16 August 2018

Der Goldstandard

So einiges wurde bereits darüber gerätselt, wieviel Gold in Mandalay «verbaut» wurde. Gesicherte Zahlen gibt es sicher nicht, einige grobe Schätzungen müssen reichen. Und meine Schätzung ist: es dürften wohl mehrere Tonnen sein, obwohl das Gold quasi überall nur als Blattgold aufgetragen wird. Doch allein in der Mahamuni-Pagode wird das Auftragen von selbigem Blattgold auf dem Buddha seit etlichen Jahrzehnten als Opfergabe ausgeführt und die inzwischen anstehende Schicht soll 25 bis 30 cm dick sein. Die dortige Buddha-Statue ist so heilig, dass ihr jeden Morgen um 4.30 Uhr der Kopf gewaschen wird und dem Erwachten sogar die Zähne geputzt werden, bevor der unendliche Strom von Gläubigen und deren Blattgoldopfern erneut einsetzt.

Die Mahamuni-Pagode ist eines der wiederum unzähligen Heiligtümer des Buddhismus und folgende Legende rankt sich um den goldenen Buddha:

Es gibt fünf Buddha-Darstellungen, die zu seinen Lebzeiten entstanden sind; zwei sind in Indien, zwei im Paradies, und die fünfte ist das Mahamuni-Bildnis in Myanmar. Der Legende nach besuchte Buddha im Jahr 554 v. Chr. die Stadt Arakan. Der König bat darum, dass ein Bild von ihm, Buddha, gemacht würde. Nachdem Buddha das Bildnis gesehen hatte, atmete er über das Bild und danach wurde es zum genauen Abbild des Buddhas.

Später gelangte die Statue nach Mandalay und ist heute ein zentraler Pilgerort für ganz Myanmar, an dem ungezählte Gläubige ihr Blattgold darreichen. Allerdings nur Männer. Frauen sind auf dem Podest nicht zugelassen und müssen ihre Gebete mit etwas Abstand verrichten. Dafür können sie auf grossen Flachbildschirmen, die überall herumhängen, verfolgen, ob ihre Männer das Blattgold auch wirklich anbringen und nicht einfach nur in die Tasche stecken.

Viele goldene Orte in Mandalay und Umgebung sind sehenswert und stehen quasi in jedem Reiseführer. Doch wie kommt man von dem einen Ort zum anderen? In Myanmar, das gerade den Sprung von der dritten in die zweite Welt wagt, gibt es wenig öffentlichen Nahverkehr im westlichen Sinne. Alles ist viel individueller ausgeprägt und so bietet es sich dem Touristen an, einen eigenen Guide bzw. Fahrer zu engagieren. Entweder man lässt das vom Hotel organisieren, oder, wie in meinem Falle, lässt man sich einfach auf der Strasse von einem Fahrer ansprechen. Das hat den Vorteil, dass man gleich spürt, ob die Chemie stimmt und das Auto in einem guten Zustand ist. Bei den Verhandlungen ist mir immer mal wieder ein verstohlener Blick auf den etwas ältlichen - aber doch wieder nicht ganz so alten - Toyota gelungen, mit Rechtslenker, obwohl in Myanmar seit 1970 Rechtsverkehr gilt. Und wie wurde diese Entscheidung getroffen? Ganz buddhistisch: durch eine Erleuchtung des damaligen Staatschefs Ne Win, der dies in einem Traum anempfohlen bekam. So schnell kann man sich also vom Britischen Empire abwenden, welches immerhin bis 1948 Kolonialmacht war… Die Rechtslenker-Autos deuten dazu noch eine gewisse Nostalgie an, obwohl die praktisch alle aus Japan - ebenso Besatzungsmacht von 1942 bis 1945 - importiert sind. Andererseits: im hiesigen Strassenverkehr ist es sowieso egal, wo das Lenkrad sitzt, denn gefahren wird, wo gerade Platz ist.

Ganz wohl zumute war mir bei der Sache am Anfang nicht, aber zumindest für heute war der Entscheid so richtig, wie die Pagoden der Stadt goldig sind. Jo Jo Taxi hat mich für ca. 30 Euro kreuz und quer herumgefahren und für morgen habe ich gleich noch die Überland-Rundfahrt zu den Altertums-Städten rund um Mandalay gebucht. Die Verständigung auf Englisch ist hervorragend, die meisten der jungen Menschen sprechen passabel bis sehr gut die Weltsprache, vor allem natürlich im Hotel.

