14 Mai 2012

Keine Aliens in Roswell, New Mexico

Gestern war wieder ein Fahr-Tag ohne besondere Vorkommnisse. Von Alamogordo ging es etwa 120 Meilen Richtung Nordost. Vorher habe ich noch eine weitere Runde im White Sands Monument gedreht, um ein paar Fotos neu zu machen, die am Vortag wegen Unachtsamkeit misslungen sind. Diese schöne Idee war leider nur mässig erfolgreich, denn meine Annahme, dass ich ganz früh im Park allein bin, war leider nur das: eine Annahme. Viele andere Besucher hatten bereits ihr Picknick ausgepackt und somit an den wichtigsten Stellen das Motiv "gestört". Naja, Pech gehabt. Wegen der morgendlichen Sonne und der Gültigkeit des Tickets vom Vortag hat sich der zusätzliche Abstecher dennoch sehr gelohnt.
Auf dem Rückweg sind mir in Alamogordo noch die vielen deutschsprachigen Werbungen aufgefallen: "DB-Schenker. Ihr Umzugsspezialist" oder "Self Storage - Wir würden uns freuen, Sie als Kunden begrüssen zu dürfen!", schön geschmückt mit Schwarz-Rot-Gold. Das ist natürlich kein Zufall. Auf der Holloman Air Force Base vor den Toren der Stadt gibt es auch einen Bundeswehrstützpunkt für die Flugausbildung. Daher gibt es in Alamogordo eine deutsche Gemeinde, deutsche Schulen usw. Schade, dass ich das nur vom Highway aus gesehen habe, besonders den "Kundenwunsch" hätte ich gerne noch fotografiert.
Heute dann war der Vormittag dem Städtchen Roswell gewidmet, besser gesagt, seiner jüngeren "Geschichte". Am 8. Juli 1947 berichtete die örtliche und überörtliche Presse über ein unbekanntes Flugobjekt nordwestlich von Roswell. Die Regierung erklärte am nächsten Tag, es handelte sich um einen Wetterballon, aber da war es schon zu spät. Im Laufe folgenden Jahrzehnte gab es unglaubliche Enthüllungen über fliegende Untertassen (flying saucer), ungewöhnliche Materialien bis hin zu Videos, die die Obduktion von Aliens dokumentieren. Und da die US-Regierung selbst herumeiern musste, um ihre eigenen, hochgeheimen Forschungsprojekte zu verschleiern, war natürlich der beste Boden bereitet für eine unglaublich UFO-Geschichte, die selbstverständlich von der Regierung geheimgehalten und unterdrückt wird. Alle Erklärungen und Veröffentlichungen von offizieller Seite sind - natürlich - Ablenkungsmanöver...

Ankunft der Aliens im UFO-Museum Roswell - die ratlosen Blicke sprechen für sich...

Nun gut. Alles in allem hat diese Geschichte dazu geführt, dass Roswell eine gewisse Bekanntheit erhalten hat und ein kleines Museum widmet sich der Alien-Geschichte. Aber das ernsthaft. Ich habe keine Ahnung, ob die Angestellten dort das alles selber glauben, aber die Hingabe, mit der das hier alles aufrechterhalten wird - selbstverständlich bekommt das Museum keine staatlichen Zuschüsse - lässt da einige Rückschlüsse zu. Leider ist das Museum etwas text-lastig und alles auf Englisch. Die Regierung wollte wohl auch keine Leihgaben bereitstellen. Aber der Phantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt und so gibt es eine grosse Menge an Bildern, Modellen und viele Fotos von "archäologischen Expeditionen" an die Absturzstelle. Selbstverständlich wird auch über andere ausserirdische Aktivitäten auf diesem Planeten unterrichtet: das geht von Area 51 bis hin zu Kornkreisen. Die echten Aliens werden sich kaputtlachen, wenn sie irgendwann tatsächlich mal kommen sollten.
Im Gift Shop kann man dann noch Tassen kaufen, falls zu Hause im Schrank welche fehlen... Ich hab mich für ein T-Shirt entschieden.
Alles in allem eine etwas freakige Show, aber wenn man schonmal in Roswell absteigt, dann ist das Museum auf jeden Fall ein Besuch wert.
Am Ende dieses Tages bin ich dann in Big Spring in Texas angekommen. Texas begrüsst seine Besucher mit dem typischen Bild: Ölpumpen wohin man schaut.

