04 November 2009

Wie soll man ...

... im Alltagsstreß noch Urlaubsblog-Einträge nachholen??? Heute ist der 4. November, fast drei Monate sind vergangen und es fehlen noch eine ganze Reihe Erlebnisse, die eigentlich hier reingehören sollten. Zum Beispiel die Fahrt nach Portland/Maine, die Speedboat-Tour über den Hudson River, Besuch in Little Italy und Besuch in McSourley's Old Ale House, wo es Biere nur immer als Paar gibt und wo der Barkeeper Sebastian und mich eingeladen hat, mal mit Servier-Schürze hinterm Tresen zu stehen. Ganz bestimmt müßte auch noch Sebastians Wunsch und dessen Erfüllung erwähnt werden, im Central Park zu joggen. Ich müßte noch davon berichten, wie wir den Apple Store besucht haben und wie es möglich war, mit Metallgegenständen durch den Detektor im Rockefeller Center zu kommen, um auf dessen Aussichtsplattform zu gelangen. Ach ja, und dann war da noch die Autofahrt zum John F. Kennedy Airport, die mit einer Stunde Verspätung begann und uns direkt in den New Yorker Nachmittagsverkehrsstau führte. Dass Sebastian und ich dann den Check In nur kurz vor knapp erreichten und die allerletzten Fluggäste waren, die sich für den Flug nach Düsseldorf meldeten, ist sicher nur eine kleine Randepisode, die keiner großen Erwähnung wert ist, weil wir ja letztlich doch noch pünktlich abfliegen konnten (die Nervosität, die mit der Inaussichtnahme eines verpaßten Fliegers einhergeht, kann sicher niemand verstehen...).
Naja, jedenfalls fehlen alle diese Dinge hier in diesem Blog und ich kann auch irgendwie das alles nicht mehr nachholen. Für mich bleibt jetzt, fast drei Monate später wieder mal nur die Feststellung, dass Amerika mehrere Reisen lohnt und die zurückliegende Tour von Los Angeles nach Denver und New York, zusammen mit zwei meiner Brüder eine wieder einmal tolle Erfahrung war. Und weils dort so schön war, ist die nächste Reise auch schon gebucht, diesmal über Weihnachten und Neujahr in New York/Connecticut.
Wer sich weiter interessiert und gerne noch mehr Bilder anschauen möchte, dem empfehle ich diese Fotoseite. Hier wird es auch in Zukunft immer mehr Bilder aus dem Archiv geben.

