Landschaft mit absoluter Stille der Zivilisation. Nur ein paar entfernte Vögel lassen sich hören.

Danach ging es in das etwas skurrile Wendover, wie gesagt, ein Doppelstädtchen auf der Grenze Utah-Nevada. Während der Utah-Teil vor sich hingammelt und offenbar nur wenig Perspektiven hat, beginnt punktgenau auf der Grenzlinie das glitzernde Nevada. Mehrere Casino-Resorts, die üblichen Schnellrestaurants, Peep-Show-Lokale - alles was der Utah-Bewohner braucht und was in Utah (Staat der Mormonen) offenbar nicht erlaubt ist - mit einem dicken weissen Strich auf der Strasse wird es möglich. Mein Hotel, das Montego Bay Casino Resort ist so ein Teil davon. Unten, gleich hinter der Eingangstüre das Kasino mit mehreren tausend Slot Machines (Einarmige Banditen), bedient von Rentner auf Urlaub, die sich über den nahen Wüstenflugplatz einfliegen lassen. das Hotel befindet sich über dem Casino und ist eigentlich nur Mittel zu dem Zweck, möglichst viele Menschen herzulocken. Deshalb sind auch die Zimmerpreise verglichen zur guten Ausstattung sehr gut. Eine Übernachtung ist ab $ 59 zu haben - theoretisch. Denn immer kommen noch irgendwelche Steuern und - Achtung - die Internet-Reservierungsgebühr in Höhe von $9.95 hinzu. Es ist eben eine Casino-Stadt, da wird an jedem Hebel gezogen... Alles in allem ist aber ein Preis um die 75 Dollar immer noch in Ordnung. Der Rest wird dann übers Casino reingeholt, wenn ich denn hingehen würde. Im Hotelfernsehen laufen Werbespots, die immer nur zeigen, wie die Leute gewinnen, ob beim Würfeln, Roulette oder Kartenspiel. Ich hege aber den Verdacht, das die einzigen, die so jubeln, die Casino-Besitzer sind.
Die Grosse Trennungslinie: rechts Utah, links Nevada. Wie man sieht, wurde
beim Bau des Casinos, welches sich in dem weissen Kasten befindet, kein
Quadratmeter ungenutzt gelassen. Utah hat immerhin den Parkplatz bekommen...

Wo ich dann heute (1. Mai) hinfahre, weiss ich noch nicht. Es ist jetzt 4 Uhr morgens (bin wieder sehr früh in die Heia gegangen) und ich habe noch mindestens 3 Stunden Zeit, mir das zu überlegen.

Übrigens hat das Casino durchgehend geöffnet. Ich hab es mir angesehen: Als ich gegen 3 Uhr aufgestanden bin, habe ich eine kurze Besichtigung gemacht und tatsächlich, ein paar müde Gestalten sassen an den Spielautomaten. Naja, man muss ja nichts weiter tun, als Knöpfe zu drücken.