Ölpumpe auf einem Feld in Texas

12 Mai 2012

Weisser Sand

Gestern gab es nicht so viel neues zu berichten, daher habe ich nichts geschrieben. Der Tag war mit dem Überwinden von Entferungen angefüllt, wieder einmal. In aller Ruhe bin ich von Phoenix Richtung Osten bis nach Lordsburg, New Mexico gefahren und hab dort im vorgebuchten Hotel übernachtet. Heute morgen dann ging es schon wieder um 7.30 Uhr weiter Richtung Osten. Ziel heute und seit einigen Jahren schon auf der Liste: White Sands. An der Stelle, an der sich heute weisse Dünen aus Gips türmen, befand sich vor Millionen Jahren ein urzeitliches Meer, in das die Kristalle aus den Bergen abgelagert wurden. Mangels Abfluss blieben sie dort und wurden nach dem Austrocknen des Meeres und Erosion zu sandartigen Körnern zu Dünen aufgetragen, zwischen denen hindurch heute der Loop, der Rundfahrtkurs befindet. Der ist ca. 12 Kilometer lang und erlaubt einen ersten Eindruck für den Besucher. Den meisten reicht das schon, viele sind auch nur hier, um im weissen Sand zu picknicken oder "Wintersport" zu betreiben: mit diesen runden Schalen wie im Schnee die Dünen hinunter rodeln. Das sieht tatsächlich wegen des fast strahlend weissen Sandes - oder besser Gips - winterlich aus, wenn die Leute nicht kurzärmlig bei 30 Grad herumlaufen würden.

Picknickers Traum: Unterstand gegen die Wüstensonne, Grill und Mülleimer.

Überhaupt ist das Gebiet, das durch den Loop erschlossen ist, recht lebhaft. Die Parkverwaltung hat Picknick-Plätze ausgewiesen mit Grillständen und vielen Klohäuschen und die Leute beschallen die Szene mit Musik aus ihren Autos. So richtig ruhig wird es erst, wenn man, so wie ich heute, an einem etwas ruhigeren Teil der Strasse das Auto abstellt und einfach mal in die Dünen reinmarschiert. Oder wenn die US Army hier Raketentests durchführt, denn das Monument liegt inmitten der White Sands Missile Range, einem riesigen Gebiet in der Wüste, das alle 6-8 Wochen mal komplett für 2-3 Stunden abgesperrt wird. Nämlich dann, wenn wieder mal Feuerwerk abgebrannt wird, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die - und ich gehörte heute auch dazu - darf aber auf den Stützpunkt und das Museum anschauen. Nach Passkontrolle, Frage nach Waffen und Einweisung in die Regeln für die Benutzung von Fotoapparaten (in welche Richtung fotografiert werden darf und in welche lieber nicht...), konnte ich auf das Museumsgelände, wo eine Reihe von Raketen herumstehen. Das Museum bietet noch ein paar klimatisierte Räume, aber ich habe nicht reingeschaut. Ein kurzer lohnender Besuch, mehr heute nicht.
Zur White Sands Missile Range gehört ein gutes Stück nördlich auch noch die Trinity Site, wo die erste Atombombe gezündet wurde. Zweimal im Jahr ist sogar dieser Platz für die Öffentlichkeit geöffnet.

Soweit also mal zum heutigen Tag. Morgen geht es noch ein Stück weiter Richtung Osten, nach Roswell...