05 Oktober 2009

Neuer Tag, neues Touristen(-er-)leben

Okay, Tag 1 - für Sebastian - war warm (34°), feucht (irgendwo zwischen 60 und 80 % rel. Luftfeuchtigkeit) und anstrengend (dafür gibts noch keine Skala). Aber den nach oben strebenden New-York-Besucher (wiederum nur Sebastian) hindert dies nicht, das volle Programm auch am zweiten Tag zu fahren. Also ging es wieder hinein in den Big Apple, wiederum mit der Pendlerbahn, mit der man wunderbar aus Connecticut direkt ins Herz von Manhattan fährt. Für die Eisenbahner ist das der Grand Central Terminal, einer unterirdischer Kopfbahnhof, dessen Gleise aus allen Richtungen auf das riesige Bahnhofsgebäude zulaufen. Im Gleisbereich selbst ist die Temperatur bestimmt zehn Grad höher als draussen (34°+10°=44°) und erinnerte mich eine wenig an die vorher besuchten Wüsten, mit dem Unterschied, dass letztere sehr viel weitläufiger sind und erheblich dünner besiedelt. Der Schwung Menschenmasse, der aus dem Zug quillt, muss über einen engen Bahnsteig geleitet werden, bevor er sich in der großen Halle oder in der "Fressmeile" verläuft - abgesehen von den Schlagen vor den WC's. Von hier aus ging es für uns dann zu Fuß in irgendeine Richtung. In Europa würde man sagen "Richtung Zentrum" aber das ist in Manhattan etwas schwierig: hier ist alles Zentrum. Jedenfalls ging es erstmal auf der 42nd Street Richtung Westen bis zur Public Library. Ein Katzensprung von ca 500 Metern. Die Bibliothek ist in doppelter Hinsicht in Nutzung: durch Leser und durch schauende Besucher. Nach einem kurzen Taschen-Check stehen fast alle Räume offen. Die Atlantensammlung (war sie es wirklich?), die Sammlung der Bücher mit den Namen der Einwanderer (???), der große Lesesaal. Und hier gibt es ein echtes Highlight zu bewundern, eine der erhalten gebliebenen Gutenberg-Bibeln (B42), die, hinter dicken Glasscheiben, aber ansonsten völlig frei, zu bewundern ist. Als Fan der Buchdruckkunst und deren Verehrer - das muss in der Familie liegen - war das für mich natürlich ein Höhepunkt, obwohl ich gar nicht wußte, dass ein solches Stück hier ausgestellt wird. Sebastian hat sich noch protzig an einen der Lesetische gesetzt, aber ohne Bücher war das nur wenig glaubwürdig, aber immerhin: wenigstens mal hier gesessen.
Von den Tiefen der Bibliothek zum nächsten Himmelsstürmer ist es wiederum nur ein kleiner Hüpfer, den man zu Fuß erledigen kann. Das Empire State Building befindet sich zehn Straßenblöcke südwärts und magisch noch mehr Touristen an. Die Warteschlangen an den Aufzügen sind lang und die Eintrittsgelder so hoch wie das Gebäude selbst. Für uns hieß das: von unten nach oben schauen und mal im Inneren die Architektur bewundern, aber hohe Hochhäuser gibts auch noch andere und auch an anderen Tagen. Das ESB läuft nicht weg. Das Foto zeigt, wie der Tourist von unten bewundert...

Touristen aus dem Flachland

Grimaldis Pizza - in Brooklyn, unter der Brooklyn Bridge - sollte unser nächstes Ziel sein, aber in Amerika haben sich die Leute im Gegensatz zu uns Ostdeutschen an das Schlangestehen gewöhnt. Vor dem Restaurant standen die potentiellen Pizza-Esser in einer 100 Meter langen Schlange und begehrten Einlass. Das war uns auch wiederrum zu viel, zu lang und zu sonnig, so dass wir mit dem Taxi zur Brooklyn Brewery fuhren, um unseren Hunger in Bier zu ertränken. Die Brooklyn Brewery ist der dafür geeignete Or: in angenehm kühlen Hallen, zu deren Zutritt man token's erwirbt, die gegen Bier getauscht werden, trinkt man selbiges aus und begibt sich hernach in die brennende Sonne zurück. Glücklicherweise sind die Straßen hier nicht so stark befahren. Ein abschließender Spaziergang über die Bedford Ave und deren Läden, Kneipen und Gaststätten hilft ebenfalls, die verschiedenen Bestandteile des Brooklyner Biers abzubauen.
Fazit des Tages: für Brooklyn müßte man sich viel mehr Zeit und Muße nehmen. Für die Public Library viel mehr Zeit. Und für das Empire State Building viel mehr Geld.
Zurück in Trumbull gab es an diesem Abend noch ein wunderbares Grillfest mit Marks Nachbarn, einer Familie aus Vietnam. Die Leute waren zwar etwas reserviert, am späteren Abend und nach dem gemeinsamen Essen und Spielen mit den Kindern gab es noch viel zu hören aus dem Leben der Einwanderer, die von Vietnam aus per Boot "vor den Kommunisten" geflohen sind. Echt krass, was diese Leute erlebt haben, während wir ganz gemütlich vor 20 Jahren zur Demo gegangen sind... Das ist das Schöne an Amerika: die Leute kommen von überall her und fast jeder kann eine Lebensgeschichte erzählen, die den Zuhörer in ihren Bann schlägt. Leider leider habe ich von diesem wunderbaren Abend überhaupt kein einziges Foto gemacht...

