Mittwoch, 1. November 2017

Schöne Ferien

Liebe Mitreisende
Sei die Leser-Gemeinde auch klein und somit exklusiv, so möchte ich mich doch bei euch bedanken für das Mitverfolgen meiner Ferien-Aktivitäten. Wie so oft ging die wunderbare Zeit - drei Wochen - in China und Vietnam sehr schnell vorbei. Viel ist ungesehen und vor allem unentdeckt geblieben. Ich musste mich unvollendet von Asien verabschieden und am Abend des 20. Oktober den Heimweg antreten. So ist es nun einmal beim Reisen, jedenfalls bei dieser Art von Reisen: man kehrt einerseits mit einem Hochgefühl zurück, andererseits immer unfertig. Letzteres ist die Aufforderung, sich bei nächster Gelegenheit wieder aufzumachen. Und das ist das Privileg des Reisens, dass wir - die meisten von uns - geniessen dürfen: egal wohin, egal wie weit, egal wie fremd: wer das tun kann, sollte nicht allzu lange warten. Macht euch auf den Weg!

Pantha rhei - Alles fliesst

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Flusskreuzfahrt auf dem Mekong, noch mehr Buddhas und der Unterschied zwischen Theravada- und Mahayana-Buddhismus

Wie angedeutet ging es vorgestern raus in die Provinzen. Vietnam hat 58 davon sowie 5 regierungsunmittelbare Städte. Eine davon ist Ho-Chi-Minh-Stadt. Von dort ging es gestern nach Cai Be, einer relativ kleinen Stadt an einem der Flussläufe im Delta. Neben dem Delta des Roten Flusses im Landesnorden leben die Menschen hier, im Süden Vietnams, am dichtesten beieinander.
Den Mekong nun wollte ich schon immer mal besuchen. Ich habe ja abgesehen vom China-Besuch im Vorjahr keine tiefe Beziehung zu Südostasien, warum also ein Besuch dieses Flusses? Keine Ahnung. Vielleicht ist es der geheimnisvolle Name? Guide Jerry klärte mich auf: In Vietnam wird der Fluss gar nicht Mekong geheissen, sondern der Neun-Drachen-Fluss. An was ich mich auch noch erinnere: zu Kindheitstagen gab es bei uns das Buch "Silberhuf", in dem die Protagonisten mit einem wasserstoffbetriebenen (!) Helikopter nach Laos geflogen sind um den heldenhaten Befreiungskampf gegen die USA zu unterstützen. Alan Winnigton, der Autor, war auch strammer Kommunist. So stramm, dass er in seiner Heimat Gross Britannien wegen Landesverrat angeklagt wurde und in China wegen abweichlerischen Tendenzen bezüglich der grossen Ideen des Vorsitzenden Mao Zedung.
Die Fahrt zum Mekong-Delta dauert etwa drei Stunden, doch dann geht es sogleich auf ein schaukelndes Boot, mit dem die heutigen Kreuzfahrtgäste - ein Paar aus England und ich - zu unserem Schiff gebracht werden: ein Flusskreuzer mit Kapazität für 20 Gäste und 8-köpfiger Besatzung. Heute haben wir also, wenn man mal vom Kapitän und dem Maschinisten absieht eine 1:2-Betreuung. Das Schiff hat auch eine eigene Reiseleiterin, die Deutsch und Englisch spricht, mit uns die Seenot-Rettungsübung durchführt ("so klingt der Feueralarm:" - huuuuup - " und da lang geht es zum Sammelpunkt") und während der Fahrt einen Abstecher in ein kleines Dorf im Delta führt. Dieser kleine Ausflug war wirklich interessant. In Rettungswesten eingepackt stiegen wir Westler in ein noch mehr schaukelndes Boot, fuhren ein paar hundert Meter einen Kanal hinein und landeten schliesslich in einem angeblich typisch vietnamesischen Dorf. Die Frage der Engländerin, ob alle Strassen im Delta so schön befestigt sind - oder besser die Antwort unserer Betreuerin "Ja, das hat der Staat gemacht" - bringen mich mal wieder zum Überlegen. So ziemlich alles hier ist pikobello gepflegt und das Reisbauernhaus, in das wir zum Früchteverkosten eingeladen wurden, war blitzblank aufgeräumt, die Decken glattgestrichen, kein Essen schmorte in der Küche vor sich hin (es war auch keine Kohle im Ofen) und auch sonst war das Haus leer, in dem ansonsten 3 Generationen leben sollten. Ich habe mich nur getraut, meine britischen Begleiter zu fragen, ob sie meinen, ob das hier echt ist. Und obwohl die Britin meinte "Ja, so leben sie hier" war ihr wohl auch nicht ganz geheuer, denn sie traute sich, die Frage schliesslich an Ann, unsere Guide weiter zu geben. "Ja, natürlich. Das ist ein ganz normales Wohnhaus einer vietnamesischen Bauernfamilie im Mekong-Delta." Okay.
Im sonstigen übrigen war die Fahrt eine wunderbar entspannte Angelegenheit. Essen gab es zum Glockenschlag auf dem Achterdeck, Drink anschliessend unten, zum abendlichen Monsunregen mit Blitz und Donner. Die Kabinen: klein aber wunderbar gemütlich. Am Abend machte das Boot mitten auf dem Fluss fest und am Morgen gegen 6 Uhr ging es von hier aus weiter mit der Fahrt. Nachts müssen sie anlegen, denn auf dem Fluss ist es stockdunkel. Was aber andere Schiffsführer nicht daran hindert, tausende Tonnen Sand, Container oder Ananas auf praktische unbeleuchteten Schiffen durchs schwarze Loch zu manövrieren... Ich hoffte nur, dass unser Schiff mit ausreichend Lampen versorgen war. Das Letzte was man sich ja vorstellen möchte ist, wenn sich durch die Kabinenwand so ein Sandfrachter durchbohrt...