Mit den Fotos wird es im Blog leider nicht gut klappen, bis ich wieder in Bangkok bin. Die Verbindungen, selbst über das Telefonnetz sind recht mühsam. Also schaut bitte für mehr bei Facebook und Instagram nach, dort gibt es tatsächlich mehr Fotos (weil das Hochladen komfortabler ist).


Gold wohin man schaut...

Auch Buddha muss mal schlafen...


15 August 2018

On the Road to Mandalay

Wie viele Städte auf der Welt haben "klingende Namen"? Und welche sind es?

Gut, die Antworten darauf fallen sehr subjektiv aus. Und ich erlaube mir, meiner persönlichen Liste nun einen weiteren Namen hinzuzufügen: Mandalay.
Dort bin ich heute gelandet, noch etwas geschafft von der gestrigen Anreise nach Bangkok und dem 8-km-Fussmarsch in Thailands Hauptstadt. Mandalay ist auch die letzte Flughafen-Station. Von hier aus wird es auf der Strasse oder per Boot auf dem Irawadifluss weitergehen - ich habe das noch nicht entschieden. In meinem geborgten (danke Thomas S.!) Reiseführer steht sinngemäss, man solle sich als Westler hier im Lande dem buddhistischen Grundsatz hingeben, dass alles der Veränderung unterliegt. Auch Pläne. So bin ich also am Lernen, nicht ständig auf die Uhr, aufs Handy, auf Zeitangaben oder auf Reservierungen zu schauen.

Von Bangkok aus ist Mandalay per Flug in 1.5 Stunden zu erreichen, per Billigfluglinie und ohne jegliche Annehmlichkeit, ausser dass das Flugzeug in Ordnung ist und nicht ganz gefüllt war. In Mandalay erkennt man gleich, dass hier alles etwas anders ist. Auf dem Flugfeld laufen Leute rum*, alles sieht ein wenig verbraucht aus (das Tropenklima) und das Terminalgebäude ist im Vergleich recht klein, dafür auch innen übersichtlich.
Ein bisschen Rumgestempel am Immigrations-Schalter braucht es trotzdem, dann aber habe ich mein Visum und kann los.
Es empfiehlt sich, gleich hier am Flughafen noch zwei Dinge zu erledigen: Geld am Automaten ziehen und eine SIM-Karte für das Zweithandy zu kaufen. Sieben Giga Internet und eine inländische Telefonnummer für ca. 6 Euro. Ich finde, das ist ein fairer Preis. Auch das Taxi ist okay. Zur Wahl steht Sammeltaxi oder private taxi. Angesichts der Preisgestaltung wähle ich für 10 Euro das eigene Taxi bis vor's Hotel. Aber es geht erst los, nachdem mir der Vermittler und der Kofferkuli noch jeweils ca. 70 Cent aus dem Beutel geleiert haben... So macht jeder hier sein kleines Geschäft.

Hotel am Rande der Stadt, schöner Blick, weiches Bett. Genau richtig, um erstmal noch eine Stunde Schlaf nachzuholen. Dann zog es mich nochmal nach draussen, um das Viertel zu besichtigen.
Myanmar ist ein durch und durch buddhistisches Land und an jeder Pagode heisst es, Schuhe abziehen, Socken runter und barfuss laufen. Wieso mich die Frau am Schuh-Regal noch fragte, ob ich Wasser mitnehmen möchte, wurde mir erst später klar. Mein erstes Highlight war der Mandalay Hill, komplett erschlossen als Tempelanlage auf ca. 260 Höhenmeter, alles mit Treppen verbunden und das ganze bei 30 Grad... Immerhin, bis nach ganz oben habe ich es geschafft, während der allgemeine Tourist sich mit dem Tuk Tuk auf etwa 4/5 fahren lässt und dann die paar Stufen zum Tempel raufhüpft... So einfach mache ich es mir nicht (habe aber auch nicht gewusst, dass das geht...)
Völlig nassgeschwitzt bin ich irgendwann wieder unten gewesen. Zur heimlichen Freude der Einheimischen hatten sich die Schweissflecken grossflächig auf Hemd und Hose ausgebreitet. Trotzdem bin ich dann noch in eine weitere Pagode in der Nachbarschaft reingelaufen. Wieder Schuhe und Socken ausziehen. Dann aber ganz im Goldrausch: unzählige, teilweise vergoldete Porzellan(?)buddhas, goldene Dächer, goldene Säulen in einer recht grossen Parkanlage. Und das alles im Licht der untergehenden Sonne (und der auf dem ganzen Gelände im Gleichtakt flimmernden LED-Schlangen, die scheinbar in ganz Asien total tolle Stimmung verbreiten sollen). Einfach wunderschön.
Den Riesengong habe ich mir nur sehr sehr leise anzuschlagen gewagt. Andere hatte da weniger Hemmungen. Vielleicht gehe ich nochmal hin...