26 September 2009

New York, New York

Manchmal hilft nur ein Neustart, Reset, Neuinstallation des Betriebssystems, neu einloggen - wie auch immer. Wir, das heißt, Bruder Sebastian und ich und Mark hatten uns das so schön ausgedacht: Ankunft in New York, JFK, dann Fahrt nach Connecticut, abends auf der patio grillen, amerikanisches Bier trinken und dann schlafen. Sebastian wollte dann am frühen Morgen aufstehen und uns gleich damit beginnen lassen, mit ihm alle Touristenattraktionen gleichzeitig zu erforschen. Ich dagegen hatte die Rechnung nicht mit dem amerikanischen Bier gemacht und fühlte mich am Morgen danach ziemlich schlecht. Essen und Trinken lagen schwer im Magen und dieser Umstand wiederum lag schwer auf dem allgemeinen Wohlbefinden. So konnte es nicht losgehen, aber eine Diskussion darüber auf Deutsch und Englisch hielt ich jetzt auch nicht für angebracht oder ausführbar. Also regelte ich die Angelegenheit allein und tatsächlich wirkte der ganze Vorgang befreiend, eben wie ein Neustart. Von einer Viertelstunde auf die nächste war ich fit, konnte Bastis Drängen nach Attraktionen in der Welthauptstadt mitfühlen. Los ging es mit einem kleinen Frühstück in einem breakfast restaurant und dann weiter mit der Bahn von Bridgeport zum Grand Central Terminal, mitten in Manhattan, großer Bahnhof, Startpunkt für uns "Zu-Fuß-und-Taxi-Touristen".
New York ist ohne Probleme ohne Auto erforschbar: die Subway bringt die Menschen zu den wichtigsten Knotenpunkten, den Rest erledigen die unzähligen gelben cabs, die von ebenso unzähligen wahnsinnigen (dazu später mehr) Fahrern durch den Straßendschungel gejagt werden. Igendwo stand mal, dass Taxis die zweithäufigste Spezies in New York sind. Nach Aliens und noch vor Menschen...

Ground Zero, Manhattan, August 2009

Als erstes haben wir uns an diesem Mittwoch auf den Besuch Südmanhattans verständigt: Ground Zero, dann eine Bootsfahrt zur Freiheitsstatue und dann mal weitersehen. Am Ground Zero ist immer noch im wesentlichen nur der ground zu sehen. Ein paar Betonetagen sind unter Straßenniveau entstanden aber sonst ist der Platz erschreckend leer. Sicher für Leute, die die Bebauung vor dem 11. September 2001 nicht gesehen haben, ziemlich unspektakulär. Durch das World Financial Center, dessen Wintergarten ging es dann für uns zu Fuß weiter zum Fährhafen. Diese gute Idee hatten viele Leute, das Wetter war hervorragend und die Warteschlange am Eingang zur Staten Island Ferry, die die Leute zur Freiheitsstatue bringt, war gut und gerne 300 Meter lang. Bestens versorgt durch Wasserverkäufer und Straßenkünstler. Das konnte uns allerdings nicht dazu verleiten, uns hier auch anzustellen. Also: Umstellung der Pläne. Danach ein kurzer Zu-Fuß-Abstecher zur Wall Street. Da Freitag und heller Tag war, herrschte hier ein reges Treiben. Ich kenne den Ort nicht vom Abend oder Wochenende, aber Bekannte haben mir erzählt, es sei beängstigend einsam hier, wenn die Börse und die Banken geschlossen haben. Die Straßenschluchten sind dann menschenleer, höchsten zwielichtige Gestalten treiben sich noch herum. Das Viertel ist eben hauptsächlich ein Viertel, in dem gearbeitet wird und in dem ein wesentlicher Teil der Arbeit ruht, wenn die NYSE, die New York Stock Exchange oder eben Wall Street geschlossen ist. Wenn allerdings gearbeitet wird, gehen von dem Ort die Schockwellen - positiv oder negativ - aus, die die ganze Welt zu erschüttern vermögen. Ängstlich beäugt man den Dow Jones, wenn mal wieder irgendwelche Daten veröffentlicht werden. Dieser amerikanische Aktienindex ist, wenn man so will, die Spitze der Pyramide des Weltweiten Finanzsystems, an dem jede Veränderung mehr oder weniger stark ankommt, indexiert und wieder nach unten zurückgeleitet wird. Antenne und Sender zugleich mit Unterstationen in aller Welt, zB. Frankfurt, London, Tokyo und wie sie alle heißen. Ob das ein gutes System ist? Keine Ahnung.