Die Parkverwaltung führt täglich einen Bummel - stroll - in den
Sonnenuntergang durch. Irgendjemand muss aber regelmässig die Tafel
mit der Uhrzeit wechseln...

10 Mai 2012

Ruhetag in Phoenix, Arizona

Nach Las Vegas, wo ja eigentlich zwei Ruhetage eingeplant, aber nicht eingehalten wurden, habe ich das nun in Phoenix, Arizona nachgeholt. Zwei Übernachtungen im Hotel San Carlos mitten in Downtown ergeben einen Tag ohne Fahren und mit Schauen, Bummeln und Rumsitzen in (Irish-)Pubs in aller Ruhe. Und das in einer sympathischen Wüstenstadt, die einerseits nicht ganz langweilig ist, andererseits aber auch nicht so auf den Besucher einstürmt, wie Las Vegas. Für einen Ruhetag deshalb sehr geeignet. 

Phoenix, ganz weit draussen - Hauptstadt des US-Bundesstaates Arizona und ziemlich genau mittig in dessen endloser Wüste gelegen - besticht mit einer zu Fuss erlaufbaren Downtown, mit vielen Cafés an der Strasse, mehreren grünen Parks zwischen mittelgrossen Wolkenkratzern und überhaupt mit einem ganz besonderen, einfachen Charme, wenn man mal von der Anreise mit dem Auto in die Innenstadt absieht. Die ist nämlich nicht ganz so easy gewesen. 

Mein Hotel San Carlos also ist mitten in der Stadt gelegen, innerhalb den Strassenbahn-Loops. In Betrieb ist es seit den 20er Jahren und seitdem hat sich an der Inneneinrichtung nur das verändert, was aus Brandschutz- oder Sicherheitsgründen absolut notwendig war. Ansonsten ist der Charme der 20er erhalten geblieben und angeblich hat jedes Zimmer seine eigene Dekoration. Ich konnte das nicht überprüfen, aber irgendwie glaube ich es. 
Das Auto habe ich beim Valet Parking unterstellen lassen, wie schon in Las Vegas. Ich schreibe das hier, weil ich mir erstmal wieder in Erinnerung rufen musste, was das bedeutet: man fährt mit dem Auto vor, übergibt des Schlüssel einem Hotelangestellten und der parkt dann das Auto irgendwo. Hier in Phoenix kostet das 20 Dollar pro Tag und ich hab keine Ahnung, wo das Fahrzeug abgestellt ist. In Las Vegas war der Service - nicht nur für Hotelbesucher! - kostenlos und ich konnte das Auto vom Zimmerfenster aus sehen.

Hotel San Carlos in der Downtown von Phoenix

Jetzt sitze ich in einem Café und kann nicht raus, weil draussen gerade ein Wüstengewitter niederbricht. Bis vor ein paar Minuten habe ich noch auf der grossen überdachten, aber sonst offenen Patio gesessen, aber beim ersten Blitz am grauen Himmel habe ich mich nach innen verlegen lassen. Vor aller Art von Elektrizität, insbesondere draussen habe ich einen ziemlichen Respekt…

Zwei Erkenntnisse aus den letzten Tagen habe ich noch für Leser und für mich selbst: Buche lieber mitten in der Innenstadt ein Hotelzimmer, dann kannst du in Bars und Restaurants Wein und Bier usw. geniessen. Und: Bei solchen Roadtrips wie ich es jetzt mache und wenn genügend Zeit dafür da ist: in grösseren Städten lieber mehr als eine Nacht buchen. Dann ist für Wein und Bier auch mehr Platz und man muss nicht gleich an die Weiterreise denken.

09 Mai 2012

Las Vegas und danach

Ich habe keine Ahnung, wie ich über Las Vegas schreiben soll, ohne nicht gleichzeitig glücklich, entsetzt, erstaunt, abgeschreckt und alles andere jeweils gegensätzliche zu sein. Ich beginne mal damit, dass ich ja schon einmal über die Stadt geschrieben habe und in diesem Jahr das dritte Mal hier war. Vielleicht ist tatsächlich eine sachliche Annährung angebracht: Die erste Siedlung wurde 1854 von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (!) gegründet, aber schon drei Jahre später wieder aufgegeben. Mitte der 1860er Jahre errichtete die US-Armee das Fort Baker. Durch seine Quellen wurde Las Vegas zu einem wichtigen Zwischenstopp für Wagentrecks und die Eisenbahn auf ihrem Weg zwischen Kalifornien im Westen und New Mexico im Osten. 1903 verkaufte die Rancherwitwe Helen Stewart für 55.000 US-Dollar einen Großteil ihres Farmgrundstücks an die Eisenbahngesellschaft, die es aufgrund der regen Nachfrage parzellierte und am 15. Mai 1905 für insgesamt 265.000 US-Dollar an Spekulanten und Investoren versteigerte. Die Stadt Las Vegas war damit offiziell gegründet. Soweit zur Stadtgeschichte aus der Wikipedia.
In den 30er Jahren hat der Bürgermeister im Rahmen der Verhandlungen um Stromlieferungen vom Hoover-Dam mitgeteilt, "Las Vegas wird nie mehr als 5.000 Einwohner haben." und deswegen den ganzen Strom gar nicht benötigen. Der fliesst also bis heute nach Los Angeles und anderswo hin, aber Las Vegas hat im Jahr 2008 knapp 560 Tausend Einwohner und in der Metropolregion mitten in der Wüste leben insgesamt 1,8 Millionen Menschen.
Das Zentrum der Region, insbesondere der Strip, der Las Vegas Boulevard ist heute umsäumt von glitzernden Hotel- und Casino-Anlagen. Sie bilden das Herzstück einer Tourismus-Industrie, zu der das ganze Land und viele Ausländer strömen. Jährlich lassen diese ca. 34 Milliarden US-Dollar hier, ob nun beim Glücksspiel, in Hotels oder Restaurants oder bei sonstigen Vergnügungen. Ein Riesengeschäft. Und weil es so ist, wurden hier im Laufe der Zeit die grössten Hotels der Welt überhaupt versammelt. Mein Luxor zum Beispiel steht mit etwas mehr als 4.400 Zimmern auf Platz 6 der Weltrangliste. Von den ersten 10 dieser Liste sind 8 in Las Vegas beheimatet und insgesamt bietet der Hotelsektor der Stadt ca. 150.000 Übernachtungsplätze. Hotels sind bei weitem nicht alles, auch alle Hersteller von Luxusartikeln haben sich am Strip in eigenen Geschäftsgebäuden versammelt. Manche haben zudem Aussenstellen in den Hotels selbst und einige verkaufen ihre Sachen auch an Ständen auf der Strasse nach dem Motto: "original Louis Vuitton Sonnenbrille für nur 10 Dollar!" Jeder will halt von dem grossen 34-Milliarden-Kuchen sein Stück abbekommen...

Am Las Vegas Bloulevard

Im Grunde genommen ist die Stadt heute eine grosse Ferien-Fabrik. Wie Mallorca, nur ohne Sangria, dafür mit Casinos. Die Leute kommen, um sich zu entspannen, Spass zu haben. Danach fahren sie wieder nach Hause, nach Peoria, und leben ihren ganz normalen amerikanischen Alltag. So, wie also Millionen Deutsche auf Mallorca urlauben, verleben Amerikaner (und viele internationale Touristen) ihre Ferien in Las Vegas.
Ich selbst habe aber in den Casinos wieder mal nicht einen einzigen Dollar verspielt. Irgendwie ist mir das total fremd und ich kann mir nicht vorstellen, mich an so eine Slot Machine zu setzen und für Geld Knöpfe zu drücken. Oder an einem der Black-Jack-Tische nett mit der Dealerin zu schwatzen, wobei doch alle Angestellten insgeheim nur an das denken, was bei mir im Geldbeutel steckt... Aber rumlaufen, die Gestalten an den Automaten oder nachher in den Bars anzuschauen oder beim Roulette zusehen, wie die Kugel rollt, das macht schon Spass.

Hoover-Dam von oben. Seit Herbst 2010 kann man von der Strassenbrücke
diesen Blick geniessen.

Um Las Vegas herum gibt es auch noch die eine oder andere Attraktion zu bestaunen. Viele Touristen lassen  sich etwa zum Grand Canyon fahren (oder fliegen) und eine Menge Leute, zu denen ich auch gehöre, besuchen den Hoover-Dam, Technik-Weltwunder ganz in der Nähe. Inzwischen ist die Brücke der Umgehungsstrasse fertiggestellt und für Fahrzeugerkehr wie für Fussgänger freigegeben. Aus fast 300 Metern Höhe hat man eine wunderbare Aussicht auf die Staumauer und den dahinter liegenden Teil des Sees. Was früher nur den zahlungskräftigen Kunden mit Hubschrauberrundflügen möglich war, kann heute jeder mit ein paar Minuten Fussweg sehen.
Vor dem Besuch des Hoover Dam war ich noch im Eldorado Canyon. Ein sinniger Name, denn der Ort gehört irgendwie zu den Keimzellen. Die ersten Goldschürfer kamen hierher und versuchten ihr Glück. Einige fanden es wohl auch. Aber es dürfte wohl ähnlich wie bei den Casinos gewesen sein. Das meiste Geld haben wahrscheinlich die Verkäufer von Schaufeln und Whiskey gemacht. Heute können sich die wenigen Besucher die alte Minenstation anschauen mit einer verrückten Ansammlung von Technik und Handwerkszeug aus zwei Jahrhunderten.

Ein Goldgräber-Truck? Im Eldorado-Canyon begann in Nevada die Goldsuche


Fazit nach drei Tagen in der Glitzerstadt Las Vegas und deren Umland: es lohnt sich immer noch.

Das Luxor bei Nacht. 39 Xenon-Strahler erzeugen diesen Lichtstrahl in den Himmel.


08 Mai 2012

Endlich fertig

Die Brückenbauer am Hoover Dam sind im Herbst 2010 endlich mit ihrem Werk fertig geworden und nun kann der Fussgänger den Hoover Dam mit seiner etwa 220 Meter hohen Staumauer aus einer Gesamthöhe von etwa 300 Meter bewundern.
Heute nur diese kurze Information. Las Vegas steht noch aus und kommt auch noch...

Hoover Dam von der Brücke aus gesehen. Wer jemals selbst auf der Mauer
gestanden hat, kann selbst einschätzen, wie beeindruckend
hier die wirklichen Grössenerhältnisse sind.

07 Mai 2012

Las Vegas

Von gestern und heute gibt es keine ausführlichen Berichte. Vielleicht morgen dafür umso mehr zu dieser etwas irren Stadt. Hier noch zwei Fotos. In diesem Hotel wohne ich für 3 Tage.
Luxor Hotel & Casino - direkt am Las Vegas Boulevard, dem berühmten Strip.
Die Zimmerpreise sind übrigens geringer als in manch einem Autobahn-Motel.
Das kommt alles durch das Casino wieder rein.
Und so sieht es von meinem Zimmerfenster aus, wenn die Sonne untergeht.
Eigentlich habe ich das Foto nur wegen der komischen Flugzeuge rechts oberhalb
des Schattens gemacht. Damit bringt die US Air Force ihre Mitarbeiter täglich
zur Arbeit auf der Area 51.
Wenn ich dagegen nach links schaue, sehe ich die anderen Casino-Hotels.
Und in 10 Jahren sind die freien Bauplätze gegenüber bestimmt auch zu.