Alles in allem ein wunderbarer Start in Myanmar. Ich hätte bis vor wenigen Monaten nicht daran gedacht, mal hier zu sein.

Bilder gibt es noch nicht. Wie es scheint, steht in Mandalay ein 56kbit-Modem, das die ganze Stadt versorgt... (die Facebook- und Instagram-Nutzer haben da einen Vorteil, vorhin ging es nämlich noch.)


* übrigens: in Bangkok, Flughafen Don Mueang befindet sich zwischen (!) den beiden Startbahnen ein Golfplatz. Ohne jegliche Zäune, Netze etc. in aller Ruhe ziehen die Golfer ihre Caddies zum Abschlag, während links AirAsia Flug 244 nach Mandalay startet und rechts ein Flugzeug aus Kuala Lumpur landet...

14 August 2018

One Night in Bangkok

Eine Nacht in Bangkok muss ausreichen, um von Europa an ein beliebiges Ziel in Asien zu gelangen. In meinem Falle ist das Ziel die Stadt Mandalay in Myanmar (Burma) und ich hätte dieses Ziel auch ohne Übernachtung gut erreichen können - kleine Fehlplanung. Von Zürich kommend bin ich heute morgen um 5.30 Uhr Ortszeit in Bangkok Suvarnabhumi gelandet und hätte zeitlich mühelos einen Anschluss von dem zweiten grossen Flughafen der Metropole (Don Mueang) erreichen können.
Stattdessen war ich gegen 9.00 Uhr in meinem Hotel für eine Nacht - nach einigem Orientieren, thailändisches Geld beschaffen und der Fahrt im asiatisch über-überfüllten SkyTrain in die Innenstadt und einem 2-Kilometer-Fussmarsch bei 30 Grad und schwülen 100% Luftfeuchtigkeit.
Glücklicherweise konnte mir das Hotel mein Zimmer sofort bereitstellen. Solche Dienstleistungen schätze ich ausserordentlich, denn so konnte ich den fehlenden Schlaf des Nachtfluges nachholen.

Für den Nachmittag blieb dann nichts anderes zu tun, als einen kleinen Spaziergang zu unternehmen: an der Hauptstrasse entlang Richtung Altstadt. Bangkok ist aber so gross, dass diese zu Fuss zwar erreichbar ist, man sollte es sich aber gut überlegen. Ich tat das auch und schwankte zwischen öffentlichem Bus (sehr klapprig), Taxi (Gefahr überteuerter Preise), Tuk Tuk (noch teurer) oder Moped-Taxi. Am Ende habe ich dieses Abenteuer vertagt, den Markt Pratunam besucht, immerhin knapp 4 km vom Hotel entfernt, und dann den Tag mit einem Abendessen beendet.

Think Big - Das Motto aller asiatischen Städte


Schuhe verkaufen sich überall gut - auch mit Füssen dran...

Wem ein Tag und eine Nacht in und für Bangkok etwas komisch vorkommt: am Ende dieser Reise habe ich drei weitere Übernachtungen hier eingeplant. Und wem die heutige Kapitelüberschrift bekannt vorkommt: richtig:



09 August 2018

Keine Zeit... oder vielleicht doch noch?

Montag geht's los: 13.30 Uhr Abflug ab Zürich nach Bangkok! Alle wichtigen Eckdaten sind gebucht, Visa vorhanden, Geld gewechselt. Doch ein paar Tage Arbeit erforderten noch die eine oder andere Aufmerksamkeit. Auch war der Sommer sehr hoch und die Hitze in der Schweiz - sowohl draussen als auch in der Wohnung - macht zu schaffen.
Trotzdem starte ich und freue mich auf die final destination: Myanmar.
Dort werde ich zwei Wochen bleiben und mich ganz der fremden, buddhistischen Welt hingeben und meine Ferien geniessen. Bis zum Abflug heisst es aber noch: ein Tag Office, zwei Tage packen, Schlüssel bei den Nachbarn deponieren, Eltern anrufen, Blog schreiben, Nachbarn verabschieden, abfliegen....