New York Stock Exchange - NYSE; hat jeder schonmal im Fernsehen gesehen.

Den Rest des inzwischen anegbrochenen Nachmittags verbrachten wir am Times Square und damit, zum Grand Central Terminal zurückzulaufen. Obwohl Manhattan doch recht groß ist, ist es nicht ganz unmöglich, einige Wege auch zu Fuß zu erledigen. Dann bekommt man auch mit, das der Glanz und die Glitzerwelt ziemlich konzentriert zusammenliegen, in den Parallelstraßen sieht es dagegen so öde aus, wie man es von einer Millionenmetropole nicht anders erwartet. Dennoch: New York - die Welthauptstadt.

Erlebt am 14.08.2009, gepostet am 26.09.2009 - die Arbeit ...

25 August 2009

Was du heut nicht kannst besorgen...

... verschiebe ruhig auf übermorgen. So ungefähr ist es mir mit dem Rest meines Reisereports gegangen. Erstmal in New York angekommen und das Touristen-Programm gestartet, blieb einfach keine Zeit mehr zum Schreiben. Also muss ich jetzt die ganzen fehlenden Tage nachholen, angefangen mit meiner Abreise in Denver am 13. August 2009. Ich hatte ja schon geschrieben, dass sich mein Hotel in Flughafennähe befand, also etwa 10 Meilen entfernt. Auch die Autovermietung hatte dort ihre Station, so dass ich das Auto direkt dort abstellen konnte. Es hätte auch noch andere Wege gegeben: ich habe mich schon gewundert, warum die Fahrzeuge auf dem Hotelparkplatz Zettel hinter der Windschutzscheibe hatten auf denen was von "Parkerlaubnis" stand. Meine Nachfrage an der Rezeption ergab, dass dies die Wagen sind, die von der Autovermietung direkt am Hotel abgeholt werden. Das heißt also, die Leute können hier übernachten und lassen sich morgens mit dem Shuttle-Bus zum Airport fahren, das Auto bleibt einfach auf dem Platz stehen. Irgendwann wird es sich der Eigentümer schon abholen - verrückte Welt. Ich habe das Auto brav zu Alamo gefahren, die Übergabe erfolgte problemlos und auch von dort ging es mit dem Shuttle zum Terminal. Einchecken, Sicherheitskontrolle, Monorail zum Abfluggate und dort wieder warten. Pünktlich ist dann das Flugzeug in Richtung New York gestartet und dort auch gelandet. Beim Flug über den Kontinent konnte ich noch schön die Landaufteilung bewundern: in der flachen Mitte der USA verlaufen die Landstraßen fast komplett parallel zueinander, die entstehenden Quadrate sind aufgefüllt mit runden Feldern: hunderte, tausende...
Im Osten dagegen überwiegen Waldflächen und von New York selbst habe ich beim Anflug gar nichts gesehen, es lag unter einer dicken grauen Wolkendecke. Als das Flugzeug darunter kam, schwebte es schon über dem Atlantik im Landeanflug auf JFK.
Dort habe ich erstmal auf mein Gepäck warten müssen, was dann aber irgendwann doch auf dem Karussell herangeschafft wurde, während Mark und seine Frau draussen mit dem Auto Runden drehen mussten. Die Kurzzeitparkzone vor dem Terminal ist eben nur zum Einsteigen gedacht. Nachdem das alles abgeschlossen war, ging es noch darum, meinen Bruder Sebastian abzuholen, der irgendwo in diesem Gewirr von Straßen und Terminals wartete, inzwischen entlassen von der Einreisebehörde. Aber auch das lief relativ problemlos ab, weil die Ausschilderung auch so großer Flughäfen wie JFK zuverlässig ist und das Straßensystem trotz der verwirrend verlaufen Fahr-Spuren sicher zum Ziel führt; in diesem Fall Terminal 8. Sebastian hat dort schon gewartet, so dass wir von dort direkt nach Connecticut starten konnten. Queens, Whitestone Bridge, Bronx, raus aus NYC, rein nach Connecticut. Trotzdem dauert die Fahrt lang, weil alle nach Hause wollen und ein verrückter Truck-Fahrer unbedingt den Merritt Parkway nehmen mußte, was im einen Totalschaden an seinem Anhänger einbrachte. Die Brücken sind einfach nicht hoch genug für diese Fahrzeuge...
Müde, aber zufrieden sind wir dann in Trumbull/Connecticut angekommen. Abendessen, ein paar amerikanische Bier - für mich war das alles etwas viel, so dass es mir am Morgen erst später besser ging...

Welcome to Bridgeport & Trumbull

20 August 2009

Wieder zu Hause - und ein wenig Vertröstung

Ich bin wieder zu Hause in Deutschland. Die letzte Woche in New York, mit Ausflügen in und um Connecticut, war sehr intensiv, so dass ich keinen Blogbeitrag mehr zustandebringen konnte. Ich will deshalb ein wenig vertrösten. Es steht ja ein oder mehr Wochenenden bevor und da kann ich dann die Berichte sozusagen nachreichen. Bis dahin muß ich aber noch ein wenig schlafen...

18 August 2009

Unterwegs

Ich habe zwar seit einigen Tagen nichts geschrieben, aber ich war trotzdem nicht untätigt: Zweimal New York und portland in Maine standen auf einem umfangreichen Touristenprogramm. Ich werde die nötige Reiseberichte nachholen...

In Manhattan

13 August 2009

The Mile High City - Denver

Der Goldrausch ist lange vorbei, geblieben ist eine pulsierende Metropole, die über 560.000 Einwohner hat und in der Metropolregion 2,8 Millionen Menschen beherbergt und längst nicht mehr von Gold im Wortsinne abhängig ist: Denver, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado mit einer Downtown, deren Wolkenkratzer sich vor die Front Range der Rocky Mountains stellen und diesen Anblick deshalb so einmalig machen. Drunten, im Straßengewimmel der Innenstadt kann der Reisende jedoch bequem sein Auto abstellen auf einem der Bezahlparkplätze in unmittelbarer Downtown-Nähe, und die Stadt zu Fuß erkunden. Ich bin zuerst zum Colorado State Capitol gelaufen, eine verkleinerte Kopie des Kapitols in Washington D.C. Dessen vergoldete Kuppel leuchtete so schön in der Sonne und wie sich herausstellte, war das ganze Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich. Kurzer Sicherheits-Check und schon war ich drin. Vielleicht lag es an der Quilt-Ausstellung. Von allen Balustraden und Emporen im Inneren hingen diese herunter und waren nummeriert, es gab auch einen Katalog und eine ganze Menge Leute, die offenbar nur deswegen gekommen waren. Ich interessierte mich mehr für das prachtvolle Innere dieses Parlamentsgebäudes. Dort gab es den Sitzungssaal des Repräsentantenhauses, den Saal des Senates, den Raum für öffentliche Anhörungen und die ganzen offenen Flure und Gänge unter der Kuppel und in den Seitenflügeln. Die Bürotüren zu den Mitarbeitern des Gouverneurs standen offen und man hätte fast mit ihnen an ihren Schreibtischen reden können. Das Gebäude, ich habe es schon geschrieben, ist eine verkleinerte Kopie des Washingtoner Kapitols und das macht auch Sinn, denn das politische System der Bundesstaaten ist genauso aufgebaut wie das der Nation: es gibt einen Regierungschef, den Govenor, ein Zwei-Kammer-Parlament mit Repräsentantenhaus und Senat und einen Obersten Gerichtshof, genauso wie in Washington, bloß ist alles etwas kleiner.

Das Repräsentantenhaus des US-Bundesstaates Colorado. Warum sind die Sitze abgedeckt? Weil die Sitzungperiode vorüber ist und die nächste erst im Januar 2010 beginnt. Die Parlamente der US-Bundesstaaten sind sogenannte Feierabendparlamente, d.h. die Abgeordneten sind nebenamtlich tätig und tagen nur kurze Zeit im Jahr.