Nach dem Frühstück und einer morgendlichen Fahrt durch Fischerboote und wiederum Sandfrachtern hiess es dann leider schon wieder Abschied nehmen von dem Kreuzfahrtschiff. Bevor es richtig an Land ging, stand noch der Besuch der Floating Markets auf dem Programm. In Ländern, in denen sich das Leben am und auf dem Wasser abspielt, gibt es häufig so etwas: Boote machen in einem Gewässer fest - am Mast angehängt die Frucht, die vom Boot aus verkauft wird - und verkaufen an Leute auf kleineren Booten ihre Waren. Diese wiederum bringen die Sachen in die Dörfer und verkaufen sie dort weiter. Das ständige Umladen Schiff-Schiff-Moped-Fahrrad usw. würde ja auch keinen Spass machen, also belässt man die Sachen gleich auf dem Schiff und fährt sie zum Endabnehmer. Genauso wird es auch mit Benzin gemacht. Unzählige schwimmende Tankstellen gab es auf der Flussreise zu sehen.
Die Floating Markets in Can Tho sind nach wie vor Lebensmittelpunkt vieler Menschen, während sie in anderen Ländern längst zur Touristenattraktion herabgesunken sind mit dem entsprechenden Warenangebot.
In Can Tho, der fünftgrössten Stadt Vietnams war dann auch Landgang und Ende der Kreuzfahrt. Mein Guide Jerry erwartete mich hier und brachte mich in mein Hotel. Vorher gab es noch ein kleines Sightseeing. In Can Tho gibt es zwar auch viele Touristen, dennoch ist die Stadt lange nicht so entwickelt, die das Zentrum von Saigon. Vieles ist ursprünglicher und alltagstauglicher - für mich ist das immer wieder eine Messmöglichkeit: Gibt es in den Läden Dinge zu kaufen, die die Menschen hier zum täglichen Leben benötigen? Wenn Ja, und wenn das überwiegt, dann leben hier auch noch Leute, die nicht nur vom Tourismus abhängig sind. Kann ja jeder mal selber in seinen Urlaubsorten nachschauen, wie es dort aussieht. Das blöde ist - und da kann ich mich nicht ausnehmen - der Tourist kommt, um zu bestaunen, was er gleichzeitig zerstört.
Im Moment gibt es in Can Tho noch viel traditionelles zu bestaunen, zB. wiederum einmal die buddhistischen Tempel mit viel Öldämpfen, Räucherstäbchen und Gläubigen. Es gibt einen Tempel der chinesischen Minderheit in Vietnam, einen Theravada-Tempel, einen Mahayana-Tempel. Es gibt so viele Strömungen im Buddhismus und eigentlich wollte ich hier auch etwas zu den Unterschieden der beiden letztgenannten erklären. Doch ihr müsst das selber nachlesen, zum Beispiel in der Wikipedia. Es wird mir - ehrlich gesagt - etwas zu kompliziert.
Theravada hier
Mahayana hier
