25 August 2009

Was du heut nicht kannst besorgen...

... verschiebe ruhig auf übermorgen. So ungefähr ist es mir mit dem Rest meines Reisereports gegangen. Erstmal in New York angekommen und das Touristen-Programm gestartet, blieb einfach keine Zeit mehr zum Schreiben. Also muss ich jetzt die ganzen fehlenden Tage nachholen, angefangen mit meiner Abreise in Denver am 13. August 2009. Ich hatte ja schon geschrieben, dass sich mein Hotel in Flughafennähe befand, also etwa 10 Meilen entfernt. Auch die Autovermietung hatte dort ihre Station, so dass ich das Auto direkt dort abstellen konnte. Es hätte auch noch andere Wege gegeben: ich habe mich schon gewundert, warum die Fahrzeuge auf dem Hotelparkplatz Zettel hinter der Windschutzscheibe hatten auf denen was von "Parkerlaubnis" stand. Meine Nachfrage an der Rezeption ergab, dass dies die Wagen sind, die von der Autovermietung direkt am Hotel abgeholt werden. Das heißt also, die Leute können hier übernachten und lassen sich morgens mit dem Shuttle-Bus zum Airport fahren, das Auto bleibt einfach auf dem Platz stehen. Irgendwann wird es sich der Eigentümer schon abholen - verrückte Welt. Ich habe das Auto brav zu Alamo gefahren, die Übergabe erfolgte problemlos und auch von dort ging es mit dem Shuttle zum Terminal. Einchecken, Sicherheitskontrolle, Monorail zum Abfluggate und dort wieder warten. Pünktlich ist dann das Flugzeug in Richtung New York gestartet und dort auch gelandet. Beim Flug über den Kontinent konnte ich noch schön die Landaufteilung bewundern: in der flachen Mitte der USA verlaufen die Landstraßen fast komplett parallel zueinander, die entstehenden Quadrate sind aufgefüllt mit runden Feldern: hunderte, tausende...
Im Osten dagegen überwiegen Waldflächen und von New York selbst habe ich beim Anflug gar nichts gesehen, es lag unter einer dicken grauen Wolkendecke. Als das Flugzeug darunter kam, schwebte es schon über dem Atlantik im Landeanflug auf JFK.
Dort habe ich erstmal auf mein Gepäck warten müssen, was dann aber irgendwann doch auf dem Karussell herangeschafft wurde, während Mark und seine Frau draussen mit dem Auto Runden drehen mussten. Die Kurzzeitparkzone vor dem Terminal ist eben nur zum Einsteigen gedacht. Nachdem das alles abgeschlossen war, ging es noch darum, meinen Bruder Sebastian abzuholen, der irgendwo in diesem Gewirr von Straßen und Terminals wartete, inzwischen entlassen von der Einreisebehörde. Aber auch das lief relativ problemlos ab, weil die Ausschilderung auch so großer Flughäfen wie JFK zuverlässig ist und das Straßensystem trotz der verwirrend verlaufen Fahr-Spuren sicher zum Ziel führt; in diesem Fall Terminal 8. Sebastian hat dort schon gewartet, so dass wir von dort direkt nach Connecticut starten konnten. Queens, Whitestone Bridge, Bronx, raus aus NYC, rein nach Connecticut. Trotzdem dauert die Fahrt lang, weil alle nach Hause wollen und ein verrückter Truck-Fahrer unbedingt den Merritt Parkway nehmen mußte, was im einen Totalschaden an seinem Anhänger einbrachte. Die Brücken sind einfach nicht hoch genug für diese Fahrzeuge...
Müde, aber zufrieden sind wir dann in Trumbull/Connecticut angekommen. Abendessen, ein paar amerikanische Bier - für mich war das alles etwas viel, so dass es mir am Morgen erst später besser ging...

Welcome to Bridgeport & Trumbull

20 August 2009

Wieder zu Hause - und ein wenig Vertröstung

Ich bin wieder zu Hause in Deutschland. Die letzte Woche in New York, mit Ausflügen in und um Connecticut, war sehr intensiv, so dass ich keinen Blogbeitrag mehr zustandebringen konnte. Ich will deshalb ein wenig vertrösten. Es steht ja ein oder mehr Wochenenden bevor und da kann ich dann die Berichte sozusagen nachreichen. Bis dahin muß ich aber noch ein wenig schlafen...

18 August 2009

Unterwegs

Ich habe zwar seit einigen Tagen nichts geschrieben, aber ich war trotzdem nicht untätigt: Zweimal New York und portland in Maine standen auf einem umfangreichen Touristenprogramm. Ich werde die nötige Reiseberichte nachholen...

In Manhattan

13 August 2009

The Mile High City - Denver

Der Goldrausch ist lange vorbei, geblieben ist eine pulsierende Metropole, die über 560.000 Einwohner hat und in der Metropolregion 2,8 Millionen Menschen beherbergt und längst nicht mehr von Gold im Wortsinne abhängig ist: Denver, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado mit einer Downtown, deren Wolkenkratzer sich vor die Front Range der Rocky Mountains stellen und diesen Anblick deshalb so einmalig machen. Drunten, im Straßengewimmel der Innenstadt kann der Reisende jedoch bequem sein Auto abstellen auf einem der Bezahlparkplätze in unmittelbarer Downtown-Nähe, und die Stadt zu Fuß erkunden. Ich bin zuerst zum Colorado State Capitol gelaufen, eine verkleinerte Kopie des Kapitols in Washington D.C. Dessen vergoldete Kuppel leuchtete so schön in der Sonne und wie sich herausstellte, war das ganze Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich. Kurzer Sicherheits-Check und schon war ich drin. Vielleicht lag es an der Quilt-Ausstellung. Von allen Balustraden und Emporen im Inneren hingen diese herunter und waren nummeriert, es gab auch einen Katalog und eine ganze Menge Leute, die offenbar nur deswegen gekommen waren. Ich interessierte mich mehr für das prachtvolle Innere dieses Parlamentsgebäudes. Dort gab es den Sitzungssaal des Repräsentantenhauses, den Saal des Senates, den Raum für öffentliche Anhörungen und die ganzen offenen Flure und Gänge unter der Kuppel und in den Seitenflügeln. Die Bürotüren zu den Mitarbeitern des Gouverneurs standen offen und man hätte fast mit ihnen an ihren Schreibtischen reden können. Das Gebäude, ich habe es schon geschrieben, ist eine verkleinerte Kopie des Washingtoner Kapitols und das macht auch Sinn, denn das politische System der Bundesstaaten ist genauso aufgebaut wie das der Nation: es gibt einen Regierungschef, den Govenor, ein Zwei-Kammer-Parlament mit Repräsentantenhaus und Senat und einen Obersten Gerichtshof, genauso wie in Washington, bloß ist alles etwas kleiner.

Das Repräsentantenhaus des US-Bundesstaates Colorado. Warum sind die Sitze abgedeckt? Weil die Sitzungperiode vorüber ist und die nächste erst im Januar 2010 beginnt. Die Parlamente der US-Bundesstaaten sind sogenannte Feierabendparlamente, d.h. die Abgeordneten sind nebenamtlich tätig und tagen nur kurze Zeit im Jahr.

Zum Abschluß meines Besuches bin ich noch auf die Kuppel hinaufgestiegen, von der aus sich ein wunderbarer Blick auf die Downtown und die anderen umliegenden Stadtgebiete mit den Bergen im Hintergrund bietet. Ein paar andere deutsche Touristen waren auch da und haben sich über diese dekadente vergoldete Kuppel aufgeregt, natürlich in Deutsch, damit es keiner merkt... denkste, ich habe es gehört.

Das Kapitol in Denver mit seiner vergoldeten Kuppel, die so viel Empörung bei
den deutschen Mittouristen ausgelöst hat.
Dabei brauchen die sich bloss mal in hiesigen Landen umschauen,
da gibts nämlich auch so einige güldene Kuppeln...

Auf der 15. Stufe der Treppe hinauf zum Kapitol befindet sich noch der Höhen-Markierungspunkt für Denver. Die Stadt liegt ziemlich genau auf 1.600 Meter über dem Meer und damit eine Meile hoch above sea level. Daher kommt auch der Spitzname der Stadt: The Mile High City...
Nach dem Kapitol ging es dann in die 16th Street Mall, eine lange Einkaufsstraße als Fußgängerzonen, die um die Mittagszeit mit all den Büroarbeitern bevölkert wurde, und die die Starbuck's-Cafés und andere Lokale füllten oder an den Ecken standen und rauchten, weil es kein Drinnen mehr gibt, wo das gestattet ist... Ich habe mir um diese Zeit auch einen Eiskaffee gegönnt. Diese Sorte Kaffee habe ich in Los Angeles schätzen gelernt und werde das zu Hause auch mal ausprobieren, es ist nämlich offenbar einfach nur gekochter und danach abgekühlter Kaffee mit Eiswürfeln. Gesüßt wird mit Sirup, den es in verschiedenen Sorten gibt.

Downtown Denver

Nach Starbuck's bin ich dann die Mall rauf und runter gelaufen, aber ohne bestimmtes Ziel sieht diese eben aus wie alle Einkaufsstraßen und ich hatte auch keine Lust mehr auf Museen oder sonstige Attraktionen, die Denver zweifelsohne zu bieten hat. So bin ich dann recht bald ins Hotel zurückgefahren, d.h. so gegen 17.00 Uhr. Dabei habe ich mich permanent den Anweisungen von TomTom widersetzt, der mich regelmäßig auf die Interstate lenken wollte. Ich wußte aber, dass ich von der Downtown auf der Colfax Avenue eigentlich nur geradeaus in Richtung Osten fahren brauchte, dann einmal links abbiegen und so komme ich ohne Autobahn zum Hotel. Genauso hat es auch funktioniert, wahrscheinlich aber etwas länger gedauert. Die Colfax Avenue hat eben viele Ampeln, führt aber schnurgerade 37 km quer durch Denver und Aurora und alle anderen westlichen und östlichen Vororte. Das ist der Vorteil eines schachbrettartigen Stadtaufbaus. Man braucht im Prinzip nur zwei Straßennamen zu kennen. Im Prinzip.
Soweit also aus Denver und damit auch aus dem Gebiet, das gemeinhin als der Wilde Westen bezeichnet wurde. Morgen geht es an die Ostküste. Dazu mußte ich mir heute noch von der JetBlue-Hotline meine Reservierung bestätigen lassen und habe gleich noch einen Sitzplatz am Fenster gebucht. Der Flughafen liegt in Sichtweite meines Hotels, also amerikanisch, d.h. es sind 10 Meilen Fahrt nötig.



Abschied vom Wilden Westen...

12 August 2009

Ganz nach oben

Leadville lag ja schon, wie ich gestern berichtet habe, auf ca. 3.000 Metern über dem Meeresspiegel, doch die umliegenden Berge gehen weit über die Viertausender-Marke und sind für Touristen, zumindest in diesem Teil der Rocky Mountains, gut erreichbar, nämlich mit dem Auto! Vor Abreise habe ich mich noch am Frühstück im Super-8-Motel versucht, aber es hat keinen Zweck: Super 8 hat im Vergleich zum vorigen Jahr ganz schön nachgelassen. Das Personal ist nett, okay, aber warum muß man den Frühstücksraum in einem fensterlosen Kellerraum unterbringen, warum sollen drei Tischlein für das ganze Hotel ausreichen und warum sind die Becher mit dem Waffelteig nur halb voll und die Waffel deshalb nicht vollständig. Alles Fragen, die man vor Ort beantwortet bekommt, aber die meisten Hotelketten hier in Amerika machen Umfragen unter den Besuchern, online natürlich. So wird mir auch Super 8 wieder emails senden und dann werde ich die entsprechende Bewertung abgeben. Gut machen sich auch die Hotelbeurteilungen, die man über Google abgeben kann und die dann anderen Leuten helfen können, ihre Entscheidungen zu treffen.
Also gab es eine unvollständige Waffel heute und dann bin ich abgefahren Richtung Mount Evans, einer der Viertausender-Berge Amerikas westlich von Denver. Erst ging es ein Stück über die Interstate 70, dann hinein in den Wald und auf etlichen Serpentinen nach oben. Nach Bezahlung einer Gebühr von $10 ging es dann immer weiter hinauf in die Bergwelt der Rocky Mountains. Der Park-Führer informiert, dass je 1000 Fuß Höhenunterschied vergleichbar eine Strecke von 600 Meilen nach Norden Richtung Arktis zurückgelegt wird, also man kommt in immer weiter arktisch geprägte Landschaften. Recht bald ist auch die Baumgrenze überschritten und es gibt nur noch Felsen und Gräser, dazwischen kristallklare Bergseen und vereinzelt noch einige Schneefelder an den Hängen. Die Straße wird schmaler auf beiden Seiten immer abenteuerlicher: auf der Bergseite ziemlich bröckelig aussehende Felswände, Überhänge, abgestürzte Steine, auf der Talseite geht es steil abwärts, Leitplanken gibt es schon lange nicht mehr und die Straße ist so schmal, dass das an der Abgrundseite fahrende Fahrzeug ganz vorsichtig balanciert. Eigentlich kann ja überhaupt nichts passieren, aber mir wurde doch etwas komisch in diesen Situationen.


Strasse zum Mount Evans

Oben öffnet sich plötzlich die Landschaft in einen großen Parkplatz (überfüllt) und das Hochplateau des Gipfels auf ca. 4.300 Metern Höhe. Auf den eigentlichen Gipfel kann man auch hochkraxeln, aber mir fehlt wie üblich die notwendige Ausrüstung und ausserdem war es doch schon recht frisch hier. Der Ausblick dagegen fantastisch. In Richtung Osten glitzern weit unten die Wolkenkratzer von Denver, zwischen den Bergen windet sich die Straße hoch. Im Westen liegen die Bergseen und die Rückseite der Rockies mit den anderen Viertausendern. Und das alles kann man sehen, ohne einen Schritt zu Fuß gehen zu müssen, einfach nur mit dem Auto fahren. Oder mit dem Fahrrad, denn natürlich gibt es auch hier die Extremsportler, die hochstrampeln und abwärts in abenteuerlichem Tempo zwischen den Autos durchkurven.


Knapp unter dem Gipfel liegt der Parkplatz, auf ca. 4.300m Höhe über NN.

Die Abreise gestaltete sich für mich ebenso unproblematisch wie die Anreise, nur die Entscheidung, was mit dem Rest des Tages zu tun sei, machte mir noch Gedanken. Ich entschied mich dann doch für das Hotel, denn nach den Erlebnissen der letzten anderthalb Wochen macht sich jetzt doch eine gewisse Müdigkeit bemerkbar und das Interesse an weiteren Nationalparks ist erstmal gedeckt und die Wüste liegt ja nun sowieso hinter den sieben Bergen. Also runter nach und durch Denver hindurch. Mein Hotel für die letzten zwei Nächte liegt in Aurora, nahem dem Airport, von dem es am Donnerstag für die letzte Woche nach New York geht.

11 August 2009

Der Fahrer auf dem Dach

Heute habe ich Wüste verlassen. In östlicher Richtung geht es von deren Hochplateau noch weiter hinauf in die Rocky Mountains im Bundesstaat Colorado. Mein Hotel hatte ich wie gewohnt anhand der Entfernung (und meiner inzwischen zuverlässigeren Fähigkeit) bereits vorab gesucht und über Internet gebucht. So konnte ich mich in aller Ruhe auf den Weg machen. Inmitten der Bergwelt habe ich dann die Interstate verlassen und bin Richtung Aspen auf dem US-Highway, so etwas wie einer vierspurigen Bundesstrasse in Deutschland, weitergefahren. Aspen ist der Ski-Urlaubsort der reichen Amerikaner und russischen Oligarchen. Häuser sind hier ab 1,5 Mio Dollar zu haben und die Stadt ist im Durchschnitt die reichste Stadt der Welt, was man ihr auch äußerlich ansieht. Ich hatte nicht vor, hier länger zu bleiben, weil mir dieses ganze Getue nicht so recht gefällt, aber auf jeden Fall musste ich ja durchfahren. Und das habe ich sehr vorsichtig gemacht. In derartigen Städten in Amerika haben Fußgänger ziemlich viele Vorfahrtsrechte und es gibt eine große Zahl von Zebrastreifen und Fussgängerüberwegen und ich wollte ja unbedingt vermeiden, so einen reichen Ölmilliardär zu überfahren. Hinter Aspen ging es dann die Bergstraße hinauf auf den Independence Pass, benannt nach einer kleinen Goldgräber-Siedlung. Der Pass liegt auf einer Höhe von ungefähr 3.600 Metern und knapp über der hiesigen Baumgrenze. Wenn ich mich an meine Brockenwanderungen erinnere, standen dort schon auf 1.100 Metern keine Bäume mehr, hier reichen die Gehölze bis über 3.000 Meter! Der Pass ist aber kahl, windig und kühl. Auf der anderen Seite ging es dann hinab zu meinem Ziel Leadville, wo mein Hotel gebucht war. Leadville ist ebenfalls auf eine Minenarbeiter-Siedlung zurückzuführen und trägt den Beinamen The Two Mile High City. Es ist die am höchsten gelegene Stadt Amerikas, auf sage und schreibe 3.000 Metern über dem Meer! Als Flachlandeuropäer, der Höhe nicht gewohnt ist, machen dann ein paar schnelle Schritte schon Probleme. Trotz der dünnen Luft gibt es aber auch Hartgesottene, die die Berge mit Fahrrädern rauf- und runterbrettern. Das sind bestimmt die Tour-de-France-Fahrer, die jetzt wieder richtig ran müssen, seit die Dopingkontrollen so streng sind... In Leadville also übernachte ich heute.

Am Pass verläuft auch die kontinentale Wasserscheide:
alles, was vor dem Schild ausläuft, landet im Pazifik,
alles dahinter im Atlantik...

Wenn der Himalaya als Dach der Welt bezeichnet wird, so können die Rocky Mountains getrost als Dach Amerikas bezeichnet werden. Zwar gibt es auch noch anderswo höhere Berge (in Kalifornien zum Beispiel), aber die Bergwelt hier ist ausgedehnt und z.B. rund um den Independence Pass befinden sich eine ganze Reihe veritabler Viertausender. Man ist also tatsächlich sowas wie der Fahrer auf dem Dach.
Auf dieser Fahrt heute habe ich heute ausgiebig uns fasziniert Radio gehört. In Amerika dreht sich zur Zeit alles um die Gesundheitsreform und im Radio haben (anders als z.B. in den Printmedien) die Konservativen eine laute Stimme, die gegen die Regierungsvorhaben wettert. Verrückt, was da an Argumenten, Vergleichen, absurden Unterstellungen und Blödsinn verbreitet wird. Im Spiegel Online habe ich dazu diesen Artikel gefunden, der Stimmung gut wiedergibt. Ich persönlich glaube, dass das Vorhaben Gesundheitsreform in den USA schon gescheitert ist, wie bei einer Reihe von Präsidenten vor Obama. Es würde wohl hier jetzt zu weit führen, auf die Argumente und Positionen einzugehen und um die Sache richtig, d.h. auch aus amerikanischer Sicht zu verstehen, müßte man ganz am Anfang, bei den Einwanderern und deren Vorstellungen von Freiheit und Individualität anfangen. Das alles spielt hier eine enorme Rolle und wird vermischt mit Propaganda, Unterstellungen und Zerreden. Schade, aber die Amis, die wollen es so...

10 August 2009

Ein Ruhetag

Die vielen phantastischen Landschaften der letzten Tage haben mir ganz schön zugesetzt, dazu kommt das Wüstenklima, die trockene Luft und die Klimaanlage im Auto. Das alles kann ordentliche erschöpfen und so habe ich mich entschlossen, erstmal sowas wie einen Ruhetag einzulegen, d.h. zwei Übernachtungen hier in Green River und am heutigen Sonntag wenig zielgerichetes zu unternehmen. Die Stadt eignet sich dazu hervorragend, denn hier gibt es gar nichts, ausser Melonenfelder, ein paar Tankstellen und die Interstate 70. Selbst das Pizza-Restaurant, dessen Besuch ich gestern noch in Erwägung zog, und mangels Straßennamenschilder nicht gefunden habe, wäre keine Möglichkeit gewesen. Der Laden ist seit mindestens 10 Jahren stillgelegt, komisch, dass er immer noch in den Yellow Pages auftaucht. Die Downtown von Green River ist eine traurige Ansammlung von Ruinen, einzig Ray's Tavern, die Dorfkneipe, scheint zu florieren und von aussen sieht sie fast so aus, wie Homer Simpsons Stammkneipe.


Frank's Pizza im Geschäftsviertel von Green River - Im Internet
immer noch als "in Betrieb" ausgewiesen...

Ein kleines Naturschauspiel befindet sich inmitten des ehemaligen Raketentestgelände der US Army (stillgelegt in den 70er Jahren) am Ufer des Green River: ein Crystal Geysir, ein Kaltwassergeysir, bei dem durch aufsteigendes Kohlendioxid aus vulkanischen Aktivitäten Grundwasser nach oben geschleudert wird. Um diesen zu erreichen, war eine kurze Fahrt durch die Felsen-Wüste nötig, was immerhin eine Reihe neuer Fotos ergeben hat. Wieder hat mir mein kleines SUV die Fahrt ermöglich. Mit dem Toyota Prius kommst du einfach nicht an solche Orte...

Crystal Geysir - ein Kaltwassergeysir

Der Geysir selbst hat heute morgen ziemlich regelmäßig Wasser nach oben gepustet. Ein klein wenig hat es mich an den Yellowstone Park erinnert, aber nach einer Weile hat es denn auch gereicht. Den Rest des Tages habe ich genutzt, um ein wenig nach Richtung Westen zur San Rafael Swell zu fahren, ein Gebirge, dass durch tektonische Aktivitäten entsteht und heute riesige Felsgebilde auftürmt, die, wie alles hier, der ständigen Erosion ausgesetzt sind. Wieder einmal sind tolle Canyons zu bewundern. Ich bin dann einfach mal von der Autobahn runter in die Einsamkeit der Wüste gefahren, wo es praktisch gar nichts mehr gibt ausser Felsen und ein paar Büsche. Nach 20 Meilen kam ich nach Moore, ein elendes kleines Kaff mit 2 bewohnten (?) Häusern, einem Autofriedhof, etlichen aufgelassenen Farmhäusern und einer Schlange, die in aller Ruhe die Straße überquert hat. Wegen der gefühlten Schlangengefahr bin ich gar nicht erst ausgestiegen, sondern habe meine Fotos vom Auto aus gemacht. Irgendwo auf der Straße nach Moore gab es auch Felsenmalereien der Ureinwohner zu besichtigen, aber das habe ich ist nacher mitbekommen, als ich wieder im Hotel war. Ich bin also dran vorbeigefahren ohne es gesehen zu haben. Vielleicht ärgere ich mich später mal drüber, heute war es mir ziemlich unwichtig.
Irgendwann reicht es auch aus mit den Wüsten. Morgen werde ich Richtung Osten, nach Denver, aufbrechen.

Die I-70 durchschneidet die San Rafael Swell

Impressionen:


Gas Station - Tankstelle


???

Natürlich sieht es in Green River nicht überall so aus, aber man kann in den USA solche Stellen sehr häufig antreffen. Das ist eines, was die unheimlichen großen Kontraste ausmacht: einerseits 1. Welt, zwei Seitenstraßen fühlt man sich wie auf ganz anderen Erdteilen.

09 August 2009

Nochmehr zum Staunen

Irgendwie klappt das in den Super 8 Motels dieses Jahr nicht. Nachdem ich gestern den Frühstücksraum wegen Überfüllung gemieden habe, hatte das heutige Hotel ein Frühstück gar nicht erst im Angebot. Nur Kaffee. Und bei dem Vorhaben, etwas länger zu schlafen, habe ich ebenfalls nicht mit den im Hotel lebenden Zeitgenossen gerechnet: ein paar übergewichtige Althippies, die ihre aufgemotzten Motorräder spazieren fahren und diese vor Abfahrt gegen 7.00 erstmal eine halbe Stunde warmlaufen lassen, was auch immer das nützen soll. Also bin ich recht zeitig aufgebrochen und habe stattdessen unterwegs in einem kleinen Familien-Restaurant gefrüchstückt, das halb Gaststätte und halb Kunstgalerie war. Hier gab es das typische amerikanische Frühstück mit Sandwich, Bratkartoffeln (habe die Übersetzung mal wieder nicht parat gehabt, sonst hätte ich letztere nicht genommen) und Kaffee. Alles nett gemacht von der ganzen Familie (Mama kocht, Töchter servieren und kassieren und die Oma schenkt Kaffee nach - so ungefähr muss man sich es vorstellen).
Nun hatte ich den ganzen Tag und immer noch das ausgedehnte Canyon-Land des Colorado River vor mir. Die Wüste hat sich zwischenzeitlich verabschiedet und ist Getreidefeldern gewichen. Mitten in diesen stehen gelegentlich sonderbare Türme aus Felsen, die noch nicht wegerodiert wurden und je näher man wieder in Richtung Canyon fährt, desto bizarrer werden wieder die Felsen. Irgendwo bin ich dann nach links auf eine Schotterpiste abgebogen, weil es hinter dem Horizont einen Aussichtspunkt in den Canyon geben sollte. So war es dann auch, direkt von der Kante hinter gab es wieder einmal einen fantastischen Blick auf den Fluß und die Felsen, hier noch zusätzlich Salzseen und Berge aus Salz. Dazwischen, ganz unten, fahren die Touristen mit Quads Rennen...

Auch eine Fahrt durchs Hinterlang bietet erstaunliche Motive...

Nach dieser Zwischenstation bin ich weitergefahren in Richtung Norden zum Arches National Park. Jeder kennt sicher diese natürlichen Brücken, Felsbögen, die sich über den Kopf des Betrachters spannen. Im Arches NP gibt es davon 2.000 Stück und einige der bekanntesten, die immer wieder auftauchen, wenn Bilder aus Amerikas Landschaft gezeigt werden. Aber das ist ja mittlerweile auch nichts Neues mehr. Im Park jedenfalls gibt es wieder einen Rundweg für den gemeinen Tourist, mit dem er alle bekannten Bögen abklappern kann. Ambitionierte und vor allem ausgerüstete Reisende könnten die vielfältigen Wanderpfade benutzen und so zu einer Reihe weiterer Highlights gelangen, aber ich habe ja nicht mal festes Schuhwerk mit. Also bleibe ich im Wesentlichen auf der Fahrstraße. Doch auch auf dieser bekomme ich wieder einmal die beeindruckende Landschaft in zu sehen. Verrückte Felsformationen, die eigentlich gar nicht mehr aufrecht stehen dürften, Brücken aus Felsen, Canyons usw. Die ganze Bandbreite der unglaublichen Natur müßte doch eigentlich mal erschöpft sein, doch dann fährt man um zwei Straßenbiegungen und steht sogleich vor einem noch anderen, nicht weniger beeindruckenden Schauspiel. Z.B. dem Balanced Rock, einem Felsklumpen, der ziemlich schief auf einem ziemlich dünnen Stiel steht und offenbar sich gerade so ausblanciert hat. Seine 3.000 Tonnen stehen gewiß schon etliche Tausend Jahre so aufrecht, aber hier und auch im ganzen Park bleibt die Erosion nicht stehen und so bröckelt und bricht es an allen Ecken und Enden und am Fusse der Felsen liegt des ganze abgefallene Material: mal Berge von Schotter, mal Klumpen so groß wie Einfamilienhäuser und oben kann man noch ganz genau sehen, wo das mal dran war. Ich persönlich gebe z.B. dem Balanced Rock noch maximal 10 Jahre da oben. Ich möchte aber nicht in der Nähe sein, wenn sich seine 3.000 Tonnen in Bewegung setzen.

Ich gebe dem Felsen noch maximal 10 Jahre.
Nach sogenanntem menschlichem Ermessen müsste er ja
eigentlich schon tausende von Jahren unten liegen.

Rundfahrten durch derartige Parks sind aber auch anstrengend: Rein ins Auto, raus aus dem Auto, rein, raus usw. Nach dazu das Wüstenklima, das ständiges Trinken anraten läßt. Ich habe das heute eine Zeitlang nicht ausreichend getan und gleich die Quittung dafür bekommen: Unwohlsein und so eine komisch-schlappes Gefühl. Dabei hatte ich wohlweislich ausreichend Wasser im Auto. Nach dessen Konsumierung ging es wieder normal, aber es zeigt mir, dass mit den Hinweisen der Parkverwaltung nicht zu scherzen ist. Diese Leute haben sicher was anderes zu tun, als Kranke abzutransportieren und deswegen stehen vor allem an den Eingängen zu den Wanderpfaden und Fußwegen Schilder, wie man sich in der Wüste zu verhalten hat, auch wenn der geplante Fußmarsch nur 10 Minuten lang ist. Also: mehr trinken - Wasser natürlich.
Nach dem Arches National Park wollte ich nur noch in mein Hotel, ins 60 Meilen entfernte Green River. Das Städtchen hat, wie ich mittlerweile weiß, nichts zu bieten ausser Wassermelonen: die nationale Wassermelonenhauptstadt. Aber die verkaufen die Dinger, die dreimal so groß sind, also die, die es in Deutschland zu kaufen gibt, nur im Ganzen, und was soll ich mit einer 20 kg schweren Melone? Dabei ess ich die Dinger doch zu gerne... es ist zum Heulen.
Green River hat doch noch ein paar Attraktionen, vor allem im Umland. Das werde ich morgen erkunden und den Tag als einen Erholungstag verwenden. Das Hotel habe ich für zwei Nächte gebucht.
Internet geht hier auch, allerdings erst nach einem Anruf meinerseits beim zuständigen Servicedienst...

Grosses "Nordfenster"