Zum Abschluß meines Besuches bin ich noch auf die Kuppel hinaufgestiegen, von der aus sich ein wunderbarer Blick auf die Downtown und die anderen umliegenden Stadtgebiete mit den Bergen im Hintergrund bietet. Ein paar andere deutsche Touristen waren auch da und haben sich über diese dekadente vergoldete Kuppel aufgeregt, natürlich in Deutsch, damit es keiner merkt... denkste, ich habe es gehört.

Das Kapitol in Denver mit seiner vergoldeten Kuppel, die so viel Empörung bei
den deutschen Mittouristen ausgelöst hat.
Dabei brauchen die sich bloss mal in hiesigen Landen umschauen,
da gibts nämlich auch so einige güldene Kuppeln...

Auf der 15. Stufe der Treppe hinauf zum Kapitol befindet sich noch der Höhen-Markierungspunkt für Denver. Die Stadt liegt ziemlich genau auf 1.600 Meter über dem Meer und damit eine Meile hoch above sea level. Daher kommt auch der Spitzname der Stadt: The Mile High City...
Nach dem Kapitol ging es dann in die 16th Street Mall, eine lange Einkaufsstraße als Fußgängerzonen, die um die Mittagszeit mit all den Büroarbeitern bevölkert wurde, und die die Starbuck's-Cafés und andere Lokale füllten oder an den Ecken standen und rauchten, weil es kein Drinnen mehr gibt, wo das gestattet ist... Ich habe mir um diese Zeit auch einen Eiskaffee gegönnt. Diese Sorte Kaffee habe ich in Los Angeles schätzen gelernt und werde das zu Hause auch mal ausprobieren, es ist nämlich offenbar einfach nur gekochter und danach abgekühlter Kaffee mit Eiswürfeln. Gesüßt wird mit Sirup, den es in verschiedenen Sorten gibt.

Downtown Denver

Nach Starbuck's bin ich dann die Mall rauf und runter gelaufen, aber ohne bestimmtes Ziel sieht diese eben aus wie alle Einkaufsstraßen und ich hatte auch keine Lust mehr auf Museen oder sonstige Attraktionen, die Denver zweifelsohne zu bieten hat. So bin ich dann recht bald ins Hotel zurückgefahren, d.h. so gegen 17.00 Uhr. Dabei habe ich mich permanent den Anweisungen von TomTom widersetzt, der mich regelmäßig auf die Interstate lenken wollte. Ich wußte aber, dass ich von der Downtown auf der Colfax Avenue eigentlich nur geradeaus in Richtung Osten fahren brauchte, dann einmal links abbiegen und so komme ich ohne Autobahn zum Hotel. Genauso hat es auch funktioniert, wahrscheinlich aber etwas länger gedauert. Die Colfax Avenue hat eben viele Ampeln, führt aber schnurgerade 37 km quer durch Denver und Aurora und alle anderen westlichen und östlichen Vororte. Das ist der Vorteil eines schachbrettartigen Stadtaufbaus. Man braucht im Prinzip nur zwei Straßennamen zu kennen. Im Prinzip.
Soweit also aus Denver und damit auch aus dem Gebiet, das gemeinhin als der Wilde Westen bezeichnet wurde. Morgen geht es an die Ostküste. Dazu mußte ich mir heute noch von der JetBlue-Hotline meine Reservierung bestätigen lassen und habe gleich noch einen Sitzplatz am Fenster gebucht. Der Flughafen liegt in Sichtweite meines Hotels, also amerikanisch, d.h. es sind 10 Meilen Fahrt nötig.



Abschied vom Wilden Westen...