Bleibt online! Wenn ich das auch kann, wird es hier Fotos und Berichte geben!


Reiseerinnerungen und Vorfreude!

11 März 2018

Go East III

Es soll wieder was gehen. Im Moment sitze ich zwar nach einer Weiterbildung noch in Hannover in einer Hotelbar, aber die Aussicht auf einen Ferientrip und - das Wichtigste! - im Besitz eines gültigen Flugtickets zu sein, machen den beginnenden Frühling noch frühlingshafter. Ich will mein Jahr nicht immer auf den Fixpunkt Ferien ausrichten, aber ein reservierter Zeitraum, eine Buchung und eine Idee machen die Aussichten einfach schön.

Euch bitte ich: bleibt dran. Es wird gen Osten gehen, es wird goldene Buddhas zu sehen geben, es wird viele viele Menschen um mich herum geben und es wird viel viel Regen geben...

26 November 2017

Man sollte immer...


... ein gültiges Flugticket in der Tasche haben:
Zürich - New York JFK, 23.12.2017-03.01.2018
Keep Moving!

Keep Moving!


01 November 2017

Schöne Ferien

Liebe Mitreisende
Sei die Leser-Gemeinde auch klein und somit exklusiv, so möchte ich mich doch bei euch bedanken für das Mitverfolgen meiner Ferien-Aktivitäten. Wie so oft ging die wunderbare Zeit - drei Wochen - in China und Vietnam sehr schnell vorbei. Viel ist ungesehen und vor allem unentdeckt geblieben. Ich musste mich unvollendet von Asien verabschieden und am Abend des 20. Oktober den Heimweg antreten. So ist es nun einmal beim Reisen, jedenfalls bei dieser Art von Reisen: man kehrt einerseits mit einem Hochgefühl zurück, andererseits immer unfertig. Letzteres ist die Aufforderung, sich bei nächster Gelegenheit wieder aufzumachen. Und das ist das Privileg des Reisens, dass wir - die meisten von uns - geniessen dürfen: egal wohin, egal wie weit, egal wie fremd: wer das tun kann, sollte nicht allzu lange warten. Macht euch auf den Weg!

Pantha rhei - Alles fliesst

19 Oktober 2017

Flusskreuzfahrt auf dem Mekong, noch mehr Buddhas und der Unterschied zwischen Theravada- und Mahayana-Buddhismus