05 Mai 2012

Grand Staircase - Lieber auch mal umkehren

Der gestrige Tag war dem Grand Staircase National Monument gewidmet, welches gleich hier vor der Haustür liegt (amerikanisch gesehen, man muss schon wieder etliche Meilen fahren, um dahin zu kommen). Bereits vor längerem entstand in mir der Wunsch, dieses so gepriesene Naturdenkmal zu erkunden. Aus langer Erfahrung weiss ich, dass es immer gut ist, wenn man hier bei Fahrten "ins Grüne" in jedes vorhandene Visitor Center geht, um, wie in meinem Falle, sich insbesondere nach dem Strassenzustand zu erkundigen. Zwei Strassen sollten für die kommenden Tage auf dem Programm stehen, die Smokey Mountain Road, die östlich der Grand Staircase verläuft, und die Cottonwood Canyon Road, die direkt hindurch verläuft. Beide natürlich unpaved. Die erste Frage des Rangers war die nach dem Fahrzeug: 4WD und high clearance? Die habe ich mal mit Ja beantwortet. Dann gab es ein paar Informationen, eine Landkarte. Auf meine weitere Frage nach der Cottonwood Canyon Road verzog er nur das Gesicht, kam hinter seinem Tresen hervor und zeigte mir ein Bild an der Pinnwand, das ein paar Leute zeigte, die sich damit abmühen, ihre Karre aus dem Dreck zu ziehen. Kommentar: Diese Jungs steckten vor ein paar Tagen für zwei Nächte im Schlamm fest. Also wenn du willst, 15 Meilen geht es, aber dann musst du umkehren... Das war kein ermutigendes Beratungsgespräch, obwohl mir die Leute auf dem Bild samt ihres Autos verdammt nach 70er Jahre aussahen. Ich habe dem Ranger die peinlich Frage nach dem tatsächlichen Alter des Fotos erspart und bin dann mal los Richtung Smokey Mountain Road. Laut Auskunft sollte die Fahrt nach Escalante auf der anderen Seite ca. 7 Stunden dauern. Ich hab das bezweifelt, denn die Strasse war doch ganz nett und 7 Stunden braucht nur, wer sich tatsächlich an das Speed Limit von 25 Meilen pro Stunden hält.

Um den Weg ein wenig aufzulockern bin ich dann noch die Strasse links gefahren, wo der Wegweiser geradeaus angezeigt hat. Auf der Karte war eine gestrichelte Linie vermerkt: Smokey Hollow Canyon Road, ein kleiner Umweg, der sich lohnte. Ca. 20 Meilen ging es durch einen abgelegenen Canyon auf übelsten Sandstreifen und grösstenteils im ausgetrockneten Flussbett der Schlucht. Wenn hier ein Regen niedergeht, hast du echt Probleme, denn dann sammelt sich alles Wasser hier am Grund und nimmt mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Heute aber, bei blauem Himmel, hat es richtig Spass gemacht, dieses Stück zu befahren.

Unterwegs auf der Smokey Hollow Canyon Road - grösstenteils
im ausgetrockneten Flussbett

Oben wieder raus und dann, auf der ursprünglichen Route, fingen die Probleme erst richtig an. Zunächst noch ein kleines Stück auf der Mesa, das ist da Plateau ganz oben und hier kann man schön fahren. Aber irgendwann geht's wieder abwärts und da hörte der Spass dann auf. Der Weg war mit Felsen übersät, die Schwellen wurden von Meter zu Meter grösser und es ging ziemlich steil über glatten Fels abwärts. Mir kam der Gedanke, dass ich dass auch wieder zurückfahren müsste, denn von Escalante gibt es nur diesen Weg zurück oder den Umweg über den Highway von ca. 200 Meilen. Ich machte eine Pause, um die Lage zu sondieren. Schliesslich kam ich zu dem Ergebnis, dass Umkehren jetzt wohl angebracht wäre. Der Rückweg über diese Strecke, noch dazu evtl. im Dunkeln - das war mir dann doch etwas zu fett. Also hab ich das Auto vorsichtig gewendet und bin zurückgefahren, diesmal ohne den Canyon-Abzweig. Dadurch habe ich bei der Abfahrt Richtung Page noch mitbekommen, welchen Aufstieg ich vorher verpasst habe.