Alles in allem scheinen mir die Vietnamesen doch noch etwas entspannter mit den Religionen umzugehen, als die Chinesen. Zwar bezeichnet sich der überwiegende Teil der Bevölkerung als ateistisch, jedoch machen die Tempel einen viel authentischeren Eindruck als die in China. Dennoch trifft für die Vietnamesen das gleiche zu wie für viele Asiaten: man kann sich seine Religion jeden Tag neu wählen und es steht auch nichts entgegen, mehrere Glauben gleichzeitig zu pflegen.
Am Ende der Reise stand auch eher zufällig noch der jüngste "Buddha" auf dem Besichtigungsprogramm: Ho Chi Minh. Der allgegenwärtige Onkel Ho, der den Staat gründete und Südvietnam "befreite" und dabei auch nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern oder wer immer ihm im Wege stand, verfuhr. Allgemein wird angenommen, dass die Zahl der Ermordeten, die direkt aus den Ideen und Anweisungen Onkel Ho's folgten, bei 2 Millionen liegt: Männer, Alte, Frauen, Kinder. Nachbar Pol Pot kam nebenan in Kambodscha auf ebenfalls etwa 2,2 Millionen Opfer im eigenen Volk. Nur haben Ho Chi Minhs Leute eines besser beherrscht: die Propaganda. Wer würde bestreiten, das Onkel Ho in den 60er Jahren und auch heute nicht als die strahlende Befreierfigur erkannt wird? Kriegsverbrechen? Haben nur die Amis und ihre Marionetten begangen....
Ho Chi Minh winkt mit übergrosser Hand freundlich vom Podest in Can Tho und man wagt die Einheimischen nicht zu fragen: Wie lange noch? Die Meinung über die Partei und ihre Millionen Mitglieder ("alles Parasiten") ist nicht gerade die beste. Aber eine Stimmung für Veränderung ist auch nicht vorhanden, vielleicht deshalb, weil es vielen Vietnamesen zunehmend besser geht, seit auch hier der Kapitalismus eingeführt wurde.

Gestern waren die Bilder alle untereinander, aber wenigstens noch geordnet. Auch das fällt heute aus. Eine bunte Reihung schliesst den Ferientrip fast ab. Morgen um diese Zeit bin ich auf dem Heimweg.





Die Partei war auch schon da.


Schönes Haus in schönem Dorf - mitten im Delta. Was ist Wahrheit?

Familiengrabstätte


Kirche am Fluss. Die Katholischen Christen sind eine bedeutende Religionsgruppe im Land.


Meine Kabine. Urgemütlich. Aber es passt eigentlich nur das Bett rein.
 
Der Mekong. Und das ist nur einer der Arme im Delta.

Sandfrachter

Nichts ist unmöglich.

Leben am Fluss

Leben am Fluss

Bassac II - "mein" Schiff.

Minimal-Marketing: die angehängten Früchte zeigen, was es gibt.

Floating Market

Reisnudeln entstehen. Guide Ann erklärt, wie.

Leben am Fluss

Neun Drachen (nicht alle im Bild) - ein Glücksymbol

Onkel Ho winkt mit übergrosser Hand.

Versöhnung ist möglich...