Wie angedeutet ging es vorgestern raus in die Provinzen. Vietnam hat 58 davon sowie 5 regierungsunmittelbare Städte. Eine davon ist Ho-Chi-Minh-Stadt. Von dort ging es gestern nach Cai Be, einer relativ kleinen Stadt an einem der Flussläufe im Delta. Neben dem Delta des Roten Flusses im Landesnorden leben die Menschen hier, im Süden Vietnams, am dichtesten beieinander.
Den Mekong nun wollte ich schon immer mal besuchen. Ich habe ja abgesehen vom China-Besuch im Vorjahr keine tiefe Beziehung zu Südostasien, warum also ein Besuch dieses Flusses? Keine Ahnung. Vielleicht ist es der geheimnisvolle Name? Guide Jerry klärte mich auf: In Vietnam wird der Fluss gar nicht Mekong geheissen, sondern der Neun-Drachen-Fluss. An was ich mich auch noch erinnere: zu Kindheitstagen gab es bei uns das Buch "Silberhuf", in dem die Protagonisten mit einem wasserstoffbetriebenen (!) Helikopter nach Laos geflogen sind um den heldenhaten Befreiungskampf gegen die USA zu unterstützen. Dabei überquerten sie des Nachts den Mekong... Alan Winnigton, der Autor, war auch strammer Kommunist. So stramm, dass er in seiner Heimat Gross Britannien wegen Landesverrat angeklagt wurde und in China wegen abweichlerischen Tendenzen bezüglich der grossen Ideen des Vorsitzenden Mao Zedung.
Die Fahrt zum Mekong-Delta dauert etwa drei Stunden, doch dann geht es sogleich auf ein schaukelndes Boot, mit dem die heutigen Kreuzfahrtgäste - ein Paar aus England und ich - zu unserem Schiff gebracht werden: ein Flusskreuzer mit Kapazität für 20 Gäste und 8-köpfiger Besatzung. Heute haben wir also, wenn man mal vom Kapitän und dem Maschinisten absieht eine 1:2-Betreuung. Das Schiff hat auch eine eigene Reiseleiterin, die Deutsch und Englisch spricht, mit uns die Seenot-Rettungsübung durchführt ("so klingt der Feueralarm:" - huuuuup - " und da lang geht es zum Sammelpunkt") und während der Fahrt einen Abstecher in ein kleines Dorf im Delta führt. Dieser kleine Ausflug war wirklich interessant. In Rettungswesten eingepackt stiegen wir Westler in ein noch mehr schaukelndes Boot, fuhren ein paar hundert Meter einen Kanal hinein und landeten schliesslich in einem angeblich typisch vietnamesischen Dorf. Die Frage der Engländerin, ob alle Strassen im Delta so schön befestigt sind - oder besser die Antwort unserer Betreuerin "Ja, das hat der Staat gemacht" - bringen mich mal wieder zum Überlegen. So ziemlich alles hier ist pikobello gepflegt und das Reisbauernhaus, in das wir zum Früchteverkosten eingeladen wurden, war blitzblank aufgeräumt, die Decken glattgestrichen, kein Essen schmorte in der Küche vor sich hin (es war auch keine Kohle im Ofen) und auch sonst war das Haus leer, in dem ansonsten 3 Generationen leben sollten. Ich habe mich nur getraut, meine britischen Begleiter zu fragen, ob sie meinen, ob das hier echt ist. Und obwohl die Britin meinte "Ja, so leben sie hier" war ihr wohl auch nicht ganz geheuer, denn sie traute sich, die Frage schliesslich an Ann, unsere Guide weiter zu geben. "Ja, natürlich. Das ist ein ganz normales Wohnhaus einer vietnamesischen Bauernfamilie im Mekong-Delta." Okay.
Im sonstigen übrigen war die Fahrt eine wunderbar entspannte Angelegenheit. Essen gab es zum Glockenschlag auf dem Achterdeck, Drink anschliessend unten, zum abendlichen Monsunregen mit Blitz und Donner. Die Kabinen: klein aber wunderbar gemütlich. Am Abend machte das Boot mitten auf dem Fluss fest und am Morgen gegen 6 Uhr ging es von hier aus weiter mit der Fahrt. Nachts müssen sie anlegen, denn auf dem Fluss ist es stockdunkel. Was aber andere Schiffsführer nicht daran hindert, tausende Tonnen Sand, Container oder Ananas auf praktische unbeleuchteten Schiffen durchs schwarze Loch zu manövrieren... Ich hoffte nur, dass unser Schiff mit ausreichend Lampen versorgen war. Das Letzte was man sich ja vorstellen möchte ist, wenn sich durch die Kabinenwand so ein Sandfrachter durchbohrt...