Fahren auf der Mesa macht noch Spass, aber irgendwann geht es wieder runter...

Etwa an dieser Stelle habe ich gewendet und bin zurück.
Wie man sieht, gibt es noch andere Wagemutige...

Das Grand Staircase Monument kann man auch unten erkunden, und so bin ich noch etliche Meilen weiter gefahren und habe die tollen Mondlandschaften bewundert oder einen Blick auf den Lake Powell (Stausee) geworfen, dessen blaues Wasser sich so schön von den roten Felsen abhebt.

Alles in allem ein lohnender Ausflug, auch wenn das Ziel nicht erreicht wurde. Die Cottonwood Canyon Road habe ich dann auch gestrichen. Ich denke, der Sommer wäre dafür eine bessere Zeit und es muss ja noch Ausreden geben, wieder herzukommen.

Grand Staircase - unglaubliche Landschaften

Auch den Alstrom Point konnte ich nicht erreichen. Nach 4 von 5 Meilen
versperrte eine grossen Stufe in einer Kurve am Hang aufwärts die Weiterfahrt.
Schade, denn von dort gibt es einen sagenhaften Blick auf den Lake Powell.

Ca. 16 Uhr war ich dann wieder im Hotel, der Rest des Abends war Ausruhen auf der Zimmerterrasse und Abendessen. Für die nächsten Tage geht es dann nach Las Vegas, wo ich ein paar Ruhetage einlege.

Ach ja: Ich musste am Morgen des Tages noch einen Ölwechsel an meinem Fahrzeug vornehmen lassen... Sachen gibts, die glaubt man gar nicht...

Abendausklang auf der Hotelterrasse.

04 Mai 2012

Aus zwei mach x

Von dem abgelegenen Kaff Blanding, welches ich übrigens 2009 bereits beehrt habe, wollte ich heute eigentlich nur ein damals verpasstes Sight abklappern und dann den Rest des Tages im Monument Valley verbringen. Weil das so schön ist, wäre das mein dritter Besuch dort. Doch Utah hat mir freundlicherweise noch ein paar andere Höhepunkte zurecht-erodiert, so dass der Tag von morgens bis abends mit fabelhaften Landschaften nur so gefüllt war.

Nach der Abfahrt morgens ging es zunächst noch planmässig in Richtung Mexican Hat. Ob das ein Ortsname ist, weiss ich gar nicht so genau. Es ist aber die Bezeichnung für einen Felsen, der eben wie ein mexikanischer Hut aussehen soll. Dazu später mehr.
Vor dieser Stelle kam noch ein Abzweig in das Valley of Gods - Tal der Götter, einem kleinen State Park mit Rundkurs durch's Lucky-Luke-Land. Im Angesicht dieser Steinskulpturen ist es kaum verwunderlich, dass die amerikanischen Ureinwohner in all diesen Formen ihre Götter, Schwiegermütter (ehrlich, so heissen die Felsen manchmal!) und sonstwen zu sehen glaubten und daher diese Orte als heilig verehrten. Mit ein wenig Phantasie kann auch der aufgeklärte Europäer den verschiedenen Formen mehr oder weniger schmeichelhafte Bedeutungen verleihen. Auf jeden Fall war es wieder ein lohnender Abstecher. Das Monument Valley ist einfach nur grösser, aber das Valley of Gods hat genauso schöne Felsen