12 August 2009

Ganz nach oben

Leadville lag ja schon, wie ich gestern berichtet habe, auf ca. 3.000 Metern über dem Meeresspiegel, doch die umliegenden Berge gehen weit über die Viertausender-Marke und sind für Touristen, zumindest in diesem Teil der Rocky Mountains, gut erreichbar, nämlich mit dem Auto! Vor Abreise habe ich mich noch am Frühstück im Super-8-Motel versucht, aber es hat keinen Zweck: Super 8 hat im Vergleich zum vorigen Jahr ganz schön nachgelassen. Das Personal ist nett, okay, aber warum muß man den Frühstücksraum in einem fensterlosen Kellerraum unterbringen, warum sollen drei Tischlein für das ganze Hotel ausreichen und warum sind die Becher mit dem Waffelteig nur halb voll und die Waffel deshalb nicht vollständig. Alles Fragen, die man vor Ort beantwortet bekommt, aber die meisten Hotelketten hier in Amerika machen Umfragen unter den Besuchern, online natürlich. So wird mir auch Super 8 wieder emails senden und dann werde ich die entsprechende Bewertung abgeben. Gut machen sich auch die Hotelbeurteilungen, die man über Google abgeben kann und die dann anderen Leuten helfen können, ihre Entscheidungen zu treffen.
Also gab es eine unvollständige Waffel heute und dann bin ich abgefahren Richtung Mount Evans, einer der Viertausender-Berge Amerikas westlich von Denver. Erst ging es ein Stück über die Interstate 70, dann hinein in den Wald und auf etlichen Serpentinen nach oben. Nach Bezahlung einer Gebühr von $10 ging es dann immer weiter hinauf in die Bergwelt der Rocky Mountains. Der Park-Führer informiert, dass je 1000 Fuß Höhenunterschied vergleichbar eine Strecke von 600 Meilen nach Norden Richtung Arktis zurückgelegt wird, also man kommt in immer weiter arktisch geprägte Landschaften. Recht bald ist auch die Baumgrenze überschritten und es gibt nur noch Felsen und Gräser, dazwischen kristallklare Bergseen und vereinzelt noch einige Schneefelder an den Hängen. Die Straße wird schmaler auf beiden Seiten immer abenteuerlicher: auf der Bergseite ziemlich bröckelig aussehende Felswände, Überhänge, abgestürzte Steine, auf der Talseite geht es steil abwärts, Leitplanken gibt es schon lange nicht mehr und die Straße ist so schmal, dass das an der Abgrundseite fahrende Fahrzeug ganz vorsichtig balanciert. Eigentlich kann ja überhaupt nichts passieren, aber mir wurde doch etwas komisch in diesen Situationen.


Strasse zum Mount Evans

Oben öffnet sich plötzlich die Landschaft in einen großen Parkplatz (überfüllt) und das Hochplateau des Gipfels auf ca. 4.300 Metern Höhe. Auf den eigentlichen Gipfel kann man auch hochkraxeln, aber mir fehlt wie üblich die notwendige Ausrüstung und ausserdem war es doch schon recht frisch hier. Der Ausblick dagegen fantastisch. In Richtung Osten glitzern weit unten die Wolkenkratzer von Denver, zwischen den Bergen windet sich die Straße hoch. Im Westen liegen die Bergseen und die Rückseite der Rockies mit den anderen Viertausendern. Und das alles kann man sehen, ohne einen Schritt zu Fuß gehen zu müssen, einfach nur mit dem Auto fahren. Oder mit dem Fahrrad, denn natürlich gibt es auch hier die Extremsportler, die hochstrampeln und abwärts in abenteuerlichem Tempo zwischen den Autos durchkurven.


Knapp unter dem Gipfel liegt der Parkplatz, auf ca. 4.300m Höhe über NN.

Die Abreise gestaltete sich für mich ebenso unproblematisch wie die Anreise, nur die Entscheidung, was mit dem Rest des Tages zu tun sei, machte mir noch Gedanken. Ich entschied mich dann doch für das Hotel, denn nach den Erlebnissen der letzten anderthalb Wochen macht sich jetzt doch eine gewisse Müdigkeit bemerkbar und das Interesse an weiteren Nationalparks ist erstmal gedeckt und die Wüste liegt ja nun sowieso hinter den sieben Bergen. Also runter nach und durch Denver hindurch. Mein Hotel für die letzten zwei Nächte liegt in Aurora, nahem dem Airport, von dem es am Donnerstag für die letzte Woche nach New York geht.