Nach dem Frühstück und einer morgendlichen Fahrt durch Fischerboote und wiederum Sandfrachtern hiess es dann leider schon wieder Abschied nehmen von dem Kreuzfahrtschiff. Bevor es richtig an Land ging, stand noch der Besuch der Floating Markets auf dem Programm. In Ländern, in denen sich das Leben am und auf dem Wasser abspielt, gibt es häufig so etwas: Boote machen in einem Gewässer fest - am Mast angehängt die Frucht, die vom Boot aus verkauft wird - und verkaufen an Leute auf kleineren Booten ihre Waren. Diese wiederum bringen die Sachen in die Dörfer und verkaufen sie dort weiter. Das ständige Umladen Schiff-Schiff-Moped-Fahrrad usw. würde ja auch keinen Spass machen, also belässt man die Sachen gleich auf dem Schiff und fährt sie zum Endabnehmer. Genauso wird es auch mit Benzin gemacht. Unzählige schwimmende Tankstellen gab es auf der Flussreise zu sehen.
Die Floating Markets in Can Tho sind nach wie vor Lebensmittelpunkt vieler Menschen, während sie in anderen Ländern längst zur Touristenattraktion herabgesunken sind mit dem entsprechenden Warenangebot.
In Can Tho, der fünftgrössten Stadt Vietnams war dann auch Landgang und Ende der Kreuzfahrt. Mein Guide Jerry erwartete mich hier und brachte mich in mein Hotel. Vorher gab es noch ein kleines Sightseeing. In Can Tho gibt es zwar auch viele Touristen, dennoch ist die Stadt lange nicht so entwickelt, die das Zentrum von Saigon. Vieles ist ursprünglicher und alltagstauglicher - für mich ist das immer wieder eine Messmöglichkeit: Gibt es in den Läden Dinge zu kaufen, die die Menschen hier zum täglichen Leben benötigen? Wenn Ja, und wenn das überwiegt, dann leben hier auch noch Leute, die nicht nur vom Tourismus abhängig sind. Kann ja jeder mal selber in seinen Urlaubsorten nachschauen, wie es dort aussieht. Das blöde ist - und da kann ich mich nicht ausnehmen - der Tourist kommt, um zu bestaunen, was er gleichzeitig zerstört.
Im Moment gibt es in Can Tho noch viel traditionelles zu bestaunen, zB. wiederum einmal die buddhistischen Tempel mit viel Öldämpfen, Räucherstäbchen und Gläubigen. Es gibt einen Tempel der chinesischen Minderheit in Vietnam, einen Theravada-Tempel, einen Mahayana-Tempel. Es gibt so viele Strömungen im Buddhismus und eigentlich wollte ich hier auch etwas zu den Unterschieden der beiden letztgenannten erklären. Doch ihr müsst das selber nachlesen, zum Beispiel in der Wikipedia. Es wird mir - ehrlich gesagt - etwas zu kompliziert.
Theravada hier
Mahayana hier
Alles in allem scheinen mir die Vietnamesen doch noch etwas entspannter mit den Religionen umzugehen, als die Chinesen. Zwar bezeichnet sich der überwiegende Teil der Bevölkerung als ateistisch, jedoch machen die Tempel einen viel authentischeren Eindruck als die in China. Dennoch trifft für die Vietnamesen das gleiche zu wie für viele Asiaten: man kann sich seine Religion jeden Tag neu wählen und es steht auch nichts entgegen, mehrere Glauben gleichzeitig zu pflegen.
Am Ende der Reise stand auch eher zufällig noch der jüngste "Buddha" auf dem Besichtigungsprogramm: Ho Chi Minh. Der allgegenwärtige Onkel Ho, der den Staat gründete und Südvietnam "befreite" und dabei auch nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern oder wer immer ihm im Wege stand, verfuhr. Allgemein wird angenommen, dass die Zahl der Ermordeten, die direkt aus den Ideen und Anweisungen Onkel Ho's folgten, bei 2 Millionen liegt: Männer, Alte, Frauen, Kinder. Nachbar Pol Pot kam nebenan in Kambodscha auf ebenfalls etwa 2,2 Millionen Opfer im eigenen Volk. Nur haben Ho Chi Minhs Leute eines besser beherrscht: die Propaganda. Wer würde bestreiten, das Onkel Ho in den 60er Jahren und auch heute nicht als die strahlende Befreierfigur erkannt wird? Kriegsverbrechen? Haben nur die Amis und ihre Marionetten begangen....
Ho Chi Minh winkt mit übergrosser Hand freundlich vom Podest in Can Tho und man wagt die Einheimischen nicht zu fragen: Wie lange noch? Die Meinung über die Partei und ihre Millionen Mitglieder ("alles Parasiten") ist nicht gerade die beste. Aber eine Stimmung für Veränderung ist auch nicht vorhanden, vielleicht deshalb, weil es vielen Vietnamesen zunehmend besser geht, seit auch hier der Kapitalismus eingeführt wurde.

Gestern waren die Bilder alle untereinander, aber wenigstens noch geordnet. Auch das fällt heute aus. Eine bunte Reihung schliesst den Ferientrip fast ab. Morgen um diese Zeit bin ich auf dem Heimweg.





Die Partei war auch schon da.


Schönes Haus in schönem Dorf - mitten im Delta. Was ist Wahrheit?

Familiengrabstätte


Kirche am Fluss. Die Katholischen Christen sind eine bedeutende Religionsgruppe im Land.


Meine Kabine. Urgemütlich. Aber es passt eigentlich nur das Bett rein.

Der Mekong. Und das ist nur einer der Arme im Delta.

Sandfrachter

Nichts ist unmöglich.

Leben am Fluss

Leben am Fluss

Bassac II - "mein" Schiff.

Minimal-Marketing: die angehängten Früchte zeigen, was es gibt.

Floating Market

Reisnudeln entstehen. Guide Ann erklärt, wie.

Leben am Fluss

Neun Drachen (nicht alle im Bild) - ein Glücksymbol

Onkel Ho winkt mit übergrosser Hand.

Versöhnung ist möglich...