Nach Abschluss dieser Rundfahrt bin ich, statt nach links Richtung Mexican Hat abzubiegen, nach rechts gefahren. In der Karte stand irgendwas von gravel road und switchbacks und an der Strasse stand ein Schild Scenic Overview, was in der Regel auf eine tolle Aussicht schliessen lässt. Die Strasse heisst Moki Dugway und wird nicht empfohlen für eine Reihe von Fahrzeugen... Und tatsächlich, beim Fahren dieser Strasse hatte ich echt feuchte Hände. Nicht wegen der vielen Windungen und des steilen Anstiegs, eher wegen der ziemlich steilen Wände, insbesondere auf der Abgrundseite und zum anderen wegen der irren Felsen, die irgendwie nur darauf warten, endlich auf die Strasse zu krachen. Jetzt wurde mir auch klar, warum unten im Tal schon die gelben Räumfahrzeuge bereitstanden... Die Wahl beim Fahren war schwierig: lieber langsam und vorsichtig fahren oder schnell an den am gefährlichsten aussehenden, überhängenden Felsen vorbei... wenn sich die im falschen Moment in Bewegung setzten, kommt man ziemlich platt wieder raus.
Ganz oben, am Ende der Serpentinen, kann man dann auch einen Blick auf den geröllbedeckten Hang unterhalb der Strasse werfen. Da liegen doch tatsächlich Autos drin, die oben schon die erste Kurve nicht gekriegt haben...
Ich habe die Fahrt trotzdem gut überstanden, bin hoch und auch wieder heruntergekommen. Ohne bleibende Schäden und um dann endlich den mexikanischen Hut zu sehen.

Schnell vorbei, aber auch keine unnötigen Erschütterungen verursachen;
Moki Dugway

Aber nein. Vorher gab es noch eine Ausfahrt, die zum Goosenecks State Park. Gooseneck ist auf Deutsch der Schwanenhals. Da braucht es nicht viel mehr, um sich das Bild vorzustellen, das sich dem Besucher von der Aussichtsplattform bietet: der San Juan River in grossen Windungen durch die Felsen durch, die rechts und links mehrere hundert Meter hoch aufragen... Insgesamt macht der Fluss hier eine Länge von ca. 8 Kilometern in Serpentinen, und dass alles kann man von der Aussichtsplattform aus sehen. In mehreren Millionen Jahrn schön gefaltet in Schwanenhalsform passt eben mehr ins Bild...

Und dann kommt doch noch der Mexican Hat. Der ist ein flacher, fast runder Felsen, der auf einem schmalen Sockel hoch oben in der Luft balanciert. Das letzte Stück Stein in dieser Höhe, das der Erosion bis jetzt standgehalten hat. Ich frag mich bei solchen Anblicken immer: wie lange liegt er schon da oben und vor allem, wie lange bleibt er noch da???

Mexican Hat: schnell jeder noch hinfahren! Irgendwann ist das alles weg-erodiert...

Das wunderbare Monument Valley zum Tagesabschluss musste dann auch noch sein, wenn es auch wieder eine staubige Angelegenheit wurde und im Grunde ich die Strassen schon auswendig kenne. Aber bei 5 Dollar Eintrittsgeld kann ich an einem so fantastischen Landstrich nicht einfach vorbeifahren.

Schliesslich endet der Tag heute in Page, Arizona. Wieder ein mir bekannter Ort, den ich sehr mag, weil er so schön zentral gelegen ist (zentral relativ gesehen).
Und noch etwas: Abendessen gab es für mich dann in einem Chinesischen Restaurant in dem auffallend viele Indianer (amerikanische Ureinwohner) ebenfalls zu Gast waren. Irgendwie erschien mir das auch Sinn zu machen, denn im Zuge meiner Mormonen-Recherchen habe ich gelesen, dass Amerikas Ureinwohner ursprünglich aus dem asiatischen Raum übersiedelten und nicht, wie der Mormonengründer Joseph Smith seinem Schreiber hinter der Decke diktierte, als Angehörige der Verlorenen Stämme Israels von dort kamen...