Mittwoch, 5. August 2009

Wald und Wüste

Oder besser umgekehrt, wenn ich es von der Reihung der heute besuchten Orte sehe. Da war zunächst die Fahrt hinaus in die Wüste Arizonas (ist ja nichts neues) in Richtung Osten. Die Interstate 40 verläuft hier gemeinsam mit dem US Highway 180 und dem Highway 99. Paralell dazu oder auch gemeinsam findet sich hier immer noch die Route 66. Kurz vor Winslow, d.h. ca. 20 Meilen vorher führt eine Stichstraße 6 Meilen nach Süden zum Barringer Crater. Entstanden ist dieser durch einen Meteoriteneinschlag vor ca. 50.000 Jahren und es war der erste Krater, der als Einschlagkrater bestimmt werden konnte, obwohl mittlerweile viele ähnliche Krater lokalisiert wurden. Der Barringer Crater ist von allen der am besten erhaltene, da die Erosion hier in der Wüste nur langsam voranschreitet. Inzwischen weiß man ziemlich genau Bescheid über das Ereignis vor 50.000 Jahren. Zuerst stellte der Bergbauingenieur Daniel Moreau Barringer im Jahre 1902 die Einschlagthese auf, nachdem seit der Kraterentdeckung von Vulkanismus ausgangen worden war. Barringer kaufte das Land und machte sich auf die Suche nach dem Kern des Meteoriten, den er irgendwo im Untergrund vermutete. Er führte Bohrungen, und Grabungen durch, konnte aber ausser zu Tage geförderten Bruchstücken keine großen Erfolge vorweisen. Schließlich ging im das Geld aus und zu guter Letzt starb er enttäuscht und erfolglos. Mit den heutigen modernen Methoden wurden seine Forschungen fortgesetzt und danach hätte er noch lange weitergraben können ohne jemals den Restmeteoriten zu finden. Von den 300.000 Tonnen Masse finden sich tatsächlich nur noch die verstreuten Bruchstücke, der Rest verdampfte beim Einschlag. Man muß sich den Rumms mal bildlich vorstellen, wenn 300.000 Tonnen Eisen mit einer Geschwindigkeit von 70.000 km/h auf die Erdoberfläche treffen.... Wegen der Geologie und der Wüstenlage hatte dieses Ereignis aber keine globalen Auswirkungen. Hundert Jahre später hatten sich Pflanzen und Tiere das Areal zurückerobert. Der Krater war jedoch Grundlage für ein völlig neues Forschungsgebiet, der Astrogeologie. Es konnte z.B. untersucht werden, wie die Apollo-Astronauten an Mondgestein aus unteren Schichten gelangen, ohne Bohrungen vornehmen zu müssen, weil dieses Gestein an den Kraterrändern leicht zu finden ist. Alle Apollo-Astronauten haben am Barringer Crater ausgedehnte Übungen durchführt.

Barringer Crater: ganz unten sind noch die Reste der Bohrstation zu sehen (eingezäuntes Areal)

Nach diesem Besuch ging es für mich zurück über die I-40, mit zwei kleinen Abstechern in Two Guns ("Zwei Revolver") und Twin Arrows ("Doppelpfeile"). Ja, so heißen hier die Orte. Beides sind jedoch echte Ghost Towns. Nicht so hergerichtet wie Rhyolite in Nevada. Diese hier wurden sich selbst überlassen, seit die Interstate die Route 66 abgelöst hat. Die Tankstellen zerfallen, die Restaurants sind zugebrettert und von den Twin Arrows wurden die Pfeilspitzen geklaut. Das Schild "2 Guns Welcome" haben Witzbolde um das Wort "not" ergänzt... ich habe das ernstgenommen. Ein paar Fotos aus dem Autofenster und schnell weiter nach Sedona im Red Rock Country.

Two Guns - ja, so heißen hier die Orte...

Hier gibt es die wirklichen Klischee-Kulissen für den nordamerikanischen Kontinent. Wenn es nicht Grand Canyon oder Monument Valley ist, dann sind es die skurril-fantastischen roten Felsen, die dieser Landschaft Namen und Berühmtheit geben. Von den höher gelegenen Vista Points hat man wunderbare Aussichten auf die roten Felsen, die aus grünen Pinienwäldern in den Himmel stoßen, die Reste einer fortdauernden Erosion, die in der Nachmittagssonne warm leuchten. Dazwischen windet sich der Loop des State Parks durch die Pinienwälder, um die Touristen an die angesagtesten Aussichtsorte leiten. Seit geraumer Zeit sind es aber nicht mehr nur die Touristen und Camper, auf die die Berge magische Anziehungskräfte ausüben.

Ist das nicht DIE amerikanische Landschaft???

Seitdem den Bergen auch eine wie auch immer geartete energetische Eigenschaft zugeschrieben wird, finden sich hier mehr und mehr Wunderheiler und deren Klienten ein. Das führt dazu, dass im Visitors Information Center ein ganzes Regal aufgebaut ist, in dem nur Werbeprospekte für "energetische Medizin" feilgeboten werden. Kein Wort davon nehme ich ernst. Mir reicht es, wenn ich mich an den wunderbaren Aussichten erfreuen kann, aber vielleicht fehlt mir auch die entsprechende Antenne für Erdstrahlen.
Mit diesen Eindrücken und weiteren etlichen Anhalten an den Fotografier-Parkplätzen habe ich mich dann auf den Rückweg nach Flagstaff gemacht, meinem Nachtquartier. Morgen gehts weiter Richtung Norden. Und was gibt es da???

Weil es so schön war, nochmal: Der Himmel Arizonas über den Red Rocks.

Keine Kommentare: