Freitag, 15. August 2008

Die Hälfte einer Zwillingsstadt und ein ganz unvorbildlicher Konsumtempelbesucher

Dieses Ziel stand so gar nicht auf meinem Routenplan, aber weil ich jetzt noch etwas Zeit habe, lohnt sich ein Besuch der Twin Cities und des Mississippi River, ja, es drängt sich praktisch auf, einmal nachzuschauen, ob es wirklich noch Raddampfer auf dem Mississippi gibt. Also bin ich heute morgen erstmal von Faribault nach Minneapolis reingefahren. Die Stadt hat 380.000 Einwohner und eine typische amerikanische Downtown mit Einbahnstraßen und Wolkenkratzern, durch die ich natürlich auch wieder durchmußte, aber ihr wißt ja inzwischen, wie einfach sowas ist. Auf dem anderen Ufer des Mississippi liegt die Stadt St. Paul mit 277.000 Einwohner und beide Städte zusammen mit dem Umland werden als die Twin Cities, also die Zwillingsstädte genannt. Ich war allerdings nur in der einen Hälfte und habe mir die Downtown, den Fluß und das Weisman Art Museum von außen angeschaut bzw. fotografiert. Im Zentrum der Stadt gibt es ein für europäische Verhältnisse eher wenig bekanntes "Nahverkehrssystem": den Skyway. Die unteren Ebenen der Wolkenkratzer bilden sozusagen ein mehrgeschossiges Stadtzentrum und sind mit Brücken, die über die Straßen führen, untereinander verbunden, so dass man wunderbar von einem Geschäft in dem einen Gebäude zum nächsten Geschäft in einem anderen Gebäude laufen kann. Da die Brücken uberdacht und verglast sind, gibt es auch keine wetterbedingten Schwierigkeiten und der Straßenverkehr spielt natürlich auch keine Rolle. Das ganze Skyway-System in Minneapolis ist laut Wikipedia 13 Kilometer lang und verbindet 69 Gebäude-Blöcke (auch Wohnhäuser). Für unsere einfältigen europäischen (oder gar deutschen) Innenstädte ist das natürlich etwas völlig absonderliches...

Am Rande der Downtown. Das Gebäude links, was wie eine moderne Kathedrale aussieht, ist eine Bank - sozusagen eine Kathedrale des Geldes...

Frank Gehry läßt grüßen: das Gebäude des Weisman Art Museum trägt die unverkennbare Handschrift des Architekten.

Die Zwillingsstadt St. Paul habe ich nicht besucht, so fehlt mir also ein Teil des ganzen Gebietes. Als ich von Minneapolis erstmal genug hatte, war der Tag aber noch zu jung, um ins Hotel zu fahren. Da bot es sich an, noch eine uramerikanische Attraktion zu anzuschauen, die in jedem Jahr von 42 Millionen Menschen besucht wird und damit der meistbesuchteste Ort Amerikas ist: Die Mall of America, das größte Einkaufszentrum Amerikas und meistbesuchteste der Welt. Man fragt sich natürlich, was an einem Einkaufszentrum so anziehend sein könnte oder warum nicht auch ein kleines zum Einkaufen reicht. An dieser Stelle muß man sich vor Augen halten, dass Konsum eine der Hauptvolkssportarten der US-Amerikaner ist, und das fast alle diesen Sport ungeniert ausüben und am Geldausgeben - für uns Europäer unglaublich - unglaublich Spaß haben (und damit übrigens einen erheblichen Teil der Weltwirtschaft stützen). Wenn man nun dieses versteht, mehrere Großkaufhäuser, über 500 Ladengeschäfte und 52 Restaurants auf drei Ebenen um einen überdachten Vergnügungspark im Innenhof herumgruppiert und das alles einrahmt mit mehreren zehngeschossigen (?) Parkhäusern, hat man eine Touristenattraktion sondersgleichen, einen Tempel des Konsums, einen Magneten, zu dem die Leute aus dem ganzen Lande herbeiströmen, um sich und ihre Kinder zu vergnügen und um nebenbei jede Menge Geld auszugeben. Das ist die Mall of America, die ich heute also noch besucht und dabei in dem ganzen Riesenkomplex keinen einzigen Cent ausgegeben habe. Ich sollte mich was schämen...

Mall of America: Im überdachten Innenhof gibt es einen komplett ausgestatteten Vergnügungspark mit Riesenrad, Achterbahn, Kettenkarussell und und und...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Michael,
ja, wo sind aber nun die Raddampfer? Darüber hast Du garnichts geschrieben. Lass doch den armen Amerikanern mit ihren riesigen Ein-
kaufstempeln auch mal ein paar Cent zukommen. Grüsse bitte an Friedel und Uli, wenn Du sie nächste Woche triffst. Wir denken sehr an Dich.
Alles Liebe von Vati und Mutti

Anonym hat gesagt…

Hallo Michael! Mensch, in Minneapolis war ja Schlußstation bei Lucky Lukes Geschichte, die "Wettfahrt" auf dem Mississippi (event. falsch geschrieben, aber es gab eben Wein und Pizza ...). Dass Das so weit im Norden liegt ... Was sagen die Amis zu Olympia und dem "Goldlauf" vom M.Phelps? Hat gerade Mark Spitz überholt! Grüße aus Old-Germany-Berlin, Simone&Wolfgang